Samstag, 24. August 2019

Die "unechte Einbahnstra├če" bleibt

„Ein Schritt in die richtige Richtung“

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Nach einem Jahr wurde Bilanz gezogen – jetzt wurde entschieden. Quelle: Stadt Ladenburg.

Ladenburg, 25. Oktober 2012. (red/sap) Bei sieben Gegenstimmen wurde in der gestrigen Gemeinderatssitzung beschlossen, dass die „unechte Einbahnstra├čen“-Regelung in der Ladenburger Altstadt bestehen bleibt. Aber auch den Bef├╝rwortern war klar, dass man mit dieser Entscheidung nicht allen Ladenburger Einwohnerinnen und Einwohnern „gerecht“ werde.

Von Sabine Prothmann

Am 25. Mai 2011 hatte der Ladenburger Gemeinderat den Beschluss gefasst, f├╝r ein Jahr auf Probe in der Altstadt das System einer „unechten Einbahnstra├če“ einzuf├╝hren.

Die „unechte Einbahnstra├če“ regelt den Verkehr in der Hauptstra├če und in der Kirchenstra├če. Es gibt ein Einfahrtsverbot in alle Stra├čen der Altstadt von Samstag 14:00 Uhr bis Montag 7:00 Uhr sowie an Feiertagen, mit Ausnahme der Anlieger.

Zudem gibt es ein Einfahrtsverbot und ein „Anlieger frei“ von der Kirchenstra├če in die Neugasse sowie am Wochenende ein Einfahrtshindernis in Form von Pollern am Neckartorplatz und am Schriesheimer Tor.

„Unecht“ ist die Einbahnstra├če, da man an manchen Stellen auch in die Gegenrichtung fahren kann, denn anders ist es f├╝r viele Anwohner der Altstadt nicht m├Âglich in ihre Einfahrten zu gelangen. An drei Stellen gibt es in der Altstadt Einfahrtsverbote und ansonsten „muss man nur den Verkehrsschildern folgen“.

Am 25. Juli 2012 hatte man in einer Informationsveranstaltung eine erste Bilanz gezogen und den Ladenburger B├╝rgerinnen und B├╝rgern, die Gelegenheit f├╝r einen Meinungsaustausch gegeben. Hier ├Ąu├čerten vor allem die Anwohner der Kirchenstra├če und der Neugasse ihren Unmut.

Mehr positive als negative Effekte

Die Verkehrsz├Ąhlung im Mai 2012 hatte ergeben, dass an mehren Stellen der Altstadt, am Alten (-24 Prozent) und am Neuen Rathaus (-16 Prozent) und an der Tr├Ąnke (-9 Prozent), der Verkehr deultich abgenommen habe, nur am Kirchenvorplatz habe der Verkehr wieder sehr deutlich, und zwar um 37 Prozent innerhalb eines Jahres, zugenommen. Es wurde festgestellt, dass viele Fahrzeuge aus der Altstadt raus ├╝ber die Kirchenstra├če und dann ├╝ber die Heidelberger Stra├če in die Trajanstra├če fahren.

Insgesamt bewertet der B├╝rgermeister die positiven Effekte h├Âher als die negativen und „ich bin daf├╝r die Reglung so bestehen zu lassen und sie nicht zur├╝ckzuf├╝hren“, erkl├Ąrte er in der gestrigen Gemeinderatssitzung.

Rainer Ziegler k├╝ndigte an, dass in n├Ąchster Zeit Verkehrskontrollen durchgef├╝hrt w├╝rden, aber es verstehe sich von selbst, dass er keinen genauen Termin nennen k├Ânne.

„Die Schlie├čung der Altstadt ist in keinster Weise gew├╝nscht“, betonte Stadtrat Prof. Dr. Rainer Beedgen (CDU).

Will man eine Wohnstadt gibt es kein st├Ądtisches Leben. Will man st├Ądtisches Leben, muss man Verkehr in irgendeiner Weise ertragen.

Ziel m├╝sse sein, den weiteren R├╝ckzug des Warenangebots zu verhindern. Beedgen sah Gefahr, dass sich in der Ladenburger Altstadt eine Monokultur der Gastronomie ausbreite. „Ich bin kein Fan der „unechten Einbahnstra├če“, dann lieber Chaos“, so Beedgen.

„Wir haben schon sehr viel gemacht, in kleinen behutsamen Schritten“, sagte Stadtrat Wolfgang Zahner (SPD) und erinnerte daran, dass fr├╝her der Nahverkehr durch die Altstadt fuhr und Marktplatz und Domhof gro├če ├Âffentliche Parkpl├Ątze waren. Heute habe man in der Altstadt eine Spielstra├čenregelung.┬á Es sei schon betr├Ąchlich ruhiger geworden.

Egal, was wir machen, es gibt immer Gegner und Bef├╝rworter. Wir k├Ânnen nichts schaffen, was f├╝r alle richtig ist.

Die „unechte Einbahnstra├če“ sei ein Schritt in die richtige Richtung, erkl├Ąrte Zahner.

„Wir brauchen das Auto in der Innenstadt. Mir ist es zu ruhig“, sagte Stadtr├Ątin Gudrun Ruster (FW) und deswegen wolle sie die alte Verkehrsf├╝hrung zur├╝ck. Damit stehe sie allein innerhalb ihrer Fraktion.

„Wir sind f├╝r die Beibehaltung der „unechten Einbahnstra├če“, erkl├Ąrte Ingrid Dreier f├╝r die GLL. Klar ist:

F├╝r die einen ist es zu viel, f├╝r die anderen zu wenig Beruhigung.

Doch insgesamt ├╝berwiegten die positiven Effekte in der gesamten Altstadt und jetzt wolle man Klarheit f├╝r die Zukunft, sagte die Stadtr├Ątin.

Das Warenangebot in der Altstadt nehme ab und damit g├Ąbe es weniger Eink├Ąufer oder es gibt weniger Eink├Ąufer und deshalb weniger Angebot. „Wo ist hier die Ursache, wo ist hier die Wirkung?“, fragte Dreier.

„Die jetzige Regelung ist keine L├Âsung, die alle befriedigt“, sagte Wolfgang Luppe, deshalb stelle seine Fraktion den Antrag, eine echte Einbahnstra├če einzuf├╝hren.

Es g├Ąbe zwei Gr├╝nde, die gegen eine echte Einbahnstra├čenregelung spr├Ąchen, erkl├Ąrte B├╝rgermeister Rainer Ziegler. Da sind zum einen die Einfahrten, die nur von einer bestimmten Richtung zu erreichen seien, und zum anderen die riesige Zahl an Schildern, die das zur Folge h├Ątte. Gut 40 Verkehrschilder m├╝ssten an den Stra├čeneinm├╝ndungen beidseitig aufgestellt werden.

Die Altstadt habe erheblich an Qualit├Ąt gewonnen, sagte Dr. Peter Hilger (FW) und bezeichnete die geltende Regelung als „tragbarsten Kompromiss“.

„Wir k├Ânnen es nicht allen Recht machen und wir k├Ânnen vor allem den Anwohnern der Kirchenstra├če nicht gerecht werden“, sagte abschlie├čend B├╝rgermeister Ziegler.

Bei der Abstimmung stimmten nur die beiden FDP-Stadtr├Ąte f├╝r Wolfgang Luppes Antrag, eine echte Einbahnstra├če zu realisieren.

Der Antrag von Gudrun Ruster, die jetzige Verkehrslenkung wieder aufzugeben und den alten Zustand wieder einzuf├╝hren, wurde bei acht zu elf Stimmen abgelehnt.

Bei sieben Gegenstimmen wurde beschlossen, die jetzige Situation zu belassen.

 

 

├ťber sabine