Samstag, 18. November 2017

Gurtkontrolle – 180 Verstöße festgestellt

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Ladenburg, 19. April 2010. Die Polizei kontrollierte vom 15. bis 17. April in Ladenburg den Autoverkehr – vor allem „Gurtmuffel“ hatten die Beamten im Visier. Die „180 festgestellten Verstöße haben uns sehr überrascht“, sagte Frank Hartmannsgruber dem ladenburgblog.

Von Horst Pölitz

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Erst anschnallen, dann testen. Bild: heddesheimblog/pöl

Die „Gurtmuffel“-Kontrolle in Ladenburg war ein Erfolg und doch auch nicht. Nach drei Kontrolltagen und insgesamt rund zwölf Kontrollstunden ist die Bilanz mit 180 Verstößen aus Sicht der Polizei bedenklich hoch: „Die Zahl der Verstöße haben mich und meine Mitarbeiter doch sehr überrascht! Aus diesem Grund und aus Gründen der Straßenverkehrssicherheit werden wir unser Augenmerk weiter auf derartige Verstöße legen“, sagte der Leiter des Polizeireviers Ladenburg, Polizeirat Frank Hartmannsgruber, dem ladenburgblog.

Prävention.

„Wir arbeiten präventiv und wollen die Verkehrsteilnehmer informieren. Die Bußgelder stehen nicht im Vordergrund. Fahrzeuge mit Kleinkindern winken wir auch raus, um zu sehen, ob die Kindersitze ordnungsgemäß angebracht sind. Viele wissen nicht, dass diese Sitze höhen- und verbreiterungsfähig einstellbar sind“, so Einsatzleiter Polizeioberkommissar (POK) Markus Becker aus Mannheim.

„Wir haben deshalb noch zwei Kollegen von der Verkehrsüberwachung aus Mannheim mitgebracht. Kinder sind als Mitfahrer in Kraftfahrzeugen gefährlichen Verkehrssituationen hilflos ausgesetzt, wenn sie nicht mit geeigneten Rückhalteeinrichtungen, z.B. Kindersitze oder Babyschalen, gesichert sind. Der Schutz unserer Kleinen ist deshalb eine große Herausforderung!“, sagte Becker.

Nicht angeschnallte Kinder können zu tödlichen Geschossen werden.

Der Polizei geht es bei der Kontrolle um die Aufklärung der Autofahrer: Bei einem Aufprall mit Tempo 50 wiegt jeder Insasse kurzzeitig das 30-fache seines Körpergewichtes. Ein 30 kg schweres Kind wird zum Geschoss von bis zu 900 kg Gewicht. Ohne Kindersitz entspricht ein Aufprall mit rund 50 km/h einem Sturz aus dem dritten Stock auf Beton. Markus Becker: „Sicherheitseinrichtungen im Fahrzeug sind nur dann optimal wirksam, wenn die Autofahrer Kinderrückhalteeinrichtungen und Gurte richtig anwenden!“

Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahre, die kleiner als 150 cm sind, müssen mit geeigneten Kindersitzen gesichert werden. Kinder ab 12 Jahre oder 150 cm Körpergröße müssen mit Gurt gesichert sein.

Das Bußgeld hat die Gurtdisziplin verbessert –
trotzdem starben 2009 über 4.000 Menschen, die nicht angegurtet waren.

„Verstöße ergeben einen Punkt“, sagt Hartmannsgruber. Der neue Revierleiter, der für mehr Sicherheit auf den Straßen sorgen will, kennt die Geschichte der Gurtpflicht: „Ab 01. Januar 1974 wurden die Fahrzeughersteller angewiesen, die Vordersitze mit Gurten auszustatten. Der Gesetzgeber führte dann am 1. Januar 1976 die Gurtpflicht ein. Der Leitsatz war: „Klick, erst gurten, dann starten“. Ab 01. August 1984 wurde ein Vergehen mit 40 DM Bußgeld bewertet.“

Das Bußgeld sorgte für mehr „Vernunft“. „Waren es 1970 noch 21.300 Verkehrstote bundesweit, sanken die Zahlen ab 1984. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 4.160 Tote.“ Ein Erfolg? „Ja und doch nein. Das sind mir 4.160 Tote zuviel“, sagt Hartmannsgruber. Heute werden 30 Euro für einen Verstoß gegen die Anschnallpflicht fällig. Vor allem auf den hinteren Sitzen sind immer noch gut ein Viertel der Mitfahrer nicht angeschnallt – für Hartmannsgruber eine statistische Zahl, die dringend besser werden muss.

Die Ausreden sind immer dieselben.

Die Beamten hören an den drei Kontrolltagen typische Ausreden: „Ich wollte nur um die Ecke einkaufen. Ich komme gerade vom Friseur. Ich wohne doch nur um die Ecke. Ich fahre doch nur 30, da kann nichts passieren“, sagen die ertappten Gurtmuffel.

Markus Becker sagt: „Deshalb haben wir den Gurtschlitten mitgebracht. Hier kann jeder freiwillig am eigenen Leib erfahren, wie ein Aufprall mit simulierten 50 Stundenkilometern wirkt.“

Die Geschwindigkeit des „Schlittens“ beträgt genau 12 km/h – simuliert aber einen Aufprall auf einen stehendes Hindernis mit 50 Stundenkilometern. Die Autofahrer sind nicht verpflichtet, den „Schlittentest“ zu machen – viele lassen sich aber drauf ein.

„Ohne Gurt ist ohne Chance“, sagt ein Autofahrer nach einer Fahrt auf dem „Schlitten“.

Nach einer Schlittenfahrt sagt ein Verkehrsteilnehmer: „Das hätte ich nie vermutet – das schleudert einen ganz schön in den Gurt.“ Ein anderer: „Nach dieser Erfahrung denke ich anders – ohne Gurt haut es einen beim Unfall ohne Chance einfach weg.“

180 Verstöße sind eine Bilanz, die sich Frank Hartmannsgruber so nicht wünschte. Zu viele Autofahrer sind leichtsinnig und unvernünftig unterwegs. Mit Sicherheit wird die Aktion bald wiederholt, denn der Aufklärungsbedarf ist hoch.

Alle Bilder: ladenburgblog/Horst Pölitz

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Einen schönen Tag wünscht
Das ladenburgblog

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.