Samstag, 18. November 2017

Die Drachen. Die Boote. Die Rennen. Eine Rückschau.

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Guten Tag!

Ladenburg, 20. Juli 2010. Das 6. Ladenburger Drachenbootrennen war ein Mega-Event. Ein Erfolg für den ausrichtenden Verein FV 03. Ein Riesenspaß für die Zuschauer. Eine sportliche Herausforderung für die Teams. Was noch? Das lesen Sie in unserer kritischen Betrachtung.

Von Hardy Prothmann

Ecki Mayer macht die Pressearbeit für die Drachenbootabteilung der "03-er". Bild: ladenburgblog.de

Ecki Mayer kann sich überhaupt nicht zurückhalten: „Das war ein Bomben-Erfolg. Was für eine tolle Stimmung unter den Teams! Spaß und gute Laune. Eine Riesenparty. Ein Sport-Highlight.“

Ecki Mayer ist der verantwortliche Pressemann des ausrichtenden Vereins FV 03 Ladenburg für das Drachenbootrennen Ladenburg. Und Ecki Mayer tut das, was man als guter Pressemann tun sollte – er stellt die Veranstaltung im bestmöglichen Licht dar.

Ecki Mayer ist aber nicht nur ein guter Pressebeauftragter, weil er alles schön redet. Er ist sogar ein sehr guter Pressebeauftragter aus Sicht eines Journalisten, weil er glaubwürdig ist. Weil er eben nicht alles schön redet: „Der Erfolg ist das eine, die Erfahrungen und der Wille, es besser zu machen, das andere. Lass erstmal das Adrenalin ein wenig sacken, dann müssen wir rangehen und analysieren, was gut war und was wir besser machen können und müssen.“

Ein Erfolg – die Abrechnung folgt.

Unterm Strich war das 6. Drachenbootrennen in Ladenburg tatsächlich ein schöner Erfolg. Mit rund 3.000 Besuchern am Samstag und rund 4.000 Besuchern am Sonntag können die Veranstalter sehr zufrieden sein. Die oftmals genannten 10.000 Besucher in anderen Medien sind ganz sicher zu hoch geschätzt.

Ganz sicher war die Gaudi der Kostümierungen ein Highlight. Die 53 Teams konnten sich gegenseitig wählen: Die Neckar-Nixen haben sicherlich zu recht gewonnen. Nicht nur wegen der ausgefallen und aufwändigen Kostümierung, sondern mehr noch wegen ihrer ansteckend-spritzig guten Laune, die auch ohne Kameras in der Nähe dauerhaft vorhanden war.

Auch das D.I.S.C.O-Team und „Traumschiff Surprise“ überzeugten mit ausgefallenen Kostümen und guter Laune. Vor den Schluckspechten aus Heddesheim, den Fun-Gewinnern Havanna-Boys, den Kölsche Wikinger, den Kummetstolle und den vielen anderen Kostümteams.

Manche Teams legten weniger Wert auf den Fun, sondern auf die Einheit als Team. Vor allem die Firmen-Mannschaften. Auch das ist ein Phänomen des Drachenbootsports. Wie Raften, Hochseilgarten-Klettern und anderen Team-bildenden Maßnahmen hat sich Drachenbootrennen als Firmen-Event fast schon etabliert.

Zu früh gefreut: Favorit "Gauchnix" macht "nur" Platz 3. Bild: ladenburgblog.de

Hier geht es zwar um Spaß und Sport jenseits der Firma, aber es geht auch um Spaß und Sport und Teamgeist, der die Firmenmitarbeiter befördern soll, mehr Leistung zu bringen. Ein gutes Beispiel ist das „Gauchnix“-Team gewesen. Da hatte ich leider den Eindruck, dass der Auftrag war, den „Auftrag“ nach Hause zu bringen und nicht einfach nur Spaß zu haben.

Team oder Team – das Ziel entscheidet.

Die Kritik ist nicht böse gemeint. Als Team-bildende Maßnahme ist so eine gemeinsame Leistung sicher richtig und gut für die Firma. Im Gesamtkontext des Events konnten die anderen aber dieses Team nicht besonders leiden. Diese Kritik sollte sich die Marketing-Abteilung der Firma Gauch vielleicht zu Herzen nehmen. Denn beim Drachenbootrennen heißt der Auftrag Spaß und gute Laune und nicht, einen „Auftrag“ zu erledigen.

Sobald man das Gefühl hat, es geht ums Geschäft und nicht um das Event, wird es komisch beim Drachenbootrennen. Hinter den Kulissen wird viel und teils heftig darüber diskutiert, ob „Fun“-Teams wirklich das sind, was sie zu sein vorgeben. Oder ob es sich nicht um „Profi“-Teams handelt.

Die Unterscheidung zu treffen ist schwer. Vor allem für den FV 03. Ist ein „Profi“-Team eins, dass regelmäßig trainiert? Oder eins, dass viele Muskeln und einen eisenharten Willen hat und „gut gelaunt“ Rennen gewinnt, wie die Ringer vom ASV das vorgemacht haben?

Spaß gegen Sport?

Was ist der Pokal dann eigentlich noch wert, wenn scheinbare Fun-Paddler gegen echte Spaß-Paddler antreten? Diese Unterscheidung zu treffen ist sehr schwer. Wie will man das entscheiden und kontrollieren? Der konsequente Schritt müsste der sein, nur noch Profi-Rennen zu veranstalten, dann weiß man wenigstens, woran man ist – allerdings würde man dann keine 50 Mannschaften zusammenbekommen und nicht das mitunter größte Drachenbootrennen im süddeutschen Raum veranstalten können.

Die braucht man aber für ein so großes Event. Der Spaß soll doch im Vordergrund stehen. Vielleicht wäre eine Lösung, dass man das Publikum über den „Sieger der Herzen“ abstimmen läßt – dann mögen trainierte Mannschaften die schnellsten Zeiten fahren, trotzdem aber nur mit einem Trostpreis nach Hause gehen.

Den Charakter dieses Sport-Spektakels interessant zu halten, ist für den FV 03 eine schwere Aufgabe.

Eine ebenfalls sehr schwere Aufgabe ist es, die vielen HelferInnen zu finden und zu koordinieren. Ecki Mayer ist auch hier euphorisch, ganz zu Recht: „Mit über 200 HelferInnen sind die Beteiligung und der Einsatz enorm. Das ist eine Spitzenleistung der Vereinsmitglieder und Freunde.“

Darauf kann der Verein zu Recht stolz sein. Im hinteren Bereich gab es ein Versorgungszelt – ein enorm wichtiger Ort, um die eigenen Leute mit Essen und Trinken und „Streicheleinheiten“ bei Laune zu halten. Und die Laune ist bei einem solchen Mega-Event oft sehr angestrengt.

Spaß haben ist Teil des Events. Bild: ladenburgblog.de

Auch bei der Rennleitung. Hier herrschte eine hohe Aufmerksamkeit und Konzentration, um dem Sportsgeist Ehre zu erweisen. Die Beteiligten haben ihre Aufgabe sehr ernst genommen – manchmal vielleicht zu ernst für ein Spaß-Festival.

Dass dann der vermeintliche Favorit zum Sieger ausgerufen und letztlich doch nur Dritter wird, ist eine Peinlichkeit, die sich niemand wünscht. Die ist aber passiert.

Erst sollte das „Gauchnix“-Team Sieger sein, dann waren es die „Havanna-Boys“ vor „Falscher Dampfer“ und „Gauchnix“. Vierter wurde die „Ladenburger Sackträgerschaft“.

Und auch hier gibt es Diskussionen hinter den Kulissen und unter den Zuschauern und unter den Teams. Die „Sackträger“ sehen sich übervorteilt, weil sie die besten Zeiten gefahren hätten und nur den undankbaren vierten Platz bekommen hätten.

K.O. gegen Zeit. Was ist besser?

Zeitgewinne stehen hier gegen ein K.O.-System und leider in entscheidenden Momenten nicht überzeugenden Leistungen der Rennleitung, die sonst einen wirklich guten Job gemacht hat. Das ewige Warten auf das Ausrufen des Gewinners, die falsche Ansage, das erneute Warten strapazieren auch bei einem „Spaß“-Wettbewerb die Nerven der Beteiligten.

Paradox auch: Das Event lebt von den Sponsoren. Die wollen aus unterschiedlichen Gründen unterschiedliche Ziele erreichen. Je erfolgsorientierter sie sind, desto weniger Erfolg haben sie. Zumindest auf das bezogen, was sich die Marketing-Strategen ausrechnen.

Gerade das „Gauchnix“-Team steht dafür Pate. Jeder ging davon aus, dass dieses Team gewinnt: „Das ist eine Profi-Mannschaft, die Fun fährt“, haben mir sehr, sehr viele Leute gesagt. Als „Gauchnix“ nur Dritter wurde, haben diese Leute kein Mitleid gehabt.

Die Herzen waren bei der „Sackträgerschaft“, die nur einen „undankbaren“ vierten Platz machen konnten. Als Sympathie-Gewinner stehen sie auf Platz eins als neue Mannschaft. Für die „Havanna-Boys“ und den „Falschen Dampfer“ hat man sich ohne Einwand gefreut und ihre Plätze honoriert.

Neben all dem Sport gab es natürlich noch den „Spaß“. Der war groß, berichten viele Teilnehmer der Beach-Party. Vielleicht gab es zu viel Techno, aber insgesamt scheint man sich prächtig amüsiert zu haben, was schön und sicher auch ein gewichtiger Teil der Veranstaltung ist.

Kaum Ärger.

Nach unseren Informationen gab es allerdings auch Ärger. Einerseits von Anwohnern, die sich über die Lautstärke beschwerten. Das ist immer ernst zu nehmen und gleichzeitig fraglich, ob man nicht einfach mal die Fenster schließt und vielen Menschen eine große Party gönnt.

Spaß und gute Laune und Freude am Leben - die Neckarnixen. Bild: ladenburgblog.de

Aber es gab auch Störenfriede, die kein Einsehen hatten, mehrere Platzverweise kassierten, bis die Polizei einschreiten musste. Insgesamt rund drei Gruppen mit etwa 20 Personen. Für die Ordnungskräfte endete die Party deswegen erst gegen 04:00 Uhr morgens durch die Unterstützung der Polizei – ohne körperliche Auseinandersetzungen, was ebenfalls einen „Erfolg“ darstellt.

Und es gab auch Kritik aus den eigenen Reihen, vor allem, was die Versorgung und die Entsorgung angeht.

Die Wartezeiten für die Bedienung wurden nach unseren Informationen vielfach als zu lang angesehen. Die Konzentration auf den Bereich vor dem Sandstrand war ebenfalls problematisch. Wer sich vor dem Steg aufhielt, war versorgungslos und konnte auch nichts „entsorgen“, weil die Toiletten am anderen Ende der Festwiese waren. Über eine Lösung denkt man nach, so der FV 03.

Viel Arbeit.

Unterm Strich hatte man zuallererst Glück mit dem Wetter, dass der gelungenen Veranstaltung fast einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte.

DJ Peter Henninger ist ein Stimmungsmacher – sein Engagement ist eine gute Investition. Die Organisation durch den FV 03 war sehr gut – musste das Rennen doch trotz Schiffsverkehr und anlegewilligen „Ausflugsbooten“ über die Bühne gebracht werden.

Dabei darf man die Nerven nicht vergessen – hier die HelferInnen des Organisationsteams, dort die vielen Teams mit ihren „Spleens“ und der Show. Dazu die Gäste. Das alles einigermaßen stressfrei zu überstehen, ist absolut eine Leistung.

Der FV 03 hat viel geleistet und hat wieder viel Arbeit vor sich, wenn es heißt, dass Drachenbootrennen 2011 auszurichten.

Ecki Mayer wird sicherlich ein Top-Event ankündigen. Und das ist es auch.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • Maier

    Zu Team oder Team,
    bereits im letzten Jahr traten die Gauchnix beim Drachenbootrennen an.
    Da wurde nicht darüber geredet ob es sich da um Firmenpolitik handelt. Im Gegenzug wurden die Ringer als Profiteam eingestuft obwohl da eher wenig Drachenboot fahren trainiert wird.
    Sicherlich verfügen diese Sportler über mehr Muskeln und und sind auch ausdauernd.
    Den Jungs sah man den Spass beim fahren an und der fun Faktor stand an erster Stelle. Motto der Ringer Fahren, Fun und Feiern.
    Die Ringer haben 3 mal gewonnen und 2 mal belegte man den 2. Platz.
    In diesem Jahr wurde ausgesetzt weil man das ewige hin und her zwischen Profi und Fun Klasse leid hat.
    Im Ringerboot wollen Ringer und keine Profis sitzen.

    Ich denke aber, das im nächsten Jahr wieder ein reines Ringerboot geben wird

  • Michel

    Für die Einteilung der Rennklassen gäbe es vielleicht eine recht einfache Lösung. In Vorläufen am Samstag werden die Teams eingestuft und dann verschiedenen Zwischen- und Finalläufen am Sonntag zugeordnet. So fahren die reinen Fun-Teams, die etwas Engagierteren und die Sporteams ihren „Meister“ aus. Eine Einteilung im Vorfeld ist schwer. Wer kann schon sagen, wie stark ein Team bei einer Veranstaltung ist. Anregungen hierzu gibt es bei Organisatoren noch größerer Veranstaltungen (z.B. Merzig, Wiesbaden).

    • Dasladenburgblog

      Guten Tag!

      Danke für Ihren Beitrag und den Hinweis.

      Einen schönen Tag wünscht
      Das ladenburgblog

  • Blümchen

    Hallo zusammen, wer ein eigenes Boot besitzt und regelmäßig trainiert sollte sich mit gleichgestellten Teams messen und nicht gegen Funteams starten, bei denen der größte Teil der Besatzung womöglich zum ersten Mal im Boot sitzt. Das gilt für beide vorher genannten Teams.

  • HGW

    Hallo Drachenbootler hier mein Vorschlag für die Ladenburger Veranstalter:
    Einteilung der Teams
    – es geht auch einfacher – andere Veranstalter machen es seit Jahren vor:
    Hier die vereinfachte Vorgehensweise:
    1. alle Teams kommen zunächst in einen Topf
    2. es starten wie bisher 3 Boote gegeneinander – als Vorentscheidung ohne Zeitnahme der Rennen
    3. die jeweiligen Sieger der Rennen fahren SPORT -Bereich.
    4. die zweitplazierten im FUN – Bereich
    5. und die letzen paddeln um den Gaudicup – im FUN-FUN
    Somit teilt man die teilnehmenden Teams in 3 GRuppen auf.
    Kanuvereine un erfahrene Teammanschaften sollten gesetzt werden, damit sie sich nicht schon im Vorfeld rauswerfen und dann im FUN-Fun landen.
    Natürlich könnte ein Team auch absichtlich verlieren – dagegen ist man nicht gefeit.
    Trotzdem würde sicher alles einfacher und verschiedene Kanuvereine würden wieder teilnehmen.
    Natürlich gibts es dann auch in den 3 Kategorien jeweils Sieger und Pokale.
    Gruß Horst

    • HGW

      noch eine kleine Anmerkung –
      an die Drachenbootabteilung des FV 03 und das Organisationsteam.
      Bis auf meine Kritik über die Einteilung der Rennteams ist es ein gelungenes Event und in unserer RN-Region nicht mehr wegzudenken.
      Gruß Horst

  • Michel

    @HGW:
    Vielen Dank für die Ausformulierung.
    @ Blümchen:
    Ein Blick auf die gefahrenen Zeiten relativiert Deine These.

  • Ecki Mayer

    Tach erstmal!

    Ich wurde im Laufe der Woche einige Male auf diesen Artikel angesprochen und bin fälschlicherweise als Urheber und Autor bezeichnet worden.
    Bitte,Leute, schaut einfach mal genau hin.Der verantwortliche Autor ist Hardy Prothmann vom Ladenburgblog,er hat mich nach dem Rennen telefonisch kurz interviewt und mich absolut korrekt in seinem Artikel zitiert.Diese Zitate sind mit „…..“ bezeichnet.Für alles Andere,Stil und Inhalt des Artikels ist der Autor verantwortlich, nicht der Pressemann der Drachenbootabteilung.
    Also,das nächste mal:aufgepasst und hingeschaut!
    viele Grüße von
    Ecki Mayer

    • Dasladenburgblog

      Guten Tag!

      Danke für Ihren Beitrag.

      Wir bestätigen hiermit den vollkommen korrekten Kommentar von Herrn Mayer.

      Das offensichtliche Missverständnis bezüglich des Beitrags bei manchen LeserInnen werden wir in einem eigenen Artikel behandeln.

      Einen schönen Tag wünscht
      Das ladenburgblog