Sonntag, 22. April 2018

Berichterstattung: „Schaut einfach mal genau hin.“

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Guten Tag!

Ladenburg, 24. Juli 2010. Unsere Berichte und die Fotostrecken zum „Drachenbootrennen in Ladenburg 2010“ wurden insgesamt ĂŒber 80.000 Mal aufgerufen – von rund 12.000 Besuchern in etwas mehr als zwei Tagen. Ecki Mayer, Pressesprecher der „03-er“ wurde oft auf die Berichterstattung angesprochen, vor allem auf den Bericht: „Die Drachen. Die Boote. Die Rennen. Eine RĂŒckschau.“ Und die GrĂŒnde sind bemerkenswert: LeserInnen glauben nicht mehr, was sie lesen, sondern, was sie meinen zu lesen. Das wiederum wirft die Frage auf, warum das so ist? Die Antwort ist: Viele Medien sind unglaubwĂŒrdig – dann glaubt man halt, was man will. Muss das so sein?

Kommentar: Hardy Prothmann

Das Drachenbootrennen in Ladenburg 2010 war ein PhĂ€nomen. Also ein besonderes Ereignis. Wir haben darĂŒber umfangreicher als jedes andere Medium in der Region berichtet. Beides, das Event und unsere Berichterstattung, werten wir als Erfolg.

Trotzdem gibt es offene Fragen. Das ist… normal. Auch darĂŒber haben wir berichtet. In einem Artikel und im direkten Austausch mit dem Pressesprecher des „FV 03 Ladenburg“, Ecki Mayer und mit dem Abteilungsleiter Markus Walz.

Erstaunlich ist, welche „Verwicklungen“ diese Berichterstattung am Rande auslöste. So wurde Ecki Mayer gefragt, wie er dazu komme, so und so ĂŒber das Drachenbootrennen zu berichten.

Ecki Mayer hat nicht berichtet, er hat auf Fragen des ladenburgblogs Antworten gegeben. Also das gemacht, wofĂŒr Pressesprecher da sind. Fragen der Medien zu beantworten.

Eine nicht geringe Zahl Menschen hat angenommen, der Artikel „Die Drachen. Die Boote. Die Rennen. Eine RĂŒckschau.“ sei von Ecki Mayer geschrieben worden.

Auch das ist ein echtes PhĂ€nomen, das unsere Redaktion ehrlich erstaunt hat. Über dem Artikel steht der Name des Autors: Hardy Prothmann. Der Artikel erscheint nicht auf der Homepage des FV 03, sondern auf dem unabhĂ€ngigen ladenburgblog. Ecki Mayer wird darin zitiert – absolut korrekt, wie er in seinem Kommentar bestĂ€tigt. Auch andere Menschen werden zitiert.

Wie kann es also sein, dass offensichtlich viele LeserInnen annehmen, nicht der Autor, sondern Ecki Mayer sei der Verfasser des Textes?

Die Antwort ist einfach und zugleich erschĂŒtternd.

Die Vereinsberichterstattung in den Tageszeitungen ist ĂŒberwiegend heruntergekommen. Und das seit Jahren.

Sie halten das fĂŒr eine „unglaubliche“ Behauptung? Eigentlich haben Sie Recht. Es ist unglaublich, aber leider wahr.

Die gĂ€ngige Praxis vieler Tageszeitungen ist es, sich nach Belieben in Pressetexten und anderen Informationen zu „bedienen“ und so zu tun, als wĂ€ren die daraus entstandenen Texte eigenstĂ€ndige redaktionelle Leistungen.

Doch dem ist nicht so. Viele Medienkonsumenten sehen in Texten selbstverstĂ€ndlich nur die Stimmen und Stellungnahmen der Vereinsvertreter, Lokalpolitiker, Interessenvertreter und so weiter, weil niemand mehr daran glaubt, dass sich vielleicht der verantwortliche Journalist selbst auf Grund seiner eigenstĂ€ndigen Leistung Ă€ußert.

Das ist, ganz ehrlich, eine Katastrophe. FĂŒr die LeserInnen und fĂŒr die Journalisten, die eigenstĂ€ndig, unabhĂ€ngig und kritisch arbeiten. Leider gibt es zu viele „Pseudo“-Journalisten, die nur noch so tun, also ob und damit allen ernsthaften Journalisten schwer zu schaffen machen.

Durch die undifferenzierte, geschönte, verbratwurstete und unkritische Haltung der Haus- und Hofschreiberlinge glauben viele Menschen nicht mehr das, was sie lesen, sondern das, was sie vermuten zu lesen.

Journalismus darf vermuten, ĂŒberwiegend sollte er aber faktisch berichten und kritisch einordnen. Diese Haltung haben aber viele der „etablierten“ Medien schon seit vielen Jahren aufgegeben. Und damit haben sie ihre GlaubwĂŒrdigkeit ohne Not geopfert.

Die „Ladenburger Zeitung“ ist ein Paradebeispiel dafĂŒr. Die Meinungen ĂŒber dieses BlĂ€ttchen sind sehr eindeutig. Auch der Mannheimer Morgen wird nur noch bedingt ernst genommen.

Daran sind diese Medien selbst Schuld. Die Situation ist einfach: GefÀllt wem auch immer eine Berichterstattung, ist die gut. GefÀllt sie nicht, ist sie schlecht.

Undifferenzierter geht es kaum. Es wird gelesen, was man lesen will, nicht, was schwarz auf weiß da steht. Es wird beliebig. Es wird austauschbar. Es wird egal.

Egal heißt gleich. Wenn aber jede Berichterstattung gleich ist, dann wird irgendwann Soße draus. Einheitsbrei. Irgendwas. Uneindeutig. Austauschbar. Beliebig. Unwichtig.

Die Aufgabe von Medien war schon immer, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen. Medien konnten noch nie und werden nie die ganze KomplexitÀt der Welt abbilden können. Das ist unmöglich.

Medienberichterstattung ist immer eine Dienstleistung. Der Dienst ist die Information der MediennutzerInnen. Die Leistung ist die bestmöglichste Information.

Unsere Gesellschaft ist hochgradig arbeitsteilig organisiert. Jeder macht etwas anderes, was im Idealfall sich gegenseitig ergÀnzt.

So richtet ein Verein ein Sport-Event aus, andere nehmen daran teil, andere sind Zuschauer, wieder andere sind wie auch immer daran beteiligt und Medien berichten darĂŒber.

Die Aufgabe von Medien ist es, einen Überblick zu liefern. Eine Detailbetrachtung zu bieten. Eine Orientierung zu geben.

Der Journalismus begrĂŒndet sich in Deutschland auf Artikel 5 Grundgesetz ĂŒber die Meinungsfreiheit. Jeder darf sich ungehindert und ohne staatliche Zensur unter Zuhilfenahme freier Quellen seine eigene Meinung bilden und diese verbreiten.

Das ist ganz besonderes, demokratisches Privileg. Aber es ist nicht beliebig, sondern es fordert auch einen aufmerksamen Umgang mit diesem Grundrecht.

Wenn sich ein Pressesprecher beschweren muss, dass ein in einem unabhÀngigen Medium veröffentlichter Artikel tatsÀchlich von einem Journalisten verfasst wurde, dann muss einen das nachdenklich stimmen.

Dann muss die Frage gestellt werden, warum LeserInnen nicht ganz selbstverstÀndlich davon ausgehen können, dass eine Redaktion eine eigenstÀndige Leistung erbracht hat?

Diese Frage ist bedeutend. Sie muss jeden Tag bei der LektĂŒre egal welchen Mediums gestellt werden. Ist das, was mich informiert, wirklich das, was es vorgibt zu sein? Werbung muss als Werbung erkannt werden können. Journalismus als Journalismus.

Wenn die Grenzen fließend werden, entsteht ein Brei, eine einzige Soße, bei der niemand mehr die Zutaten erkennen kann. Der Brei schmeckt immer gleich und verliert jeden „Geschmack“.

Das scheint heute leider die Wahrnehmung vieler in Bezug auf die Medienberichterstattung zu sein.

Das ladenburgblog kÀmpft dagegen an. Sie können sich bei uns darauf verlassen, dass, wo ladenburgblog draufsteht, auch ladenburgblog drin ist.

Alle unsere Artikel sind unabhĂ€ngig, ĂŒberparteilich und kritisch selbst erarbeitet. Wir benennen unsere Quellen und markieren „Zitate“. Wenn wir einen Text unbearbeitet ĂŒbernehmen, informieren wir ĂŒber den Verfasser.

Das heißt, wir leisten einen korrekten Dienst fĂŒr unsere LeserInnen. Transparent und nachvollziehbar.

Unser Text ĂŒber das Drachenbootrennen erfĂŒllt genau diesen Anspruch. Überall, wo Ecki Mayer zitiert wurde, machen wir das durch „AnfĂŒhrungszeichen“ kenntlich. Alles andere sind unsere Aussagen oder eben die von anderen Quellen in „AnfĂŒhrungszeichen“.

Seit Jahren gibt es in engagierten Journalistenkreisen immer wieder die Forderung, den Brei aus Pressemitteilungen und unkritischer Übernahme wieder ordentlich zu trennen.

Wenn sogar ein Pressesprecher fordert: „Schaut einfach mal genau hin“, dann stehen alle Zeichen auf Alarm.

NatĂŒrlich ist ein Pressesprecher daran interessiert, das, wofĂŒr er spricht, möglichst gut in die „Presse“ zu bringen. Wenn ein Pressesprecher sich aber mĂŒhen muss, die Öffentlichkeit aufzurufen, „genau hinzuschauen“, dann lĂ€uft irgendetwas schon lange schief.

„Genau hinzuschauen“ sollte eigentlich die selbstverstĂ€ndliche Dienstleistung von Medien sein. Und selbstverstĂ€ndlich sollten sich die Medienkonsumenten darauf verlassen können, dass Journalismus ein einwandfreies Produkt liefert.

Bei uns können Sie sich darauf verlassen. Wenn Sie Zweifel daran haben oder Kritik ĂŒben wollen, stellen wir uns dieser: Nobody is perfect und sicher machen auch wir ab und an einen Fehler. Transparenz, Kontrolle und Dialog sind fĂŒr uns selbstverstĂ€ndlich.

Kleine Fehler korrigieren wir „en passant“, echte Fehler dokumentieren wir in einer eigenen Kategorie „Korrektur“. Bislang haben wir diese nicht gebraucht. (Auf dem heddesheimblog war das schon der Fall, Dokumentation hier.)

Alle Medien, die dies ablehnen, sollten Sie sehr, sehr kritisch beĂ€ugen. Sie können davon ausgehen, dass hier „Fehler“ systematisch gewollt begangen, ĂŒbergangen oder auch vertuscht werden.

Medien, die ihre Quellen verschleiern und mit „zg“ benennen, sind unehrlich. „Zg“ heißt zugeschickt. Ist das eine Information? Nein. Das tut nur so. Weil man nicht erfĂ€hrt, wer der Absender ist, was sein Ziel ist.

Medien, die weite Teile von Pressemitteilungen ĂŒbernehmen und solche „gepatchtworkte“ Texte als eigenstĂ€ndige redaktionelle Leistung verkaufen, begehen einen Betrug am Leser.

„Schaut einfach mal genau hin“, sagt Ecki Mayer und damit hat er absolut Recht.

Schauen Sie hin, vergleichen Sie mehrere Medien und deren Berichte miteinander.

Informieren Sie sich unabhĂ€ngig aus allgemein verfĂŒgbaren Quellen. Das ist ihr grundgesetzlich garantiertes Recht. Und dann bilden Sie sich eine unabhĂ€ngige Meinung.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.