Sonntag, 19. November 2017

Drachenbootler: „Wir geben alles – Spaß macht das aber auch.“

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Guten Tag!

Ladenburg/Rhein-Neckar, 23. Juli 2010. Nach dem Rennen ist vor dem Rennen. Das ladenburgblog hat Pressesprecher Ecki Mayer und Drachenboot-Abteilungsleiter Markus Walz zur Manöverkritik befragt. War alles gut und wenn nicht, wie wirds besser? Die Kernbotschaft von Markus Walz ist ganz klar: „Spaß“.

Interview: Hardy Prothmann

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Ecki Mayer und Markus Walz im Interview. Bild: ladenburgblog.de

Ecki und Markus, wie wart Ihr mit dem Drachenbootrennen 2010 zufrieden?
Ecki Mayer: „Klare Antwort: Ein voller Erfolg.“
Markus Walz: „Wir haben eins der schönsten und größten Drachenbootrenne im süddeutschen Raum erlebt. Viele Teams haben sich extra nochmals telefonisch und per email bedankt.“

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Beach-Party vor dem Rennen. Bild: ladenburgblog.de

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Was lief aus Eurer Sicht nicht so gut?
Ecki: „Am Rundklo gabs oft Stau – auch bei den Männern.“
Markus: „Viele haben anscheinend nicht von den anderen Toiletten gewusst.“
Ecki: „Das müssen wir besser beschildern, soviel steht fest.“
Markus: „Im Moment müssen wir erst mal runterkommen – das war ein strammes Programm die letzten Wochen. Dann sammeln wir alles ein und überlegen, was wir noch besser machen können.“

Es gab auch Kritik an den Getränkepreisen, 2,50 Euro für 0,33 Apfelschorle aus der Plastikflasche ist nicht billig. Und am Pfandsystem, man musste mit den Bestellern immer zum Stand zurück, wo man gekauft hatte.
Markus: „Da ist sicher was dran, es gab mehrere Systeme. Wir lassen uns was einfallen.“
Ecki: „Dafür war es aber ein ruhiges und friedliches Fest. Da sind wir auch sehr stolz auf unsere Gäste.“

„Großes Lob an alle Helfer.“ Ecki Mayer

Es gab wohl ein paar Störer, aber stimmt, insgesamt war es sehr ruhig und friedlich. Aber es gab auch Kritik am Licht und der Lautstärke.
Markus: „Die Kritik mit der Lautstärke gibt es leider immer. Wir haben sehr darauf geachtet, dass die Pegel nicht so hoch waren – aber übers Wasser geht der Schall trotzdem nach Neckarhausen rüber. Wir hoffen einfach auf das Verständnis der Leute. Beim Licht wollen wir nachlegen, die Ausleuchtung hätte besser sein können.“
Ecki: „Großes Lob übrigens an Herrn Bürgermeiser Ziegler, die Stadt, Polizei und DLRG, die haben uns sehr unterstützt, die Stadt auch beim Aufräumen.“
Markus: „Und natürlich an unsere Helfer, wir hatten zeitweise bis zu 200 Leute im Einsatz. Bei einer Mitgliederzahl von 500 ist das ein krass toller Wert.“

Neckarnixen gewinnen den Kostümwettbewerb. Bild: ladenburgblog.de

Wie viele sind eigentlich aktive Paddler?
Markus: „40-50 sind sehr aktiv. Wir haben aber Lust auf mehr Leute, wer kommen mag, kommt ganz zwanglos zu den Trainingsterminen.“ (Termine siehe unten)

Sind 53 Boote wie aktuell beim Rennen die Höchstgrenze?
Markus: „Vor zwei Jahren hatten wir schon mal 58 Boote. Zwischen 50 und 60 ist in Ordnung. Wir rechnen pro Lauf mit zehn Minuten – bei mehr Booten würden wir ein Zeitproblem bekommen, vor allem am Sonntag, da dürfen wir erst um elf Uhr starten.“

Warum können die Boote nicht näher am Ufer fahren?
Markus: „Das könnten sie. Weil der Neckar aber eine Biegung macht, lassen wir die Boote auf einer Geraden durch diese Kurve fahren, damit es keine Nachteile für die Mannschaften gibt. Das geht leider nicht anders.“

Bei der Messung gab es kleinere Probleme?
Markus: „Jain. Wir haben hier moderne GPS-gestützte Technik mit automatischer Zielkamera im Einsatz. Tatsächlich waren aber bei den beiden Halbfinalläufen zwei Boote exakt gleich und beim Finale war es so knapp, dass es ein wenig gedauert hatte, bis wir sicher festgestellt hatten, wie die Reihenfolge war.“

Wieso gab es vier Boote im Finale?
Markus: „Das habe ich wegen der Gleichheit spontan entschieden. Dazu stehe ich – in Zukunft machen wir das anders, wie, verrate ich nächstes Jahr.“

Sind denn alle teilnehmenden Teams angereist oder wo waren die untergebracht?
Ecki: „Viele kommen aus der Region und sind angereist, ein paar haben wir hinter dem Bootshaus zelten lassen. Die Organisation hat reibungslos geklappt.“

Spannende Rennen in toller Atmosphäre: Hier Havanna-Boys gegen Gauchnix. Bild: ladenburgblog.de

Eure Abteilung ist nicht mitgefahren, trotzdem hat eine 03-er Mannschaft gewonnen, die Havanna-Boys.
Markus: „Das sind Leute von den Alten Herren und die A- und B-Mannschaft. Die haben wie alle anderen auch zwei Mal trainiert. Ein Training ist für alle Mannschaften im Startgeld mit unseren Steuermännern drin. Unsere Leute sind nicht mitgefahren, weil es ja ein Fun-Turnier sein soll. Ein Sportturnier veranstalten wir über 8.000 Meter am 16. Oktober.“

Auch wieder mit so vielen Gästen?
Ecki: „Wahrscheinlich nicht. Das dauert nur 45 Minuten. Wir starten um 15:30 Uhr und um 16:30 Uhr wird das vorbei sein. Hier geht-€™s um Wettkampf und nicht um ein Festival. Zuschauer sind natürlich trotzdem bekommen und kriegen tollen Sport zu sehen.“

Wer sind eigentlich der Falsche Dampfer (2.) und die Sackträger (4.)?
Markus: „Falscher Dampfer ist ein Stammtisch aus Ladenburg, die Sackträgerschaft ist ein Freundeskreis von Ladenburgern und umliegenden Ortschaften.“

„Es geht um Spaß.“ Markus Walz

Die Kostümierung war dieses Jahr anscheinend besonders gelungen. Sind Kostüme Pflicht bei Drachenbootrennen?
Markus: „Bei Fun-Turnieren auf alle Fälle. Da kriegt man die dollsten Sachen zu sehen. Darum geht es ja auch: Spaß haben und für den schönen Sport begeistern. Eure Kritik an den Firmenfahrern konnte ich nicht nachvollziehen. Das sind auch keine Profis.“
Ecki: „Alle sind ehrgeizig dabei, auch wenns ein Spaßturnier ist. Aber es herrscht ja Meinungsfreiheit. Wir jedenfalls waren mit allen Mannschaften zufrieden und die mit uns.“

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Vorbereitung für das Rennen am Samstag in Heidelberg. Bild: ladenburgblog.de

In unseren LeserInnen-Kommentaren gab es schon Vorschläge, wie man die Diskussion Profi-/Amateurmannschaften lösen könnte?
Markus: „Ja, ich kenne die Wiesbadener Lösung. Ich bin da selbst schon gefahren. Aber auch hier können Mannschaften, die das wollen, sich erst zurücknehmen, um dann aufzudrehen. Klar ist, dass wir auch darüber disktuieren werden und uns für die beste Lösung anstrengen.“

Anstrengend wird es auch am Samstag in Heidelberg, wo ein Sportturnier stattfindet. Wie stehen die Chancen für eure Männer- und Damenmannschaften?
Markus: „Keine Einschätzung meinerseits. Ich kenne die meisten anderen Mannschaften nicht, aber ich weiß, dass wir gut sind und wir wollen vorne mitfahren.“

Ganz ernst diesmal?
Markus: „Wir geben alles – Spaß macht das aber auch.“

Info:
Die Drachenbootabteilung des FV 03 Ladenburg ist mit dem Grünprojekt 2005 entstanden. Was sich damals spontan entwickelt hat, ist heute eine feste Institution.
Die Abteilung hat im Römerstadion ein eigenes Bootshaus gebaut, wo auch das Krafttraining stattfindet. Drei Drachenboote (Kosten: rund 11.000 Euro) gehören dem Verein und werden bei Veranstaltungen auch ausgeliehen. Dazu gibt es 2 „Zweier-Outrigger“ und vier „Einer-Outrigger“ (Auslegerkanus).
Das Training findet zwei Mal in der Woche statt: Mittwochs trifft man sich um 18:30 Uhr am Bootshaus, um 19:00 Uhr beginnt das Training auf dem Wasser, samstags ist um 15:30 Uhr Treffen und um 16:00 Uhr Training: „Das ganze Jahr durch ohne Pause“, sagt Markus Walz – außer im Winter, da fällt der Mittwochtermin wegen Dunkelheit aus. Beim Training wird auf den Trommler verzichtet: „Wir wollen die Leute ja nicht stören.“
Markus Walz und sieben weitere Vereinsmitglieder: Anke Krause-Gräff Martina Pfister, Caro Kurzbach, Christian Gebler, Peter Anke, Uwe Kautz und Norbert Messerschmitt in den verschiedenen Alterskategorien sind schon erfolgreich auf der vergangenen WM in Prag mitgefahren: Auf 2.000 Meter belegte das deutsche Team Platz 6, auf 1.500 Meter Platz 3, auf 1.000 Meter Platz 2 und auf 200 Meter Platz 4. Bei der Europameisterschaft holten sie Silber und Bronze. Bei diesen Veranstaltungen sitzen 20 und nicht wie in Ladenburg 16 Paddler im Boot.
Alle neun Steuermänner und eine Steuerfrau der Drachenbootabteilung haben eine spezielle theoretische und praktische Ausbildung, einen entsprechenden Bootsschein und sind die „Chefs“ an Board.
Markus Walz wirbt um neue Mitglieder: „Bei uns muss niemand in Top-Form sein, jede Altersklasse kann mitmachen. Jeder paddelt, wie er kann und will. Wems mal zuviel wird, nimmt das Paddel rein und ruht sich aus. Drachenbootfahren macht Spaß und so soll das auch bleiben.“

Internet:
ladenburg-drachenboot.de
Drachenbootrennen in Heidelberg

Viel Freude mit den Fotos:

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Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.