Donnerstag, 20. September 2018

Ladenburg verpasst die Zeit – der neue Internetauftritt ist einfach nur lausig und unwürdig

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Ladenburg, 20. April 2011. (red) Schon bemerkt? Ladenburg hat einen „neuen“ Internetauftritt. Der ist so grottenschlecht, dass man besser den alten, noch grottenschlechteren Auftritt gelassen hätte. Den hätte man wenigstens mit „Schulden“ rechtfertigen könen. Was Ladenburg jetzt vorlegt ist eine Schmach. Der neue Internetauftritt ist keine Einladung an Touristen, diese wundervolle Stadt zu besuchen. Kein Grund, stolz zu sein. Der neue Internetauftritt ist einfach nur lausig.

Von Hardy Prothmann

Keine Ahnung, wer für diesen „neuen“ Internetauftritt verantwortlich ist. Irgendwie möchte man das am liebsten auch gar nicht herausfinden, weil die Personen, die das „verbrochen“ haben, sich einfach nur schämen sollten.

Das Layout ist so von „vorgestern“, wie man es sich altbackener nicht vorstellen kann. Kein Mensch, der nicht unbedingt muss, wird eine solche „Homepage“ jemals wieder besuchen.

Internetauftritte sind im Vergleich zu anderen Präsentationsmedien vergleichsweise günstig, können durch eine intelligente Organisation die Verwaltung entlasten, können Werbung für die Kommune machen, für die lokale Wirtschaft und das Image stärken.

Ohne jede Liebe.

Was sich Ladenburg mit einem „Relaunch“ erlaubt ist ungefähr so spannend wie ein Altstadtfest ohne Altstadtfest. Oder ein Fluss ohne Wasser. Oder eine „lebendige Stadt“ ohne Leben.

Die Farbgestaltung ist langweilig, die „Bilderchen“ in der Kopfzeile sind ohne jede Spannung. Nichts, aber auch gar nichts bildet ab, was das Internet zu leisten in der Lage ist. Und was Ladenburg ausmacht.

Der Terminkalender kommt grundsätzlich ohne Angabe einer Adresse aus. Weiß jeder in Ladenburg, wo die „Zwiwwel“ ist? Vermutlich, denn eine Adresse oder eine Möglichkeit, per Klick herauszufinden, wo in Ladenburg das ist, fehlt – überall, für jeden Termin, für jeden Ort.

Immerhin trifft sich hier die „Zukunftswerkstatt“ – die ist aber nur unter Telefon zu erreichen. Die Möglichkeit, eine email-Nachfrage zu stellen, besteht nicht.

Wo? Was? Warum?

Als „Außergewärdischer“ interessiere ich mich für den Vortrag: „Automobilsommer2011: Vortrag: „Mobil im urbanen Raum“. Der findet wo statt? Ah ja, im “ Domhof – Ladenburg“. Gut zu wissen. Nur, wenn ich noch nie da war, woher soll ich wissen, was und wo der „Domhof“ ist?

Ok, das mag „dibbelschisserisch“ sein. Vielleicht habe ich auch alles falsch verstanden und der „neue“ Internetauftritt ist nur für Einheimische gedacht. Für Alt-Ladenburger.

Der Ladenburger Bürgermeister Rainer Ziegler präsentiert Ladenburg so:

„Ladenburg ist eine alte, aber auch eine überaus lebendige Stadt, die sich durch viele Besonderheiten auszeichnet, vor allem natürlich durch eine überaus spannungsreiche Geschichte. Wir bezeichnen uns gerne als Römerstadt, als Mittelalterliche Stadt und als Benzstadt, um den Bogen aus der frühen Geschichte bis zur Neuzeit zu schlagen.“

Beim „Bogen zum Internet“ ist Ladenburg aber komplett auf der falschen Spur und hat sich vollständig und orientierungslos verfahren.

Horror-Show.

Ein paar Beispiele?

Kann man den eigentlich guten Stellplatz für Wohnmobile trister fotografieren?

Was bitte ist an diesem Foto ein "Grüner Ring"? Reicht ein Foto aus, um einen Ring darzustellen? Und das noch in Miniaturformat?

Lebendige Stadt? Was bitte ist an dieser "Information" lebendig? Was reizvoll und attraktiv für Touristen?

Wenn das alles ist, was eine „überaus lebendige Stadt“ zu bieten hat…, dann fragt man sich, wie tote Städte erst aussehen müssen.

Ladenburg ist ein Fotoalbum – wo sind die Bilder?

Angeblich gibt es in Ladenburg einen Gemeinderat, der fotografisch äußerst aktiv ist – warum sieht man keine Bilder?

Wir hätten der „alten und historischen“ Stadt selbstverständlich gerne unsere Fotos (seit 2/2010) zur Verfügung gestellt, um die Attraktivität dieser schönen Stadt zu unterstreichen.

Aber wenn die verantwortlichen für diesen Murks noch nicht mal in der Lage sind, unter „Tourismus“ einen Punkt „Altstadt“ unterzubringen und ein paar hübsche Fotos der beeindruckenden Häuser, was will man da erwarten?

Attraktionen? Keine Ergebnisse.

Etwa mit der Suche nach „Altstadtfest“ etwas zu entdecken? Man kann damit etwas entdecken. Nämlich Dilletantismus pur.

Oder mit der Suche nach dem bevorstehenden Drachenbootrennen?

Oder dem Ballonfestival?

Gut zu wissen, dass das am 16. November 2009 stattgefunden hat.

Da braucht man ebenso wenig hinzugehen, wie man – außer die Not erzwingt das – jemals wieder die Adresse www.ladenburg.de eingeben muss.

Der Internet-Auftritt der Stadt Ladenburg ist so schlecht, dass man schon fast vermuten muss, die verantwortlichen Personen wollten die Stadt bewusst schädigen.

Der Wille, die Stadt und ihre reichen Vorzüge auch nur einigermaßen bemüht darzustellen, ist nirgendwo erkennbar.

Die Kritik könnte noch weiter gehen, beispielsweise Fragen nach Web2.0, Social Media, eGovernment und all dem Zeugs stellen. Dann müsste Ladenburg aber wenigstens das Web1.0 erreicht haben – im Jahr 2011 ist noch nicht mal das anständig passiert.

Sollte diese „Nullleistung“ auch nur im Ansatz etwas gekostet haben, ist jeder Euro eine 100-prozentige Verschwendung von Steuergeldern.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.