Freitag, 20. Juli 2018

Professor Bauer aus Freiburg hält die Festansprache

Carl-Benz-Gymnasium feiert 150-jähriges Jubiläum

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Ladenburg, 18. März 2013. (red/ms) Das Carl-Benz-Gymnasium hat am Freitag sein 150-jähriges Bestehen gefeiert. In der größtenteils gefüllten Lobdengauhalle gratulierten neben dem Schulleiter auch zahlreiche Ehrengäste. Die Festansprache hielt Professor Bauer von der Universität Freiburg.

Von Minh Schredle 

Wer (so wie ich) den historischen Hintergrund der Schule noch nicht gekannt hat, wird sich womöglich gewundert haben, wie sie jetzt schon ihr einhundertfünfzigstes Jubiläum feiern kann – schließlich ist Namensgeber Carl Benz selbst erst 1844 geboren und wäre gerade mal neunzehn Jahre alt gewesen, als ein Gymnasium nach ihm benannt wurde.

Nachdem dem Auftakt durch das Schulorchester begrüßte Schulleiter Günter Keller Eltern und Schüler sowie insbesondere die Ehrengäste, von denen im weiteren Verlauf noch zahlreiche selbst zu Wort kamen.

„Ich wünsche mir, dass sich die Schüler wohlfühlen und die Schule als Lebensraum annehmen“, betonte Schulleiter Günter Keller in seiner Begrüßungsrede.

 

Bürgermeister Ziegler dankte dem Kollegium auch im Namen des Gemeinderats und versprach Mittel für die CBG-Sanierung.

Herr Keller löste auch das Rätsel um Carl Benz und die Namensgebung auf: In seiner wendungsreichen Geschichte seit der Gründung 1840 wurde das Gymnasium im Zuge der Deutschen Revolution geschlossen, neugegründet, mehrfach umbenannt, bis die Schule 1954 zu ihrem heutigen Namen kam. (Weitere Informationen finden Sie hier.)

Mit Stolz berichtete er davon, dass viele Hürden genommen wurden. Die Schüleranzahl sei, pädagogischen Paradigmen zufolge, eigentlich nie ideal gewesen. Optimal sollten es etwa 600 bis 800 Schüler sein, im CBG waren es allerdings am Anfang zu wenige, mittlerweile werden über 1.000 Schüler unterrichtet und das sprengt fast die Kapazitäten. Und dennoch, meint Keller, sei es dem Kollegium immer gelungen, qualitativ zu unterrichten und eine lebendige Schule zu schaffen.

Große Herausforderung

Nach dem Schulleiter sprach Bürgermeister Reiner Ziegler. „Ich halte mich bewusst zurück, wenn ich mir das Programm für heute und die Anzahl der Redner angucke“, scherzte er und gratulierte anschließend stellvertretend im Namen des Ladenburger Gemeinderates und der Nachbargemeinden Heddesheim, Ilvesheim und Edingen-Neckarhausen. Für viele Schüler aus den umliegenden Gemeinden ist das CBG immer noch die erste Wahl.

Herr Ziegler kam auch auf die bevorstehende Sanierung der Schule zu sprechen und nannte sie in diesem Zusammenhang eine „große Herausforderung“. Er betonte, dass dem Gemeinderat dieses Problem bewusst sei und versprach, die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen.

Zwischen den Grußworten gab es zu mehrere musikalische Elemente, der Neigungskurs Musik führte „Gabriellas Sång“ von Stefan Nilsson auf, insbesondere die Solistin Amelie Meister überzeugte mit einer einwandfreien Leistung.

Amelie Meister (in rot) und der Neigungskurs Musik liefern eine eindrucksvolle Gesangsleistung ab.

 

Kirsten Lather, die Rektorin und Geschäftsführende Schulleiterin der Schulen Ladenburgs, begann ihre Rede mit einem Zitat von Willy Brandt:

Der beste Weg, die Zukunft vorauszuplanen, ist, sie selbst zu gestalten.

Vasen-Philosophie

Für ein kleines Experiment, wie sie es nannte, holte sie Herrn Keller ein zweites Mal auf die Bühne. Der bekam eine leere Glasvase in die Hand gedrückt, dann wurde sie mit großen Kieselsteinen befüllt. Als bis zum Rand Steine darin waren, fragte Lather:

Was meinen Sie, ist die Vase nun voll?

„So wie es sich anfühlt, würde ich sagen: Ja.“, erwiderte Keller, doch sollte damit im Unrecht bleiben. Denn Frau Lather zog einen Beutel voller kleinerer Steinchen hervor, die die Freiräume zwischen den Kieseln ausfüllten.

Herr Keller, der den Sinn des Experimentes schnell begriffen hatte, meinte: „Nach meiner Erfahrung passt da trotzdem noch was rein.“ Und tatsächlich: Zur Belustigung des Publikums zog Frau Lather einen kleinen Beutel voll mit Sand hervor, auch dieser wurde noch in die Vase geschüttet.

Ein volles Glas ist noch nicht unbedingt voll…

 

Doch selbst das sollte noch nicht alles sein: Unter großem Gelächter holte Frau Lather eine Gieskanne heran und die restlichen Freiräume wurden mit Wasser gefüllt.

Auch wenn es zwischenzeitlich ein wenig den Anschein erweckte, als würde Frau Lather Herrn Keller mit ihrem „Experiment“ nur ein wenig auf die Schippe nehmen wollen, verbarg sich hinter dem amüsanten Intermezzo tatsächlich eine tiefgründige Idee:

Wenn man zuerst den Sand in die Vase füllt, dann verbleibt kein Platz für die größeren Steine. Genau so verhält es sich auch mit dem Leben. Denn wer sich zu sehr an Kleinigkeiten aufhängt, verliert den Blick für das wirklich Wichtige.

Daher sei es auch so bedeutsam, sich Prioritäten zu setzen – gerade wenn, wie heutzutage, Zeit immer knapper wird.

Der Schulleiter Günter Keller ist von dem Experiment sichtlich belustigt.

 

Danach erklärte die Schuldekanin von Ladenburg-Weinheim in einer kurzen Ansprache, warum das heutige Ereignis sicher auch zu Luthers Freuden gewesen wäre. Denn dieser forderte in einer Zeit, in der sich nur die Söhne reicher Eltern den Besuch einer Klosterschule leisten konnten, Zugang für alle. Er sei einer der ersten gewesen, der Schulbildung für Mädchen ermöglichen wollte.

Auch der Elternbeirat kam zu Wort: „An der Bildung unserer Kinder sollte auf keinen Fall gespart, sondern umfassend investiert werden.“ Sie hatten Plakate vorbereitet, auf denen ihre Ziele standen und die sie ähnlich wie bei einer Demonstration hochhielten.

Von links nach rechts: „Sanierung bald! Campusmensa für alle!“, „Lernmittelfreiheit ernst nehmen – Leistungsmessung transparent und vergleichbar“, „G8/G9 auch am CBG – mehr individuelle Förderung“ und „Eltern sind keine Hilfslehrer. Kleinere Klassen, besserer Unterricht.“

 

Beate Stumpf, die Vorsitzende des Fördervereins, bedankte sich bei den Eltern für Spendenbeiträge, die sehr hilfreich seien bei der „dringenden Aufgabe, Ungleichheiten im Einkommen der Eltern auszugleichen“.

Bevor Professor Joachim Bauer den Festvortrag hielt, trug Louise Edler die Arie der Adele aus „Die Fledermaus“ vor – begleitet von Christian Kurtzahn am Klavier. Das Publikum belohnte ihre eindrucksvolle Leistung mit großem Applaus.

Professor Bauer: „Nichts ist wichtiger für den Menschen als soziale Bindungen.“

 

Professor Bauer thematisierte „die Bedeutung der pädagogischen Beziehung aus Sicht der Hirnforschung“ und erläuterte, welche biologischen Prozesse im Körper Motivation verursachen (oder diese hemmen), weswegen soziale Netzwerke kein angemessener Ausgleich für echte soziale Bindungen sein könnten und schließlich, wieso Mobbing und Ausgrenzung unbedingt unterbunden werden müssten:

Schmerz verursache Aggression. Der Teil in unserem Hirn, der Schmerzen verarbeitet, reagiere nicht nur auf physische Effekte, sondern auch bei Demütigung und sozialer Isolation, erklärte er.

Diesen sozialen Schmerz machte er unter anderem für grausame Verzweiflungstaten wie Amokläufe verantwortlich.

Außerdem appellierte er an Lehrer und Schüler, sich möglichst zu beherrschen: Menschen neigten aufgrund von Spiegelneuronen im Gehirn dazu, Verhalten nachzuahmen. Wer also anderen mit Unhöflichkeit begegnet, muss mit erwiderter Unhöflichkeit rechnen. Da die Schule ein Ort sei, an dem auf sozialer Ebene besonders viel geschieht, sei es wichtig, das immer im Gedächtnis zu behalten.

Nach einem kurzen Schlusswort des Rektors wurde auf dem Schulgelände noch ein neuer Ahornbaum gepflanzt:

Bäume sind Symbole für Leben und beständiges Wachstum. Außerdem gibt es eine Parallele zwischen Schülern und Bäumen: Beides sind Investitionen in die Zukunft.

Eine Investition für die Zukunft.

Über Minh Schredle

Minh Schredle (22) hat 2013 als Praktikant bei uns angefangen und war seitdem freier Mitarbeiter. Von Dezember 2014 bis August 2016 hat er volontiert. Ab September 2016 ist er freier Mitarbeiter bei uns.