Mittwoch, 26. September 2018

Diskussion zur "unechten Einbahnstraße"

„Hier prallen Meinungen aufeinander“

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Meinugsaustausch im Domhof zur "unechten Einbahnstraße". Foto: Ladenburgblog.

Ladenburg, 26. Juli 2012. (red/sap) Knapp 90 BĂŒrgerinnen und BĂŒrger hatten sich gestern im Domhof eingefunden, um mit der Ladenburger Stadtverwaltung ĂŒber die „unechte Einbahnstraße“ zu diskutieren. Viele Argumente der Gegner und FĂŒrsprecher waren verstĂ€ndlich, eine Lösung sollte und konnte nicht gefunden werden.

Von Sabine Prothmann

Die Verkehrssituation in der Ladenburger Altstadt ist ein hochbrisantes kommunalpolitisches Dauerthema, sagte gestern BĂŒrgermeister Rainer Ziegler bei der BĂŒrgeranhörung zu der „Unechten Einbahnstraße“.

Die Ladenburger Verwaltung habe die GemeinderĂ€te, die Mitglieder des BdS, des Tourismus- und Gastrovereins, die Anwohner der Altsstadt sowie interessierte BĂŒrger eingeladen, um deren Meinungen kennen zu lernen:

Hier prallen Meinungen aufeinander.

Am 25. Mai 2011 hatte der Ladenburger Gememeinderat den Beschluss gefasst, fĂŒr ein Jahr auf Probe in der Altstadt das Sytem einer „unechten Einbahnstraße“ einzufĂŒhren.

Das Jahr ist jetzt vorbei und nun sollen die BĂŒrger ĂŒber ihre Erfahrungen berichten. „Wir wollen offen sein“, sagte der BĂŒrgermeister. Das „FĂŒr und Wider“ soll dargestellt und eine Bilanz soll jetzt gezogen werden, wobei, wie Ziegler einrĂ€umte:

Jeder zieht seine eigene, sujektive Bilanz, und das ist nicht wertend zu verstehen.

Objektiv wurden VerkehrszĂ€hlungen und -erhebungen durchgefĂŒhrt.

Ein Jahr auf Probe: Die „unechte Einbahnstraße“

Die permanente „unechte Einbahnstraße“ – ein Unwort, wie der BĂŒrgermeister betonte – regelt den Verkehr in der Hauptstraße und in der Kirchenstraße.

Es gibt ein Einfahrtsverbot in alle Straßen der Altstadt von Samstag 14:00 Uhr bis Montag 7:00 Uhr sowie an Feiertagen, mit Ausnahme der Anlieger.

Zudem gibt es ein Einfahrtsverbot und ein „Anlieger frei“ von der Kirchenstraße in die Neugasse sowie ein Einfahrtshindernis in Form von Pollern am Neckartorplatz und am Schrießheimer Tor.

„Unecht“ sei die Einbahnstraße, da man an manchen Stellen auch in die Gegenrichtung fahren kann, denn anders sei es fĂŒr viele Anwohner der Altstadt nicht möglich in ihre Einfahrten zu kommen, erklĂ€rte Ziegler. An drei Stellen gibt es in der Altstadt Einfahrtsverbote und ansonsten „muss man nur den Verkehrsschildern folgen“.

Eine VerkehrszÀhlung im Mai diesen Jahres hat ergeben, dass an mehren Stellen der Altstadt, am Alten (1995: 1900 KFZ / 2012: 780) und am Neuen Rathaus (1995: 2600 KFZ / 2012: 1467) und an der TrÀnke, der Verkehr deultich abgenommen habe, nur am Kirchenvorplatz (1995: 800 / 2011: 396 / 2012: 552) habe der Verkehr wieder sehr deutlich, und zwar um 37 Prozent innerhalb eines Jahres, zugenommen.

Falschfahrer gab es am Tag der Verkehrserhebung 2012 in der Altstadt 6 bis 8 und in die Neugasse seien 148 KFZ eingefahren, wobei nicht erhoben wurde, ob es sich dabei um Anlieger oder Fahrer, die eine AbkĂŒrzung genommen haben, handelte.

Es wurde festgestellt, dass viele Fahrzeuge aus der Altstadt raus ĂŒber die Kirchstraße und dann ĂŒber die Heidelberger Straße in die Trajanstraße fahren.

Insgesamt, so Ziegler, sind es alles keine dramatischen Zahlen und das Konfliktpotential sei geringer geworden.

„Unser Ziel“, sagte der BĂŒrgermeister, “ ist eine lebendige Altstadt, eine floriende GeschĂ€ftswelt und weniger Verkehrsbelastung.“ Und eröffnete damit die Diskussion.

„Bei mir ging’s leicht zurĂŒck vom Umsatz“, sagte ein GeschĂ€ftsmann aus der Altstadt. Ob das an der „unechten Einbahnstraße“ liege, sei nicht klar.

Es gibt Regeln, aber keine Strafen?

„Die Verbote mĂŒssen kontrolliert werden“, sagte ein Einwohner und bemĂ€ngelte die fehlende Kontrolle der Verkehrsteilnehmer in der Altstadt durch die Polizei.

„Das muss bestraft werden“, forderte ein Ladenburger.

„Die Regeln sind da, man muss sie nur erwischen“, sagte Ziegler. „Die Ahndung ist ein Problem, aber wir mĂŒssen reagieren auf das Fehlverhalten der Menschen“, bestĂ€tigte der BĂŒrgermeister.

Ein RadargerĂ€t in der Altstadt auf zu stellen, sei fast unmöglich, dafĂŒr benötige man eine gerade Strecke von rund 100 Metern, damit bleibe nur die Laserpistole und die sei wiederum personalintensiv.

Es sind eher AnlĂŒger als Anlieger in der Neugasse,

beschwerte sich eine Ladenburgerin.Verkehr und Geschwindigkeit in der Kirchenstraße hĂ€tten eindeutig zugenommen,  kritisierte ein Altstadtbewohner. Der innere Ring solle komplett fĂŒr den Verkehr gesperrt werden, schlug er vor und erntete dafĂŒr Applaus. Viele kĂŒrzten ĂŒber die Altstadt ab, fuhren in die Kirchenstraße rein und ĂŒber die Heidelberger Straße wieder raus.

Ein weiterer Anwohner der Kirchenstraße gab ihm da Recht: „Die „Unechte Einbahnstraße“ „hat uns nur zusĂ€tzliche Belastungen gebracht, das ist kein Zustand, den man lassen kann“. Er hoffe, dass diese Regelung wieder zurĂŒckgenommen werde.

Aber auch die BefĂŒrworter der „Unechten Einbahnstraße“ kamen zu Wort. Eine Ladenburgerin, die zwar nicht in der Altstadt wohnt, hier aber fast tĂ€glich zu Fuß unterwegs ist, sprach davon, dass sich der Verkehr vor allem am Marktplatz deutlich entkrampft habe und durch den Wegfall des Gegenverkehrs „kann ich jetzt wenigstens in die LĂŒcken springen, wenn ein Auto kommt“.

Eine Bewohnerin der Neugasse stellte fest, dass sowohl der RĂŒckstau als auch die Kreuzungsprobleme durch die Einbahnstraßenregelung behoben seien, insgesamt sei der Verkehr flĂŒssiger geworden.

Dies bestĂ€tigte auch ein anderer Altstadtbewohner, der Verkehr sei entkrampft und nicht so abgebremst: „Ich bin ein Verfechter der FußgĂ€ngerzone, der Verkehr sollte raus“. Aber immerhin sei die Situation schon besser geworden und jeder Verkehr, der wegfalle, sei auch schon was.

„Dann haben wir eine ganz ruhige Stadt“

„Ich habe auch gerne Ruhe, aber unsere Existenz steht auf dem Spiel“, sagte ein Ladenbesitzer:

Ein Laden nach dem anderen macht zu, dann haben wir eine ganz ruhige Stadt.

Die Leute wollten gerne eine FußgĂ€ngerzone, aber sie kommen dann nicht in die Stadt zum Einkaufen.

„Ich möchte eine lebendige Altstadt, einen blĂŒhenden Einzelhandel und eine vertrĂ€gliche Verkehrssituation – wo ist die genau richtige Lösung?“, fragte BĂŒrgermeister Ziegler.

Gutachten hĂ€tten festgestellt, dass FußgĂ€ngerzone bei einer GrĂ¶ĂŸe wie Ladenburg nicht funktionieren, erklĂ€rte Ziegler:

Ich habe Angst, diesen radikalen Schritt zu gehen – und dann haben wir keinen Einzelhandel mehr.

Kritisiert wurde auch die Parksituation in der Altstadt, die ParkplĂ€tze mit Kurzparkzone seien Maßnahmen fĂŒr die GeschĂ€ftsleute gewesen. FĂŒr die Anwohner fehle es vor allem abends und an Wochenenden an ParkplĂ€tzen.

Ziegler appellierte an die Altstadtbewohner, ihre Garagen und den Parkraum auf ihren GrundstĂŒcken zu nutzen.

Aus der BĂŒrgerschaft kam der Wunsch nach einem autofreien Samstag und auch der Vorschlag, die Einfahrt am Wochenende nicht fĂŒr Anlieger, sondern nur fĂŒr Anwohner zu erlauben.

Bei seiner nĂ€chsten Sitzung im September wird sich der Ladenburger Gemeinderat sicher nicht leicht tun, fĂŒr alle Ladenburger BĂŒrger eine gute Lösung zu finden. Wenn es die ĂŒberhaupt gibt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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