Sonntag, 19. November 2017

Gabi: „Warum ich mittelbraun genommen habe.“

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Guten Tag!

Ladenburg, 26. April 2010. Haare sind nicht erst seit „Hair“ ein Thema. Haare sind wichtiger als manches andere, meint Gabi. Zumindest, wenn man bedenkt, wie oft Frauen ĂĽber Haare reden.

Erinnern Sie sich noch daran, wie es war als Sie Ihr erstes graues Haar entdeckt haben? Ich weiß es noch genau, ich war fassungslos. Das ist jetzt schon ein paar Jahre her und lange passierte gar nichts. Hier und da ein graues Haar, das ich mit der Pinzette herauszog, während viele Freundinnen schon tönten oder färbten.

Doch irgendwann hatte ich das Gefühl, wenn ich so weiter mache, sieht man zwar kein graues Haar, aber dafür werde ich kahl. Meine Friseurin meinte, das kriegen wir mit Strähnchen hin, denn dann fallen die ersten grauen Haare nicht mehr auf.

Die erste Tönung.

Vor ein paar Wochen war es nun so weit, ich entschloss mich zur ersten Tönung. Doch im Vorfeld wollte ich mich bei meinen Freundinnen erkundigen.

„Also, mit einer Tönung krieg-€™ ich das schon lange nicht mehr hin, ich muss colorieren“, sagte meine Freundin. „Das Wichtigste ist, dass du den richtigen Farbton erwischst“, sagte sie fachkundig. Ich merke, die Grundfrage heißt: „Tönst du noch oder färbst du schon?“

Eine Bekannte riet mir zu dreifarbigen Strähnen, „da fällt garantiert kein graues Haar mehr auf“, sagte sie verschwörerisch. Aber irgendwie fand ich, war sie ziemlich bunt auf ihrem Kopf.

„Sieht aber gut aus.“

Eine andere Freundin war plötzlich dunkelbraun. „Eigentlich wollte ich hellbraun, aber ich hab-€™ wohl den falschen Farbton genommen“, meinte sie. „Sieht aber gut aus“, beruhigte ich sie.

Und wie ist das beim männlichen Geschlecht?, fragte ich mich. Mutieren alle Männer mit grauen Schläfen zu George Clooney, denn der ist fraglos sexy und zwar noch mehr seit sich graue Strähnen durch sein Haupthaar ziehen.

Ein Bekannter schwört auf Re-Colour. Das soll angeblich den Haaren wieder den natürlichen Farbton zurückgeben. Aber ehrlich, an den Schläfen ist er jetzt rötlich, am Haaransatz hellbraun und am Nacken fast schwarz. Sexy geht eindeutig anders.

Colorierte Schnurrbärte.

„Ich stehe zu meinen grauen Haaren“, sagte ein guter Freund. Das mag schon sein, dachte ich, aber was ich überhaupt nicht verstehe, warum er auf dem Kopf fast völlig grau ist, während man in seinem Schnurrbart nur dunkelbraune Haare findet.

Eindeutig gefärbt, davon bin ich überzeugt. Aber, und das ist typisch für das männliche Geschlecht, man gibt nicht so gerne zu, wenn man der Natur etwas nachhilft.

Eine Verwandte von mir hat bzw. hatte nahezu schwarze Haare. Schon seit Jahren hat sie graue Haare und muss färben. Dummerweise ist der Ansatz am Scheitel dunkellila. Auch nicht wirklich gelungen.

Meine eine Großmutter kannte ich nur mit weißen Haaren. Sie war früh grau, weiß meine Mutter zu berichten. Die andere Großmutter hat immer nur blondiert und darauf bestanden, dass sie nur aufhellt und keinesfalls färbt. Auch eine Variante.

Mit „mittelbraun“ konnte ich nichts falsch machen.

Nach vielen Gesprächen und dem Abwägen des Für und Wider habe ich mir im Drogeriemarkt meine erste Tönung ausgesucht. Mittelbraun, damit konnte ich nichts falsch machen. Jetzt wollen Sie das Resultat wissen.

Die Farbe war schön, weder zu dunkel noch zu hell, aber leider waren auch die grauen Haare noch da. „Das hätte ich dir gleich sagen können“, sagte meine fachkundige Freundin. „Da musst du schon eine Intensivtönung nehmen für die perfekte Grauabdeckung“, sagte sie.

Also stand ich schon bald darauf wieder vorm Regal des Drogeriemarktes und suchte im Bereich Intensivtönung nach meiner Farbe. Wieder Mittelbraun.

Und diesmal war ich zufrieden, denn siehe da, die grauen Haare waren verschwunden, zumindest für 24 Haarwäschen, denn solange sollte laut Packungsbeilage die Tönung halten.

Ich war glücklich, immerhin hatte ich einen Kampf gegen das Alter, zumindest äußerlich, gewonnen.

„Mama, darf ich mir nicht ein paar blonde Strähnen machen lassen, das machen auch viele Freundinnen?“, fragte mich dieser Tage meine pubertierende Tochter. „Aber Kind, dafür hast du doch noch Zeit“, antwortete ich.

Aber ich glaube sie hat mich nicht wirklich verstanden.

Ăśber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.