Donnerstag, 20. September 2018

Tag Fünf – Miesmacher und Bedenkenträger

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Guten Tag!

Rhein-Neckar, 23. Juli 2011. (red) Unsere Kolumnistin Marietta Herzberger hört auf. Jetzt. Einfach so. Ihr reicht es. Sie will nicht mehr… rauchen. Dafür schreibt sie ab sofort, wie es ihr geht. So, wie sie sich fühlt. Sie schreibt übers Aufhören, um ein Leben ohne Zigaretten anzufangen. Oder ists umgekehrt? Schreibt sie übers Anfangen, um aufzuhören? Wir alle drücken ihr die Daumen, dass sie es schafft. Welche Hürden sie dabei zu überwinden hat, schreibt sie auf. Ganz egoistisch, um sich zu motivieren. Aber auch für alle, die es auch schon lange tun wollen: „Einfach ausdrücken“. Tag Fünf – auf Miesmacher und Bedenkenträger kann Marietta gut verzichten.

Von Marietta Herzberger

"Miesmachersprüche möchte ich nicht hören!"

Die vermeintlich gut gemeinten Ratschläge von Ex-Rauchern machen mich wütend. Gelegentlich geben auch Noch-Nie-Raucher, welche Ex-Raucher oder Wieder-Raucher kennen oder gekannt haben, ihren zerschmetternden Senf dazu.

Gestern war ich im Kiosk um die Ecke, um eine TV-Zeitschrift zu holen. Der freundliche Mann hinter dem Tresen legte mir – wie er es gewohnt war – eine Schachtel Zigaretten dazu. Ich lehnte lächelnd ab und meinte stolz: „Danke, nein. Ich rauche nicht mehr.“

„Oh!“, schaute er mich interessiert an und fragte: „Wie lange schon?“

„Fünf Tage“, strahlte ich.

„Das ist doch gar nix.“

„Ach-€¦“, er machte eine wegwerfende Handbewegung, „das ist noch gar nix. Bei mir sind es jetzt sechs Jahre und ich hab‘ immer noch Lust auf eine Zigarette.“

Eine Kollegin erzählte mir, dass sie nach einem halben Jahr wieder angefangen hätte. Nur eine Zigarette und schwupps – Raucher.

Eine Freundin kam hinterhältig daher und beneidete mich erst, um sich dann eine anzustecken und mir Rauch ausblasend vorzuschwärmen, dass sie es liebe, zu rauchen. Es wäre so entspannend. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Mein Nachbar meinte, das würde bei mir eh‘ nix mehr bringen, weil ich viel zu lange geraucht hätte. Sowieso alles kaputt. Alle Mühe vergeblich.

Mein Vater gab mit zu Bedenken, dass ein guter Freund von ihm – Gott habe ihn selig – Jahre nach seiner Rauchfreiheit Lungenkrebs bekommen hätte. Tod. Vom Rauchen. Trotz aufhören.

Miesmachsprüche – „will ich nicht!“

Danke! Was bitte, soll ich mit solchen Informationen anfangen? Ich will das gar nicht hören! So, wie ein überzeugter Raucher keine Nichtraucher-Empfehlungen liest und die Warnhinweise auf der Schachtel ignoriert, so will ich keine Miesmachsprüche hören. Will ich nicht, brauch ich nicht.

Die Aussicht, in sechs Jahren immer noch zu schmachten oder sowieso an den Folgen des Rauchens sterben zu müssen, ist nicht gerade zielführend.

Ich will Positives hören: Längere Lebenserwartung. Mehr Sauerstoff in Muskeln und Organen. Freier im täglichen Ablauf. Mehr Geld zur Verfügung. Bessere Haut, rosige Wangen, weniger fahl.

Und was mir mehr gibt, als andere ist, wenn meine Tochter zu mir sagt: „Mama, du riechst jetzt gut.“

In diesem Sinne

Eure Marietta

Anmerkung der Redaktion:
Unsere Kolumnistin Marietta Herzberger macht den Selbstversuch – sie beginnt neu als Nichtraucherin. Und hört auf, Raucherin zu sein. Darüber schreibt sie so, wie sie das möchte. Am Anfang vermutlich täglich, so hat sie sich das vorgenommen, später immer dann, wenn es „was neues“ gibt.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.