Dienstag, 21. November 2017

Aktuelle Interimsl├Âsung bis zum Neubau des Sperrtors f├╝r Ladenburg und Ilvesheim

Schutz vor Hochwasser bald wieder bei 100 Prozent

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Der B├╝rgermeister von Ilvesheim, Andreas Metz, im Gespr├Ąch mit dem Baudirektor J├Ârg Huber und G├╝nter Bl├Ą├č (Stadt Ladenburg).

 

Ilvesheim/Ladenburg, 25. Oktober 2013. (red/aw) Die Gemeinde Ilvesheim, die Stadt Ladenburg und das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Heidelberg informierten heute ├╝ber den aktuellen Stand des Hochwasserschutzes in Ladenburg und Ilvesheim. Derzeit laufen die kurzfristig anberaumten Sanierungsma├čnahmen, um die Sicherheit der Bev├Âlkerung bis zum Neubau des Hochwassersperrtores zu garantieren. Bei einer Inspektion im April 2013 stellte das WSA fest, dass akuter Handlungsbedarf best├╝nde, da die Stahlkonstruktion der Korrosion schneller und st├Ąrker zum Opfer fiel als urspr├╝nglich erwartet. Auf den Neubau, der sp├Ątestens im Jahr 2017 fertig gestellt sein soll, kann nicht mehr gewartet werden. Dies verdeutlichte auch das Hochwasser im Mai diesen Jahres. Die Sanierungsarbeiten sollen im Mitte Dezember fertig sein, das Hochwassersperrtor dann wieder volle Sicherheit garantieren.┬á

Von Alexandra Weichbrodt

Ob das Hochwassersperrtor nun auch Ilvesheimer oder Ladenburger Gemarkung steht – nun, da sei man sich nicht so ganz einig. Jede Kommune beansprucht eine Relevanz. Wenn es aber um die Sicherheit der Bev├Âlkerung, der Industrie sowie der Infrastruktur geht, m├╝sse man an einem Strang ziehen, so Ilvesheims B├╝rgermeister Andreas Metz. Daher war auch der zweite stellvertretende B├╝rgermeister der Stadt Ladenburg, G├╝nter Bl├Ą├č, anwesend.

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Die Holzbretter sind die ersten Zeichen der Baustelle. Insgesamt 2.000 Nieten m├╝ssen am Sperrtor erneuert werden.

 

Nach Bekanntwerden der Sachlage im April diesen Jahres beschlossen beide Kommunen, gemeinsam mit der Stadt Mannheim und dem WSA, dass in Sachsen Hochwasserschutz dringend etwas getan werden muss. Und zwar nicht erst, wie urspr├╝nglich geplant, mit dem Ersatzbau des Hochwassersperrtores. Dieses soll sp├Ątestens 2017 durch das Amt f├╝r Neckarausbau Heidelberg etwa 20 Meter unterhalb des bestehenden Bauwerks errichtet werden. Die Planungen f├╝r dieses Ersatzbau laufen bereits seit drei Jahren, der Baubeginn ist im Jahr 2015 geplant. Die finanziellen Mittel wurden bereits vom Bundesministerium f├╝r Verkehr, Bau und Stadtentwicklung bereit gestellt.

Zustand des Sperrtores: Mangelhaft.

Die bereits 90 Jahre alte Stahlkonstruktion unterhalb der Neckarkanalbr├╝cke an der L542 kann derzeit einem 100-j├Ąhrlichem Hochwasser – also einem Hochwasser, wie es mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit in 100 Jahren nur einmal vorkommt – nicht garantiert Stand halten. Stellt sich am Sperrtor eine Wasserspiegeldifferenz von rund 3,20 Meter ein, k├Ânnte das Tor versagen. Die Folge: Teile der Gemeinde Ilvesheim, der Stadt Ladenburg und der Stadt Mannheim w├╝rden vom Neckarwasser ├╝berflutet werden.

J├Ârg Huber, Amtsleiter des Wasser- und Schifffahrtsamts Heidelberg und leitender Baudirektor, war nach den Ergebnissen der Inspektion im Fr├╝hjahr alarmiert:

Meine Inspekteure kamen mit Bauchschmerzen zu mir und zeigten mir die Sch├Ąden. Der Prozess der Korrosion hatte sich entgegen unserer Erwartungen beschleunigt.┬á

Das WSA hatte daraufhin mit Experten der Bundesanstalt f├╝r Wasserbau in Karlsruhe ein Konzept erstellt, das Sperrtor f├╝r mindestens weitere drei Jahre zu ert├╝chtigen – ohne den laufenden Betrieb einzustellen. Es wurden zielgenau die Stellen und Teile der Stahlkonstruktion ermittelt, die verst├Ąrkt oder komplett erneuert werden m├╝ssen. Das Ergebnis: Insgesamt m├╝ssen sechs Stahlprofile ert├╝chtigt, acht Knoten verst├Ąrkt und rund 2.000 Nieten erneuert werden. Mit diesen Ma├čnahmen wurde von der Stahlbau GmbH Dobritsch in dieser Woche begonnen.

Das Besondere an diesen Sanierungsarbeiten sei, dass zum einen die Schifffahrt auf dem Neckar w├Ąhrend dieser Zeit nicht gestoppt werden m├╝sse, so Baudirektor Huber.

Und zum anderen kann das Sperrtor im Falle einer Hochwasserwarnung innerhalb von 24 Stunden zugefahren werden. 

Der Schutz w├Ąre dadurch trotz laufender Arbeiten immer gew├Ąhrleistet. Vorausgesetzt es kommt kein 100-j├Ąhriges Hochwasser. Das Hochwasser im Mai 2013 war ein sogenannten 20-J├Ąhrliches. Die Wahrscheinlichkeit solch einen Hochwasserpegel zu erreichen, wiederholt sich etwa alle zwanzig Jahre. Der Druck auf das Sperrtor war jedoch zeitweise so hoch, wie bei einem 100-j├Ąhrigen Hochwasser. Grund daf├╝r war die – nach wie vor bestehende – Baustelle an der benachbarten Wehr. Eine der drei Wehrwalzen ist derzeit wegen Bauma├čnahmen au├čer Betrieb. Das Wasser konnte also nach Stauaufhebung nur an zwei statt an drei Stellen abflie├čen.

 

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Die Wehr: Nur zwei von drei Walzen arbeiten derzeit. Die dritte Walze, ganz rechts, wird derzeit ├╝berholt. W├Ąhrend eines Hochwassers kann dieser Ausfall massive Auswirkungen auf den Wasserpegel des Neckars haben.

 

Das Wasser- und Schiffahrtsamt hat in Ladenburg und Ilvesheim aber noch mit ganz anderen Herausforderungen zu k├Ąmpfen. Der Wasserpegel ist hier sehr stark vom Rhein abh├Ąngig. Hat der Rhein Hochwasser wirkt sich das auch auf den Neckar aus, es erfolgt eine so genannte R├╝ckstauwirkung. Ein erster Richtwert f├╝r eventuelle Hochwasserprognosen erh├Ąlt man in der Regel aus Gundelsheim. Erreicht der Pegel dort einen gewissen Wert, bleibt ausreichend Zeit die Ma├čnahmen in Ladenburg und Ilvesheim durchzuf├╝hren.

Zusammenarbeit im Katastrophenfall

Ebenso wie n├Âtige Vorbereitungen f├╝r den Katastrophenfall. Auch diese Konzepte haben die Kommunen in der Schublade. Die B├╝rgermeister werden per SMS ├╝ber das bevorstehende Hochwasser informiert und k├Ânnen sofort reagieren. Effektive Zusammenarbeit mit Beh├Ârden, Rettungskr├Ąften und der Bev├Âlkerung seien dann das A und O, so B├╝rgermeister Andreas Metz. In Zukunft allerdings sollen auch die Anliegerkommunen enger zusammen arbeiten.

Wir planen daher eine Stabsrahmen├╝bung, um gemeinsame Schnittstellen zu finden und zu definieren. F├╝r den „Was-w├Ąre-wenn-Fall“ kann es nicht schaden, noch enger zusammenzuarbeiten,┬á

so der Ilvesheimer B├╝rgermeister. Es sei die Vorbereitung auf den Katastrophenzustand, eine Art Planspiel f├╝r alle m├Âglichen Prognosen, die w├Ąhrend eines 100-j├Ąhrlichem Hochwassers drohen k├Ânnten. Sp├Ątestens im Fr├╝hjahr soll es soweit sein. Das mache Sinn, trotz der Aussicht auf den Neubau, findet auch WSA-Leiter J├Ârg Huber. Die Interimsl├Âsung sei nach Abschluss der Sanierungsarbeiten zwar sicher, werde aber dennoch regelm├Ą├čig kontrolliert.

Die derzeit laufenden Ma├čnahmen kosten etwa 125.000 Euro. Der Neubau des Sperrtores wird etwa 9,5 Millionen Euro kosten. Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer jedenfalls war von dem erarbeitetem Konzept des WSA beeindruckt.

Diese Art Sperrtor gibt es in vielen Regionen Deutschlands. Fr├╝her oder sp├Ąter m├╝ssen diese alle ├╝berholt oder ersetzt werden. Unser erarbeitetes Konzept, vor allem mit der Interimsl├Âsung, k├Ânnte theoretisch auf alle dieser Tore angewendet werden,┬á

so J├Ârg Huber. Das habe auch der Bundesminister erkannt und erst gestern per Schreiben mitteilen lassen, so B├╝rgermeister Andreas Metz.

Eine Fotostrecke finden Sie auf dem Ilvesheimblog.de

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.