Sonntag, 19. November 2017

Anti-Bot Initiative der deutschen Internetwirtschaft

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Ladenburg/Rhein-Neckar, 16. September 2010. SchĂ€tzungsweise jeder vierte Computer mit Internetzugang ist in Deutschland Teil eines „Bot“-Netzes, schĂ€tzt der Verband der Internetwirtschaft „eco“. Mittels eines Schadprogramms werden die infizierten Rechner fĂŒr kriminelle AktivitĂ€ten genutzt. Ein „Cleaner“, also eine Anti-Schadsoftware, soll helfen, die „Bot“-Netze zu sĂ€ubern.

Von Hardy Prothmann

„Relativ wenige Botnet-Betreiber haben Millionen von Computer zu Botnetzen zusammengeschlossen und verfĂŒgen damit ĂŒber eine Rechenleistung, die höher ist als die von allen Hochleistungscomputern der Welt zusammen. Allein das im April 2009 entdeckte Botnetz „Mariposa“ bestand aus 13 Millionen gekaperten Computern. Darunter sind auch immer mehr Computer von Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen. Links in sogenannten Instant Messages (z.B. in Chatprogrammen), die auf prĂ€parierte Webseiten fĂŒhrten und von einer LĂŒcke im Browser profitierten, waren neben infizierten Dateien von Tauschbörsen und auf USB-Sticks die Ursache fĂŒr die Infektionen.“

Informatives und hilfreiches Angebot zum Schutz vor Bot-Angriffen: botfrei.de

Was der Verband eco beschreibt, kann man ein „Horrorszenario“ nennen. Cyber-Kriminelle drĂŒcken zu einem Tag X auf die Entertaste und aktivieren gekaperte Internetcomputer, um irgendeinen Angriff zu starten: Ein Konkurrenzunternehmen stilllegen, Kursmanipulationen an den Börsen sind denkbar, massive Angriffe auf die staatliche Infrastruktur.

Aktuell hat „eco“ in Zusammenarbeit mit mehreren Partnern die Initiative „Anti-Bot“ gestartet, im Internet gibt es Informationen dazu unter „www.botfrei.de“. Außerdem wird hier ein „Cleaner“ angeboten, also ein Programm, das infizierte Computer „reinigen“ soll, als Schadprogramme deinstalliert und vernichtet.

Diese Initiative ist absolut zu unterstĂŒtzen. Kriminelle erschweren schon heute durch „Spam“ allen anderen Internetnutzern das Leben. PostfĂ€cher quellen ĂŒber mit den Schrottnachrichten, man versucht durch Pseudo-Angebote den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen, auch das „Pishing“, das Abgreifen von Bankdaten und anderen sensiblen Informationen nimmt immer mehr zu.

Ein guter Schutz sind ein Virenscanner, der natĂŒrlich immer aktuell gehalten werden muss, sowie regelmĂ€ĂŸige Updates aller Software auf dem Computer. Die meisten Programme erledigen das selbststĂ€ndig, wenn man diese Option nicht abschaltet. Veranwortlich sind aber auch die PC-Nutzer, die emails dubioser Absender nicht öffnen sollten und nachdenken, bevor sie auf irgendeinen Link klicken.

Die wichtigsten Fragen, die man sich stellen sollte, sind:

Kenne ich den Absender?
Erwarte ich Post von diesem Absender?
Ist es wahrscheinlich, dass mir der angebliche Absender Post schickt? (Bank, Versicherung, andere Finanzdienstleister?)
Klingt das versprochene Angebot in der Betreffzeile plausibel?

Bei jeder email, auf die eine dieser Fragen nicht zutrifft, sollte man vorsichtig sein. Denn wie wahrscheinlich ist es schon, dass „geile Schlampen aus der Nachbarschaft“ ausgerechnet auf einen warten? Wie wahrscheinlich ist es, dass man irgendetwas gewonnen hat, obwohl man gar nicht teilgenommen hat? Wie wahrscheinlich ist es, dass ein „guter Freund“ sich meldet, vorzugsweise aus Afrika, um einem Millionen zu versprechen? Wer gibt einem die Garantie, dass das „Viagra“ auch Viagra ist und nicht nur eine eingefĂ€rbete Pille, falls man die jemals trotz eines „unschlagbaren Angebots“ erhĂ€lt.

Der gesunde Menschenverstand ist mitunter der beste Schutz. Man muss wissen, dass „verlockende“ Angebote entweder Nonsens oder gefĂ€hrlich sind.

Ich lösche rigoros alle email, auf die meine PlausibilitĂ€tsfragen keine Antwort finden. NatĂŒrlich könnten darunter auch „ernsthafte“ Angebote sein. Dann gehe ich aber davon aus, dass der Absender es meist telefonisch nochmals bei mir probiert: „Hast Du meine mail nicht erhalten?“

Niemand ist gesetzlich verpflichtet, seinen Rechner auf die Infizierung mit „Bot“-Schadsoftware zu ĂŒberprĂŒfen. Wer aber gerne im Internet ist, sollte aus SolidaritĂ€t mit den anderen Nutzern auf die eigene Sicherheit und auf ein sicheres Netz achten. Denn Opfer eines Bot-Angriffs wird man vielleicht nicht persönlich, aber doch indirekt. Um SchĂ€den zu beseitigen muss viel Geld aufgewendet werden, das letztlich wieder in die Kalkulation der Angebote einfließt.

Die „botfrei“-Seite ist sehr informativ und beschreibt gut, wie man die „Bösewichter“ auf dem eigenen Rechner wieder los wird. Benutzer, die unsicher sind, können sich bei Freunden Hilfe holen oder auch beim Fachmann.

UnsereLeserInnen, die Fragen haben, können sich gerne auch an die Redaktion wenden. Wir helfen ebenfalls gerne weiter.

Der DE-Cleaner sĂ€ubert zur Zeit nur Windows-basierte System – auf Anfrage bestĂ€tigte uns „eco“, dass an einer Mac-Version gearbeitet wird. Dem Verband „eco“ gehören rund 500 Unternehmen der Internetbranchen an.

Einen ersten Hinweis, dass mit dem eigenen Computer „irgendwas nicht stimmt“, erhĂ€lt man, wenn der Computer zwar modern ist, aber langsam arbeitet oder „sich irgendwie komisch“ verhĂ€lt oder Dinge tut, die ihm niemand befohlen hat, also plötzlich neu zu starten, Fenster zu öffnen oder zu schließen oder die Festplatte arbeitet wie wild, ohne dass man weiß, warum. Sollten also „merkwĂŒrdige Symptome“ auftreten, ist eine Untersuchung mittels Cleaner sehr sinnvoll – aber auch ohne Symptome schadet eine regelmĂ€ĂŸige PrĂŒfung nicht, sondern bewahrt vor eigenem Schaden und auch einem der Allgemeinheit.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.