Sonntag, 19. November 2017

Leserbrief: Unglaubliche Zustände für Schüler im ÖPNV

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Guten Tag!

Ladenburg, 15. Februar 2010. Die Redaktion veröffentlicht einen Leserbrief, der eine massive Kritik am Busunternehmen BRN formuliert. Die Darstellungen im Text schildern die Sicht des Verfassers. In der vergangenen Gemeinderatssitzung wies der Verfasser in der Fragezeit für Bürger auf seine Erlebnisse hin und forderte Aufklärung beziehungsweise Abhilfe. Das ladenburgblog dokumentiert die schriftliche Schilderung der Kritik am Busbetreiber.

Leserbrief

Erlebnisse bei einer Busfahrt nach Mannheim-Seckenheim

Als Mitglied des Arbeitskreises Netzwerk Berufsfindung der Zukunftswerktadt Ladenburg begleitete ich am 26.01.2010 14 Schülerinnen und Schüler der Klasse 8 der Sickingen Haupt- und Werkrealschule mit ihrem Lehrer auf einem Lerngang zum BIZ Berufs-Informations-Zentrum nach Mannheim.

Es sollte um 12.44 Uhr mit dem Bus an der Haltestelle in der Bahnhofstraße, gegenüber der Sparkasse Rhein-Neckar-Nord losgehen.

Schüler, Lehrer und ich waren rechtzeitig an der Haltestelle. Wir warteten geduldig bei -3,5 Grad auf das Eintreffen des Busses, jedoch nichts tat sich.

Die meisten Kinder im Alter von 14 Jahren wohnen in Ilvesheim und besuchen seit Herbst 2009 die Sickingen Haupt- und Werkrealschule, weil die Hauptschule in Ilvesheim für ihren Jahrgang geschlossen wurde.

Nachdem der Bus auf sich warten ließ, machten die Kinder ihren Lehrer und mich darauf aufmerksam, dass wir mit ziemlicher Sicherheit mit dem 12.44 Uhr Bus wegen Überfüllung nicht mitfahren können und ob das mit dem nächsten 13.19 h-Bus gelinge, sei ebenfalls zweifelhaft.

Ich hielt das im Stillen für übertrieben – aber, ich musste dazulernen!

Inzwischen war es kurz vor 12.55 h und unser Bus war immer noch nicht zu sehen.

Aus Richtung Ilvesheim kommend war inzwischen ein Bus mit großer Richtungsanzeige „LEERFAHRT“ an uns vorbeigefahren und am Benz-Platz in Richtung Schwimmbad abgebogen. Merkwürdig-€¦, das Schwimmbad ist doch geschlossen!?

Zwei Minuten vor 13.00 Uhr kam dann endlich unser Bus um die Ecke aus Richtung Wallstadter Straße angefahren, – aber, er hielt gar nicht erst an, sondern fuhr einfach ungebremst weiter in Richtung Ilvesheim, denn er war, wie zu erkennen, bereits brechend voll!

Die Schüler maulten zwar, aber verhielten sich einwandfrei und warteten mit uns zwei Erwachsenen geduldig weiter.

Ein weiterer Bus aus Richtung Ilvesheim kommend mit Richtungsanzeige „LEERFAHRT“ bog wiederum am Benz-Platz in Richtung Schwimmbad ab.

Inzwischen waren noch 4 ältere Schülerinnen (etvl. aus Realschule oder Gymnasium) an der Haltestelle angekommen und warteten ebenfalls.

Da, endlich, es war 13.19 Uhr, kam der Bus pünktlich um die Ecke aus Richtung Wallstadter Straße und hielt sogar an. Trotz Überfüllung!

Zwei Insassen stiegen aus (offenbar musste er deshalb anhalten) aber 20 Personen wollten/mussten rein, obwohl alle Sitzplätze, die Mittelgänge und Einstiegsplattform besetzt waren.
Also, jeder presste sich – die Luft anhaltend – engstens an die Mitreisenden, versuchte, irgendeine Stange oder Griff zu Festhalten zu packen.

Es wurde gedrückt und geschoben und geflucht und geschrieen – aber der Busfahrer konnte endlich die Türen schließen. Und schon gings los!

Offenbar musste er irgendwie Zeit aufholen, denn er gab Gas, so dass der Pulk der Stehenden nach hinten schwankte. Beim Bremsen schwankte er nach vorne und je nach Kurve schwankte der Pulk nach rechts oder links.

Positiv war, es konnte keiner umfallen!

Mir ging durch den Sinn, dass es bei diesem Gedränge leicht wäre, mir meinen Geldbeutel aus der Jackentasche zu klauen, – aber, ich beruhigte mich schnell, denn wir standen ja so eng, dass niemand die Arme bewegen konnte.

An einer Haltestelle wollte eine Frau vor mir, die einen Sitzplatz hatte, aussteigen, aber es war wegen der Überfüllung nicht möglich. Sie schrie mich zwar an, sie müsse aussteigen, aber – ich konnte sie ja nicht durch mich hindurch gehen lassen.

Also bat ich an der Haltestelle die vor der Tür stehenden Schüler doch auszusteigen, um Platz zum Aussteigen für diese Frau zu machen. Das taten sie auch ohne murren.

Aber, sie mussten sich gewaltig beeilen, um sich rechtzeitig wieder reinzuquetschen, damit der Busfahrer sie mitnahm und die Türen schließen konnte.

Endlich in Seckenheim angekommen, stiegen wir aus, um mit der Straßenbahn weiterzufahren. Tief Luft holen, war wichtig!

Die Rückfahrt von Seckenheim nach Ladenburg – nach 16.00 h – verlief übrigens mangels „Fahrgast-Masse“ erfreulicherweise im Sitzen. Allerdings waren etliche Schülerinnen und Schüler von der Straßenbahn-Haltestelle Seckenheim zu Fuß nach Ilvesheim gehen.)

Die Schüler sagten zu ihrem Lehrer und mir „ -€¦.jetzt haben Sie einmal gesehen, was wir jeden Tag morgens und mittags mitmachen müssen -€¦“

Meine Frage, ob das morgens auf der Fahrt nach Ladenburg nicht doch besser sei, beantworteten sie mit „..da ist es genau so-€¦“

Und ihr Lehrer erzählte mir, dass mehrfach Kinder zu spät zum Unterricht kommen, weil der Bus überfüllt oder erheblich zu spät war.

Wenn mir irgendwer vorher erzählt hätte, was ich auf dieser Busfahrt dann selbst erlebt habe – ich hätte ihm nie und nimmer geglaubt!

Aber – ich habe es selbst erlebt, am 26.01.2010.

Das, was sich der Betreiber des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs hier leistet, ist menschenverachtend! Wo bleibt eigentlich die Verantwortung für Würde und die Sicherheit unserer Kinder?

Würden Tiere auf ähnliche Weise transportiert, wären die Straßen von protestierenden „Tierschützern“ blockiert. Die Polizei würde den Fahrer verhaften, dem Fahrzeughalter würde die Transport-Lizenz entzogen und die Presse, Funk und Fernsehen wären voll mit dicken Schlagzeilen und großen Berichten über die Ungeheuerlichkeiten mit der man mit Tieren umgeht.

Aber, im von mir persönlich erlebten Fall geht es um Menschen, um Schüler, um Kinde – und da regt sich niemand auf, – das wird einfach so hingenommen!

Unfassbar! In welcher Welt leben wir eigentlich??

Diese Erlebnisse habe ich Herrn Bürgermeister Ziegler und den Fraktionsvorsitzenden der im Gemeinderat Ladenburgs vertretenen Parteien am 28.01.2010 schriftlich mitgeteilt und gebeten, sich dieses Problems anzunehmen und dringend für Abhilfe zu sorgen.

Am 03.02.2010 erhielt ich von Herrn Bürgermeister Ziegler (er war vorher geschäftlich vereist) eine mail-Antwort.

Er teilte mir mit, dass er von den aktuellen Problemen Kenntnis hat und in Kürze mit dem Verkehrsunternehmen ein Gespräch zur Verbesserung dieser Situation führen wolle.

Er informierte mich, dass zum 01.01.2010 das Busverkehrsunternehmen von RNV zu BRN gewechselt hat, wodurch offenbar zusätzliche Startschwierigkeiten auftreten.

Außerdem meinte er, dass die geschilderten Probleme auch schneebedingt seien, da nahezu alle fahrradfahrenden Schülerinnen und Schüler auf den ÖPNV umsteigen.

Meine Antworten dazu habe ich während der Fragestunde in der Öffentlichen Gemeinderatssitzung am 03.02.2010 gesagt und erneut auf die Dringlichkeit hingewiesen.

Klaus Ehry

Anmerkung der Redaktion: Leserbriefe geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Der Verfasser ist für den Inhalt verantwortlich.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • klein-u

    Sehr geehrter Herr Ehry,
    was Sie erlebt haben, betrifft die vielen Heddesheimer Kinder, die täglich mit dem Bus zur Schule nach Ladenburg wollen ebenso. Trotz der mehrfach seit Jahren vorgebrachten Beschwerden hat sich die Situation auch durch den Wechsel des Busverkehrsunternehmens nicht verbessert.
    Sie hatten natürlich einen zusätzlichen Nachteil gegenüber den Kindern. Diese erhalten nämlich schon seit Jahren in der 5. Klasse ein Bustraining um besser mit der Situation zurecht zu kommen.
    Mit freundlichen Grüßen

  • kompakter

    hallo,

    der leserbrief ist echt nicht nett. bin mal gespannt, wie die lokale politik mit dem theam umgeht.

    gruss

  • heddesheimerin

    Dies ist kein Ladenburg-spezifisches Problem, es betrifft auch Heddeshein. Besonders bedenklich ist dabei, dass es ja nicht nur um Pünktlichkeit und Bequemlichkeit geht. Es geht um die Sicherheit unserer Kinder! Hier ist „abwarten, prüfen, Gespräche führen etc.“ nicht genug. Die Politik muss schnell handeln, in beiden Gemeinden. Und: In Sicherheitsfragen DARF es keine „Startschwierigkeiten“ beim Betreiber geben.

  • reg4

    Dieses Problem besteht seit über 10 Jahren. Gratuliere.

  • Tee Hamburg

    Super Blog, immer wieder interessant zu lesen!