Montag, 23. Oktober 2017

Diskussion zur "unechten Einbahnstra├če"

„Hier prallen Meinungen aufeinander“

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Meinugsaustausch im Domhof zur "unechten Einbahnstra├če". Foto: Ladenburgblog.

Ladenburg, 26. Juli 2012. (red/sap) Knapp 90 B├╝rgerinnen und B├╝rger hatten sich gestern im Domhof eingefunden, um mit der Ladenburger Stadtverwaltung ├╝ber die „unechte Einbahnstra├če“ zu diskutieren. Viele Argumente der Gegner und F├╝rsprecher waren verst├Ąndlich, eine L├Âsung sollte und konnte nicht gefunden werden.

Von Sabine Prothmann

Die Verkehrssituation in der Ladenburger Altstadt ist ein hochbrisantes kommunalpolitisches Dauerthema, sagte gestern B├╝rgermeister Rainer Ziegler bei der B├╝rgeranh├Ârung zu der „Unechten Einbahnstra├če“.

Die Ladenburger Verwaltung habe die Gemeinder├Ąte, die Mitglieder des BdS, des Tourismus- und Gastrovereins, die Anwohner der Altsstadt sowie interessierte B├╝rger eingeladen, um deren Meinungen kennen zu lernen:

Hier prallen Meinungen aufeinander.

Am 25. Mai 2011 hatte der Ladenburger Gememeinderat den Beschluss gefasst, f├╝r ein Jahr auf Probe in der Altstadt das Sytem einer „unechten Einbahnstra├če“ einzuf├╝hren.

Das Jahr ist jetzt vorbei und nun sollen die B├╝rger ├╝ber ihre Erfahrungen berichten. „Wir wollen offen sein“, sagte der B├╝rgermeister. Das „F├╝r und Wider“ soll dargestellt und eine Bilanz soll jetzt gezogen werden, wobei, wie Ziegler einr├Ąumte:

Jeder zieht seine eigene, sujektive Bilanz, und das ist nicht wertend zu verstehen.

Objektiv wurden Verkehrsz├Ąhlungen und -erhebungen durchgef├╝hrt.

Ein Jahr auf Probe: Die „unechte Einbahnstra├če“

Die permanente „unechte Einbahnstra├če“ – ein Unwort, wie der B├╝rgermeister betonte – regelt den Verkehr in der Hauptstra├če und in der Kirchenstra├če.

Es gibt ein Einfahrtsverbot in alle Stra├čen der Altstadt von Samstag 14:00 Uhr bis Montag 7:00 Uhr sowie an Feiertagen, mit Ausnahme der Anlieger.

Zudem gibt es ein Einfahrtsverbot und ein „Anlieger frei“ von der Kirchenstra├če in die Neugasse sowie ein Einfahrtshindernis in Form von Pollern am Neckartorplatz und am Schrie├čheimer Tor.

„Unecht“ sei die Einbahnstra├če, da man an manchen Stellen auch in die Gegenrichtung fahren kann, denn anders sei es f├╝r viele Anwohner der Altstadt nicht m├Âglich in ihre Einfahrten zu kommen, erkl├Ąrte Ziegler. An drei Stellen gibt es in der Altstadt Einfahrtsverbote und ansonsten „muss man nur den Verkehrsschildern folgen“.

Eine Verkehrsz├Ąhlung im Mai diesen Jahres hat ergeben, dass an mehren Stellen der Altstadt, am Alten (1995: 1900 KFZ / 2012: 780) und am Neuen Rathaus (1995: 2600 KFZ / 2012: 1467) und an der Tr├Ąnke, der Verkehr deultich abgenommen habe, nur am Kirchenvorplatz (1995: 800 / 2011: 396 / 2012: 552) habe der Verkehr wieder sehr deutlich, und zwar um 37 Prozent innerhalb eines Jahres, zugenommen.

Falschfahrer gab es am Tag der Verkehrserhebung 2012 in der Altstadt 6 bis 8 und in die Neugasse seien 148 KFZ eingefahren, wobei nicht erhoben wurde, ob es sich dabei um Anlieger oder Fahrer, die eine Abk├╝rzung genommen haben, handelte.

Es wurde festgestellt, dass viele Fahrzeuge aus der Altstadt raus ├╝ber die Kirchstra├če und dann ├╝ber die Heidelberger Stra├če in die Trajanstra├če fahren.

Insgesamt, so Ziegler, sind es alles keine dramatischen Zahlen und das Konfliktpotential sei geringer geworden.

„Unser Ziel“, sagte der B├╝rgermeister, “ ist eine lebendige Altstadt, eine floriende Gesch├Ąftswelt und weniger Verkehrsbelastung.“ Und er├Âffnete damit die Diskussion.

„Bei mir ging’s leicht zur├╝ck vom Umsatz“, sagte ein Gesch├Ąftsmann aus der Altstadt. Ob das an der „unechten Einbahnstra├če“ liege, sei nicht klar.

Es gibt Regeln, aber keine Strafen?

„Die Verbote m├╝ssen kontrolliert werden“, sagte ein Einwohner und bem├Ąngelte die fehlende Kontrolle der Verkehrsteilnehmer in der Altstadt durch die Polizei.

„Das muss bestraft werden“, forderte ein Ladenburger.

„Die Regeln sind da, man muss sie nur erwischen“, sagte Ziegler. „Die Ahndung ist ein Problem, aber wir m├╝ssen reagieren auf das Fehlverhalten der Menschen“, best├Ątigte der B├╝rgermeister.

Ein Radarger├Ąt in der Altstadt auf zu stellen, sei fast unm├Âglich, daf├╝r ben├Âtige man eine gerade Strecke von rund 100 Metern, damit bleibe nur die Laserpistole und die sei wiederum personalintensiv.

Es sind eher Anl├╝ger als Anlieger in der Neugasse,

beschwerte sich eine Ladenburgerin.Verkehr und Geschwindigkeit in der Kirchenstra├če h├Ątten eindeutig zugenommen,┬á kritisierte ein Altstadtbewohner. Der innere Ring solle komplett f├╝r den Verkehr gesperrt werden, schlug er vor und erntete daf├╝r Applaus. Viele k├╝rzten ├╝ber die Altstadt ab, fuhren in die Kirchenstra├če rein und ├╝ber die Heidelberger Stra├če wieder raus.

Ein weiterer Anwohner der Kirchenstra├če gab ihm da Recht: „Die „Unechte Einbahnstra├če“ „hat uns nur zus├Ątzliche Belastungen gebracht, das ist kein Zustand, den man lassen kann“. Er hoffe, dass diese Regelung wieder zur├╝ckgenommen werde.

Aber auch die Bef├╝rworter der „Unechten Einbahnstra├če“ kamen zu Wort. Eine Ladenburgerin, die zwar nicht in der Altstadt wohnt, hier aber fast t├Ąglich zu Fu├č unterwegs ist, sprach davon, dass sich der Verkehr vor allem am Marktplatz deutlich entkrampft habe und durch den Wegfall des Gegenverkehrs „kann ich jetzt wenigstens in die L├╝cken springen, wenn ein Auto kommt“.

Eine Bewohnerin der Neugasse stellte fest, dass sowohl der R├╝ckstau als auch die Kreuzungsprobleme durch die Einbahnstra├čenregelung behoben seien, insgesamt sei der Verkehr fl├╝ssiger geworden.

Dies best├Ątigte auch ein anderer Altstadtbewohner, der Verkehr sei entkrampft und nicht so abgebremst: „Ich bin ein Verfechter der Fu├čg├Ąngerzone, der Verkehr sollte raus“. Aber immerhin sei die Situation schon besser geworden und jeder Verkehr, der wegfalle, sei auch schon was.

„Dann haben wir eine ganz ruhige Stadt“

„Ich habe auch gerne Ruhe, aber unsere Existenz steht auf dem Spiel“, sagte ein Ladenbesitzer:

Ein Laden nach dem anderen macht zu, dann haben wir eine ganz ruhige Stadt.

Die Leute wollten gerne eine Fu├čg├Ąngerzone, aber sie kommen dann nicht in die Stadt zum Einkaufen.

„Ich m├Âchte eine lebendige Altstadt, einen bl├╝henden Einzelhandel und eine vertr├Ągliche Verkehrssituation – wo ist die genau richtige L├Âsung?“, fragte B├╝rgermeister Ziegler.

Gutachten h├Ątten festgestellt, dass Fu├čg├Ąngerzone bei einer Gr├Â├če wie Ladenburg nicht funktionieren, erkl├Ąrte Ziegler:

Ich habe Angst, diesen radikalen Schritt zu gehen – und dann haben wir keinen Einzelhandel mehr.

Kritisiert wurde auch die Parksituation in der Altstadt, die Parkpl├Ątze mit Kurzparkzone seien Ma├čnahmen f├╝r die Gesch├Ąftsleute gewesen. F├╝r die Anwohner fehle es vor allem abends und an Wochenenden an Parkpl├Ątzen.

Ziegler appellierte an die Altstadtbewohner, ihre Garagen und den Parkraum auf ihren Grundst├╝cken zu nutzen.

Aus der B├╝rgerschaft kam der Wunsch nach einem autofreien Samstag und auch der Vorschlag, die Einfahrt am Wochenende nicht f├╝r Anlieger, sondern nur f├╝r Anwohner zu erlauben.

Bei seiner n├Ąchsten Sitzung im September wird sich der Ladenburger Gemeinderat sicher nicht leicht tun, f├╝r alle Ladenburger B├╝rger eine gute L├Âsung zu finden. Wenn es die ├╝berhaupt gibt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

├ťber sabine
  • Dr. Gitta Reuner

    War interessant zu h├Âren, wie selbstverst├Ąndlich Regeln dazu da sind, missachtet zu werden. Besonders irritierend fand ich die Argumentation hinsichtlich der eingeschr├Ąnkten ├ťberwachungsm├Âglichkeiten: Was ist Personal-intensiver? Zwei Stunden Streife laufen/fahren oder 2 Stunden mit der Laser-Pistole auf einer Bank sitzen und den Verkehr kontrollieren? Wir sind bereit f├╝r eine Spendenaktion f├╝r die Kosten einer solchen Laser-Pistole – falls dies einer gezielten Verkehrs├╝berwachung dienlich sein k├Ânnte.

    Nach wie vor unverst├Ąndlich blieb mir jedoch, wie die „Verfl├╝ssigung des Verkehrs“ durch die falsche Einbahnstra├če zu einer Belebung des Einzelhandels beitragen k├Ânnte, ohne dass sich an der Parksituation etwas ├Ąndert.

  • Verkehrsteilnehmer

    Eine Laserpistole ist in Ladenburg bereits vorhanden. Diese gelangt jedoch ab und an in der Bahnhofstra├če in H├Âhe der Volksbank Kurpfalz zum Einsatz und „├╝berwacht“ den Verkehr, der aus Richtung Ilvesheim kommt.