Samstag, 22. September 2018

Petry bewegt Dich: Das Kreuz mit dem Kreuz

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Guten Tag!

Ladenburg, 16. September 2010. Sie habens im RĂŒcken? Aha. Sie denken, der ist ĂŒberlastet? Meistens stimmt das nicht, sagt unser Kolumnist Matthias Petry. Der SportpĂ€dagoge weiß, dass unsere RĂŒcken oft zu wenig belastet sind und dann dieser Schmerz kommt, wenn man ihn mal doch anstrengt – denn Unterforderung ist Gift fĂŒr unseren Körper.

Von Matthias Petry

Unser RĂŒcken muss tĂ€glich einiges aushalten – harte StĂŒhle, weiche Matratzen, schwere Lasten. Schwere Lasten? Wohl eher selten. Die Zahl der Menschen, die körperlich schwer arbeitet, nimmt stetig ab und im Haushalt lĂ€uft alles maschinell.

Nein, was unser RĂŒcken tatsĂ€chlich tĂ€glich aushalten muss, sind nicht Anstrengung und Belastung, sondern genau das Gegenteil: Unterforderung und Entlastung. Unser Kreuz ist sozusagen von allen Pflichten befreit – es hat das ganze Jahr Urlaub.

Das klingt erstmal nicht schlecht. Entlastung ist immer gut. Gestresst und angespannt sind wir doch schon genug. Da ist es doch schön, wenn wenigstens ein Teil von uns – unser RĂŒcken – entspannt bleiben kann. Ist es nicht!

Unterforderung ist Gift

Unterforderung ist Gift fĂŒr unseren Körper – Gift fĂŒr unseren RĂŒcken. Seine Strukturen – Muskeln, Knochen, Sehnen – leben davon, dass sie bewegt und gefordert werden. Haben sie nichts zu tun, verkĂŒmmern sie. Sie werden ja sowieso nicht gebraucht.

Irgendwann kommt er: der Schmerz. Anfangs noch weggelÀchelt, wird er zunehmend penetranter. ZunÀchst noch weggelockert, sitzt er spÀter immer fester. Zu Beginn als kleine EinschrÀnkung wahrgenommen, macht er manchem das Leben zur Hölle.

Dann wehren wir uns: Schmerzmittel, Spritzen, Krankengymnastik, Massagen. Hilft alles – aber nicht fĂŒr lange. Beseitigt kurzzeitig das Symptom – nicht aber die Ursache. Ist bequem und einfach – nicht aber effektiv.

Was tun, wenn der RĂŒcken schmerzt?

RĂŒckenschmerzen entstehen also meist durch Bewegungsmangel und einseitige Körperhaltungen, wie Sitzen mit rundem RĂŒcken am Arbeitsplatz, Stehen mit durchgedrĂŒckten Knien und vorgeschobenen Schultern.

Muskeln verkĂŒmmern, verspannen, verhĂ€rten. Knochen werden weicher, dĂŒnner, instabiler. Bandscheiben trocknen aus, verschleißen, verschieben sich. Schmerzen kommen, gehen, nehmen zu – und bleiben dann stĂ€ndiger Begleiter.

Was also tun? Als regelmĂ€ĂŸiger Leser wissen Sie es wahrscheinlich bereits schon: Bewegen! Bewegen, bewegen, bewegen. Der RĂŒcken ernĂ€hrt sich von der Bewegung. Er lebt dann auf, wenn er was zu tun hat. Geben Sie ihm Nahrung, dann bleibt er gesund.

Bewegung hilft.

Das Programm fĂŒr einen bewegten Alltag ist ein guter Einstieg. Aber fĂŒr den „Patient RĂŒcken“ braucht es mehr Einsatz. Und zwar WirbelsĂ€ulengymnastik, Krafttraining, Stretching- und MobilisationsĂŒbungen.

Radfahren und spazieren gehen sind fĂŒr unser Kreuz zu wenig. Kraft muss her: Muskeln mĂŒssen aufgebaut werden, Knochen gestĂ€rkt und Bandscheiben ernĂ€hrt. Der RĂŒcken muss belastet und gefordert werden – dann macht er auch keine Zicken.

Das Gute daran: RĂŒckentraining hilft immer, egal, wann man einsteigt. PrĂ€ventiv wĂ€re natĂŒrlich am besten – aber wer ĂŒbt schon bevor der Schmerz eingesetzt hat. Meistens muss erst ein Warnsignal kommen, bevor man was tut.

Dann aber loslegen: Mit Fitnesstraining an GerĂ€ten, Yoga, WirbelsĂ€ulengymnastik, Qi Gong oder Tai Chi und vielem anderen mehr. Es ist fĂŒr jeden Geschmack was dabei. Ob in der Gruppe im vhs-Kurs oder allein beim GerĂ€tetraining im Fitness-Studio.

RegelmĂ€ĂŸiges Training.

Angeleitet durch einen guten Kursleiter oder Trainer ist natĂŒrlich empfehlenswert – vor allem zu Beginn. Dann muss es regelmĂ€ĂŸig stattfinden. Nicht jeden Tag, aber zwei- bis dreimal pro Woche. Es sollte abwechslungsreich sein und auf Steigerung abzielend.

RĂŒckentraining hat natĂŒrlich keinen hohen Fun-Faktor, d. h. der Spaß ist begrenzt. Die Fortschritte sieht und spĂŒrt man aber schnell – wenn die Muskelspannung steigt und die Schmerzen weniger werden. Das gibt Schwung und Motivation.

Aber: Angeleitetes RĂŒckentraining kostet auch was – eine KursgebĂŒhr oder einen Mitgliedsbeitrag. Doch das Geld ist gut angelegt – die Rendite hoch: nĂ€mlich Aussicht auf ein gesundes und belastbares Kreuz.

In der nĂ€chsten Ausgabe im Oktober stellt Ihnen Matthias Petry ein ausgewogenes RĂŒckentraining fĂŒr zu Hause vor – mit einfachen, effektiven Übungen, die auch was bringen. Und mit vielen Tipps und Hinweisen fĂŒr ein gesundes Kreuz.

Mit sportlichen GrĂŒĂŸen
Matthias Petry

Zur Person:
Matthias Petry ist Sportwissenschaftler und als Dozent im Gesundheitsbereich tĂ€tig. Matthias Petry gibt Antworten auf Fragen rund um Sport, Fitness und Gesundheit und möchte dazu motivieren, dass Menschen wieder mehr Bewegung in ihren Alltag einbauen und dadurch schrittweise gesĂŒnder werden.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.