Donnerstag, 20. September 2018

Ladenburg hat viele Probleme – eins sind Leute, die nicht denken, bevor sie reden

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Ladenburg, 17. Mai 2011. Bei der öffentlichen Diskussion um Möglichkeiten der Verkehrsberuhigung ist vor allem ein Teilnehmer unangenehm aufgefallen – und der gehört ausgerechnet zum Arbeitskreis Stadtmarketing. Also einer Runde, die Ladenburg nach vorne bringen sollte, statt die Stadt und seine GeschĂ€ftsleute zu beschĂ€digen. Der Arbeitskreis sollte dringend ĂŒberlegen, wie er sich weiterhin aufstellt, sollte man ihn noch ernst nehmen sollen.

Von Hardy Prothmann

Das Zitat hat es in sich:

„Ich bin grimmig, ich sehe mich einer BdS-Fraktion gegenĂŒber, die in Kreml-Manier Njet sagt. Und ich sehe eine große Gruppe, die sich ĂŒber Jahre jeder Änderung verschließt. Und zu Ihnen, Frau Henseler sage ich ironisch: So wie Sie Ihre WĂ€schestĂ€nder da rausstellen, halten Sie die Altstadt doch schon fĂŒr eine FußgĂ€ngerzone.“

Herr Grimmig Isenbart vom Arbeitskreis Stadtmarketing setzte den Angriff auf Renate Henseler-Sohn, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin des Modehaus Sohn, die auch Sprecherin des Bundes der SelbstĂ€ndigen ist, gezielt und persönlich ab.

Da ist man als Beobachter erstmal sprachlos. Nicht, weil man nicht weiß, dass es in der Stadt viel blödes GeschwĂ€tz gibt und sich nicht alle grĂŒn sind. Nicht, weil man nicht weiß, dass es immer Diskussionen ĂŒber alles mögliche gibt. Sehr wohl aber darĂŒber, dass ein Mitglied des Arbeitskreis Stadtmarketing so ziemlich genau das Gegenteil von dem tut, was dieser Arbeitskreis sich selbst als Ziel gesetzt hat:

Unser Hauptziel als Arbeitskreis ist es, Ladenburg fĂŒr Einwohner, Touristen, Handel, Handwerk und Industrie attraktiv zu gestalten. Unsere weiteren Ziele sind, die Kaufkraft zu binden aber auch, bei der Entwicklung eines abwechselungsreichen Freizeit- und Kulturangebotes mitzuwirken und uns fĂŒr eine gute Verkehrsanbindung einzusetzen.
Wir möchten dabei mit allen relevanten Gruppen der Stadt zusammenarbeiten.

Welches Problem Herr Isenbart mit Frau Henseler-Sohn „persönlich“ hat, wurde nicht weiter ausgefĂŒhrt. Dass Herr Isenbart ein Problem mit „Marketing“ hat und mit Frau Henseler-Sohn, wurde hingegen sehr deutlich.

Herr Isenbart wirft Frau Henseler-Sohn vor, dass sie ihre Waren prĂ€sentiert. Ihre „WĂ€sche“ hat Frau Henseler-Sohn sicher nicht vor dem GeschĂ€ft stehen. Herr Isenbart zeigte damit, dass er ein grundsĂ€tzliches Problem des „Marketing“ nicht verstanden hat: Marktteilnehmer prĂ€sentieren ihre Waren. Sie „preisen“ sie „an“. Sie wollen sie nĂ€mlich verkaufen. Umsatz machen, ihre Angestellten bezahlen und wenn was ĂŒbrig gleibt, Gewinn machen. Und wenn dieses Marketing funktioniert, will auch die Stadt was davon abhaben. In Form von Steuern.

Ganz sicher funktioniert „Marketing“ heute anders als vor zehn Jahren, vor zwanzig Jahren, vor fĂŒnzig Jahren und seit dem Zeitpunkt, als irgendjemand das Wort „Marketing“ benannt hat.

Ganz sicher ist aber auch: Egal, nach welchen Prinzipien der Markt funktionieren soll, eins war schon immer falsch – undifferenzierte Angriffe, die fĂŒr Irritation und Unruhe sorgen. Gutes Marketing im Sinne von „Wirtschaften auf der Höhe der Zeit“ hat schon immer ein Prinzip verfolgt – nĂ€mlich den Markt zu stĂ€rken und niemals, ihn zu schwĂ€chen.

Marketing braucht klare Ziele und klare Positionen, statt schwammigem Lammentieren. Am wenigsten braucht es unqualifiziertes GestÀnker.

Erfolgreiches Marketing hat viel mit Image zu tun. Image wiederum kann positiv oder negativ sein. Dementsprechend ist der „Markt“. Schlecht oder gut. Willkommen oder abgelehnt. Erfolgreich oder erfolglos.

Herr Isenbart sollte dringend darĂŒber nachdenken, ob er der Stadt Ladenburg, ihren GeschĂ€ftsleuten, den Einwohnern und Touristen wirklich hilft, mit solchen Äußerungen „attraktiv zu gestalten“. Denn „Attraktion“ heißt Anziehung und nicht Abstoßung.

Der Arbeitskreis „Stadtmarketing“ sollte sich dringend ĂŒberlegen, ob er solche Mitglieder braucht, die inhaltlich nichts beitragen, sondern nur mit fragwĂŒrdiger Polemik auffallen.

Vielleicht sollte der Arbeitskreis Stadtmarketing auch insgesamt ĂŒber eine „inhaltliche Neuausrichtung“ nachdenken und vor allem ĂŒber das „SelbstverstĂ€ndnis“. Der bisherige Einsatz und geplante Einsatz ist sicher lobenswert im Sinne eines ehrenamtlichen, freiwilligen Engagements.

Einen professionell-verbindlichen Anspruch aus dem Arbeitskreis abzuleiten, ist sicherlich ein Fehler. Das hat das Auftreten des Herrn Isenbart deutlich unterstrichen. Denn der hat nicht nachgedacht, bevor er sich zu Wort gemeldet hat – und wenn doch, ist es nur umso schlimmer.

OsterbrunnenschmĂŒcken und Hexenrundgang sind „nette“ und insgesamt harmlose AktivitĂ€ten, die ĂŒber den Ort hinaus nicht wirken. Die „Mitarbeit“ an der Gestaltung der „Homepage“ hingegen wirkt weit ĂŒber Ladenburg hinaus und ist ein schwerwiegender Marketingfehler, der dem selbstgesetzten Ziel kontraproduktiv entgegensteht.

Wer sich ĂŒber die Homepage von Ladenburg zu Ladenburg informiert, bekommt von außen gesehen einen falschen, schlechten Eindruck. Wer sich am Auftritt von Herrn Isenbart orientiert leider auch einen von innen.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.