Freitag, 21. September 2018

Feuerwehr erhält neues Fahrzeug „Gerätewagen Logistik 1“ (GW-L1)

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Ladenburg, 21. September 2011. (red) Die Feuerwehr Ladenburg erhält ein neues Fahrzeug im Wert von rund 125.000 Euro – allerdings nach umfangreicher „Beratung“. Die Stadträte Peter Hilger (FW) und Wolfgang Luppe (FDP) stimmten dagegen, Petra Erl und Ilse Schummer (beide SPD) enthielten sich.

Die Feuerwehr wartet schon seit mehreren Jahren auf ein neues Fahrzeug: „Ein Vollautomatikgetriebe muss sein, das bringt erhebliche Vorteile, kostet aber auch 15.000 Euro mehr.“o

Insgesamt kostet das Fahrzeug trotz eines Zuschusses des Rhein-Neckar-Kreieses von 10.500 Euro insgesamt 10.447 Euro mehr, als im Haushalt veranschlagt. Babei wird auf einen „nicht nachrüstbaren Lichtmast“ für rund 7.000 Euro verzichtet.

Stadtrat Gerhard Seidel (CDU) mahnte: „Mich stört die Mehrausgabe. Muss es denn ein Automatikgetriebe sein? Gibt es nicht genug kompetenten Fahrer?“

Wegen der technischen Fragen nahm Feuerwehrkommandant Harald Lange am Tisch Platz und sagte, dass es genug Fahrer gäbe, die das Fahrzeug fahren könnten, aber nicht alle dieselbe Erfahrung hätten. Überall würde auf Automatik aus Gründen der Sicherheit umgestellt werde: „Die Maschinisten können sich auf den Verkehr konzentrieren und dass ist bei Einsätzen wichtig.“

Stadtrat Steffen Salinger (SPD) stellte mehrere Fragen, die wichtigste: „Können wir angesichts des Haushalts die Anschaffung nicht verschieben? Ist das Fahrzeug unbedingt nötig?“

Harald Lange sagte: „Sie kennen den Feuerwehrbedarfsplan, wir haben zurückgesteckt und wenn wir das jetzt wieder schieben, verschiebt sich alles weiter.“

Stadtrat Dr. Peter Hilger bezeichnete den Feuerwehrbedarfsplan als Nikolausliste, als Wunschzettel der Feuerwehr: „Wie oft wir das Fahrzeug genutzt, ist es fahrtauglich?“ Kommandant Lange erklärte, dass es fast immer bei den Einsätzen dabei ist und fahrtauglich ist.

„Die Feuerwehr sollte das bekommen, was sie dringend braucht, alles andere sind Wünsche, die man nicht erfüllen kann, wenn man sparen will. Man muss nicht alles haben, was es gibt, sondern das, was man dringend braucht. Ich verstehe ihe Wunschvorstellung als Interessenvertreter der Feuerwehr, aber meiner Meinung nach kann man diese Anschaffung schieben.“

Bürgermeister Ziegler sagte: „Es gibt einen Einsatzzeit von 15 Jahren, dieses Fahrzeug ist seit 18 Jahren im Einsatz, also drei Jahre drüber. Deswegen ist das kein Wunsch, sondern das Fahrzeug ist über die Zeit. Das Fahrzeug ist einsatzbereit, entspricht aber nicht mehr dem Stand der Technik, der benötigt wird.“

Stadtradt Wolfang Luppe (FDP) frage, wieviele „Kilometer das Auto“ hat. Auf die Antwort 30.000 Kilometer sagte er: „Da ist doch ein neuwertiges Fahrzeug.“ Harald Lange erklärte: „Wir fahren mit diesen Fahrzeugen nicht spazieren, mehr Kilometer haben die Autos nicht in ihrer Lebenszeit. Aber es sind Einsatzfahrzeuge, die eben im Einsatz belastet werden.“

Kommandant Lange erklärte auf Anfrage die Vorteile: „Wir haben eine hydraulische Arbeitsbühne für unsere Materialine, die wir heben müssen. Außerdem ersetzt es bis zu drei Hänger, auf denen wir bisher Arbeitsgerät verlasten.“

Bürgermeister Ziegler antwortete auf die Anfrage der Stadträtin Erl, ob diese „Dinge der Menschenrettung dienen?“: „Natürlich gehören die Materialien, die dieses Fahrzeug transportiert, zur Grundausstattung der Feuerwehr.“ Kommondant Lange ergänzte: „Dieses Fahrzeug und seine Geräte sind ständig im Einsatz.“

Stadträtin Ilse Schummer (SPD) sagte: „Ich habe den Eindruck, dass nur die Hubbühne eine Verbesserung darstellt.“

Karl-Martin Hoffmann, Stadtrat der CDU sagte: „Verstehe das richtig? Die Feuerwehr spart beim Personal, um diese Investition ausgleichen zu können.“ Kommandant Lange sagte: „Richtig ist, dass wir viele Eigenarbeit leisten konnten und dadurch bei der Fahrzeugsunterhaltung einsparen konnten.“

Stadtrat Dr. Rainer Beedgen (CDU) sagte: „Also ich fahr auch Automatik, bin aber ein alter Mann, aber braucht die Feuerwehr das, die sind doch jünger.“

Kommandant Lange ergänzte: „Das Fahrzeug, das jetzt ersetzt wird, hatte eine Lebensdauer von 15 Jahren, das neue, größere eine von 30 Jahren. Das sollte man auch bedenken.“

Kommandant Lange sagte: „Nein, es gibt ganz praktische Gründe, beispielswiese bekommen wir Probleme bei der Ersatzteilbeschaffung und sogar bei den Reifen. Neulich war der Wagen fünf Tage nicht einsatzfähig, bis ein Ersatzteil eingetroffen ist.“

Der Gemeinderat stimmte für die Beschaffung des Fahrzeugs laut Angebot. Dagegen stimmten die Stadträte Dr. Peter Hilger (Freie Wähler) und Wolfgang Luppe (FDP), die SPD-Stadträtinnen Petra Erl und Ilse Schummer enthielten sich.

Beauftragt wird die Firma Hensel Fahrzeugbau in Waldbronn.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.