Donnerstag, 20. September 2018

Mariettas Kolumne: Die schleichende Verführung – voll erwischt!

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Guten Tag!

Rhein-Neckar, 26. September 2011. (red) Unsere Kolumnistin Marietta Herzberger hat in den Wochen vor den Sommerferien unsere Leser an ihrem Selbstversuch teilhaben lassen, mit dem Rauchen aufzuhören. Gespannt haben unsere Leser die einzelnen Tage und Schritte verfolgt. Dann ist sie in Urlaub gefahren. Jetzt wollen wir natürlich wissen, wie ging es weiter?

Von Marietta Herzberger

Voll erwischt?

„In meinem letzten Nichtraucherbericht konnten Sie folgendes lesen: Im August werde ich in Urlaub gehen.. Es wird seit sehr langer Zeit ein rauchfreier Urlaub werden. Darauf freue ich mich. Ich freue mich darauf, ganz entspannt am Flughafen auf den Flug zu warten. Ich werde nicht überlegen müssen, wo ich im Flughafen rauchen kann. Nicht panisch werden müssen, weil ich im Flieger keine rauchen kann. Ich werde die Reise einfach genießen können. Darauf freue ich mich. Ich werde ab Mitte September wieder berichten. Schonungslos ehrlich.

Versprochen ist versprochen. Tatsache ist, dass ich am Flughafen wirklich sehr entspannt war und mich auf einen rauchfreien Urlaub freute. Tatsache ist auch, dass ich vor dem Urlaub täglich zwischen einer und fünf Zigaretten rauchte. Warum? Weil ich schwach bin? Weil alle anderen es „sowieso gewusst“ hatten? Ja und Nein. Weil ich in meine eigene Falle gelatscht bin. Wahrscheinlich fühlte ich mich erhaben und geschützt, weil ich selbst so gut erkannte, warum das aufhören so schwierig sein kann. Weil ich meinte, genau zu wissen, wie Zoppo tickt und weil ich mir einbildete, ihn austricksen zu können. Unterschätze niemals deine Widersacher! Also hat Zoppo mich eiskalt und schleichend erwischt.

Die Nicorette führte ich mit mir. Genauso wie das Paket guter Vorsätze und der Sicherheit, dass ich es im Urlaub endgültig schaffen würde. Dort würden mich keine gewohnten Rauchplätze verführen. Alles fremd und nicht mit alten Gewohnheiten belastet würde ich schaffen.

Fehlanzeige. Von der Nicorette wurde mir schlecht und ich lechzte geradezu nach dem verdammten Rauch.

Ich fasse mich kurz: Priorität Eins im Urlaub war Entspannung, Sport und Genuss. Am Anfang des Urlaubes waren es ein bis zwei Zigaretten täglich. Dann kamen die Abende mit netten, witzigen Menschen, guter Musik, einigen Cocktails. Das alles untermalt von einschmeichelnder Wärme, rauschenden Palmen und der Gewissheit: Nur noch heute Abend. Aber dann! Nach einigen Tagen habe ich damit aufgehört, mir ein „Nur noch heute Abend“ vorzulügen und den Rest des Urlaubes keinen Gedanken mehr daran verschwendet.

Stand Heute: Ich rauche nun bis zu 10 Zigaretten am Tag, wobei ich mich bei jeder einzelnen ärgere.

Ja, alle Miesmacher und Bedenkenträger werden nun höhnisch spötteln, weil sie Recht hatten. Stimmt! Aber nur zum Teil. Ab sofort gilt: Der Weg ist das Ziel. Jedoch nur so lange, bis ich angekommen bin. Die Nicorette und die Pflaster liegen griffbereit. Mein Ziel ist nun, bis Weihnachten endgültig vom Nikotin loszukommen.

Ich mache dort weiter, wo ich vor dem „Rauch-Ausrutscher“ war. Beim nicht Rauchen.“

In diesem Sinne

Eure
Marietta

Anmerkung der Redaktion:
Marietta Herzberger hat uns eine zeitlang begleitet – mit tollen Geschichten, die das Leben schreibt. Manchmal mitten aus dem Leben, manchmal glatt erfunden. Für den Lesespaß möchten wir uns ganz ausdrücklich bei Marietta bedanken. Marietta verlässt uns, weil sie andere Pläne hat. Dafür alles Gute. Ihre Kolumnen bleiben online: Sie finden sie in der rechten Spalte unter Kategorien.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.