Sonntag, 23. September 2018

Atelier 47: Zu schade, wenn es zu „intim“ bleibt

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Guten Tag!

Ladenburg, 26. Mai 2011. (red) Gestern hat der Mannheimer Morgen √ľber ein Konzert in Ladenburg berichtet: „Intime Atmosph√§re inspiriert„. Das machen Zeitungen und andere Medien so – sie berichten √ľber dies und das. Leider war uns ein Bericht zu „dies und das“ nicht m√∂glich, denn wir unterliegen einem Bann. Das Ladenburgblog hat „Hausverbot“ im Atelier 47. Wieso, weshalb, warum? Die Gr√ľnde sind nicht genau bekannt. Oder doch?

Von Hardy Prothmann

Am 06. Oktober 2010 haben wir zum ersten Mal √ľber das Atelier 47 berichtet (Berichte siehe am Schluss des Artikels unter „Diese Artikel k√∂nnten Sie auch interessieren“). Mit viel Wohlwollen. Ein K√ľnstleratelier am Marktplatz von Ladenburg. Siegmund Eibel – ein Maler, „Phil Leicht“ – ein Foto-Impressionist . Beide zusammen wollen „Zimmer-Konzerte“ veranstalten. Das kennt man sonst in Deutschland nur aus Hamburg oder Berlin.

Einmal im Monat soll es ein „gro√ües Konzert“ vor „kleinem Publikum“ geben. Keine Massenveranstaltung zu √ľberh√∂hten Preisen also. Sondern eine bewusst verknappte √Ėffentlichkeit, eine „intime“ Atmosph√§re. Besondere Veranstaltungen eben, wie man sie nicht immer erlebt. Auch Lesungen sollen geboten werden. Soweit uns bekannt, gab es bislang nur eine einzige, √ľber die wir nicht berichtet haben.

Warum? Weil eine Hamburger K√ľnstlerin zu viel kurpf√§lzische Sonne bei zuviel pf√§lzer Wein abbekommen hatte. Ein Bericht √ľber die misslungene Lesung h√§tte nur „negativ“ ausfallen k√∂nnen. Wir haben Milde walten lassen, weil wir die Idee nicht besch√§digen wollten (was wir nach wie vor nicht wollen).

Wir haben die ersten Konzerte mit viel Wohlwollen begleitet. Gut 30 Personen finden Platz bei diesen Konzerten – wenn man eng steht, k√∂nnten es auch 40 sein. Leider kamen fast nie mehr als ein Dutzend G√§ste und h√§ufig dieselben. Wieso es dem Veranstalter nicht gelingt, den Raum voll zu bekommen, ist ein R√§tsel. Die Atmosph√§re hat was, die K√ľnstler sind klasse.

Aktuell berichtet der MM von „20 G√§sten“ – bei Zahlenangaben dieser Zeitung sind wir immer sehr vorsichtig, denn meistens stimmen sie nicht. Sind mal hoch-, mal runtergerechnet. Die Rechnung kann so und so gehen: Nur G√§ste. Oder auch plus Veranstalter, plus Darsteller, plus Familienangeh√∂rige. Wir gehen von unserer Erfahrung aus und wir haben bei Zahlenangaben immer „freundlich“ gerechnet – aus der √úberzeugung heraus, dass man kleinen Projekten gerne Raum geben darf. Also anwesende Personen minus der Atelier-K√ľnstler und der auftretenden K√ľnstler.

Die G√§ste k√∂nnen eine exklusive Vorstellung von tollen K√ľnstlern genie√üen, f√ľr einen wahrhaft guten Preis von 14 Euro. Man sitzt zwar auf Biertischb√§nken, aber egal ob ganz vorne oder ganz „hinten“, man ist wirklich in der ersten Reihe.

Ganz besonders hat mich pers√∂nlich gefreut, die Veranstaltung mit dem Ditzner-L√∂msch-Duo zu besuchen. Erwin Ditzner hat schlie√ülich 2009 zusammen mit Laurent LeRoi und einem Bassisten mein Hochzeitsfest ganz hervorragend musikalisch begleitet – davon schw√§rmen noch heute alle Hochzeitsg√§ste. Abgesehen davon kenne ich den herausragenden Schlagzeuger schon seit gut 20 Jahren und seine immergl√ľhende Leidenschaft und sein Humor sind au√üergew√∂hnlich.

Anfang Januar haben wir den K√ľnstler Siegmund Eibel portr√§tiert – danach war es vorbei mit dem guten Verh√§ltnis zum „Atelier 47“. Nicht zu Siegmund Eibel – aber zu Herrn „Phil Leicht“ – der im echten Leben Schmitt hei√üt.

Vielleicht oder sogar sehr wahrscheinlich hat Herr Schmitt uns das „pers√∂nlich“ genommen, dass wir nicht „ihn“, sondern den eigentlichen Inhaber des Ateliers portr√§tiert haben. Vielleicht war das der Grund. Vielleicht war es ein anderer.

Ganz plötzlich war es vorbei mit dem guten Kontakt.

Ganz pl√∂tzlich hat sich auch der Mannheimer Morgen f√ľr diese kleine Konzertreihe interessiert und berichtet „au√üer Konkurrenz“ – denn wir haben „Hausverbot“.

Herr Schmitt zeigt sich sehr gl√ľcklich, in der Zeitung erw√§hnt zu sein – obwohl er eigentlich ein „K√ľnstler“ der Neuen Medien ist. Er experimentiert mit digitalen Fotos und verdient sein Geld in einem Steuerb√ľro.

Sein Konzept ist charmant – in k√ľnstlerischer Umgebung wird Musik geboten und nach den Konzerten soll es weiter mit „Impressionen“ gehen. Das Publikum ist danach zum Restaurantbesuch geladen. Seit Oktober allerdings schon in die dritte Lokalit√§t – vielleicht wird das als Flexibilit√§t angepriesen, tats√§chlich k√∂nnte es aber auch mit Kommunikationsproblemen zusammenh√§ngen.

Wie auch immer, was auch immer, warum auch immer. Die Konzertreihe im Atelier 47 ist eine klasse Idee.

Wir finden es sehr schade, per „Hausverbot“ ausgeladen zu sein und damit all unseren Leserinnen und Lesern keine unabh√§ngige Berichterstattung anbieten zu k√∂nnen.

Wir haben Herrn Schmitt darauf hingewiesen, dass sein selbstgew√§hlter Weg mindestens „steinig und hart“ sein kann. Selbstverst√§ndlich hat er als privater Veranstalter ein Hausrecht. Aber auch eine Pflicht gegen√ľber den engagierten K√ľnstlern, die sich sicher gerne einem Publikum pr√§sentieren. Und einem unabh√§ngigen Journalismus.

Die Entscheidung von Herrn Schmitt, √Ėffentlichkeit per Hausrecht, also „Hausverbot“, aus vermutlich „pers√∂nlichen Gr√ľnden“ zu bannen, ist nicht nachvollziehbar – vor allem, wenn die K√ľnstler mehr als eine „Kritik“ erhalten k√∂nnten. Und mehr als ein „abgesoffenes“ Bild ohne Aussage, einem dahingeschriebenen Text, an einem Tag, in einer Zeitungsausgabe.

Die Atmosph√§re ist klasse im Atelier 47 und sicher tritt hier kein K√ľnstler auf, um Geld zu verdienen. Hier kann in „intimer Atmosph√§re“ geprobt werden, ausprobiert werden, versucht werden, der Kontakt zum Publikum gesucht werden. Das ist das Honorar f√ľr die K√ľnstler – plus Fotos, plus eine verst√§ndige Berichterstattung, plus eine Verbreitung von Text und Bild √ľber das Internet und Social Media – also Aufmerksamkeit.

Einer unserer Fotografen, wollte sehr, sehr gerne Thomas Siffling, einen Ausnahme-Trompeter, fotografieren. Ohne Auftrag von uns – weil der Fotograf aber f√ľr uns t√§tig ist, unterliegt er der „Sippenhaft“, wie Herr Schmitt per email mitteilte. Auch er hat Hausverbot – seit er f√ľr das Ladenburgblog t√§tig ist.

Herr Schmitt hat nicht nur vielleicht, sondern ganz klar entschieden, dass die K√ľnstler, die im Atelier 47 auftreten, auf eine kritische Begleitung im Ladenburgblog verzichten m√ľssen. Zu schade.

√úber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr√ľndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr√§ts und Reportagen oder macht investigative St√ľcke.