Mittwoch, 17. Januar 2018

Polizei kritisiert VerstĂ¶ĂŸe gegen die Auflagen

Ladenburg setzt klares Zeichen gegen rechts

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Ladenburg/Rhein-Neckar, 17. August 2013. (red/ch/pro) Der NPD Kreisverband Rhein-Neckar hatte fĂŒr heute eine Kundgebung gegen 160 Asylbewerber in Ladenburg angemeldet. Statt der genannten 30 Teilnehmer kamen nur neun Neonazis. Rund 300 Gegendemonstranten setzten wenige Meter entfernt am Wasserturm ein klares Zeichen gegen rechts. Die Polizei hatte alle HĂ€nde voll zu tun, die neutrale Zone zwischen den beiden Gruppen aufrecht zu erhalten. Nach rund 45 Minuten zogen die Neonazis wieder ab. Die Polizei zeigte sich „gerade noch zufrieden“ mit dem Verlauf der beiden Kundgebungen.

Ladenburger/innen und Teilnehmer aus der Region stehen gegen Nazis zusammen.

Ladenburger/innen und Teilnehmer aus der Region stehen gegen Nazis zusammen.

 

Von Christopher Horn und Hardy Prothmann

Der NPD Kreisverband Rhein Neckar hat heute ab 12:00 Uhr wie angekĂŒndigt gegen die Unterbringung von 160 Asylbewerbern in der Ladenburger alten Martinsschule demonstiert. Bereits eine Stunde bevor die Rechtsextremen am Ladenburger Dr.-Carl-Benz Platz eintrafen, versammelten sich rund 300 Gegendemonstranten am Wasserturm, um ein Zeichen gegen Rechts zu setzen. Veranstaltungsleiter war das „BĂŒndnis Wir gegen rechts“.

 

"Nazis raus", rote Karten, mĂ€chtiger LĂ€rm. Rund 300 Gegendemonstranten ließen neun Neonazis keine Chance.

„Nazis raus“, rote Karten, mĂ€chtiger LĂ€rm. Rund 300 Gegendemonstranten ließen neun Neonazis keine Chance.

 

Es ist wichtig dieser kleinen, aber gefÀhrlichen Gruppe von Nazis eine Kraft entgegen zu setzen,

betonte die Ladenburger SPD-StadtrĂ€tin Ilse Schummer. Vertreter aller Fraktionen des Ladenburger Gemeinderats waren ebenso vor Ort wie BĂŒrgermeister-Stellvertreterin Gudrun Ruster, GemeinderĂ€te der GrĂŒnen und SPD aus Heddesheim, Edingen-Neckarhausen und Schriesheim. Ebenso Landtagsabgeordente wie Gerhard Kleinböck (SPD) und der Mannheimer Wolfgang Raufelder (GrĂŒne). Besonders erfreulich, auch Dr. Karl A. Lamers, CDU-Bundestagsabgeordneter nahm sich die Zeit: „Um ganz klar ein Zeichen gegen rechts zu setzen.“ Typischerweise sieht man sonst nicht so viele CDU-Parteimitglieder, die die NĂ€he zur linken Antifa- und Autonomenszene scheuen.

freundeskreis 630

Polizei muss zu Plan B greifen

Mitglieder der Heidelberger Antifaschisten und einige weitere Aktivisten mischten sich unter die Gegendemonstranten und machten mit viel LĂ€rm ihre Ablehnung gegen Fremdenfeindlichkeit ebenfalls mehr als deutlich. Die Polizei versuchte frĂŒhzeitig, eine neutrale Zone zwischen den Gegendemonstranten am Wasserturm und den Vertretern der NPD auf dem Carl-Benz-Platz zu bilden. Eine „neutrale Zone“ mit Abstand von 25 Metern war die bekannte Auflage. Damit konnten sich jedoch nicht alle anfreunden. Noch kurz bevor die NPD eintraf, kam es zu Wortgefechten, kleinen Rangeleien zwischen diesen Gegendemonstranten, Polizei und OrdnungskrĂ€ften.

 

Das geplante Deeskalationskonzept geht nicht auf. Die Bereitschaftspolizei muss antreten.

Das geplante Deeskalationskonzept geht nicht auf. Die Bereitschaftspolizei muss antreten.

 

Sehr viele Gegendemo-Teilnehmer weigerten sich wiederholt, hinter den von der Polizei vorgesehenen Absperrungen zu bleiben. Als die insgesamt neun Neonazis dann um kurz nach zwölf Uhr eintrafen, wurden sie mit lautstarken „Nazi-Raus“ rufen empfangen. Vuvuzelas heulten, Töpfe wurden geklopft, Ratschen und Pfeifen betĂ€tigt. Gleichzeitig gelang es der Polizei nicht, die neutrale Zone zwischen dem beiden Lagern aufrecht zu halten.

Fremdenfeindliche Parolen gehen im LĂ€rm unter

Die Gegendemonstranten rĂŒckten StĂŒck fĂŒr StĂŒck weiter in Richtung des Carl-Benz-Platzes vor. Um die Situation nicht eskalieren zu lassen, entschied man sich von Seiten der Polizei dafĂŒr, eine Kette durch die Bereitschaftspolizei zu bilden, um eine klare Linie zwischen den Gegendemonstranten und der NPD zu ziehen. Das hatte man eigentlich vermeiden wollen.

Wir können insgesamt noch zufrieden sein, auch wenn wir mit der Personenkette zum Plan B greifen mussten,

zog Polizeisprecher Markus Winter Bilanz. Unter dem großen LĂ€rm des „BĂŒndnis Wir gegen Rechts“ trat der NPD Kreisvorsitzende Jan Jeschke schließlich ans Mikrofon und sorgte mit SĂ€tzen wie: „Die NPD ist die einzige Alternative fĂŒr das deutsche Volk“, oder „Sozialwohnungen anstatt Asylantenheime“ fĂŒr großen Unmut bei den 300 Gegendemonstranten. Ein weiterer Redner sagte:

„TĂŒrken und Araber können gerne in ihrem eigenen Land leben.“

TatsĂ€chlich war wegen der anhaltenden Sprechchöhre „Nazis raus!“ oder „Gebt den Faschisten keine Stimme“ von der NPD eigentlich nichts zu hören.

Diese fremdenfeindlichen Aussagen sind untragbar, wir dĂŒrfen nicht zulassen, dass die NPD auf Kosten der Asylbewerber hier Wahlkampf macht,

betonte ein 27-jĂ€hriger von den „Sambartistas“ aus Heidelberg.

 

Spontanmarsch durch die Bahnhofstraße.

Spontanmarsch durch die Bahnhofstraße.

Zufriedenheit trotz VerstĂ¶ĂŸen gegen die Auflagen

Nach 45 Minuten beendete die NPD angesichts der lautstarken Übermacht der Gegendemonstranten ihre Kundgebung und zog sich zurĂŒck. Daraufhin marschierten die Gegendemonstranten spontan vom Wasserturm die Bahnhofstraße hinunter bis zur EisenbahnbrĂŒcke, wo die Polizei den Aufmarsch stoppte. Dieser löste sich rund 20 Minuten spĂ€ter auf. Nichtsdestotrotz kam am Bahnhof nochmals zu einem spontanen Aufeinandertreffen beider Seiten, das dank der PrĂ€senz der Polizei friedlich und ohne Übergriffe endete.

Beide Seiten haben mit dieser Aktion klar gegen die Auflagen und die Vereinbarungen verstoßen. Um die Situation nicht eskalieren zu lassen, sind wir aber nicht dagegen vorgegangen

sagte Markus Winter. Insgesamt waren etwa 100 EinsatzkrĂ€fte von Schutz-und Bereitschaftspolizei heute vor Ort und sorgten fĂŒr einen friedlichen Ablauf der Kundgebung. Im Einsatz waren auch vier Polizeireiter. Verletzt wurde niemand, auch gefĂ€hrliche GegenstĂ€nde mussten die Beamten keine sicher stellen.

Die NPD hat hier heute kein Bein auf den Boden bekomnen,

sagte der Heidelberger Bundestagsabgeordnete Dr. Karl A. Lamers.

Der Heddesheimer Fraktionssprecher der GrĂŒnen, GĂŒnther Heinisch sagte:

Wenn jemand Asyl beantragen muss, steht dahinter meist ein schlimmes Schicksal. Ladenburg ist gast- und fremdenfreundlich, wie auch die Nachbargemeinden. Das bringen die Menschen hier ĂŒberzeugend zum Ausdruck.

 

Ratschen gegen rechts.

Ratschen gegen rechts.

 

Hinweis: Unsere umfangreichen Fotostrecken sind fast immer dokumentarisch – das heißt, wir zeigen die Fotos in der zeitlichen Abfolge.

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  • Antifa???

    … ich seh gar keinen „schwarzen Block“. Wo ist denn die böse Antifa, die sich „unter die Gegendemonstranten“ mischten???

    Ein Gegendemonstrant wurde von einem NPD-AnhÀnger mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Wo ist die Meldung hierzu?

    • hardyprothmann

      Guten Tag!

      Ist die gesamte Antifa ein „schwarzer Block“ – das wĂ€re mir neu.
      Auf der NPD-Seite steht, dass ein NPD-Mitglied geschlagen worden ist. Das kann jetzt heißen, dass beide Seiten „Propaganda“ verbreiten, denn die Polizei hat dazu keine Informationen herausgegeben und wir haben nichts beobachtet.

      Es kann aber auch sein, dass, da beide Seiten das „berichten“, es tatsĂ€chlich „gekleppert“ hat. Doch wo und wie?

      Sehr zweifelhaft ist, dass sich das am Wasserturm abgespielt haben soll. Wir waren zu zweit dort, kennen drei, vier andere Fotojournalisten und man tauscht sich aus. Die Info gab es nicht.

      Der GeschÀdigte kann sich an jedes Polizeirevier wenden und dort Anzeige erstatten. Ebenfalls gegen die Beamten, die angeblich nichts unternommen haben. Sobald das geschehen ist, sind wir sehr an Informationen interessiert und werden dazu berichten.

      Solange uns diese Informationen fehlen, halten wir die Behauptung fĂŒr „angeblich“.

      • Martin Wilh. Leidig, Ladenburg

        Tja, Anzeige gegen einen Polizisten 
 was wird da wohl passieren? Sofortige Gegenanzeige des Polizisten wegen Widerstands oder TĂ€tlichkeit oder irgendwas anderem, kennt man doch zur GenĂŒge. Wem dann vor Gericht geglaubt wird auch; und wenn einer, der einem alten Mann mit dem Wasserwerfer das Auge ausgeschossen hat, verurteilt wird, dann zu einem Strafmaß unter 12 Monaten auf BewĂ€hrung – damit darf man nĂ€mlich Polizist bleiben.

        Nur am Rande angemerkt: als ich einen der uniformierten Reiter am Wasserturm auf die von den Pfernden hinterlassenen Dreckhaufen ansprach und, nachdem er mich sehr arrogat abgewiesen hatte, nach seiner Dienstnummer fragte, bekam ich unter Grinsen die Auskunft «4711!».

        Soviel nur zu den Aussichten juristischen Vorgehens.

      • Martin Wilh. Leidig, Ladenburg

        Btw: der Naziangriff ereignete sich in BahnhofsnÀhe, als die Herrenmenschen abzogen.

  • lĂŒgenpresse

    Leider dient der artikel nur zum zwecke der pro polizei heuchelei und den anschein zu waren das die parteien wieklich intresse daran hĂ€tten etwas gegen rechts zu unternehmen aber sowas bezeichnet man dann natĂŒrlich als „freie“ presse

    • hardyprothmann

      Ich bin der Redakteur dieses Artikels, der als Entwurf von Christopher Horn verfasst worden ist. Christopher ist VolontÀr der TegernseerStimme.de, einem unserer Partnerblogs aus dem Netzwerk http://istlokal.de.

      Der Oberbayer hat zum ersten Mal von einer Demo berichtet und keinerlei „Aktien“ hier. Er kennt niemanden und natĂŒrlich auch keine „VerhĂ€ltnisse“ – er ist ein ziemlich neutraler Beobachter.

      Er hat seinen Job gut gemacht und aufgeschrieben, was er beobachtet hat und nicht, was andere gerne lesen wĂŒrden. Er hat sich erkundigt, Fragen gestellt und Gedanken gemacht.

      Bei uns schreiben ĂŒbrigens alle Autoren das auf, was sie beobachtet und in Erfahrung gebracht haben. Als Chefredakteur bin ich fĂŒr Texte verantwortlich. Ich prĂŒfe Aussagen und Inhalte, das nennt sich Fact-Checking.

      Bei uns gibt es keine „gesteuerten Vorgaben“ und keine politische Zensur – wohl aber eine inhaltliche. Die Stories mĂŒssen „stimmen“ – und wenn auch nur durch das Auge des Betrachters. Was sich nicht belegen lĂ€sst, muss als GerĂŒcht kenntlich gemacht werden.

      Wer das Pseudonym „lĂŒgenpresse“ verwendet, scheint zu glauben, dass alle Presse lĂŒgt. Das ist nachvollziehbar, weil es wirklich viel Scheiß gibt, der tĂ€glich „journalistisch“ produziert wird.

      Bevor man aber pauschal und auch ein wenig faschistisch angehaucht, nur abkotzt, könnte man sich auch ein wenig informieren. Mit 14 Abmahnungen in vier Jahren Berichterstattung gelten wir nicht unbedingt als „bequeme“ Presse.

      Der „andere Journalist“ in dem Artikel war ich.
      http://www.rheinneckarblog.de/07/enormes-polizeiaufgebot-begleitet-npd-demo-von-20-personen/5239.html

      Wir berichten. UnabhÀngig.

      Was den politischen Willen der Parteien angeht, diesen in Zweifel zu ziehen, „was gegen rechts zu tun“, ist eine berechtigte Frage.

      Auch der sind wir immer wieder nachgegangen:
      http://www.rheinneckarblog.de/03/nix-hoeren-nix-sehen-nix-sagen-die-spd-vor-ort-macht-die-drei-affen/2124.html

      Sie können sicher sein – das trĂ€gt man uns noch heute nach. Na und?

      Bevor Sie also das nÀchste Mal Blödsinn hier posten, wÀre es von Vorteil, wenn Sie sich ein wenig Informationen verschaffen.

  • Tobi

    Hallo,
    ich finde es eine Frechheit, dass hier die Gesichter der gezeigten Gegendemonstranten gezeigt werden. Die Nazis nutzen solche Bilder, um Antifaschisten zu verfolgen. Ich bitte darum, die Gesichter unkenntlich zu machen („verpixeln“).
    MfG

    • hardyprothmann

      Guten Tag!

      Personen, die sich an einer öffentlichen Demonstration, bei es um „Gesicht zeigen“ geht, verpixeln wir in aller Regel nicht.

      Ihre BefĂŒrchtungen sind insofern auch vollstĂ€ndig irrelevant, als die Nazis selbst dauerhaft filmen und fotografieren.