Freitag, 20. September 2019

Gemeinderat: Kinderbetreuung in Ladenburg

„Gute Erfahrung mit privaten Trägern“

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Ladenburg, 17. März 2011. (red/sap) In gleich drei Tagesordnungspunkten auf der Ladenburger Gemeinderatssitzung am vergangenen Mittwoch, 14. März 2012, ging es um die Kinderbetreuung.  Heiß diskutiert wurde die geplante Ganztagsbetreuung in der Astrid-Lindgren-Schule durch einen privaten Träger.

Von Sabine Prothmann

Zu der örtlichen Bedarfsplanung für die Betreuung in Ladenburger Kindereinrichtungen für das laufende Kindergartenjahr 2011/2012 berichtete Bürgermeister Rainer Ziegler, dass unverändert insgesamt 368 Kindergartenplätze zur Verfügung stehen. 380 Kinder im Geburtszeitraum 01. September 2005 bis 31. August 2008 haben einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz im Kindergartenjahr 2011/2012.

Für das Kindergartenjahr 2012/2013 stehen wiederum insgesamt 368 Kindergartenplätze zur Verfügung. Aber dann haben 406 Kinder einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz.

Der tatsächliche Bedarf, so Ziegler, sei niedriger:

„Der Anspruch wird nie ganz ausgeschöpft.“

Zudem wurde festgestellt, dass der Bedarf an Plätzen für Kinder über drei Jahren rückläufig sei, der Bedarf an Plätzen für Kinder unter drei Jahren aber weiterhin steige.

Gemäß der Zahlen hält die Verwaltung die anerkannte Gruppenzahl der Ladenburger Kindergärten der Stadt und der konfessionellen Träger auch im nächsten Kindergartenjahr für erforderlich.

Nach Ansicht der Verwaltung sollte auch im kommenden Kindergartenjahr das Angebot zur Kleinkindbetreuung von privaten Anbietern, Kinder-Laden-Burg e.V., Postillion e.V. und Pfiff e.V., uneingeschränkt aufgenommen werden.

Zudem wies der Bürgermeister auf den ab dem 01. August 2013 geltenden Rechtsanspruch für alle Kinder ab dem vollendeten 1. Lebensjahr hin.

Als wichtiges Element in der Kleinkindbetreuung bezeichnete der Bürgermeister die zwölf Tagesmütter in Ladenburg, die bis zu insgesamt 35 Kinder betreuen zu können.

„Gute Erfahrung mit privaten Trägern“

Prof. Dr. Rainer Beedgen (CDU) unterstrich das starke Engagement der privaten Träger:

„Damit haben wir gute Erfahrung gemacht. Und teilweise sind die Privaten fortschrittlicher als wir.“

In seinem Statement lobte Gemeinderat Sascha Barembruch (SPD) zum einen die gute Zusammenarbeit der Kinderbetreuungsstätten und der Stadt und zum anderen die grün-rote Landesregierung. „Sie lässt uns als Kommune nicht im Stich“, das Geld, was hier investiert werde, wirke nachhaltig durch die Förderung der Kinder.

„Den Mix (öffentliche und private Träger) begrüßen wir“, sagte Wolfgang Luppe (FDP).

Der örtlichen Bedarfsplanung wurde einstimmig zugestimmt.

Ganztagsbetreuung an der Astrid-Lindgren-Schule

Heiß diskutiert wurde der Antrag zur Einrichtung einer privaten ganztägigen Betreuung von Schülerinnen und Schülern an der Astrid-Lindgren-Schule.

Im Moment gibt es an der Astrid-Lindgren-Schule eine Kernzeitbetreuung mit einer Kapazität von 30 Plätzen. Mit den Abgängen und Neuanmeldungen ist es abzusehen, dass die Kernzeitbetreuung auch zum Schuljahresanfang 2012/2013 voll ausgelastet ist.

Eine Nachmittagsbetreuung gibt es momentan dort nicht.

Da aber dort ein Bedarf an ganztägiger Betreuung bestünde, haben betroffene Eltern die Initiative entwickelt, einen Verein zu gründen, der ein ganztägiges Betreuungsangebot anbietet.

In der nichtöffentlichen Sitzung des Gemeinderates im Februar 2012 würde über dieses Konzept mit positiver Tendenz beraten. Daraufhin haben die Initiatoren eine Bedarfsabfrage im Einzugbereich der Astrid-Lindgren-Schule durchgeführt und das Ergebnis war so positiv, dass die Initiatoren ihr Betreuungskonzept als realisierbar bezeichnen.

Verzichtet Stadt auf Kernzeitbetreuung?

Bei den Verhandlungen zwischen Stadtverwaltung, Initiatoren und Schulleitung hat sich folgender Rahmen ergeben:

  • Das Angebot des künftigen Vereins ist nur dann wirtschaftlich darstellbar, wenn die Stadt Ladenburg ihr Angebot der Kernzeitbetreuung an der Astrid-Lindgren-Schule aufgibt und diese dem künftigen Verein überlässt.
  • Der Verein kann die Räume und das Außengelände sowie die Sporthalle der Schule kostenlos mitbenutzen. Sowie auch das Mobilar.
  • Die Stadt Ladenburg baut eine Küchenzeile ein und trennt diese räumlich ab. Die Küche wird von der Stadt erstausgestattet und kann während der Unterrichtszeit von der Schule benutzt werden.
  • Der Verein erhält von der Stadt keine finanziellen Zuwendungen; das Personal wird vom Verein eigenverantwortlich eingestellt.
  • Die Betragsgestaltung obliegt dem Verein. Das pädagogische Konzept wird mit der Schulleitung abgestimmt.

„Stadt bislang verlässlicher Partner“

Die Stadt sei bislang ein verlässlicher Partner gewesen, hatte ein Vater in der Fragestunde der Einwohner angemerkt:

„Wie ist das jetzt mit einem privaten Anbieter und wie sieht das mit den Kosten aus?“

Bürgermeister Ziegler verwies diesbezüglich auf einen Infoabend am 20. März 2012, falls der Beschlussvorschlag angenommen würde.

Ziegler betonte, die Stadt verzichte im Sinne der Subsidarität und Trägervielfalt auf eine eigene Betreuung und der Verein biete ein gleichwertiges Angebot.

Die Stadt müsste für die Küchenzeile und Erstausstattung 14.000 Euro investieren.

„Der Staat (Stadt) muss nicht alles machen“

„Wir werden zustimmen“, erklärte Beedgen (CDU). Er verstehe die Bedenken bei Veränderungen, aber der „Staat (Stadt) muss nicht alles machen“. So haben man mehr Chancen mehr Kinder zu betreuen. Seine Fraktion sei froh über die private Initiative in der Weststadt, „wir heiraten ja nicht“, unterstrich Beedgen.

Auch seine Fraktion sehe darin eine gute Chance für einen Austausch zwischen Stadt und privatem Träger, so Bernd Garbaczok (SPD). Zudem regte er an die beiden Damen der Kernzeitbetreuung bei dem neuen Betreuungskonzept einzubinden.

„Es muss einen Versuch wert sein“, meinte auch Gudrun Ruster (FW). Wenn der Verein scheitere, wovon sie nicht ausgehe, „dann sind wir als Stadt gefragt, die gleiche pädagogische Qualität auch für die Weststadt zu bieten.“

Ingrid Dreier stellte für die GLL den Antrag, dass die Betreuung in städtischer Hand bleibe. Hier seien Fachleute gefragt. Die Betreuung der Schüler dürfe nicht nur von engagierten Menschen übernommen werden, sondern müsse auch von fachlich ausgebildeten Pädagogen übernommen werden.

„Stadt soll neben der Kernzeit- auch die Nachmittagsbetreuung übernehmen“

„Wir stimmen nicht generell gegen die Betreuung“, sondern die GLL wolle dass die Stadt neben der Kernzeit- auch die Nachmittagsbetreuung übernehme.

„Der Staat soll nur das machen, was der Bürger nicht kann“, meinte Wolfgang Luppe (FDP) und weiter „wir sehen keinen qualitativen Unterschied bei den Mitarbeiterinnen der Kernzeitbetreuung“.

Der Verein habe angekündigt, auch pädagogisches Personal, nämlich eine Erzieherin, einzusetzen, so entstehe eine Mischform, erklärte der Bürgermeister.

Provokativ meinte Dr. Peter Hilger (FW):

Wir kennen Kinder von Pädagogen und Psychologen, die miserabel erzogen wurden.

Ilse Schummer (SPD) entgegnete scharf, man solle einen Beruf nicht in dieser Art herabwürdigen.

Der Antrag der GLL wurde bei zwei Befürwortungen abgelehnt.

Auf Bitte von Ingrid Dreier stimmte Bürgermeister Ziegler den Beschlussvorschlag der Verwaltung in einer Einzelabstimmung ab.

Bei zwei Gegenstimmen (GLL) beschloss der Gemeinderat, dass die Stadt Ladenburg im Sinne der Subsidarität und Trägervielfalt darauf verzichte, eine Ganztagsbetreuung in städtischer Trägerschaft einzurichten.

Bei einer Gegenstimme (Dreier) und einer Enthaltung (Spangenberg) wurde der Vorschlag der Verwaltung, die städtische Kernzeitbetreuung zum Schuljahresende aufzugeben, angenommen.

Bei einer Enthaltung (Dreier) wurde beschlossen, der Einrichtung einer privaten Ganztagesbetreuung an der Astrid-Lindgren-Schule grundsätzlich zuzustimmen.

Einstimmig wurde beschlossen, die Ganztagesbetreuung dem zu gründenden Verein, in den Räumen der Schule zu gestatten, sowie die Mitbenutzung der Räumlichkeiten. Zudem wurde der Investition von 14.000 Euro für den Einbau der Küche sowie der Erstausstattung zugestimmt.

Neue Hortgruppe in der Dalberg-Grundschule?

Der dritte Tagesordnungspunkt zur Kinderbetreuung war die Entwicklung der Hortbetreuung in der Dalberg-Grundschule.

In der Hortbetreuung an der Dalberg-Grundschule sind zur Zeit alle vorhandenen 50 Plätze belegt. Zum Schuljahresende 2011/2012 verlassen neun Kinder die Hortbetreuung, sieben Kinder stehen seit längerer Zeit auf der Warteliste, diese benötigen sofort einen Hortplatz. Zum Schuljahresbeginn 2012/2013 liegen bereits jetzt 26 Anmeldungen vor. Somit ergibt sich ab dem neuen Schuljahr aus heutiger Sicht ein Bedarf von momentan 74 Hortplätzen.

Nachdem im Haus des Kindes im Obergeschoss durch den Auszug der Merian-Realschule Räume frei geworden sind, besteht die Möglichkeit, die bestehenden Hortgruppen zu vergrößern. Nach Rücksprache mit dem Kommunalverband Jugend und Soziales können aufgrund der zusätzlichen zur Verfügung stehenden Räume 18 weitere Kinder aufgenommen werden. Somit stehen ab dem neuen Schuljahr im Hort 68 Plätze zur Verfügung.

Die Ausweitung des Hortes um 18 Kinder kann mit dem bestehenden Personal pädagogisch nicht bewältigt werden. Dies gilt auch vor dem Hintergrund, dass auch an der Dalberg-Schule und damit auch im Hort die Inklusion von entsprechend bedürftigen Kindern grundsätzlich möglich sein soll.

Deshalb werde aus Sicht der Verwaltung die Aufstockung des pädagogischen Personals mit einer Fachkraft vor allem für den Nachmittag notwendig. Die wöchentliche Arbeitszeit würde 26 Stunden umfassen.

Für die Einrichtung der zusätzlichen Räumlichkeit ist eine weitere Gaderobe mit Ranzenfächern erforderlich, die Kosten hierfür betragen rund 8.000 Euro. Aufgrund der erhöhten Kinderzahl ist die herkömmliche Spülmaschine durch eine Industriespülmaschine zu ersetzen, außerdem werden zwei Wärmebehälter, zusätzliches Geschirr und ein zusätzlicher Schrank für die Küche notwendig. Hierfür werden rund 7.600 Euro benötigt.

Für die zusätzliche Fachkraft würden jährlich Kosten in Höhe von 31.300 Euro anfallen, die Arbeitszeit der Küchenkraft muss infolge der erhöhten Kinderzahl täglich um eine halbe Stunde verlängert werden, damit sind Kosten in Höhe von 1.600 Euro jährlich verbunden.

Durch die Neuaufnahme von 18 Kindern können zusätzliche Elternbeiträge in Höhe von rund 30.800 Euro vereinnahmt werden.

Die laufenden Kosten des Hortes würden sich bei dieser Vorgehensweise um etwa 2.100 Euro pro Jahr erhöhen.

Erst Anmeldezahlen, dann Personal

Man müsse erst mal sehen, wie das erweiterte Angebot angenommen werde, dann könne man über mehr Personal sprechen, so Beedgen (CDU).

„Ich kann es nicht verantworten bei 18 Kindern mehr mit gleichem Personal über zwei Stockwerke zu arbeiten“, erklärte Bürgermeister Rainer Ziegler.

Die Erweiterung der Hortgruppe bezeichnete Petra Erl (SPD) als wichtiges Signal. „Aber auch wir wollen erst zahlen“ und eventuell benötige man auch keine Fachkraft. Deshalb schlug die SPD-Fraktion vor, bei zehn weiteren Kindern, für 20 Stunden eine Nichtfachkraft zusätzlich anzustellen. Damit könne man die Zeiten, die am meisten benötigt werden, abdecken, so Erl.

„Wir stimmen zu“, war die einhellige Meinung von FW und FDP.

Fachkraft oder Nichtfachkraft?

Es sind Elterngespräche, Elternberatung, Gespräche mit der Schule, mit Therapeuten notwendig, dies könne mit Nichtfachkräften nicht realisiert werden – „die pädagogische Qualität kann so nicht gehalten werden“, entgegnete Ingrid Dreier (GLL).

Dr. Georg (CDU) plädierte dafür, den Antrag zurückzustellen.

„Ich schließe mich Frau Erl an“, erklärte Prof. Dr. Beedgen.

„Ich will heute abstimmen“, entschied der Bürgermeister.

Einstimmig wurde beschlossen, die Hortgruppe um 18 zusätzliche Kinder zu erweitern und die hierfür einmalig anfallenden Ausgaben in Höhe von 15.600 Euro wurden bewilligt.

Die Einstellung einer weiteren Fachkraft mit 26 Wochenstunden wurde gegen sieben Ja-Stimmen abgelehnt.

Bei vier Enthaltungen wurde dem Vorschlag der SPD-Fraktion, bei einer Mindestzahl von zehn weiteren Kindern, eine Nichtfachkraft für 20 Stunden einzustellen und die Arbeitszeit der Küchenkraft zu verlängern, zugestimmt.

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