Samstag, 18. November 2017

Gabis Kolumne

Die liebe Familie

Print Friendly, PDF & Email

//

 

Guten Tag!

Ladenburg, 15. November 2010. Die liebe Familie kann man sich nicht aussuchen, meint Gabi und sie weiĂź, wovon sie redet. SchlieĂźlich sind die Verwandten und all die damit verbundenen Erfahrungen immer wieder Thema unter den Frauen.

Man kann sich ja bekanntlich Vieles aussuchen: Das neue Auto, das nächste Urlaubsziel, Freunde, den Mann-€¦Aber was man sich definitiv nicht aussuchen kann ist die eigene Verwandtschaft oder noch schlimmer die angeheiratete.

Die Klagen über die böse Schwiegermutter sind vielfältig und schon oft in der Literatur thematisiert oder in Filmen verarbeitet worden. Aber auch Schwager und Schwägerin geben oft Grund zur Klage.

Vor allem die MĂĽtter von Söhnen – und ich hoffe sehr, dass ich niemals in diese Falle tappen werde – finden oft kein gutes Haar an ihrer Schwiegertochter – und umgekehrt.

Wehe die Schwiegermutter kommt! – Die Familie im Ausnahmezustand

Besonders Leid geprüft ist eine gute Freundin von mir. Reist die Schwiegermutter an, wird sie automatisch krank und die ganze Familie gerät in einen Ausnahmezustand.

„Eigentlich will sie nur ihren Kronsohn sehen und der Rest der Familie, vor allem ich, sind nur ein lästiges Anhängsel“, jammert meine Freundin. Karten und Briefe werden regelmäßig nur an den „Bub“ adressiert und „wenn er abends von der Arbeit kommt macht sie sich für ihn hübsch. Und ich kann dann die Küche machen“.

„Ich werde absolut aggressiv, wenn sie anfängt, meine KĂĽche umzuräumen und tagelang nur das zu kochen, was er als Kind ja schon immer gerne gegessen hat“, erzählt eine andere Freundin. „Gell, das mag der Hans, wenn ich seine Leibspeisen koche“, sagt die Schwiegermutter dann immer freudestrahlend.

Da sieht es eine gute Bekannte von mir schon viel entspannter: „Das ist doch prima, wenn meine Schwiegermutter kommt, bĂĽgelt sie die Hemden, putzt die Fenster und kocht. Ich sage immer nur, das machst du klasse und gehe aus dem Haus.“

„Mein Mann wird richtig gehend zum Kleinkind, wenn seine Eltern zu Besuch kommen“, erzählte mir eine Kollegin. „KĂĽrzlich brachten sie ihm seine alte Holz-Eisenbahn mit und er hat vor Freude fast angefangen zu heulen.“

„Wenn es doch nur die Schwiegermutter wäre“, klagt eine weitere Bekannte. „Meine Schwester hat uns kĂĽrzlich ihren ZukĂĽnftigen vorgestellt und das war ehrlich eine Katastrophe. Eingebildet bis zum geht nicht mehr, laut und unfreundlich – und mit so einem Menschen soll ich jetzt alle kĂĽnftigen Familienfeste verbringen, na danke.“

Bei Kritik folgt die Ehekrise

„Wenn meine Schwägerin, ihr Mann und deren drei verzogenen Kinder kommen, würde ich am liebsten immer sofort ausziehen. Die Erwachsenen sitzen den ganzen Tag am Tisch, essen den Kühlschrank und trinken den Keller leer, während die Jungs das Haus verwüsten. Und wehe ich lasse nur ein Wort der Kritik fallen, geraten mein Mann und ich in eine Ehekrise“, verrät mir eine Freundin.

Stein des Anstoßes kann aber auch der Schwiegervater sein. „Sitzen wir gemeinsam am Tisch meckert er ständig an den Tischmanieren und der Wortwahl der Kinder rum. Das Essen schmeckt nicht wie bei seiner Frau und das Bier ist zu kalt. Das kann ich wirklich nur ein paar Mal im Jahr ertragen“, stöhnte eine weitere Freundin.

Da geht es mir schon viel besser denke ich, meine Schwiegereltern leben nicht mehr, was mir natĂĽrlich sehr leid tut, aber so gibt es auch keinen Grund mich ĂĽber sie zu beklagen. Mein Bruder hat eine reizende Freundin, die zwar etwas exaltiert ist, aber weit genug weg wohnt. Meinen Schwager und seine Familie sehen wir nicht wirklich oft und wenn dann gehen wir meistens zusammen in ein Restaurant.

„Schön“, sagt mein Mann, als ich ihm abends meine Gedanken mitteilte. „Und wer fragt mich, wie es mir geht, wenn deine Eltern, dein Bruder, deine Tanten und Kusinen an Weihnachten anreisen?“

„Tja, Schatz“, sage ich, „die Verwandtschaft und vor allem die angeheiratete kann man sich bekanntlich nicht aussuchen“.

Anmerkung der Redaktion: Sie finden uns bei Facebook unter Redaktion ladenburgblog.

Ăśber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.