Sonntag, 22. Juli 2018

Drachenbootrennen 2013: Sportliche Rennen und engagiertes Feiern

Von Knalltüten, Arschbomben und dem Falschen Dampfer

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Ladenburg, 15. Juli 2013. (red/ms) Zum neunten Mal fand vergangenes Wochenede das Drachenbootrennen in Ladenburg statt. Schön, dass dort nicht nur die Sieger jubeln konnten. Denn für die meisten Teilnehmer ist der Spaß wichtiger als der Erfolg. Und so blieb alles friedlich, freundlich und funstastisch.

Von Minh Schredle

Ganz bis zum Schluss ist es ein erbittertes Kopf-an-Kopf-Rennen. Mit bloßem Auge ist es nahezu unmöglich, sicher zu sagen, wer als erstes die Ziellinie überschritten hat. Riesige Anspannung bei den drei Teams, die noch einmal ihre letzten Kraftreserven mobilisiert haben und im Open-Finale alles gaben. Keiner traut sich, schon zu feiern. Alle drei Teams haben noch einmal beeindruckende Zeiten hingelegt und die 220 Meter lange Strecke in weniger als einer Minute geschafft.

Bislang war die Rennstrecke rund 250 Meter lang – wobei das Augenmerk vor allem auf der gleichen Länge aller drei Bahnen und nicht auf der genauen Streckenlänge liegt.

Das Ausmessen wurde von Abteilungsleiter Frank Meirizt vorgenommen und alle drei Bahnen via GPS auf die gleiche Bahnlänge gebracht. Hier geht es darum, Start- und Ziellinie parallel zu setzen und dabei eine optimale Streckenposition für den Rennverlauf (Auslauffläche), die Rennauswertung und die Zuschauer zu bekommen.

Dieses Jahr musste die Streckenlage kurzfristig angepasst werden, da durch das Hochwasser gerade im Strandbereich andere Voraussetzungen herrschten als in den Vorjahren und somit eine kürzere Streckenlänge herauskam. Für die Teams hatte das keinen Nachteil, für die Zuschauer rutschte das Renngeschehen allerdings etwas weiter in den Neckar rein. Kommendes Jahr soll wieder auf 250 Meter gepaddelt werden

 

Sekundenbruchteile entschieden über Sieg und Niederlage.

Sekundenbruchteile entschieden über Sieg und Niederlage.

 

Als der Moderator beginnt, zu sprechen, schweigt sogar das Publikum, das noch Sekunden zuvor euphorisch ihren Favoriten zugejubelt hatte oder murmelnd darüber diskutierte, wer nun als Sieger hervorgehen müsse. Den dritten Platz im Finallauf der Open-Teams machte das Team „Sax und Klee“.

Schon als die zweiten verkündet werden, ist der Jubel der Sieger und ihrer Fans so gewaltig, dass nicht einmal mehr zu hören ist, wie der Moderator ihren Namen vorliest. Mit einem beeidruckenden Schlusssprint schaffte es die Mannschaft „Falscher Dampfer“ auf den letzten Metern gerade noch rechtzeitig, die „SCA Dragons“ zu überholen und somit den Titel aus dem Vorjahr zu verteidigen. Nicht einmal drei Zehntelsekunden lagen zwischen dem ersten und dem zweiten Platz.

 

Euphorisch feiern die "Falschen Dampfer" ihren knappen Sieg.

Euphorisch feiern die „Falschen Dampfer“ ihren knappen Sieg.

„Ein Teil der Stadtgeschichte“

Zwar haben Drachenbootrennen in China schon seit tausenden von Jahren Tradition. Dass diese aber auch in anderen Teilen der Welt beliebt wurden, ist gar nicht mal so lange her: 1976 fand in Hong Kong das erste, internationale Drachenbootrennen statt – mit gerade einmal zehn teilnehmenden Mannschaften. Keine vierzig Jahre später sind es in Ladenbrug sechs mal so viele. Und das, obwohl der Großteil der Mannschaften aus der direkten Umgebung kommen.

Und die Popularität steigt weiter. Inzwischen fand das Rennen schon zum neunten Mal in Ladenburg statt – Jahr um Jahr steigt dabei nicht nur die Anzahl der Teilnehmer, sondern vor allem die der Besucher:

Das Drachenbootrennen ist schon ein Teil der Stadtgeschichte. Jeder Ladenburger kennt es und fast alle lieben es,

antwortet ein Zuschauer auf die Frage, was für ihn den Reiz am Rennen ausmacht. Im Gegensatz zu ein paar anderen, genügt es ihm aber zuzuschauen. Bei den „Legendären Knalltüten“ war das anders. Ein paar Turnerinnen und Cheerleader haben beim Zugucken letztes Jahr so viel Spaß gehabt, dass sie beschlossen, selbst mitzumachen – mit einem tollen Erfolg: Gleich beim ersten Mal konnte sich das junge Team aus überwiegend Achtzehn- und Neunzehnjährigen den ersten Platz bei den reinen Frauenmannschaften sichern.

 

Riesiger Jubel bei den legendären Knalltüten. Verständlich: Denn gleich bei der ersten Teilnahme erreichten die jungen Frauen den ersten Platz.

Riesiger Jubel bei den Legendären Knalltüten. Verständlich – denn gleich bei der ersten Teilnahme erreichten die jungen Frauen den ersten Platz.

 

Doch so ein Sieg fällt nicht vom Himmel.  Die meisten Teams haben in den letzten sechs Wochen vermutlich zwischen 150 und 200 Stunden trainiert,

sagt Pressewart Ecki Mayer.

Verkleidungswettbewerb mit Kultstatus

Im Gegensatz zu manch anderen Sportveranstaltungen steht für die meisten Teilnehmer allem Ehrgeiz zum Trotz der Spaß im Vordergrund.

Wir haben unser Ziel erreicht

sagt Esther Bertsch, die Teamchefin der Kanalratten, lachend – und das obwohl sie zumindest von ihren Zeiten auf dem Platz gelandet sind. Für einen Pokal hat es trotzdem gereicht. Sie gingen nämlich als Sieger aus dem beliebten Kostümierungswettbewerb hervor. Der Drachenpokal, der jedes Jahr für die kreativste und gelungenste Verkleidung vergeben wird, ist beinahe so begehrt, wie der Sieg selbst.

 

Die "Kanalratten" waren zwar nicht mit ihren Zeiten, dafür aber mit ihren Verkleidungen ganz vorne mit dabei.

Die „Kanalratten“ waren zwar nicht mit ihren Zeiten, dafür aber mit ihren Verkleidungen ganz vorne mit dabei.

 

Dass dermaßen viel Wert auf den kreativen Teil gelegt wird, ist etwas Außergewöhnliches – vielleicht macht gerade die Veranstaltung so attraktiv. Geschätzt mehr als zehntausend Besucher kamen über die beiden Tage verteilt. Das entspricht in etwa Ladenburgs Einwohnerzahl. Und sie bekamen einiges geboten.

Die Festwiese rund um den Wassertrum erinnerte ein wenig an ein Festival-Gelände. Überall waren Zelte und Stände aufgestellt. Neben volksfesttypischen Angeboten wie Bratwurst und Bier gab es auch Ausgefalleneres, wie etwa Gyros zu kaufen – einige Besucher kritisierten zu teure Preise. Manche Mannschaften hatten sich nicht nur damit begnügt, sich zu verkleiden, sondern zusätzliche Attraktionen zu schaffen: So zum Beispiel die „Arschbomben“. Sie hatten extra einen Pool aufgestellt und machten ihrem Namen alle Ehre.

 

Das Team der "Archbomben" macht seinem Namen alle Ehre.

Das Team der „Archbomben“ macht seinem Namen alle Ehre.

 

Erfreulich ist ebenfalls, dass die Veranstaltung wesentlich friedlicher ablief, als im Vorjahr. Trotz der deutlich gestiegenen Besucherzahlen, gab es insgesamt weniger Vorfälle. Nur ein paar mussten es beim Feiern übertreiben und landeten im Zelt der DLRG. Auch die Polizei war zufrieden:

Es ist ein gutes Zeichen für die Stadt, wenn eine Großveranstaltung bei der viel gefeiert wird, so friedlich verlaufen kann.

Unsere Fotostrecke finden Sie hier.

Über Minh Schredle

Minh Schredle (22) hat 2013 als Praktikant bei uns angefangen und war seitdem freier Mitarbeiter. Von Dezember 2014 bis August 2016 hat er volontiert. Ab September 2016 ist er freier Mitarbeiter bei uns.