Sonntag, 19. November 2017

Polizei: „Wer sich korrekt verhält, bekommt auch keinen Ärger.“

Print Friendly, PDF & Email

//

 

Guten Tag!

Ladenburg, 18. Mai 2010. Frank Hartmannsgruber, Leiter des Polizeireviers Ladenburg, erklärt im Exklusiv-Interview mit dem ladenburgblog, warum er die Präsenz der Polizei an Orten wie der Festwiese erhöht hat und was er von seinen Beamten und der Bevölkerung erwartet.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Hartmannsgruber, wie beurteilen Sie das Verhalten der Polizisten, so wie in unserem Text beschrieben?
Frank Hartmannsgruber: „Ich habe versucht, die Begegnung zu rekonstruieren, aber im Text waren leider nur ungenaue zeitliche Angaben.“

Revierleiter Frank Hartmannsgruber. Bild: ladenburgblog

Danke für Ihre Mühe – wir haben den Text redaktionell so gestaltet, dass unsere Quelle nicht erkennbar ist, weil der Informant keinen „Ärger“ haben wollte.
Hartmannsgruber: „Wer sich korrekt verhält, bekommt auch keinen „Ärger“.“

Das glauben wir Ihnen gerne. Trotzdem scheint die Lage angespannt zu sein. Hätten die Polizisten nicht auch etwas freundlicher sein können?
Hartmannsgruber: „Da mir konkrete Informationen fehlen, kann ich das nur allgemein beantworten.“

„Ich erwarte korrektes Verhalten.“

Bitte.
Hartmannsgruber: „Grundsätzlich hat die Polizei das Recht bei Störungen der öffentlichen Ordnung einen Platzverweis zu erteilen – beispielsweise wegen Ruhestörung. Je nach Verhalten einer Person kann es notwendig sein, diese in Gewahrsam zu nehmen. Das entscheiden die Beamten vor Ort. Sicherlich ist es korrekt, wenn die Beamten eine Person darauf aufmerksam machen, was die Folgen eines nicht-kooperativen Verhaltens sein können.“

Zwischen „aufmerksam machen“ und „drohen“ gibt es einen Unterschied.
Hartmannsgruber: „Das haben Sie jetzt so formuliert. Aber ganz klar: Ich erwarte von meinen Beamten, dass sie sich tadellos und korrekt verhalten. Umgekehrt können Polizisten aber auch erwarten, dass man sie korrekt behandelt. Sie sind verpflichtet, im Sinne der öffentlichen Ordnung ihre Arbeit zu verrichten.“

„Polizisten sind auch Menschen.“

Das ist eine vernünftige und nachvollziehbare Einstellung. Andererseits muss man auch wissen, dass es bei der Polizei wegen Personalmangels, verbunden mit viel Arbeit, sicherlich auch viel Stress beim einzelnen Beamten gibt. Wie stellen Sie sicher, dass diese nicht überzogen reagieren?
Hartmannsgruber: „Der korrekte Umgang mit der Bevölkerung ist Teil der Ausbildung und wird auch immer wieder in speziellen Seminaren geschult. Auch Polizisten sind Menschen und haben nicht immer ihren besten Tag. Ich erwarte von meinen Leuten trotzdem, dass sie absolut professionell auftreten, das erfordert sicherlich sehr viel Eigendisziplin. Die gehört aber auch zu unserer Arbeit.“

dscn1388

Erhöhte Präsenz, um Vandalismus vorzubeugen. Bild: Stadt Ladenburg

Mal angenommen, die Polizisten haben sich in dem beschriebenen Fall tatsächlich nicht ganz korrekt verhalten. Wie würden Sie reagieren?
Hartmannsgruber: „Ich habe schon reagiert – obwohl der Vorgang unklar ist und ich selbstverständlich davon ausgehe, dass sich die Beamten korrekt verhalten haben. Ich nehme den Bericht zum Anlass, um an das geforderte professionelle Vorgehen zu erinnern.“

„Wir haben unsere Präsenz erhöht.“

Was hätten die Jugendlichen tun können?
Hartmannsgruber: „Wer mit dem Verhalten eines Polizisten nicht einverstanden ist, kann sich jederzeit an die Polizeiführung, also mich oder das Polizeipräsidium wenden. Sie können sehr sicher davon ausgehen, dass das Polizeipräsidium Mannheim, zu dem das Polizeirevier Ladenburg gehört, ganz entschieden an einem korrekten Auftreten der Beamten interessiert ist.“

Gar nicht korrekt war in der jüngsten Vergangenheit das Verhalten von Chaoten, die das Rundklo „zerlegt“ haben und die Festwiese zumüllen. Was tun Sie dagegen?
Hartmannsgruber: „Die Ermittlungen laufen, mehr werde ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Tatsache ist, dass wir verstärkt Orte kontrollieren, wo Probleme auftreten, darunter die Festwiese. Die Beamten sind aufgefordert, nicht nur „Streife zu fahren“, sondern auch zu den Menschen hinzugehen und sie auf ein korrektes Verhalten hinzuweisen.“

„Den Zwiespalt der Ansprüche zu lösen, ist eine schwierige Aufgabe.“

Womit wir wieder bei der berichteten Begegnung Polizei-Jugendliche sind. Wie läuft so ein Kontakt in Ihren Augen ideal ab?
Hartmannsgruber: „Die Beamten treten höflich und korrekt auf, selbst dann, wenn sie provoziert werden sollten. Leider erleben diese immer wieder, vor allem bei entsprechendem Alkoholkonsum von Bürgern, dass „kommunikative Mittel“ nicht ausreichen. Die Beamten haben die schwierige Aufgabe, einen Zwiespalt der Ansprüche zu lösen.“

Der wäre?
Hartmannsgruber: „Die einen wollen feiern, die anderen ihre Ruhe und die Polizei steht mittendrin. Ich sage das ganz deutlich: Kein Polizist hat ein Interesse daran, den Menschen das feiern zu verbieten. Es geht aber nur miteinander. Rücksicht kann und muss verlangt werden. Wenn die Einsicht dazu fehlt, ergreifen wir geeignete Maßnahmen.“

„Wir sind weder Spaß- noch Spielverderber.“

Wie läuft das praktisch?
Hartmannsgruber: „Wir zeigen mehr Präsenz. Beispielsweise in der Nacht zum 1. Mai oder am Vatertag. Ich war mit meinen Leuten nachts unterwegs, weil ich wissen will, was draußen los ist. Wir haben ein Deeskalationsteam gebildet, unser Jugendsachbearbeiter Schuhmacher und eine Kollegin vom Bezirksdienst waren mit auf Streife und der Jugendsozialarbeiter der Stadt war zusätzlich mit seiner Kollegin unterwegs, um mögliche Konflikte ruhig zu lösen. Die Strategie ist aufgegangen. Meine Erfahrung ist, sowohl die Beamten als auch die Menschen haben sich ordentlich verhalten. Damit bin ich sehr zufrieden.“

Welchen Tipp geben Sie Jugendlichen und anderen im Umgang mit der Polizei und deren gesteigerter Präsenz vor allem auf der Festwiese?
Hartmannsgruber: „Wir sind weder Spaß- noch Spielverderber. Vandalismus und Vermüllung sind weder ein Spaß, noch ein Spiel. Ganz klar ist: Wer vor hat, sich ordentlich zu verhalten, den kann und muss die Anwesenheit eines Streifenwagens oder einer Polizeistreife nicht stören. Ganz im Gegenteil.“

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.