Samstag, 22. September 2018

Mehr Öko-Strom infolge “Gruppenzwangs”?

Print Friendly, PDF & Email

ok-power

Das Gütesiegel "ok-power"

Ladenburg, 24. November 2011 (red/mh) Hirschberg und Heddesheim haben es schon vorgemacht: Sie beziehen künftig einen 50-prozentigen Ökostrom-Anteil. Der Ladenburger Gemeinderat zog mit einem mehrheitlichen Votum auf der gestrigen Gemeinderatssitzung nach und will ab April 2012 die Hälfte des städtischen Stromverbrauchs über erneuerbare Energien decken. Allerdings wie viele andere auch nur für die Liegenschaften und nicht die Straßenbeleuchtung.

Von Martin Heilmann

Bürgermeister Rainer Ziegler ließ keinen Zweifel: „Die Grundsatzentscheidung für April 2012 an einer Gemeinde übergreifenden „Bündelausschreibung“ teilzunehmen ist im Einklang der beteiligten Bürgermeister verabredet.“

In Sachen Bündelausschreibung gab es kaum Unstimmigkeiten aus der Mitte des Ladenburger Gemeinderats.

Beim Ökostrom-Anteil – ob nun 100, 50 oder 25 Prozent – lagen die politischen Parteien hingegen deutlich auseinander. Trotzdem fand sich eine Mehrheit, dass über eine Ausschreibung ein Stromanbieter gefunden werden soll, der ein Preisangebot für 50 Prozent Ökostrom-Anteil für die Liegenschaften der Stadt vorlegt.

Ein geringerer Anteil war dem Gemeinderat, wie es beispielsweise die FDP-Fraktion forderte, doch etwas zu heikel. Da stünde Ladenburg nicht besonders gut da, wenn alle anderen mindestens die Hälfte aus erneuerbaren Energien deckten, so der allgemeine Tenor.

SPD-Gemeinderat Sascha Barembruch sagte:

Wir wollen nicht die schlechtesten sein, auch wenn es eine Art Gruppenzwang durch die anderen Gemeinden ist.

Die GLL-Fraktion sah das anders und hätte am liebsten für eine komplette Umstellung auf Ökostrom gestimmt. Der eingereichte Antrag wurde aber von allen anderen Fraktionen abgewiesen.

Ökostrom vs. Haushaltsdisziplin?

Begründung: Da man nachts in Ladenburg zwischen 2:00 und 4:00 Uhr die Lichter ausschaltet, um Geld zu sparen, könne man nun an anderer Stelle keinen teureren Ökostrom beziehen.

Am Ende beschlossen die Stadträte bei sechs Gegenstimmen und einer Enthaltung den 50-prozentigen Anteil. Interessant: Nicht etwa die Grünen stimmten dagegen, die waren froh, dass es nicht nur 25 Prozent waren, sondern sechs Stadträte der CDU und der Freien Wähler stellten sich gegen den Antrag.

Ladenburg orientiert sich wie die anderen Gemeinden bei der Auswahl des Stromanbieters vor allem an dem Gütesiegel “ok-power”, das vom Ökoinstitut e.V., dem World-Wildlife-Fund (WWF) sowie der Verbraucherzentrale vorgegeben wird.

Zusammengefasst soll der Ökostrom-Anbieter selbst erneuerbare Energien erzeugen oder diesen zumindest von einem dritten Anbieter kaufen und weiterleiten. Im Falle, dass zur Stromerzeugung neben erneuerbaren Energien auch fossil befeuerte Kraft-Wärme-Kopplung eingesetzt wird, darf dieser Anteil am gesamten Portfolio 50 Prozent nicht überschreiten.

Außerdem muss mindestens ein Drittel des Stroms aus Anlagen kommen, die nicht älter als sechs Jahre alt sind. Ein weiteres Drittel des Stroms muss aus Anlagen stammen, die seit maximal zwölf Jahren am Netz hängen.

Hinweis:
Hier finden Sie unseren Artikel zur Entscheidung in Hirschberg.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.