Mittwoch, 19. September 2018

„Elterninitiative CBG Sanierung“: Der falsche Plan zur richtigen Zeit

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Das Carl-Benz-Gymnasium: SanierungsbedĂŒrftig. Bild: ladenburgblog

Guten Tag!

Ladenburg, 19. Mai 2010. Eine Elterninitiative „Sanierung CBG“ will sich selbst um dringende baulich-rĂ€umliche MissstĂ€nde beim Carl-Benz-Gymnasium kĂŒmmern – die Verzweiflung groß, der Wille scheint vorhanden, die Aussichten auf Erfolg dieser Idee sind suboptimal.

Von Hardy Prothmann

Auf meine Frage, was man den beispielsweise mit 20.000 Euro Spendengelder renovieren könnte, bekam Frau Inge Bördlein-Wahl große Augen. Es war der Vertreterin der Elterninitiative „Sanierung CBG“ anzusehen, dass sie mit „so viel“ Geld gar nicht rechnet.

Dabei sind 20.000 auf den ersten Blick viel Geld – tatsĂ€chlich aber nicht mehr als der Tropfen auf den heißen Stein.

Rechenexempel

Aber gut. Lassen Sie uns rechnen: 130 Eltern haben ihre UnterstĂŒtzung signalisiert. Wie viele abspringen ist unklar, ebenso, ob noch welche dazukommen.

Mal angenommen, es bleibt dabei und alle spenden 100 Euro. Das sind dann 13.000 Euro. Mal angenommen Betriebe spendeten auch noch etwas, was sich die Initiative wĂŒnscht und die Benefiz-Gala lĂ€uft gut, könnten also bis zum Herbst, wenn das ArchitektenbĂŒro Salinger einen Sanierungsentwurf vorlegt, vielleicht 15.-16.000 Euro zusammenkommen. Vielleicht.

Aber mal angenommen, das wÀre so. Was macht man mit so viel Geld? Fenster, Böden, Toiletten jedenfalls saniert man damit nicht. Das aber sind die Hauptprobleme.

Es gibt aber noch kleinere Probleme. Beispielsweise sollen Abfalleimer auf den MĂ€dchentoiletten fehlen. Das könnte man von diesem Geld bezahlen. Auch Farbe fĂŒr die WĂ€nde. Und dann? Hat man immer noch Geld, das man kaum sinnvoll wird einsetzen können, ohne das eine spĂ€tere Sanierung diese „Investititonen“ wieder zunichte macht. Genau das will die Elterninitiative aber vermeiden.

Und mal angenommen, alle Klassenzimmer könnten gestrichen werden und alles Geld wĂ€re also „sinnvoll“ investiert?

Schönmalerei verÀndert nichts am Gang der Dinge.

Dann wird trotzdem erst Ende 2011 durch die Stadt ein Antrag auf Generalsanierung gestellt, der frĂŒhestens 2013 beginnen wĂŒrde. Als erst in drei Schuljahren. Was macht die Initiative bis dahin? Jedes Jahr neu streichen?

Und wenn sie das machen wĂŒrde und jemand von der Schulbehörde kĂ€me, sĂ€he es zumindest schön gestrichen aus, der Eindruck also besser als der Zustand ist. Aber EindrĂŒcke machen Druck, gute in dem Fall weniger, schlechte stĂ€rkeren.

So gedacht, ist es eigentlich das falsche politische Zeichen, den maroden Zustand der Schule aufzuhĂŒbschen.

Es ist der erste Gedanke, ein konventioneller Weg.

Wer etwas durchsetzen will, muss aber politisch denken. Und Politik ist ĂŒber die kommenden Jahre vor allem eine Politik, die den Mangel verwaltet – hier wird nur der bedient, der absolut bedĂŒrftig ist oder den grĂ¶ĂŸten Druck aufbauen kann.

Die ZustĂ€nde am CBG sind nicht gut, aber noch steht die Schule, noch findet Unterricht statt und noch machen viele Kinder ein ordentliches Abitur – dann kanns ja nicht so schlimm sein.

Nur Druck wird helfen, die Sanierung zu beschleunigen.

Bei der Vorstellung zur geplanten Benefiz-Gala wird Kritik geĂŒbt, auch am BĂŒrgermeister Ziegler und dem Gemeinderat. Das ist gut so, ohne großen Druck wird der klamme BĂŒrgermeister sich nicht bewegen, denn er muss tĂ€glich jede Menge Druck aushalten und ist das schon gewohnt.

Die „Toilettendemo“ hat Eindruck gemacht – mehr aber auch nicht. Von der Idee her ein geeigneter Einsatz, verpufft die Wirkung, wenn es eine einzelne Aktion geblieben sein sollte.

Der Druck muss aber auch auf das Land ausgeĂŒbt werden und auf die Landtagsabgeordneten. Unaufhörlich, unnachgiebig, öffentlichkeitswirksam – denn von dort muss das meiste Geld kommen.

Die kommende Landtagswahl ist ein guter Hebel.

Die Schulpolitik wird das dominierende Wahlkampfthema zur Landtagswahl am 27. MĂ€rz 2011 sein – ein besseres Zugpferd kann man sich nicht wĂŒnschen. Man muss es nur vor den eigenen Karren spannen.

Mal angenommen, es kommen tatsÀchlich 15.-20.000 Euro Spenden zusammen, wÀre das Geld besser in eine Kampagne investiert, die den politischen Entscheidungsprozess beschleunigt: Eine PR-Agentur, in Briefe ans Land, in Transparente, in Aktionen, in alles, was öffentlich den Druck erhöht.

Sonst dauert es noch die erwarteten mindestens fĂŒnf bis sechs Jahre, bevor frĂŒhestens eine Generalsanierung (die ebenfalls bestimmt zwei bis drei Jahre in Anspruch nimmt) begonnen werden wird.

Alle Eltern mĂŒssen ins Boot.

Die SolidaritĂ€t der Eltern, deren Kinder jetzt in die neunte Klasse oder darĂŒber gehen, wird man nur schwer mobilisieren können – die haben sich ĂŒberwiegend mit den ZustĂ€nden abgefunden – und wenn nicht, wird der Druck bei ihnen desto geringer, je nĂ€her das Abi der Kinder rĂŒckt.

Viele dieser Eltern haben sich fĂŒrs „marode“ CBG entschieden: 5 neue Klassen gibt es zum kommenden Schuljahr. Bild: ladenburgblog

Im kommenden Schuljahr wird es mit rund 150 SchĂŒlern fĂŒnf neue Klassen geben – mehr geht nicht. Das heißt aber auch – immer noch schicken genug Eltern ihre Kinder auf die „Schule ihrer Wahl“ – dann kanns ja nicht so schlimm sein?! Oder wissen diese Eltern es nicht besser oder haben sie keine andere Wahl?

Man mĂŒsste schon die Eltern ansprechen, deren Kinder einmal von der Grundschule aufs CBG wechseln sollen. Mal angenommen, die Sanierung beginnt tatsĂ€chlich in fĂŒnf Jahren, muss man sogar die Eltern der Vorschulkinder mit ins Boot holen – denn deren Kinder erleben dann zuerst eine Schule, die gerade saniert wird – mit all den damit verbundenen Nachteilen durch die BauaktivitĂ€ten.

Die Sanierung wird zunÀchst alles noch schlechter machen.

Diese Kinder werden in Containern unterrichtet werden, der miesesten „KlassenzimmeratmosphĂ€re“, die man sich vorstellen kann. Das wird auf Zeit noch unertrĂ€glicher sein, als die jetzigen ZustĂ€nde.

Der einzige Unterschied: Hat die Sanierung mal begonnen, ist ein Ende absehbar. Solange sie noch nicht begonnen hat, gelten die herrschenden ZustÀnde auf unabsehbare Zeit.

Der Wille der Eltern, etwas zu verÀndern ist gut und wichtig, er verfolgt aber den falschen Plan zur richtigen Zeit.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.