Sonntag, 19. November 2017

Nicht die Größe macht den Hasen aus – Lokalschau der Kaninchen- und Geflügelzüchter

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Guten Tag

Ladenburg, 18. Oktober 2010. Der Kaninchen- und Geflügelzuchtverein 1910 in Ladenburg lud an diesem Wochenende zu seiner „100 Jahre Jubiläumslokalschau“ ein – erstaunlich, wie viele Arten Federvieh und Kaninchen es gibt.

Von Sabine Prothmann

Deutsche Riesen, Loh-Rexe, Chabos, Breda, Appenzeller Spitzhauben, Sumatra -€¦aufpassen, hier geht es um Kaninchen und Geflügel.

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Ein "Houdan" mit Schmetterlingskamm.

Der 2. Vorsitzende des Vereins und Zuchtwart Franz Olaf Singer nahm sich viel Zeit, um mich durch die Lokalschau zu führen. Sein großes Wissen um Kaninchen und Gefieder brachte mich dabei mehr als einmal in großes Staunen und räumte Irrtümer aus dem Weg.

Und es wurde ein ganz besonderer Besuch.

Kaninchen habe ich in den letzten Jahren nur bei Freunden als Schmusetiere ihrer Kinder gesehen und Geflügel eher als Mahlzeit auf dem Tisch. In meiner Kindheit, erinnere ich mich, gab es das schon noch öfter, dass man „Hinkel“ im Hof oder Garten, nicht nur auf dem Bauernhof, herum rennen sah, doch in den vergangenen drei Jahrzehnten – Fehlanzeige.

Der Stallhase ist auch nur ein Kaninchen

Nicht die Größe macht den Hasen aus, sondern die Körperhaltung und Form, erfuhr ich und auch der typische Stallhase ist nur ein Kaninchen. Eine weitere Unterscheidung: Im Gegensatz zu den Kaninchen ist der Feldhase ein Nestflüchter, das heißt sofort nach der Geburt verlässt er seine Mutter.

Kaninchen mit roten Augen sind nicht zwangsweise Albinos und die mit den Schlappohren nennt man Widder.

Der Züchter schaut bei der Bewertung auf viele Kriterien, Form, Fell, Gewicht. Setzt man ein Kaninchen hin, sollte es vorne genauso breit sein wie hinten, „also wie eine Walze ausschauen“, erklärte Franz Olaf Singer. Die Körperform sollte möglichst rund sein und das Fell je nach Rasse dicht, weich oder aber auch nicht zu weich.

Besonders schön sind die Loh-Rexe mit ihrem kurzen, dunklen weichen Fell, das an einen Maulwurf erinnert. Das Lohkaninchen von Steffen Kunze hat alle Kriterien erfüllt und damit eine vorzügliche, und damit beste Wertung erreicht. Körperform und Gewicht sind perfekt und das Fell ist weich, aber nicht zu weich, denn auch das könnte einen Abzug geben.

Werden die Kaninchen paarweise oder in Gruppen gehalten, will ich wissen? Und staune nicht schlecht, dass es geradezu gefährlich sein kann, wenn Kaninchen zusammen auf zu engem Raum leben, „vor allem, wenn es Rammler sind“, so Franz Singer Senior, der sich inzwischen unserer Runde durch die Lokalschau angeschlossen hat. Also niemals zwei Rammler zusammen, aber auch bei einem Päarchen könne es vorkommen, dass die Häsin tot gebissen wird.

Wir verlassen den Kaninchenbereich, gehen am Ziergeflügel vorbei und kommen zum Nutzgeflügel. Wunderschönes und ausgefallenes Federvieh präsentiert sich hier dem Besucher: Die weißen kleinen Chabos Okina genauso wie die Appenzeller Spitzhauben und die schwarzen Bredas.

Die Farbe des Eis hat keinen Einfluss auf den Geschmack

„Meine Tochter behauptet, sie schmeckt den Unterschied zwischen weißen und braunen Eiern, kann das sein?“, frage ich. Die Farbe der Eier habe weder Einfluss auf den Geschmack, noch auf die Dicke der Schalen, sondern nur das Futter, lasse ich mir von fachkundiger Seite versichern.

Baut man eine Beziehung zu den Tieren auf, will ich von Franz Olaf Singer wissen. Nein, meint er, dann könnte man sie nicht mehr schlachten. Und dieser Gang ist für die Zuchttiere unausweichlich. Und auch hier weiß Singer: „Die kleinern Tiere schmecken meistens besser und das Fleisch ist feiner.“

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Ein "Loh-Kaninchen".

Und umgekehrt, „erkennen die Hühner Sie, wenn Sie das Gehege betreten“, frage ich weiter? „Ja, die wissen, wer das Futter bringt“, antwortet Singer und lacht.

Bei den Züchtern leben die Hühner garantiert im Freiland, versichert mir der 1. Vorsitzende. Und je nach Anzahl der Hennen sind auch immer mehrere Hähne dabei.

Anders als die Hühner, leben Tauben oft monogam, erfahre ich. Man weiß, wer die Eltern des Kükens sind, das vereinfacht die Zucht.

Die Formtauben sind von massivem Körperbau und der Schwanz zeigt eher nach oben, die Eistauben dagegen sind sichtlich zierlicher und die Schwanzspitze zeigt nach unten. Das seinen die besseren Flieger, erzählt Singer. Lässt man Formtauben fliegen, sind sie eine leichte Beute für Raubvögel.

Tauben mit gefiederten Füßen fallen mir auf, „das sind Agaran Tauben, die sind belatscht“, erklärt mir Franz Olaf Singer.

Bei der Zucht müsse immer darauf geachtet werden, dass die Tiere durch die ausgeprägten und veränderten Zuchtformen keine Einschränkungen haben. So muss bei Gefieder mit Hauben immer sicher gestellt sein, dass die Sichtfreiheit gewährt bleibt.

Unsere Tour durch die Lokalschau führt uns noch zu den Fränkischen Landgänsen und zu den Pommerngänsen. Die sind riesig und oft schärfere Wächter als Hofhunde, erzählt Franz Olaf Singer.

Bei dem Malayischen Glanzfasan mit dem Federkleid in allen Farben des Regenbogens endet mein Rundgang.

Ich habe viel und Interessantes über Kaninchen und Geflügel erfahren und auch einen kleinen Einblick in die Sichtweise eines Züchters bekommen.

Infos: Insgesamt haben 17 Züchter ausgestellt. Wertungen: Vereinsmeister Geflügel: 1. Lothar Koch mit Zwerg Sperber gesperbert, 2. Dobrasin Bojovic mit Kraienköppe silberhalsig, 3. Elke Purschke mit Bielefelder Kennhühner. Vereinsmeister Tauben: Thorsten Mayer mit Eistauben. Erringer der Minister Ehrenpreise; Tim Klemm mit Sperbertäubchen, Dobrasin Bojovic mit Kraienköppe silberhalsig. Erringer der LV Bänder: Herbert Brummer mit Blauer Ohrfasan, Franz Singer mit Houdan schwarz-weiß-gescheckt, Lothar Koch mit Zwerg Sperber gesperbert. Geflügel Jugend, Verinsmeister Hühner: 1. Zgm. Singer mit Zwerg Paduaner, 2. Max Christian Purschke mit Zwerg Houdan. Vereinsmeister Tauben: 2. Zgm. Singer mit Zwerg Paduaner. Erringer der BJM: Zgm. Singer mit Zwerg Paduaner Chamois. Vereinsmeister Kaninchen: 1. Steffen Kunze mit Lohkaninchen schwarz, 2. Elfriede Brummer mit Fuchszwerge Blauauge, 3. Karl-Heinz Purschke mit Satin Lux. Erringer Ehrenpreis und LV Plaketten: 1. Steffen Kunze mit Lohkaninchen (Hocker), 2. Elfriede Brummer Fuchszwerge Blauauge, 3. Franz Singer mit Perlfeh, 4. Karl-Heinz Purschke mit Satin Lux, 5. Ursula Kunze mit Kleinsilber hell. Kaninchen Jugend Vereinsmeister: 1. Zgm. Singer mit Hermelin Blauauge, 2. Max Christian Purschke mit Russen Rexe, 3. Marvin Brummer mit Zwergwidder chinchillafarbig. Erringer der Ehrenpreise: Pokal gestiftet J. Gläser: Zgm. Singer mit Hermelin Blauauge, Ständer gestiftet J. Gläser: Max Christian Purschke mit Russen Rexe.

Viel Freude mit unseren Fotos:

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Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.