Sonntag, 19. November 2017

Nur rund fünfzehn Prozent halten sich an Schrittgeschwindigkeit

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Guten Tag!

Ladenburg, 23. Juli 2010. Heute führten die Stadt Ladenburg zusammen mit dem Polizeirevier Ladenburg eine Geschwindigkeitskontrolle im verkehrsberuhigten Bereich der Altstadt in der Hauptstraße/Einmündung Mühlgasse durch. Das Ergebnis ist niederschmetternd.

Die Kontrolle dauerte zwei Stunden. Acht Beamte unter Leiter von Polizeikommissar Rainer Rohman hatten ordentlich zu tun. Frank Hartmannsgruber, Leiter des Polizeireviers und Bürgermeister Ziegler waren ebenfalls im Einsatz, um „verkehrserzieherische Gespräche“ mit den angehaltenen Autofahrern zu führen.

85 Prozent sind zu schnell unterwegs. Bild: ladenburgblog.de

Von 104 gemessenen Fahrzeugen fuhren nur 15 im erlaubten Bereich bis zehn Stundenkilometer. 89 Fahrzeuge waren zu schnell, im Mittel zwischen 16 und 18 Stundenkilometer, einige „deutlich über 20 Stundenkilometer“.

Angehalten und kontrolliert wurden 32 Fahrzeuge. Heute hatten die Fahrer noch Glück, denn es blieb bei einem Gespräch und deutlichen Hinweisen über die Gefahren bei zu hohen Geschwindigkeiten im verkehrsberuhigten Bereich.

Die Beamten setzten keine gerichtlich verwertbare Geschwindigkeitsmessanlage ein, sondern orientierten sich an der Anzeigetafel – Aufklärung statt Strafe war heute das Thema.

Fahrradfahrer wurden nicht kontrolliert: „Wir stellen aber fest, dass sich auch viele Radfahrer nicht an die Schrittgeschwindigkeit halten.“

Diese wird häufig zwischen 4 und 7 Stundenkilometern definiert. Juristisch ist das allerdings fragwürdig, da es unterschiedliche Gerichtsurteile gibt, manche gehen bis 15 Stundenkilometer aus. Die Stadt Ladenburg erlaubt bis zu zehn Stundenkilometer – was einen „ordentlichen Schritt“ bedeutet.

Ein wenig Licht am Ende des Tunnels sieht Frank Hartmannsgruber: „Wir konnten feststellen, dass die Autofahrer auf die Geschwindigkeitsanzeige reagieren. Viele wollen das „Häkchen“ sehen und damit bestätigt bekommen, dass sie die zugelassene Geschwindigkeit einhalten.“

Hartmannsgruber verweist dabei auf eine aktuelle Studie der Hochschule für Polizei, die feststellt, dass überall da, wo es die Geschwindigkeitsanzeige gibt, die Geschwindigkeiten eher eingehalten werden: „Es gibt auch keinen Gewöhnungseffekt. Festzustellen ist: Sie wirken und die Ausfahrgeschwindigkeiten sind deutlich niedriger.“ Heißt, sobald ein Verkehrsteilnehmer die Anzeige sieht, wird er langsamer, kurz vor der Anzeige und danach stimmt die Geschwindigkeit.

Viele Fußgänger hatten nach Angaben von Herrn Hartmannsgruber positiv auf die Aktion reagiert und sich bei der Polizei bedankt.

Im Herbst soll die Aktion eventuell wiederholt werden. Eine echte Geschwindigkeitskontrolle, bei der es dann „Knöllchen“ gibt, ist in der nächsten Zeit auch nicht ausgeschlossen. Wir hatten bereits am 19. März 2010 in unserem Kommentar die Befürchtung ausgesprochen, dass nur echte Kontrolle eine wirksame Maßnahme sein können – verbunden mit Aufklärung. Die fand heute statt.

Unser Video dokumentiert den Start der Aktion mit der Geschwindigkeitsanzeige:

Einen schönen Tag wünscht
Das ladenburgblog

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • Schrittgeschwindigkeit ist für einen Autofahrer per se ein schwer zu kontrollierender Zustand. Ehrlicher wäre es, die Straße für den Kraftfahrkehr gänzlich zu sperren.