Freitag, 22. Februar 2019

Atelier 47: Zu schade, wenn es zu „intim“ bleibt

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Guten Tag!

Ladenburg, 26. Mai 2011. (red) Gestern hat der Mannheimer Morgen ĂŒber ein Konzert in Ladenburg berichtet: „Intime AtmosphĂ€re inspiriert„. Das machen Zeitungen und andere Medien so – sie berichten ĂŒber dies und das. Leider war uns ein Bericht zu „dies und das“ nicht möglich, denn wir unterliegen einem Bann. Das Ladenburgblog hat „Hausverbot“ im Atelier 47. Wieso, weshalb, warum? Die GrĂŒnde sind nicht genau bekannt. Oder doch?

Von Hardy Prothmann

Am 06. Oktober 2010 haben wir zum ersten Mal ĂŒber das Atelier 47 berichtet (Berichte siehe am Schluss des Artikels unter „Diese Artikel könnten Sie auch interessieren“). Mit viel Wohlwollen. Ein KĂŒnstleratelier am Marktplatz von Ladenburg. Siegmund Eibel – ein Maler, „Phil Leicht“ – ein Foto-Impressionist . Beide zusammen wollen „Zimmer-Konzerte“ veranstalten. Das kennt man sonst in Deutschland nur aus Hamburg oder Berlin.

Einmal im Monat soll es ein „großes Konzert“ vor „kleinem Publikum“ geben. Keine Massenveranstaltung zu ĂŒberhöhten Preisen also. Sondern eine bewusst verknappte Öffentlichkeit, eine „intime“ AtmosphĂ€re. Besondere Veranstaltungen eben, wie man sie nicht immer erlebt. Auch Lesungen sollen geboten werden. Soweit uns bekannt, gab es bislang nur eine einzige, ĂŒber die wir nicht berichtet haben.

Warum? Weil eine Hamburger KĂŒnstlerin zu viel kurpfĂ€lzische Sonne bei zuviel pfĂ€lzer Wein abbekommen hatte. Ein Bericht ĂŒber die misslungene Lesung hĂ€tte nur „negativ“ ausfallen können. Wir haben Milde walten lassen, weil wir die Idee nicht beschĂ€digen wollten (was wir nach wie vor nicht wollen).

Wir haben die ersten Konzerte mit viel Wohlwollen begleitet. Gut 30 Personen finden Platz bei diesen Konzerten – wenn man eng steht, könnten es auch 40 sein. Leider kamen fast nie mehr als ein Dutzend GĂ€ste und hĂ€ufig dieselben. Wieso es dem Veranstalter nicht gelingt, den Raum voll zu bekommen, ist ein RĂ€tsel. Die AtmosphĂ€re hat was, die KĂŒnstler sind klasse.

Aktuell berichtet der MM von „20 GĂ€sten“ – bei Zahlenangaben dieser Zeitung sind wir immer sehr vorsichtig, denn meistens stimmen sie nicht. Sind mal hoch-, mal runtergerechnet. Die Rechnung kann so und so gehen: Nur GĂ€ste. Oder auch plus Veranstalter, plus Darsteller, plus Familienangehörige. Wir gehen von unserer Erfahrung aus und wir haben bei Zahlenangaben immer „freundlich“ gerechnet – aus der Überzeugung heraus, dass man kleinen Projekten gerne Raum geben darf. Also anwesende Personen minus der Atelier-KĂŒnstler und der auftretenden KĂŒnstler.

Die GĂ€ste können eine exklusive Vorstellung von tollen KĂŒnstlern genießen, fĂŒr einen wahrhaft guten Preis von 14 Euro. Man sitzt zwar auf BiertischbĂ€nken, aber egal ob ganz vorne oder ganz „hinten“, man ist wirklich in der ersten Reihe.

Ganz besonders hat mich persönlich gefreut, die Veranstaltung mit dem Ditzner-Lömsch-Duo zu besuchen. Erwin Ditzner hat schließlich 2009 zusammen mit Laurent LeRoi und einem Bassisten mein Hochzeitsfest ganz hervorragend musikalisch begleitet – davon schwĂ€rmen noch heute alle HochzeitsgĂ€ste. Abgesehen davon kenne ich den herausragenden Schlagzeuger schon seit gut 20 Jahren und seine immerglĂŒhende Leidenschaft und sein Humor sind außergewöhnlich.

Anfang Januar haben wir den KĂŒnstler Siegmund Eibel portrĂ€tiert – danach war es vorbei mit dem guten VerhĂ€ltnis zum „Atelier 47“. Nicht zu Siegmund Eibel – aber zu Herrn „Phil Leicht“ – der im echten Leben Schmitt heißt.

Vielleicht oder sogar sehr wahrscheinlich hat Herr Schmitt uns das „persönlich“ genommen, dass wir nicht „ihn“, sondern den eigentlichen Inhaber des Ateliers portrĂ€tiert haben. Vielleicht war das der Grund. Vielleicht war es ein anderer.

Ganz plötzlich war es vorbei mit dem guten Kontakt.

Ganz plötzlich hat sich auch der Mannheimer Morgen fĂŒr diese kleine Konzertreihe interessiert und berichtet „außer Konkurrenz“ – denn wir haben „Hausverbot“.

Herr Schmitt zeigt sich sehr glĂŒcklich, in der Zeitung erwĂ€hnt zu sein – obwohl er eigentlich ein „KĂŒnstler“ der Neuen Medien ist. Er experimentiert mit digitalen Fotos und verdient sein Geld in einem SteuerbĂŒro.

Sein Konzept ist charmant – in kĂŒnstlerischer Umgebung wird Musik geboten und nach den Konzerten soll es weiter mit „Impressionen“ gehen. Das Publikum ist danach zum Restaurantbesuch geladen. Seit Oktober allerdings schon in die dritte LokalitĂ€t – vielleicht wird das als FlexibilitĂ€t angepriesen, tatsĂ€chlich könnte es aber auch mit Kommunikationsproblemen zusammenhĂ€ngen.

Wie auch immer, was auch immer, warum auch immer. Die Konzertreihe im Atelier 47 ist eine klasse Idee.

Wir finden es sehr schade, per „Hausverbot“ ausgeladen zu sein und damit all unseren Leserinnen und Lesern keine unabhĂ€ngige Berichterstattung anbieten zu können.

Wir haben Herrn Schmitt darauf hingewiesen, dass sein selbstgewĂ€hlter Weg mindestens „steinig und hart“ sein kann. SelbstverstĂ€ndlich hat er als privater Veranstalter ein Hausrecht. Aber auch eine Pflicht gegenĂŒber den engagierten KĂŒnstlern, die sich sicher gerne einem Publikum prĂ€sentieren. Und einem unabhĂ€ngigen Journalismus.

Die Entscheidung von Herrn Schmitt, Öffentlichkeit per Hausrecht, also „Hausverbot“, aus vermutlich „persönlichen GrĂŒnden“ zu bannen, ist nicht nachvollziehbar – vor allem, wenn die KĂŒnstler mehr als eine „Kritik“ erhalten könnten. Und mehr als ein „abgesoffenes“ Bild ohne Aussage, einem dahingeschriebenen Text, an einem Tag, in einer Zeitungsausgabe.

Die AtmosphĂ€re ist klasse im Atelier 47 und sicher tritt hier kein KĂŒnstler auf, um Geld zu verdienen. Hier kann in „intimer AtmosphĂ€re“ geprobt werden, ausprobiert werden, versucht werden, der Kontakt zum Publikum gesucht werden. Das ist das Honorar fĂŒr die KĂŒnstler – plus Fotos, plus eine verstĂ€ndige Berichterstattung, plus eine Verbreitung von Text und Bild ĂŒber das Internet und Social Media – also Aufmerksamkeit.

Einer unserer Fotografen, wollte sehr, sehr gerne Thomas Siffling, einen Ausnahme-Trompeter, fotografieren. Ohne Auftrag von uns – weil der Fotograf aber fĂŒr uns tĂ€tig ist, unterliegt er der „Sippenhaft“, wie Herr Schmitt per email mitteilte. Auch er hat Hausverbot – seit er fĂŒr das Ladenburgblog tĂ€tig ist.

Herr Schmitt hat nicht nur vielleicht, sondern ganz klar entschieden, dass die KĂŒnstler, die im Atelier 47 auftreten, auf eine kritische Begleitung im Ladenburgblog verzichten mĂŒssen. Zu schade.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.