Samstag, 18. November 2017

Berichterstattung: „Schaut einfach mal genau hin.“

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Guten Tag!

Ladenburg, 24. Juli 2010. Unsere Berichte und die Fotostrecken zum „Drachenbootrennen in Ladenburg 2010“ wurden insgesamt ├╝ber 80.000 Mal aufgerufen – von rund 12.000 Besuchern in etwas mehr als zwei Tagen. Ecki Mayer, Pressesprecher der „03-er“ wurde oft auf die Berichterstattung angesprochen, vor allem auf den Bericht: „Die Drachen. Die Boote. Die Rennen. Eine R├╝ckschau.“ Und die Gr├╝nde sind bemerkenswert: LeserInnen glauben nicht mehr, was sie lesen, sondern, was sie meinen zu lesen. Das wiederum wirft die Frage auf, warum das so ist? Die Antwort ist: Viele Medien sind unglaubw├╝rdig – dann glaubt man halt, was man will. Muss das so sein?

Kommentar: Hardy Prothmann

Das Drachenbootrennen in Ladenburg 2010 war ein Ph├Ąnomen. Also ein besonderes Ereignis. Wir haben dar├╝ber umfangreicher als jedes andere Medium in der Region berichtet. Beides, das Event und unsere Berichterstattung, werten wir als Erfolg.

Trotzdem gibt es offene Fragen. Das ist… normal. Auch dar├╝ber haben wir berichtet. In einem Artikel und im direkten Austausch mit dem Pressesprecher des „FV 03 Ladenburg“, Ecki Mayer und mit dem Abteilungsleiter Markus Walz.

Erstaunlich ist, welche „Verwicklungen“ diese Berichterstattung am Rande ausl├Âste. So wurde Ecki Mayer gefragt, wie er dazu komme, so und so ├╝ber das Drachenbootrennen zu berichten.

Ecki Mayer hat nicht berichtet, er hat auf Fragen des ladenburgblogs Antworten gegeben. Also das gemacht, wof├╝r Pressesprecher da sind. Fragen der Medien zu beantworten.

Eine nicht geringe Zahl Menschen hat angenommen, der Artikel „Die Drachen. Die Boote. Die Rennen. Eine R├╝ckschau.“ sei von Ecki Mayer geschrieben worden.

Auch das ist ein echtes Ph├Ąnomen, das unsere Redaktion ehrlich erstaunt hat. ├ťber dem Artikel steht der Name des Autors: Hardy Prothmann. Der Artikel erscheint nicht auf der Homepage des FV 03, sondern auf dem unabh├Ąngigen ladenburgblog. Ecki Mayer wird darin zitiert – absolut korrekt, wie er in seinem Kommentar best├Ątigt. Auch andere Menschen werden zitiert.

Wie kann es also sein, dass offensichtlich viele LeserInnen annehmen, nicht der Autor, sondern Ecki Mayer sei der Verfasser des Textes?

Die Antwort ist einfach und zugleich ersch├╝tternd.

Die Vereinsberichterstattung in den Tageszeitungen ist ├╝berwiegend heruntergekommen. Und das seit Jahren.

Sie halten das f├╝r eine „unglaubliche“ Behauptung? Eigentlich haben Sie Recht. Es ist unglaublich, aber leider wahr.

Die g├Ąngige Praxis vieler Tageszeitungen ist es, sich nach Belieben in Pressetexten und anderen Informationen zu „bedienen“ und so zu tun, als w├Ąren die daraus entstandenen Texte eigenst├Ąndige redaktionelle Leistungen.

Doch dem ist nicht so. Viele Medienkonsumenten sehen in Texten selbstverst├Ąndlich nur die Stimmen und Stellungnahmen der Vereinsvertreter, Lokalpolitiker, Interessenvertreter und so weiter, weil niemand mehr daran glaubt, dass sich vielleicht der verantwortliche Journalist selbst auf Grund seiner eigenst├Ąndigen Leistung ├Ąu├čert.

Das ist, ganz ehrlich, eine Katastrophe. F├╝r die LeserInnen und f├╝r die Journalisten, die eigenst├Ąndig, unabh├Ąngig und kritisch arbeiten. Leider gibt es zu viele „Pseudo“-Journalisten, die nur noch so tun, also ob und damit allen ernsthaften Journalisten schwer zu schaffen machen.

Durch die undifferenzierte, gesch├Ânte, verbratwurstete und unkritische Haltung der Haus- und Hofschreiberlinge glauben viele Menschen nicht mehr das, was sie lesen, sondern das, was sie vermuten zu lesen.

Journalismus darf vermuten, ├╝berwiegend sollte er aber faktisch berichten und kritisch einordnen. Diese Haltung haben aber viele der „etablierten“ Medien schon seit vielen Jahren aufgegeben. Und damit haben sie ihre Glaubw├╝rdigkeit ohne Not geopfert.

Die „Ladenburger Zeitung“ ist ein Paradebeispiel daf├╝r. Die Meinungen ├╝ber dieses Bl├Ąttchen sind sehr eindeutig. Auch der Mannheimer Morgen wird nur noch bedingt ernst genommen.

Daran sind diese Medien selbst Schuld. Die Situation ist einfach: Gef├Ąllt wem auch immer eine Berichterstattung, ist die gut. Gef├Ąllt sie nicht, ist sie schlecht.

Undifferenzierter geht es kaum. Es wird gelesen, was man lesen will, nicht, was schwarz auf wei├č da steht. Es wird beliebig. Es wird austauschbar. Es wird egal.

Egal hei├čt gleich. Wenn aber jede Berichterstattung gleich ist, dann wird irgendwann So├če draus. Einheitsbrei. Irgendwas. Uneindeutig. Austauschbar. Beliebig. Unwichtig.

Die Aufgabe von Medien war schon immer, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen. Medien konnten noch nie und werden nie die ganze Komplexit├Ąt der Welt abbilden k├Ânnen. Das ist unm├Âglich.

Medienberichterstattung ist immer eine Dienstleistung. Der Dienst ist die Information der MediennutzerInnen. Die Leistung ist die bestm├Âglichste Information.

Unsere Gesellschaft ist hochgradig arbeitsteilig organisiert. Jeder macht etwas anderes, was im Idealfall sich gegenseitig erg├Ąnzt.

So richtet ein Verein ein Sport-Event aus, andere nehmen daran teil, andere sind Zuschauer, wieder andere sind wie auch immer daran beteiligt und Medien berichten dar├╝ber.

Die Aufgabe von Medien ist es, einen ├ťberblick zu liefern. Eine Detailbetrachtung zu bieten. Eine Orientierung zu geben.

Der Journalismus begr├╝ndet sich in Deutschland auf Artikel 5 Grundgesetz ├╝ber die Meinungsfreiheit. Jeder darf sich ungehindert und ohne staatliche Zensur unter Zuhilfenahme freier Quellen seine eigene Meinung bilden und diese verbreiten.

Das ist ganz besonderes, demokratisches Privileg. Aber es ist nicht beliebig, sondern es fordert auch einen aufmerksamen Umgang mit diesem Grundrecht.

Wenn sich ein Pressesprecher beschweren muss, dass ein in einem unabh├Ąngigen Medium ver├Âffentlichter Artikel tats├Ąchlich von einem Journalisten verfasst wurde, dann muss einen das nachdenklich stimmen.

Dann muss die Frage gestellt werden, warum LeserInnen nicht ganz selbstverst├Ąndlich davon ausgehen k├Ânnen, dass eine Redaktion eine eigenst├Ąndige Leistung erbracht hat?

Diese Frage ist bedeutend. Sie muss jeden Tag bei der Lekt├╝re egal welchen Mediums gestellt werden. Ist das, was mich informiert, wirklich das, was es vorgibt zu sein? Werbung muss als Werbung erkannt werden k├Ânnen. Journalismus als Journalismus.

Wenn die Grenzen flie├čend werden, entsteht ein Brei, eine einzige So├če, bei der niemand mehr die Zutaten erkennen kann. Der Brei schmeckt immer gleich und verliert jeden „Geschmack“.

Das scheint heute leider die Wahrnehmung vieler in Bezug auf die Medienberichterstattung zu sein.

Das ladenburgblog k├Ąmpft dagegen an. Sie k├Ânnen sich bei uns darauf verlassen, dass, wo ladenburgblog draufsteht, auch ladenburgblog drin ist.

Alle unsere Artikel sind unabh├Ąngig, ├╝berparteilich und kritisch selbst erarbeitet. Wir benennen unsere Quellen und markieren „Zitate“. Wenn wir einen Text unbearbeitet ├╝bernehmen, informieren wir ├╝ber den Verfasser.

Das hei├čt, wir leisten einen korrekten Dienst f├╝r unsere LeserInnen. Transparent und nachvollziehbar.

Unser Text ├╝ber das Drachenbootrennen erf├╝llt genau diesen Anspruch. ├ťberall, wo Ecki Mayer zitiert wurde, machen wir das durch „Anf├╝hrungszeichen“ kenntlich. Alles andere sind unsere Aussagen oder eben die von anderen Quellen in „Anf├╝hrungszeichen“.

Seit Jahren gibt es in engagierten Journalistenkreisen immer wieder die Forderung, den Brei aus Pressemitteilungen und unkritischer ├ťbernahme wieder ordentlich zu trennen.

Wenn sogar ein Pressesprecher fordert: „Schaut einfach mal genau hin“, dann stehen alle Zeichen auf Alarm.

Nat├╝rlich ist ein Pressesprecher daran interessiert, das, wof├╝r er spricht, m├Âglichst gut in die „Presse“ zu bringen. Wenn ein Pressesprecher sich aber m├╝hen muss, die ├ľffentlichkeit aufzurufen, „genau hinzuschauen“, dann l├Ąuft irgendetwas schon lange schief.

„Genau hinzuschauen“ sollte eigentlich die selbstverst├Ąndliche Dienstleistung von Medien sein. Und selbstverst├Ąndlich sollten sich die Medienkonsumenten darauf verlassen k├Ânnen, dass Journalismus ein einwandfreies Produkt liefert.

Bei uns k├Ânnen Sie sich darauf verlassen. Wenn Sie Zweifel daran haben oder Kritik ├╝ben wollen, stellen wir uns dieser: Nobody is perfect und sicher machen auch wir ab und an einen Fehler. Transparenz, Kontrolle und Dialog sind f├╝r uns selbstverst├Ąndlich.

Kleine Fehler korrigieren wir „en passant“, echte Fehler dokumentieren wir in einer eigenen Kategorie „Korrektur“. Bislang haben wir diese nicht gebraucht. (Auf dem heddesheimblog war das schon der Fall, Dokumentation hier.)

Alle Medien, die dies ablehnen, sollten Sie sehr, sehr kritisch be├Ąugen. Sie k├Ânnen davon ausgehen, dass hier „Fehler“ systematisch gewollt begangen, ├╝bergangen oder auch vertuscht werden.

Medien, die ihre Quellen verschleiern und mit „zg“ benennen, sind unehrlich. „Zg“ hei├čt zugeschickt. Ist das eine Information? Nein. Das tut nur so. Weil man nicht erf├Ąhrt, wer der Absender ist, was sein Ziel ist.

Medien, die weite Teile von Pressemitteilungen ├╝bernehmen und solche „gepatchtworkte“ Texte als eigenst├Ąndige redaktionelle Leistung verkaufen, begehen einen Betrug am Leser.

„Schaut einfach mal genau hin“, sagt Ecki Mayer und damit hat er absolut Recht.

Schauen Sie hin, vergleichen Sie mehrere Medien und deren Berichte miteinander.

Informieren Sie sich unabh├Ąngig aus allgemein verf├╝gbaren Quellen. Das ist ihr grundgesetzlich garantiertes Recht. Und dann bilden Sie sich eine unabh├Ąngige Meinung.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.