Mittwoch, 22. November 2017

Filmdreh von "Ein todsicheres Ding" in Ladenburg in vollem Gange

„Ruhe bitte, wir drehen!“

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Ladenburg, 16. Juli 2013. (red/aw/hp) Wenn Ihnen das Polizeiaufkommen in Ladenburg dieser Tage besonders gro├č erscheint, dann lassen Sie sich nicht beunruhigen. Viele von den Uniformierten sind Schauspieler. Sie spielen an der Seite von Richy M├╝ller und unter der Regie von Roland Suso Richter mit in dem Spielfilm „Ein todsicheres Ding“. Wir haben die Dreharbeiten der SWR/Maran-Produktion besucht, mit Regisseur und Darstellern gesprochen und erfahren, dass ein Filmdreh vor allem eines braucht: Geduld.

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Fast k├Ânnte man das Filmset zu „Ein todsicheres Ding“ am Ladenburger Marktplatz ├╝bersehen. W├Ąre da nicht so ein Polizeiaufgebot, dass die Passanten genauer hinschauen l├Ąsst.

 

Von Alexandra Weichbrodt

Polizeirevierleiter Frank Hartmannsgruber sagt: „Wissen Sie, was die meistgestellte Frage dieser Tage an Beamte auf Streife ist?“ Welche? „Sind Sie echt?“ Denn seit Tagen wimmelt es von Polizei in Ladenburg – oder zumindest M├Ąnnern, die t├Ąuschend echt so aussehen in ihren Polizei-Uniformen. Doch ehrlicherweise geben die mutma├člichen Beamten gleich zu: „Wir sind nur Komparsen.“

Ludwig Asal aus Ludwigshafen ist einer┬á von rund 300 Komparsen, die derzeit in Ladenburg am Filmset von „Ein todsicheres Ding“ mitwirken. Naja, wenn sie denn dran sind. Zun├Ąchst hei├čt es erst einmal warten. Die Komparsen haben schon in zahlreichen Filmen als Polizisten mitgespielt, u.a. im Ludwigshafener Tatort. Im echten Leben tragen sie keine Uniform oder Waffe. Sie arbeiten im ├ľffentlichen Dienst und in der Versicherungsbranche.

Bei Ludwig Asal war es die Neugier, die ihn dazu bewegte, sich einmal als Statist für eine Rolle beim Film zu bewerben:

Mich interessierte die Produktion und die Entstehung eines Films, daher bewarb ich mich vor Jahren mal bei einer Agentur. Seitdem wirke ich hin und wieder in einigen deutschen Spielfilmen und Serien mit.

Meist ist es nur ein kurzer Auftritt. Sie sind die Menschen im Hintergrund, die der Zuschauer oft gar nicht wirklich wahrnimmt. Doch ihr Dasein hat Berechtigung: „Ohne Komparsen und Statisten w├╝rde die Filmszene nicht real wirken, nicht lebendig“, erkl├Ąrt Ludwig. F├╝r den Angestellten im ├ľffentlichen Dienst ist das ein Hobby. Bei der H├Âhe der Honorierung f├╝r Komparsen k├Ânne man von keinem sehr ertragreichem Nebenjob sprechen, so der Ludwigshafener. Die Entlohnung variiert je nach Filmprojekt. Ebenso, wie┬ádie L├Ąnge des Arbeitstages. Ein Gro├čteil des Arbeitstages besteht allerdings auch nur aus Warten.

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Einfach mal in eine ganz andere Rolle schl├╝pfen und Komparse beim Film werden. Ludwig Asal (links) und Ralph Kaiser (rechts) machen das regelm├Ą├čig. F├╝r diesen Dreh ist Herr Kaiser sogar als Kleindarsteller gebucht.

 

„Achtung, wir drehen!“

W├Ąhrend unseres Gespr├Ąches mit den verkleideten Polizisten ist vom Rest des Teams nicht viel zu sehen. Nur wenig Equipment und Requisiten weisen daraufhin, dass hier am Ladenburger Marktplatz gerade ein Spielfilm gedreht wird. Das eigentliche Schauspiel findet zu diesem Zeitpunkt im „Vanit├ę“ statt. Die Restaurant-Bar dient im Streifen als Einsatzzentrale von Polizei und Sondereinsatzkommando. W├╝rde eine junge Produktionsassistentin uns nicht regelm├Ą├čig mit einem Finger auf den Lippen daran erinnern, dass wir leiser sprechen┬ásollen,┬ák├Ânnte man fast vergessen, dass hier Dreharbeiten laufen.

Der Plot der Geschichte ist spannend, nervenaufreibend und nah dran am wahren Leben. Klaus Roth, gespielt von Richy M├╝ller, braucht dringend Geld. In seiner Verzweiflung schmiedet er mit seinem Kumpel Achim Buchert (Martin Butzke) den Plan einen Geldtransporter zu ├╝berfallen. Aber die Aktion geht schief und endet mit einer Geiselnahme in einer ├Âffentlichen Bank. Es beginnt ein gef├Ąhrliches Spiel auf Zeit, in dem sich die ├Ârtliche Polizei und das gerufene Spezialeinsatzkommando (SEK) nicht immer einig sind.┬áDie Hauptrollen der Einsatzkr├Ąfte werden von Julia Brendler, Christian Beermann, Dieter Gring und Rainer Furch gespielt.

Dieter Gring ist der erste Hauptdarsteller, den wir zu Gesicht bekommen. Er spielt den Chef des SEK, steht in voller Kampfmontur vor dem Eingang der Bar und wartet auf seinen Einsatz. Die Sonne brennt. Gring macht Entspannungs├╝bungen. Der Produktionsleiter J├╝rgen Weissenrieder gibt ihm ein Zeichen, dann st├╝rmt er zur T├╝r hinein. Was genau im Innern des Geb├Ąudes vor sich geht, kriegt man hier drau├čen nur mit, wenn man eines der Funk-Headsets tr├Ągt. Dar├╝ber kommuniziert die Crew am Set, k├╝ndigt den Drehbeginn an und gibt Eins├Ątze durch. Weissenrieder hat so ein Headset, ebenso wie die junge Produktionsassistentin, mit dem Finger auf den Lippen.

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Dieter Gring wartet auf seinen Einsatz. Er spielt in „Ein todsicheres Ding“ den Leiter des Sondereinsatzkommandos, Simon Rost.

 

Mit der Rolle identifizieren

F├╝r den Schauspieler Gring war es nicht einfach, sich mit der Rolle im Vorfeld auseinander zu setzen. Gring spielt den Leiter des SEK, Simon Rost. In seiner Karriere ist dies der erste Bank├╝berfall. Die Vorbereitung auf die Rolle als Beamter einer Spezialeinheit gestaltete sich schwierig, da nicht viele Details aus dem t├Ąglichen Gesch├Ąft des SEK bekannt sind. Er habe sich┬áviele Videos angeschaut, „das war schon spannend“.┬áSein Charakter ist im Drehbuch, geschrieben vom Hamburger Holger Karsten Schmidt, zwar detailliert beschrieben, lasse ihm aber noch gen├╝gend Freiraum f├╝r eigene Interpretation.

In der Rolle habe ich vor allem ein Problem mit der Autorit├Ąt von Alexandra Beck, gespielt von Julia Brendler. Eine Frau als Leiterin des Landeskriminalamtes (LKA), die uns Einsatzkr├Ąften den Weg vorgibt, passt meiner Rolle in einigen Szenen gar nicht. Die angemessene schauspielerische Reaktion darauf war eine Herausforderung,

erz├Ąhlt Dieter Gring. Aber nat├╝rlich nur in der Rolle. Insgesamt herrsche eine „angenehme Atmosph├Ąre“ am Set. Kurz vor 13 Uhr verk├╝ndet Prouktionsassistent Weissenrieder: „Mittagspause“. Gemeinsam geht die ganze Crew zum Essen. Nur Kameramann J├╝rgen Carle nicht, ihm sei „heute nicht nach Fisch“. Gelegenheit f├╝r uns, mehr von ihm und seiner Arbeit am „todsicheren Ding“ zu erfahren. Carle┬ádrehte bereits zuvor mit Regisseur Roland Suso Richter und B├╝chern von Holger Karsten Schmidt. Zuletzt den Stuttgarter Tatort „Spiel auf Zeit“, mit Richy M├╝ller als Hauptermittler.

Ladenburg gef├Ąllt

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Regisseur Roland Suso Richter und Kameramann J├╝rgen Carle. Beide arbeiteten sch├Ân h├Ąufig gemeinsam. Auch bei der Umsetzung anderer Drehb├╝cher von Holger Karsten Schmidt.

Carle gef├Ąllt Ladenburg, hier habe man alles, was f├╝r den Film gebraucht werde. Die Besonderheiten bei diesem Dreh seien vor allem die „Dichte der Schaupl├Ątze“ und die „chronologische Aufnahme“. Der Film selbst spielt an einem Tag. Gedreht wird nur zwanzig Tage lang. Das ist knapp bemessen:

Eine Herausforderung. Da wir aber┬áan wenigen, nah beieinander liegenden Schaupl├Ątzen drehen, schaffen wir das ohne gro├če Umz├╝ge,

erkl├Ąrt Carle. Gemeinsam mit seinem Kollegen Christoph Schmitz versucht er trotz des begrenzten Raums, „alles so einzufangen, dass es gut aussieht“. Die Bankszene wird in einer ehemaligen Schlecker-Filiale gedreht. Es ist klein und eng, die Luft stickig. „Dadurch wirkt das Ganze automatisch authentisch.“ Das Drehbuch findet Carle „stimmig“, seine Kameraarbeit habe „Interpretationsspielraum“. Aufgenommen wird nur noch mit HD-Technik, alles digital.

Nur das Wetter mache hin und wieder Schwierigkeiten: Da der Film an einem Tag spielt, darf sich das Wetter eigentlich nicht ma├čgeblich ver├Ąndern. „Aber gut, an einem Sommertag kann es ja auch hin und wieder mal kurz regnen und danach scheint wieder die Sonne.“ Seine Aufgabe liege darin, solche Licht- und Vegetationsver├Ąnderungen m├Âglichst zu kaschieren, erkl├Ąrt J├╝rgen Carle. Ansonsten laufe alles „glatt“. Die Dreharbeiten liegen voll im Zeitplan. Auch, weil Regisseur Roland Suso Richter, gerne gleich die erste Probe aufnimmt.

Die Besonderheit: Die Tiefe der menschlichen Psyche

Der Regisseur gesellt sich zu uns. Er ist ebenfalls angetan vom sch├Ânen Ladenburg:

Der Drehort sollte zentral an einem Marktplatz gelegen sein, ohne gro├čen Durchgangsverkehr. Hier in Ladenburg haben wir einen eigenen kleinen Mikrokosmus gefunden, genau was wir suchten.

Es ginge gut voran, auch „weil die Schauspieler alle sehr konzentriert arbeiten“, lobt der Regisseur sein Cast. Die Proben lasse er mitfilmen, weil die Schauspieler oft spontane, nat├╝rliche Elemente in die Szene einbringen, die nach mehreren Durchl├Ąufen eventuell verloren gingen. Trotz der z├╝gigen Aufnahme komme so enorm viel Material zusammen, an einem Drehtag bis zu 250 Minuten, dass sp├Ąter im Schnitt gesichtet und bearbeitet werden m├╝sse.

Die Besonderheit in der Geschichte von „Ein todsicheres Ding“ sieht Richter in der Tiefe des Themas. „Worum es geht? Um die Psyche des Menschen und die Verzweiflung, die einen manchmal in Situationen treibt, die man vorher nicht absehen konnte“, sagt der Regisseur. Umsetzen will er das Ganze mit vielen verschiedenen Einstellungen, die sonst nicht so h├Ąufig in Fernsehfilmen vorkommen. „Ich stelle mir einen schnellen, flotten Schnitt vor, der trotz des Tempos die Emotionen und Gedanken der Figuren deutlich macht“, erkl├Ąrt Richter.

Obwohl er genau wisse, was er wolle, so Richter, lie├če er sich gerne vom ersten Rohschnitt des Films ├╝berraschen. Die Auswahl der Szenen liegt dann ganz in der Hand des Cutters. Diesen „objektiven Blick auf den Film“, wolle er sich nicht verderben lassen, in dem er irgendwelche Takes oder Szenen vorgibt. Einen wirklichen ├ťberblick habe er bei den Massen an Material eh nicht.

„Er wei├č genau was er will“

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Rainer Furch in seiner Rolle als Polizeihauptmeister Witt: „Am liebsten w├╝rde ich das Ding sebst regeln!“.

Die Mittagspause ist vorbei. Ein gute halbe Stunde sp├Ąter wird also weitergedreht. „Zur├╝ckgedreht“ hingegen wird die Armbanduhr von Rainer Furch. „Details auf die man achten muss“, sagt Furch, der im Film die Rolle des Polizeihauptmeisters, Michael Witt, spielt. Witt ist der eigentliche Platzhirsch der Einsatzkr├Ąfte, er kennt den Geiselnehmer Roth pers├Ânlich und w├╝rde die ganze Geschichte gerne selbst regeln, ohne LKA und SEK. „Doch daraus wird nichts“, verr├Ąt Furch.

Das Drehbuch von Holger Karsten Schmidt findet er fantastisch:

Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen, ganz toll.

Auch die Art und Weise wie Regisseur Richter die Dreharbeiten durchf├╝hrt begeistern ihn. „Roland Suso Richter wei├č genau was er will und l├Ąsst uns Schauspielern trotzdem alle Freiheit“, sagt Furch. Auch die chronoligische Drehweise der Filmszenen h├Ąlt er f├╝r ideal. Dann geht alles ganz schnell: „Rainer, dein Einsatz“. Und Furch verschwindet in der Bar.

Die Kommandoeinsatzzentrale wurde f├╝r den Dreh nicht gro├č ver├Ąndert. Die loungige Bar, mit modernen Farben und gro├čen Kristallleuchtern wurde im Originalzustand f├╝r die Filmarbeiten belassen. Nur die zahlreichen Laptops, Stadtkarten und Walkie-Talkies lassen vermuten, dass hier heute keine Cocktails serviert werden. Die R├Ąumlichkeiten sind klein, aber f├╝r die Crew ausreichend. W├Ąhrend des Drehs sitzt der Regisseur im winzigen Nebenzimmmer, der Kameramann steht hinter der Theke und Maskenbilderin sowie weitere flei├čige Produktionshelfer platzieren sich im Flur vor den Toiletten.

 

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Viele flei├čige Helfer im Hintegrund sorgen daf├╝r, dass die Dreharbeiten z├╝gig voran gehen. Sobald die Klapp f├Ąllt, sieht man sie aber nicht mehr.

 

„Alles auf Anfang, bereit? Kamera, bereit?“

Es herrscht wuseliges Treiben bevor der Dreh der Szene beginnt. Da werden Kabel gezogen, Kameras auf- und abgebaut, Equipment versteckt und verschoben. Als reiner Beobachter kommt man sich schnell fehl am Platz vor. Vor allem, wenn pl├Âtzlich eine Stimme ruft „Alles auf Anfang, bereit? Kamera, bereit? Ton, bereit?“ Die, die gerade noch zwischen den Schauspielern auf dem Boden robbten, um Kabel zu ziehen, verschwinden wie von Zauberhand. Schnell und unauff├Ąllig, so dass aus der Kameraperspektive nicht mehr zu sehen ist, als zu sehen sein soll.

„Moment, wir warten noch auf die Aufspiegelung.“ Es sind also nicht nur die Komparsen, die Geduld brauchen. Auch die Hauptdarsteller, m├╝ssen hin und wieder warten. Sei es auf die Technik, die Sonne oder aber die Umsetzung der Regisseur-W├╝nsche. „Bereit? Okay, wir drehen!“ Die gedrehte Szene beinhaltet viel Text. Problemlos absolvieren Julia Brendler und Rainer Furch ihren Dialog. Alle anderen Akteure sind mucksm├Ąuschen still. Auch, wenn sie hin und wieder so tun, als w├╝rden sie sich unterhalten oder telefonieren, h├Ârt man nur die beiden Darsteller. Der Rest schauspielert und bewegt stumm die Lippen. Nach einigen Takes ist die Szene im Kasten.

F├╝r die n├Ąchste Einstellung muss wieder umgebaut werden. Die Kamera in eine andere Position, die Strahler und Kabeltrommeln verschieben. W├Ąhrend die Crew flink Stecker zieht, umr├Ąumt und wegr├Ąumt, wartet der Rest. Ebenso, wie die falschen Polizisten drau├čen. Noch keine Minute waren sie heute vor der Kamera und es ist schon fast Nachmittag. Aber so ist das eben. Geduld ist eine Tugend, ganz besonders beim Film.

Und auch wir Zuschauer m├╝ssen uns in Geduld ├╝ben. Denn ein Ausstrahlungstermin f├╝r „Ein todsicheres Ding“ steht noch nicht fest. Wir haben aber, um die Wartezeit etwas zu verk├╝rzen, einige Bilder der Dreharbeiten in einer Galerie f├╝r Sie zusammengestellt. Viel Vergn├╝gen!

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  • Filmjunkie

    Vielen Dank f├╝r den ausf├╝hrlichen Bericht.
    Der Ausstrahlungstermin ist der 14. Mai, 20.15 Uhr im Ersten.