Sonntag, 23. September 2018

Auch Anlieger dürfen weiterhin am Wochenende in die Altstadt fahren

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Ladenburg, 26. Mai 2011. (red) Gestern wurden im Ladenburger Gemeinderat endlich Entscheidungen getroffen, um die Verkehrsberuhigung in der Ladenburger Altstadt voran zu bringen. Vorangegangen waren ein Gemeinderatsbeschluss vom 2. März 2011 und eine weitere Sitzung mit öffentlicher Diskussion am 16. Mai 2011 (wir berichteten), auf der verschiedene Modelle zur Verkehrsberuhigung vorgestellt wurden.

Von Sabine Prothmann

Die Zustimmung des Ladenburger Gemeinderats zur „Unechten Einbahnstraße“ und zur Absperrung der Altstadt für den Durchgangsverkehr – Anlieger frei – von Samstag 14 Uhr bis Montag 7 Uhr war der kleinste gemeinsame Nenner. Aber ein erster Schritt, wie Bürgermeister und einige Stadträte betonten.

Rainer Ziegler bedankte sich bei den Ratsmitgliedern für die „zielführende Diskussion“ und war sichtlich erleichtert, dass man bei diesem „Dauerkonflikt“ eine erste Lösung gefunden hatte.

„Eine gefummelte Lösung“?

In der Diskussion erklärte Professor Dr. Rainer Beedgen (CDU), ein Konzept für den ruhenden Verkehr sei für ihn das „A und O“: „Wir können den Verkehr nicht wegbeamen, wo wollen wir konzeptionell hin?“, sei die Frage, alles andere bleibe für ihn „eine gefummelte Lösung“.

Die Parkplatzsituation bezeichnete Bürgermeister Rainer Ziegler als wichtiges begleitendes Thema, was aber erst in einer zweiten Stufe aufgearbeitet werden müsse.

„Im Kernbereich haben wir 745 gezählte Parkplätze“, das sei im Vergleich zu anderen ähnlichen Städten sehr gut, so Ziegler.

„Wir wollen die Stadt nicht tot machen“, erklärte Dr. Peter Hilger (FW) im Hinblick auf das in den Anträgen von der FDP und SPD geforderte Einfahrverbot in die Altstadt am Wochenende.

Man sei sich in ihrer Fraktion nicht einig, meinte Ingrid Dreier (GLL). „Egal welche Entscheidung wir treffen“, dem einen seien die Einschränkungen zu weit, dem anderen nicht weit genug.

Seine Fraktion habe eine einheitliche Meinung, erklärte Wolfgang Luppe (FDP), die Einfahrt in die Altstadt solle mit Ausnahme der Anwohner am Wochenende gesperrt werden und verwies auf den von der FDP eingebrachten Antrag.

„Unechte Einbahnstraße“ – ein erster Schritt

Gerhard Kleinböck (SPD) machte den Vorschlag die „Unechte“ Einbahnstraßenregelung als ersten Schritt zu betrachten, weitergehende Maßnahmen müssten aber folgen.

Die Anträge sollten differenziert abgestimmt werden, beginnend mit dem kleinsten Schritt, schlug deshalb auch der Bürgermeister vor.

Während der Antrag der FDP den sogenannten „Karolingischen Ring“ (Kirchenstraße und Hauptstraße von der VHS bis zum Gasthaus „Krone“) als echte Einbahnstraße vorsah, plädierte der Antrag der SPD für eine „unechte Einbahnstraßenregelung“ in der Kirchenstraße.

Die Vorteile der „unechten Einbahnstraße“ überwiegen, betonte Bürgermeister Ziegler und verwies darauf, dass man in einige Garagen in der Altstadt nur aus einer Richtung einfahren könne.

„Wir entscheiden auf dem Rücken derer, die in der Altstadt ihr Geld verdienen“, gab Stadtrat Karl Meng (CDU) zu bedenken.

Nach einer fünfminütigen Sitzungsunterbrechung, in der sich der Bürgermeister mit den Fraktionsvorsitzenden besprochen hatte wurde die „unechte Einbahnstraße“ für den „Karolingischen Ring“ bei fünf Gegenstimmen beschlossen.

Der Antrag der FDP sah vor, dass das Parken im gesamten Altstadtbereich mit Ausnahme der Anwohner verboten sei. Hotelgäste könnten demnach zwar zum Gepäck aus- und beladen in die Altstadt einfahren, danach sollten die Autos aber außerhalb geparkt werden. Zudem sollte das Parken an Wochenenden auf dem Marktplatz verboten werden, erklärte Luppe.

„Wie bring‘ ich meine Oma in die Kirch‘?“

Da stelle sich ihm die Frage, „wie bring ich meine Oma in die Kirch-€™“, so Dr. Hilger. „Wir wollen am Wochenende keine Durchfahrer, aber Leute, die in friedlicher Absicht kommen.“

Auch Stadtrat Steffen Salinger (SPD) betonte, ein Einfahrtverbot, sei ein Eingriff für die Selbstständigen, beispielsweise Hoteliers. „Die Auswirkungen können wir nicht abschätzen.“

„Anlieger frei, tut nicht weh“, erklärte auch Bürgermeister Ziegler. Und klärte darüber auf, dass Anlieger ungleich Anwohner seien, dies bedeute, möchte man in der Altstadt die Kirche oder ein Restaurant aufsuchen, habe man ein Anliegen und könne in die Altstadt einfahren. Dr. Beedgen bezeichnete „Anlieger frei“ als wenig effizient.

Bei vier Gegenstimmen wurde die „Hilgersche Lösung“ – Einfahrtsverbot für alle Straßen der Altstadt – Anlieger frei – am Wochenende in der Zeit von Samstag, 14:00 Uhr, bis Montag, 07.00 Uhr sowie an Feiertagen – angenommen.

Als nächste Stufe wurde der vom Bürgermeister bevorzugte Antrag, Einfahrt nur für Anwohner und sonstige Berechtigte, zur Abstimmung gebracht, und wurde mit 14 Stimmen dagegen, 7 Stimmen dafür und einer Enthaltung abgelehnt.

Auftrag an die Verwaltung: Parkkonzept

Auf Anregung von Dr. Beedgen mit Unterstützung von Gerhard Kleinböck (SPD) wurde der Arbeitsauftrag an die Verwaltung gegeben, ein Parkkonzept zu entwerfen.

Einig waren sich die Ratsmitglieder, dass die Verkehrssituation in einem Jahr evaluiert werden sollte.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.