Sonntag, 18. Februar 2018

Zweiter offener Brief von Said Azami

Freundschaftliche Gedanken von Schwetzingen nach Ladenburg

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Schwetzingen, 17. Juni 2014. (red/pm) Said Azami aus Afghanistan lebte bis vor drei Monaten als Asylbewerber in der Alten Martinsschule in Ladenburg und nun in der Unterkunft in Schwetzingen. In einem offenen Brief wendet er sich nun an die Ladenburger BĂŒrger/innen und BĂŒrgermeister Rainer Ziegler. Die von ihm zum Ausdruck gebrachte Dankbarkeit, stellvertetend fĂŒr die anderen FlĂŒchtlinge, ist bewegend. Wir dokumentieren sein Schreiben.

Said im GrĂŒnen

Said Azami bedankt sich bei den Ladenburger BĂŒrger/innen fĂŒr die Hilfe. Foto: StadtrĂ€tin Raquel Rempp (Freie WĂ€hler Schwetzingen)

Offener Brief von Said Azami:

„Sehr geehrter, lieber Herr BĂŒrgermeister Ziegler, liebe Ladenburger, liebe ehrenamtliche Helfer aus Ladenburg,

Wir sind nun bereits seit drei Monaten in Schwetzingen. Es ist mir ein großes BedĂŒrfnis, Ihnen allen mitzuteilen, dass wir sie nicht vergessen haben. Immer wieder denken wir an die Menschen aus Ladenburg, die uns so sehr geholfen haben und es sogar jetzt noch weiterhin tun.

Inzwischen ist der Sommer angekommen. Die Natur ist in ganz Deutschland erwacht. In Ladenburg ist es um diese Zeit ganz besonders schön: Alle Felder, GrĂ€ser und BĂ€umen erstrahlen in einem krĂ€ftigen GrĂŒn, Gerste und Weizen sind hoch gewachsen. Die Blumen blĂŒhen und erfreuen uns mit ihren schönen bunten Farben.

Gerade jetzt im Sommer ist es ein wunderbares GefĂŒhl fĂŒr die Menschen, am Neckar zu liegen, den singenden und vorbei fliegenden Vögel zuzuhören und die tanzenden Schmetterlinge zu beobachten.

Ich stelle mir Ladenburg jetzt um diese Zeit wie ein kleines Paradies vor:

Ein Paradies, weil es hier keinen Krieg gibt. Ein Paradies, weil uns hier viele Menschen geholfen haben und helfen. Ein Paradies, weil viele Menschen an uns denken und an uns glauben und weil hier ein Menschenleben viel zĂ€hlt und respektiert wird. Wir wissen das sehr zu schĂ€tzen und wĂŒnschen den Ladenburger BĂŒrgern, dass auch sie diese wunderschöne Zeit in ihrer Stadt genießen werden.

Es ist mir und uns allen ganz wichtig, dass die ehrenamtlichen Helfer wissen, dass wir sie nicht vergessen haben. GlĂŒcklich macht es uns zu sehen, dass auch sie uns nicht vergessen haben. Denn sie kommen uns noch heute in Schwetzingen besuchen und helfen uns weiterhin. Menschen wie Sabine Weil, Peter Schmitt, Thomas Gaisbauer und Herr Professor Friedemann Vogel halten uns weiterhin die Treue und setzen sich weiterhin mit all ihren KrĂ€ften fĂŒr uns ein. Das ist in unserer heutigen Zeit nicht immer selbstverstĂ€ndlich und fĂŒr mich persönlich ist das die Bedeutung des Wortes „Liebe“:

Liebe bedeutet fĂŒr mich, dass Menschen sich nicht vergessen und auch aus der Entfernung aneinander denken und sich fĂŒr das Wohlbefinden des anderen interessieren. Liebe ist das GefĂŒhl der Verbundenheit und des MitgefĂŒhls, das GefĂŒhl, immer fĂŒr den anderen da sein zu wollen. Liebe ist das GefĂŒhl der guten Gedanken. Wenn wir versuchen, menschliches Leid zu lindern, gelingt uns das mit Liebe im Herzen viel besser.

Ich möchte mich fĂŒr Ihre Liebe bedanken, mit der Sie uns unermĂŒdlich helfen, aufbauen und uns den Glauben an die Menschheit wieder finden lassen. Auch Schwetzingen ist eine wunderschöne Stadt, auch hier fĂŒhlen wir uns wohl und in Sicherheit. Auch hier sind wir sehr froh, dass uns viele Menschen helfen, dass die Menschen nett und freundlich zu uns sind und wir uns auch weiter in Sicherheit fĂŒhlen dĂŒrfen.

Ich möchte alle Ladenburger in unser aller Namen ganz herzlich grĂŒĂŸen und Ihnen alles, alles Liebe und Gute weiterhin wĂŒnschen.

Vielen herzlichen Dank fĂŒr alles, was Sie bisher fĂŒr uns getan haben. Wir werden das nicht vergessen!

In herzlicher Verbundenheit,

Ihr Said Azami“

Anmerkung der Redaktion: Der Brief wurde uns von der Schwetzinger StadtrÀtin Raquel Rempp (Freie WÀhler) weitergeleitet.

Über Alina Eisenhardt

Alina Eisenhardt (23) ist seit 2012 freie Mitarbeiterin bei uns, macht Redaktion, schreibt Texte und ist fĂŒr "Unsere Metropolregion - Newsletter" verantwortlich. Sie studiert Psychologie.