Dienstag, 21. August 2018

Filmdreh von "Ein todsicheres Ding" in Ladenburg in vollem Gange

„Ruhe bitte, wir drehen!“

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Ladenburg, 16. Juli 2013. (red/aw/hp) Wenn Ihnen das Polizeiaufkommen in Ladenburg dieser Tage besonders groß erscheint, dann lassen Sie sich nicht beunruhigen. Viele von den Uniformierten sind Schauspieler. Sie spielen an der Seite von Richy MĂŒller und unter der Regie von Roland Suso Richter mit in dem Spielfilm „Ein todsicheres Ding“. Wir haben die Dreharbeiten der SWR/Maran-Produktion besucht, mit Regisseur und Darstellern gesprochen und erfahren, dass ein Filmdreh vor allem eines braucht: Geduld.

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Fast könnte man das Filmset zu „Ein todsicheres Ding“ am Ladenburger Marktplatz ĂŒbersehen. WĂ€re da nicht so ein Polizeiaufgebot, dass die Passanten genauer hinschauen lĂ€sst.

 

Von Alexandra Weichbrodt

Polizeirevierleiter Frank Hartmannsgruber sagt: „Wissen Sie, was die meistgestellte Frage dieser Tage an Beamte auf Streife ist?“ Welche? „Sind Sie echt?“ Denn seit Tagen wimmelt es von Polizei in Ladenburg – oder zumindest MĂ€nnern, die tĂ€uschend echt so aussehen in ihren Polizei-Uniformen. Doch ehrlicherweise geben die mutmaßlichen Beamten gleich zu: „Wir sind nur Komparsen.“

Ludwig Asal aus Ludwigshafen ist einer  von rund 300 Komparsen, die derzeit in Ladenburg am Filmset von „Ein todsicheres Ding“ mitwirken. Naja, wenn sie denn dran sind. ZunĂ€chst heißt es erst einmal warten. Die Komparsen haben schon in zahlreichen Filmen als Polizisten mitgespielt, u.a. im Ludwigshafener Tatort. Im echten Leben tragen sie keine Uniform oder Waffe. Sie arbeiten im Öffentlichen Dienst und in der Versicherungsbranche.

Bei Ludwig Asal war es die Neugier, die ihn dazu bewegte, sich einmal als Statist fĂŒr eine Rolle beim Film zu bewerben:

Mich interessierte die Produktion und die Entstehung eines Films, daher bewarb ich mich vor Jahren mal bei einer Agentur. Seitdem wirke ich hin und wieder in einigen deutschen Spielfilmen und Serien mit.

Meist ist es nur ein kurzer Auftritt. Sie sind die Menschen im Hintergrund, die der Zuschauer oft gar nicht wirklich wahrnimmt. Doch ihr Dasein hat Berechtigung: „Ohne Komparsen und Statisten wĂŒrde die Filmszene nicht real wirken, nicht lebendig“, erklĂ€rt Ludwig. FĂŒr den Angestellten im Öffentlichen Dienst ist das ein Hobby. Bei der Höhe der Honorierung fĂŒr Komparsen könne man von keinem sehr ertragreichem Nebenjob sprechen, so der Ludwigshafener. Die Entlohnung variiert je nach Filmprojekt. Ebenso, wie die LĂ€nge des Arbeitstages. Ein Großteil des Arbeitstages besteht allerdings auch nur aus Warten.

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Einfach mal in eine ganz andere Rolle schlĂŒpfen und Komparse beim Film werden. Ludwig Asal (links) und Ralph Kaiser (rechts) machen das regelmĂ€ĂŸig. FĂŒr diesen Dreh ist Herr Kaiser sogar als Kleindarsteller gebucht.

 

„Achtung, wir drehen!“

WĂ€hrend unseres GesprĂ€ches mit den verkleideten Polizisten ist vom Rest des Teams nicht viel zu sehen. Nur wenig Equipment und Requisiten weisen daraufhin, dass hier am Ladenburger Marktplatz gerade ein Spielfilm gedreht wird. Das eigentliche Schauspiel findet zu diesem Zeitpunkt im „VanitĂ©“ statt. Die Restaurant-Bar dient im Streifen als Einsatzzentrale von Polizei und Sondereinsatzkommando. WĂŒrde eine junge Produktionsassistentin uns nicht regelmĂ€ĂŸig mit einem Finger auf den Lippen daran erinnern, dass wir leiser sprechen sollen, könnte man fast vergessen, dass hier Dreharbeiten laufen.

Der Plot der Geschichte ist spannend, nervenaufreibend und nah dran am wahren Leben. Klaus Roth, gespielt von Richy MĂŒller, braucht dringend Geld. In seiner Verzweiflung schmiedet er mit seinem Kumpel Achim Buchert (Martin Butzke) den Plan einen Geldtransporter zu ĂŒberfallen. Aber die Aktion geht schief und endet mit einer Geiselnahme in einer öffentlichen Bank. Es beginnt ein gefĂ€hrliches Spiel auf Zeit, in dem sich die örtliche Polizei und das gerufene Spezialeinsatzkommando (SEK) nicht immer einig sind. Die Hauptrollen der EinsatzkrĂ€fte werden von Julia Brendler, Christian Beermann, Dieter Gring und Rainer Furch gespielt.

Dieter Gring ist der erste Hauptdarsteller, den wir zu Gesicht bekommen. Er spielt den Chef des SEK, steht in voller Kampfmontur vor dem Eingang der Bar und wartet auf seinen Einsatz. Die Sonne brennt. Gring macht EntspannungsĂŒbungen. Der Produktionsleiter JĂŒrgen Weissenrieder gibt ihm ein Zeichen, dann stĂŒrmt er zur TĂŒr hinein. Was genau im Innern des GebĂ€udes vor sich geht, kriegt man hier draußen nur mit, wenn man eines der Funk-Headsets trĂ€gt. DarĂŒber kommuniziert die Crew am Set, kĂŒndigt den Drehbeginn an und gibt EinsĂ€tze durch. Weissenrieder hat so ein Headset, ebenso wie die junge Produktionsassistentin, mit dem Finger auf den Lippen.

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Dieter Gring wartet auf seinen Einsatz. Er spielt in „Ein todsicheres Ding“ den Leiter des Sondereinsatzkommandos, Simon Rost.

 

Mit der Rolle identifizieren

FĂŒr den Schauspieler Gring war es nicht einfach, sich mit der Rolle im Vorfeld auseinander zu setzen. Gring spielt den Leiter des SEK, Simon Rost. In seiner Karriere ist dies der erste BankĂŒberfall. Die Vorbereitung auf die Rolle als Beamter einer Spezialeinheit gestaltete sich schwierig, da nicht viele Details aus dem tĂ€glichen GeschĂ€ft des SEK bekannt sind. Er habe sich viele Videos angeschaut, „das war schon spannend“. Sein Charakter ist im Drehbuch, geschrieben vom Hamburger Holger Karsten Schmidt, zwar detailliert beschrieben, lasse ihm aber noch genĂŒgend Freiraum fĂŒr eigene Interpretation.

In der Rolle habe ich vor allem ein Problem mit der AutoritÀt von Alexandra Beck, gespielt von Julia Brendler. Eine Frau als Leiterin des Landeskriminalamtes (LKA), die uns EinsatzkrÀften den Weg vorgibt, passt meiner Rolle in einigen Szenen gar nicht. Die angemessene schauspielerische Reaktion darauf war eine Herausforderung,

erzĂ€hlt Dieter Gring. Aber natĂŒrlich nur in der Rolle. Insgesamt herrsche eine „angenehme AtmosphĂ€re“ am Set. Kurz vor 13 Uhr verkĂŒndet Prouktionsassistent Weissenrieder: „Mittagspause“. Gemeinsam geht die ganze Crew zum Essen. Nur Kameramann JĂŒrgen Carle nicht, ihm sei „heute nicht nach Fisch“. Gelegenheit fĂŒr uns, mehr von ihm und seiner Arbeit am „todsicheren Ding“ zu erfahren. Carle drehte bereits zuvor mit Regisseur Roland Suso Richter und BĂŒchern von Holger Karsten Schmidt. Zuletzt den Stuttgarter Tatort „Spiel auf Zeit“, mit Richy MĂŒller als Hauptermittler.

Ladenburg gefÀllt

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Regisseur Roland Suso Richter und Kameramann JĂŒrgen Carle. Beide arbeiteten schön hĂ€ufig gemeinsam. Auch bei der Umsetzung anderer DrehbĂŒcher von Holger Karsten Schmidt.

Carle gefĂ€llt Ladenburg, hier habe man alles, was fĂŒr den Film gebraucht werde. Die Besonderheiten bei diesem Dreh seien vor allem die „Dichte der SchauplĂ€tze“ und die „chronologische Aufnahme“. Der Film selbst spielt an einem Tag. Gedreht wird nur zwanzig Tage lang. Das ist knapp bemessen:

Eine Herausforderung. Da wir aber an wenigen, nah beieinander liegenden SchauplĂ€tzen drehen, schaffen wir das ohne große UmzĂŒge,

erklĂ€rt Carle. Gemeinsam mit seinem Kollegen Christoph Schmitz versucht er trotz des begrenzten Raums, „alles so einzufangen, dass es gut aussieht“. Die Bankszene wird in einer ehemaligen Schlecker-Filiale gedreht. Es ist klein und eng, die Luft stickig. „Dadurch wirkt das Ganze automatisch authentisch.“ Das Drehbuch findet Carle „stimmig“, seine Kameraarbeit habe „Interpretationsspielraum“. Aufgenommen wird nur noch mit HD-Technik, alles digital.

Nur das Wetter mache hin und wieder Schwierigkeiten: Da der Film an einem Tag spielt, darf sich das Wetter eigentlich nicht maßgeblich verĂ€ndern. „Aber gut, an einem Sommertag kann es ja auch hin und wieder mal kurz regnen und danach scheint wieder die Sonne.“ Seine Aufgabe liege darin, solche Licht- und VegetationsverĂ€nderungen möglichst zu kaschieren, erklĂ€rt JĂŒrgen Carle. Ansonsten laufe alles „glatt“. Die Dreharbeiten liegen voll im Zeitplan. Auch, weil Regisseur Roland Suso Richter, gerne gleich die erste Probe aufnimmt.

Die Besonderheit: Die Tiefe der menschlichen Psyche

Der Regisseur gesellt sich zu uns. Er ist ebenfalls angetan vom schönen Ladenburg:

Der Drehort sollte zentral an einem Marktplatz gelegen sein, ohne großen Durchgangsverkehr. Hier in Ladenburg haben wir einen eigenen kleinen Mikrokosmus gefunden, genau was wir suchten.

Es ginge gut voran, auch „weil die Schauspieler alle sehr konzentriert arbeiten“, lobt der Regisseur sein Cast. Die Proben lasse er mitfilmen, weil die Schauspieler oft spontane, natĂŒrliche Elemente in die Szene einbringen, die nach mehreren DurchlĂ€ufen eventuell verloren gingen. Trotz der zĂŒgigen Aufnahme komme so enorm viel Material zusammen, an einem Drehtag bis zu 250 Minuten, dass spĂ€ter im Schnitt gesichtet und bearbeitet werden mĂŒsse.

Die Besonderheit in der Geschichte von „Ein todsicheres Ding“ sieht Richter in der Tiefe des Themas. „Worum es geht? Um die Psyche des Menschen und die Verzweiflung, die einen manchmal in Situationen treibt, die man vorher nicht absehen konnte“, sagt der Regisseur. Umsetzen will er das Ganze mit vielen verschiedenen Einstellungen, die sonst nicht so hĂ€ufig in Fernsehfilmen vorkommen. „Ich stelle mir einen schnellen, flotten Schnitt vor, der trotz des Tempos die Emotionen und Gedanken der Figuren deutlich macht“, erklĂ€rt Richter.

Obwohl er genau wisse, was er wolle, so Richter, ließe er sich gerne vom ersten Rohschnitt des Films ĂŒberraschen. Die Auswahl der Szenen liegt dann ganz in der Hand des Cutters. Diesen „objektiven Blick auf den Film“, wolle er sich nicht verderben lassen, in dem er irgendwelche Takes oder Szenen vorgibt. Einen wirklichen Überblick habe er bei den Massen an Material eh nicht.

„Er weiß genau was er will“

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Rainer Furch in seiner Rolle als Polizeihauptmeister Witt: „Am liebsten wĂŒrde ich das Ding sebst regeln!“.

Die Mittagspause ist vorbei. Ein gute halbe Stunde spĂ€ter wird also weitergedreht. „ZurĂŒckgedreht“ hingegen wird die Armbanduhr von Rainer Furch. „Details auf die man achten muss“, sagt Furch, der im Film die Rolle des Polizeihauptmeisters, Michael Witt, spielt. Witt ist der eigentliche Platzhirsch der EinsatzkrĂ€fte, er kennt den Geiselnehmer Roth persönlich und wĂŒrde die ganze Geschichte gerne selbst regeln, ohne LKA und SEK. „Doch daraus wird nichts“, verrĂ€t Furch.

Das Drehbuch von Holger Karsten Schmidt findet er fantastisch:

Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen, ganz toll.

Auch die Art und Weise wie Regisseur Richter die Dreharbeiten durchfĂŒhrt begeistern ihn. „Roland Suso Richter weiß genau was er will und lĂ€sst uns Schauspielern trotzdem alle Freiheit“, sagt Furch. Auch die chronoligische Drehweise der Filmszenen hĂ€lt er fĂŒr ideal. Dann geht alles ganz schnell: „Rainer, dein Einsatz“. Und Furch verschwindet in der Bar.

Die Kommandoeinsatzzentrale wurde fĂŒr den Dreh nicht groß verĂ€ndert. Die loungige Bar, mit modernen Farben und großen Kristallleuchtern wurde im Originalzustand fĂŒr die Filmarbeiten belassen. Nur die zahlreichen Laptops, Stadtkarten und Walkie-Talkies lassen vermuten, dass hier heute keine Cocktails serviert werden. Die RĂ€umlichkeiten sind klein, aber fĂŒr die Crew ausreichend. WĂ€hrend des Drehs sitzt der Regisseur im winzigen Nebenzimmmer, der Kameramann steht hinter der Theke und Maskenbilderin sowie weitere fleißige Produktionshelfer platzieren sich im Flur vor den Toiletten.

 

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Viele fleißige Helfer im Hintegrund sorgen dafĂŒr, dass die Dreharbeiten zĂŒgig voran gehen. Sobald die Klapp fĂ€llt, sieht man sie aber nicht mehr.

 

„Alles auf Anfang, bereit? Kamera, bereit?“

Es herrscht wuseliges Treiben bevor der Dreh der Szene beginnt. Da werden Kabel gezogen, Kameras auf- und abgebaut, Equipment versteckt und verschoben. Als reiner Beobachter kommt man sich schnell fehl am Platz vor. Vor allem, wenn plötzlich eine Stimme ruft „Alles auf Anfang, bereit? Kamera, bereit? Ton, bereit?“ Die, die gerade noch zwischen den Schauspielern auf dem Boden robbten, um Kabel zu ziehen, verschwinden wie von Zauberhand. Schnell und unauffĂ€llig, so dass aus der Kameraperspektive nicht mehr zu sehen ist, als zu sehen sein soll.

„Moment, wir warten noch auf die Aufspiegelung.“ Es sind also nicht nur die Komparsen, die Geduld brauchen. Auch die Hauptdarsteller, mĂŒssen hin und wieder warten. Sei es auf die Technik, die Sonne oder aber die Umsetzung der Regisseur-WĂŒnsche. „Bereit? Okay, wir drehen!“ Die gedrehte Szene beinhaltet viel Text. Problemlos absolvieren Julia Brendler und Rainer Furch ihren Dialog. Alle anderen Akteure sind mucksmĂ€uschen still. Auch, wenn sie hin und wieder so tun, als wĂŒrden sie sich unterhalten oder telefonieren, hört man nur die beiden Darsteller. Der Rest schauspielert und bewegt stumm die Lippen. Nach einigen Takes ist die Szene im Kasten.

FĂŒr die nĂ€chste Einstellung muss wieder umgebaut werden. Die Kamera in eine andere Position, die Strahler und Kabeltrommeln verschieben. WĂ€hrend die Crew flink Stecker zieht, umrĂ€umt und wegrĂ€umt, wartet der Rest. Ebenso, wie die falschen Polizisten draußen. Noch keine Minute waren sie heute vor der Kamera und es ist schon fast Nachmittag. Aber so ist das eben. Geduld ist eine Tugend, ganz besonders beim Film.

Und auch wir Zuschauer mĂŒssen uns in Geduld ĂŒben. Denn ein Ausstrahlungstermin fĂŒr „Ein todsicheres Ding“ steht noch nicht fest. Wir haben aber, um die Wartezeit etwas zu verkĂŒrzen, einige Bilder der Dreharbeiten in einer Galerie fĂŒr Sie zusammengestellt. Viel VergnĂŒgen!

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