Donnerstag, 20. September 2018

In Ladenburg gehen bald die Lichter aus – bis Jahresende könnte das 13.000 Euro einsparen

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Ladenburg, 21. April 2011. (red) Der Gemeinderat hat am 20. April 2011 beschlossen, dass versuchsweise die Straßenbeleuchtung ab demnächst in der Zeit von 02:00-04:00 Uhr abgeschaltet wird. Bis zum Jahresende wären damit 13.000 Euro zu sparen. Für ein Gesamtjahr 20.000 Euro.

Von Hardy Prothmann

In Ladenburg gehen die Lichter aus – wird sicher der ein oder andere sagen. Und hat recht.

Der Gemeinderat hat aktuell beschlossen, dass man „versuchsweise“ die Straßenbeleuchtung in der Zeit zwischen 02:00-04:00 Uhr ausschalten wird.

Diese Entscheidung wird am Image kratzen. Klingt wie „Krieg“ – Fliegeralarm, Stadtverdunkelung. Oder Mittelalter. Oder Bankrott – „koi Geld mehr“.

Man kann noch mehr Vergleiche finden und wird sie finden.

Ob das am Image kratzt, wird sich auch finden. Das muss es nicht, wenn die Einstellung stimmt.

Tatsache ist: Ladenburg leidet unter akutem Geldmangel. Jeder Euro muss umgedreht werden. Die Haushaltslage ist desolat, auch wenn Bürgermeister Ziegler eine unerwartete Verbesserung bei den Gewerbesteuereinnahmen vermelden konnte.

Die „dunkle Stadt“ ist eine Chance, psychologische Hörden zu überwinden. Es ist natürlich toll, sich jederzeit nachts in gut beleuchteten Straßen bewegen zu können. Aber muss das sein?

Wie viele Menschen tun das? Vermutlich nur sehr wenige. Die Kneipen sind längst zu, ein bedeutender Verkehr nicht mehr anzunehmen. Deswegen erlaubt der Gesetzgeber das und auch versicherungstechnisch darf die Stadt wohl eine solche Maßnahme beschließen. Und die Polizei, stellvertretend der Ladenburger Revierchef Frank Hartmannsgruber, haben ein Einverständnis signalisiert. Warum also nicht?

Es wird einige an der Ehre kratzen – dieses Eingeständnis, die Lichter auszumachen, um vermeintlich „lächerliche“ 13.000 Euro bis Jahresende zu sparen.

Aber zehn solcher Sparmaßnahmen machen schon 130.000 Euro aus, einhundert schon 1,3 Millionen Euro.

Wenn dafür der Betrieb des Schwimmbads erhalten werden kann und anderer „wohltätiger Einrichtungen“… Warum nicht?

Auch auf die „Fähnchen“ zum Altstadtfest wäre so gedacht erneut zu verzichten, die bringen rund 2×13.000 Euro Einsparung. Das wären schon drei von 100 Maßnahmen, um im Jahr 1,3 Millionen einzusparen.

Warum ich das alles rechne? Weil Ladenburg sparen muss. Es gibt zur Zeit kein Geld für Luxus.

Warum ich 1,3 Millionen Euro als Ziel nenne? Nur, um ein Ziel zu nennen – das hat die Politik versäumt.

Es wäre an der Zeit – in Zeiten harten Sparens – dass die Verwaltung und der Gemeinderat Ziele entwickeln und diese benennen.

„Wir wollen die Zahl X einsparen“, dafür schlagen wir hier und da und dort diese Maßnahmen vor. Bis dann und dann haben wir das Tal durchschritten, könnte die Botschaft lauten. Das wäre ein Plan und eine Ansage. Mal schauen, ob die „Politik“ sich dieses Vorschlags annimmt.

Denn an so etwas könnte man glauben und hätte als Bürgerin und Bürger ein Argument, wenn jemand „dumm babbelt“.

Ohne ein solches Ziel werden sich manche das „Maul verreiße“, dass „erschd die Fähnscher weg ware und dann die Lischder ausgange sin.“

Ladenburg hat einen „finanziellen“ Schaden – die Stadt kann selbst entscheiden, ob der Spott als „Zins“ noch oben drauf kommt oder ob man sich mit einem gemeinsamen Sparwillen Respekt verschafft und vielleicht sogar Vorbild ist. Motto: „Die schaffe des.“

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.