Dienstag, 13. November 2018

Polizei kritisiert VerstĂ¶ĂŸe gegen die Auflagen

Ladenburg setzt klares Zeichen gegen rechts

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Ladenburg/Rhein-Neckar, 17. August 2013. (red/ch/pro) Der NPD Kreisverband Rhein-Neckar hatte fĂŒr heute eine Kundgebung gegen 160 Asylbewerber in Ladenburg angemeldet. Statt der genannten 30 Teilnehmer kamen nur neun Neonazis. Rund 300 Gegendemonstranten setzten wenige Meter entfernt am Wasserturm ein klares Zeichen gegen rechts. Die Polizei hatte alle HĂ€nde voll zu tun, die neutrale Zone zwischen den beiden Gruppen aufrecht zu erhalten. Nach rund 45 Minuten zogen die Neonazis wieder ab. Die Polizei zeigte sich „gerade noch zufrieden“ mit dem Verlauf der beiden Kundgebungen.

Ladenburger/innen und Teilnehmer aus der Region stehen gegen Nazis zusammen.

Ladenburger/innen und Teilnehmer aus der Region stehen gegen Nazis zusammen.

 

Von Christopher Horn und Hardy Prothmann

Der NPD Kreisverband Rhein Neckar hat heute ab 12:00 Uhr wie angekĂŒndigt gegen die Unterbringung von 160 Asylbewerbern in der Ladenburger alten Martinsschule demonstiert. Bereits eine Stunde bevor die Rechtsextremen am Ladenburger Dr.-Carl-Benz Platz eintrafen, versammelten sich rund 300 Gegendemonstranten am Wasserturm, um ein Zeichen gegen Rechts zu setzen. Veranstaltungsleiter war das „BĂŒndnis Wir gegen rechts“.

 

"Nazis raus", rote Karten, mĂ€chtiger LĂ€rm. Rund 300 Gegendemonstranten ließen neun Neonazis keine Chance.

„Nazis raus“, rote Karten, mĂ€chtiger LĂ€rm. Rund 300 Gegendemonstranten ließen neun Neonazis keine Chance.

 

Es ist wichtig dieser kleinen, aber gefÀhrlichen Gruppe von Nazis eine Kraft entgegen zu setzen,

betonte die Ladenburger SPD-StadtrĂ€tin Ilse Schummer. Vertreter aller Fraktionen des Ladenburger Gemeinderats waren ebenso vor Ort wie BĂŒrgermeister-Stellvertreterin Gudrun Ruster, GemeinderĂ€te der GrĂŒnen und SPD aus Heddesheim, Edingen-Neckarhausen und Schriesheim. Ebenso Landtagsabgeordente wie Gerhard Kleinböck (SPD) und der Mannheimer Wolfgang Raufelder (GrĂŒne). Besonders erfreulich, auch Dr. Karl A. Lamers, CDU-Bundestagsabgeordneter nahm sich die Zeit: „Um ganz klar ein Zeichen gegen rechts zu setzen.“ Typischerweise sieht man sonst nicht so viele CDU-Parteimitglieder, die die NĂ€he zur linken Antifa- und Autonomenszene scheuen.

freundeskreis 630

Polizei muss zu Plan B greifen

Mitglieder der Heidelberger Antifaschisten und einige weitere Aktivisten mischten sich unter die Gegendemonstranten und machten mit viel LĂ€rm ihre Ablehnung gegen Fremdenfeindlichkeit ebenfalls mehr als deutlich. Die Polizei versuchte frĂŒhzeitig, eine neutrale Zone zwischen den Gegendemonstranten am Wasserturm und den Vertretern der NPD auf dem Carl-Benz-Platz zu bilden. Eine „neutrale Zone“ mit Abstand von 25 Metern war die bekannte Auflage. Damit konnten sich jedoch nicht alle anfreunden. Noch kurz bevor die NPD eintraf, kam es zu Wortgefechten, kleinen Rangeleien zwischen diesen Gegendemonstranten, Polizei und OrdnungskrĂ€ften.

 

Das geplante Deeskalationskonzept geht nicht auf. Die Bereitschaftspolizei muss antreten.

Das geplante Deeskalationskonzept geht nicht auf. Die Bereitschaftspolizei muss antreten.

 

Sehr viele Gegendemo-Teilnehmer weigerten sich wiederholt, hinter den von der Polizei vorgesehenen Absperrungen zu bleiben. Als die insgesamt neun Neonazis dann um kurz nach zwölf Uhr eintrafen, wurden sie mit lautstarken „Nazi-Raus“ rufen empfangen. Vuvuzelas heulten, Töpfe wurden geklopft, Ratschen und Pfeifen betĂ€tigt. Gleichzeitig gelang es der Polizei nicht, die neutrale Zone zwischen dem beiden Lagern aufrecht zu halten.

Fremdenfeindliche Parolen gehen im LĂ€rm unter

Die Gegendemonstranten rĂŒckten StĂŒck fĂŒr StĂŒck weiter in Richtung des Carl-Benz-Platzes vor. Um die Situation nicht eskalieren zu lassen, entschied man sich von Seiten der Polizei dafĂŒr, eine Kette durch die Bereitschaftspolizei zu bilden, um eine klare Linie zwischen den Gegendemonstranten und der NPD zu ziehen. Das hatte man eigentlich vermeiden wollen.

Wir können insgesamt noch zufrieden sein, auch wenn wir mit der Personenkette zum Plan B greifen mussten,

zog Polizeisprecher Markus Winter Bilanz. Unter dem großen LĂ€rm des „BĂŒndnis Wir gegen Rechts“ trat der NPD Kreisvorsitzende Jan Jeschke schließlich ans Mikrofon und sorgte mit SĂ€tzen wie: „Die NPD ist die einzige Alternative fĂŒr das deutsche Volk“, oder „Sozialwohnungen anstatt Asylantenheime“ fĂŒr großen Unmut bei den 300 Gegendemonstranten. Ein weiterer Redner sagte:

„TĂŒrken und Araber können gerne in ihrem eigenen Land leben.“

TatsĂ€chlich war wegen der anhaltenden Sprechchöhre „Nazis raus!“ oder „Gebt den Faschisten keine Stimme“ von der NPD eigentlich nichts zu hören.

Diese fremdenfeindlichen Aussagen sind untragbar, wir dĂŒrfen nicht zulassen, dass die NPD auf Kosten der Asylbewerber hier Wahlkampf macht,

betonte ein 27-jĂ€hriger von den „Sambartistas“ aus Heidelberg.

 

Spontanmarsch durch die Bahnhofstraße.

Spontanmarsch durch die Bahnhofstraße.

Zufriedenheit trotz VerstĂ¶ĂŸen gegen die Auflagen

Nach 45 Minuten beendete die NPD angesichts der lautstarken Übermacht der Gegendemonstranten ihre Kundgebung und zog sich zurĂŒck. Daraufhin marschierten die Gegendemonstranten spontan vom Wasserturm die Bahnhofstraße hinunter bis zur EisenbahnbrĂŒcke, wo die Polizei den Aufmarsch stoppte. Dieser löste sich rund 20 Minuten spĂ€ter auf. Nichtsdestotrotz kam am Bahnhof nochmals zu einem spontanen Aufeinandertreffen beider Seiten, das dank der PrĂ€senz der Polizei friedlich und ohne Übergriffe endete.

Beide Seiten haben mit dieser Aktion klar gegen die Auflagen und die Vereinbarungen verstoßen. Um die Situation nicht eskalieren zu lassen, sind wir aber nicht dagegen vorgegangen

sagte Markus Winter. Insgesamt waren etwa 100 EinsatzkrĂ€fte von Schutz-und Bereitschaftspolizei heute vor Ort und sorgten fĂŒr einen friedlichen Ablauf der Kundgebung. Im Einsatz waren auch vier Polizeireiter. Verletzt wurde niemand, auch gefĂ€hrliche GegenstĂ€nde mussten die Beamten keine sicher stellen.

Die NPD hat hier heute kein Bein auf den Boden bekomnen,

sagte der Heidelberger Bundestagsabgeordnete Dr. Karl A. Lamers.

Der Heddesheimer Fraktionssprecher der GrĂŒnen, GĂŒnther Heinisch sagte:

Wenn jemand Asyl beantragen muss, steht dahinter meist ein schlimmes Schicksal. Ladenburg ist gast- und fremdenfreundlich, wie auch die Nachbargemeinden. Das bringen die Menschen hier ĂŒberzeugend zum Ausdruck.

 

Ratschen gegen rechts.

Ratschen gegen rechts.

 

Hinweis: Unsere umfangreichen Fotostrecken sind fast immer dokumentarisch – das heißt, wir zeigen die Fotos in der zeitlichen Abfolge.

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