Samstag, 18. August 2018

Thomas Putze rettet Bäume und macht Kunst aus den Resten

Filigrane Kettensägenkunst

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Ladenburg, 15. Februar 2014. (red/ms) Thomas Putze ist Musiker, Landschaftsgärtner und Künstler. Um einen schönen Ladenburger Kirschbaum davor zu bewahren, gefällt zu werden, hat er ihn beschnitten. Am Freitag konnte man ihn vor dem Lobdengaumuseum dabei beobachten, wie er aus den Ästen und Resten, die dabei angefallen sind, Kunstwerke fertigt – mit einer Kettensäge. Das begeisterte vor allem Kinder, aber auch Bürgermeister Rainer Ziegler. Die Skulpturen können nun im Museum erworben werden. 

Von Minh Schredle

Die Poetin und Malerin Gudrun Schön-Stoll und der Baumpfleger und Bildhauer sind Kollegen und Freunde. Sie sitzen gemeinsam in Frau Schön-Stolls Atelier, schließlich fällt Herrn Putzes Blick auf einem Kirschbaum im Nachbargarten. Er ist angetan:

Was für ein schöner Baum,

sagt er. Frau Schön-Stoll stimmt zu. Doch sie ergänzt traurig, dass er gefällt werden muss.

Kommt nicht in Frage!

entgegnet Herr Putze. Spontan entsteht eine Idee: Der ausgebildete Landschaftsgärtner schneidet den so Baum zurecht, dass er überleben kann und die anfallenden Überreste werden verwendet, um Kunstwerke zu schaffen.

Kettensägenkunst

Nur wenige Wochen später wird die Aktion umgesetzt. Heute, zwischen 13:00 Uhr und 16:00 Uhr, ist der Künstler vor dem Ladenburger Lobdengaumuseum zu sehen. Vor einem Publikum kettensägt er aus den Ästen Kunstwerke. Mit einer Motorsäge.

 

Filigrane Feinarbeit: Eine kleine Unachtsamkeit kann stundenlange Arbeit ruinieren.

Filigrane Feinarbeit: Eine kleine Unachtsamkeit kann stundenlange Arbeit ruinieren.

 

Das erfordert Einiges an Übung. Häufig sind Stellen wenige Millimeter dünn – eine kleine Unachtsamkeit kann die gesamte Arbeit ruinieren. Thomas Putze sagt dazu:

Gerade in der Anfangszeit ist das häufiger passiert. Mittlerweile geschieht es nur noch sehr selten, man entwickelt eine Routine, kennt das Material, mit dem man arbeitet gut genug, um zu wissen, was es verträgt. Manchmal kommt es trotzdem anders als man denkt. Dann muss man flexibel sein und schauen, ob sich das Material vielleicht noch anders verwerten lässt. 

Seine Arbeitsweise, mit Motorsägen Kunst zu schaffen, ist ein markantes Alleinstellungsmerkmal – und war sein Einstieg in die Kunst: Nach seinem Abitur absolvierte Thomas Putze zunächst eine Ausbildung als Landschaftsgärtner, später finanzierte er sich sein Kunststudium durch Baumpflegearbeiten. Da kam ihm die Idee, die anfallenden Reste weiter zu verwerten.

 

Noch ist sich der Künstler unsicher, ob das Werk schon fertig ist. Schon jetzt beeindruckend: Die feinen Details und die lebendige Dynamik.

Noch ist sich der Künstler unsicher, ob das Werk schon fertig ist. Schon jetzt beeindruckend: Die feinen Details und die lebendige Dynamik.

 

Seitdem hat er sich in der Kunstszene etabliert und zahlreiche öffentliche Aktionen durchgeführt. Trotzdem ist er auf dem Boden geblieben: Auf Anfrage ist er eine Viertelstunde früher erschienen, um etwa 20 Grundschulkindern seine Arbeitsweise zu präsentieren. Er nimmt sich viel Zeit, sägt vor ihren Augen Skulpturen zurecht und bezieht die Kinder mit ein, fragt sie, was sie sich als Skulptur wünschen.

 

Thomas_Putze_Lobdengaumuseum-5222

Mit großer Geduld geht Thomas Putze auf die Fragen der Kinder ein und fragt sie, ob sie eine Idee haben, was für ein Tier man aus einem bestimmten Ast schnitzen könnte.

 

Dem Wunsch nach einem Elefanten kann er nicht nachkommen. Dazu seien die Stücke nicht geeignet. Dafür erfüllt er einen anderen Wunsch. Und lässt die Zeit stoppen, wie lang er braucht, um seine Skulptur anzufertigen.

Drei-Minuten-Kunst

Als der Motor der Kettensäge aufheult, sind die Kinder hin und weg, schauen vollkommen gebannt und wortlos zu, wie er das Holz zurecht sägt. Nach zwei Minuten und 47 Sekunden ist es so weit:

Ein Vogel!

rufen die Kinder begeistert. Was für einer?

Hoffentlich kein Pleitegeier

sagt Bürgermeister Rainer Ziegler lachend, der ebenfalls vor Ort ist.

 

Thomas_Putze_Lobdengaumuseum-5250

Der Künstler ist zufrieden mit dem Drei-Minuten-Vogel.

 

Als symbolische Geste bekommt Herr Ziegler die „Drei-Minuten-Skizze“, wie Herr Putze das Werk bezeichnet, geschenkt. Andere müssen bezahlen, wenn sie ein Kunstwerk von Putze wollen – allerdings sind die Preise moderat: Eine Auswahl kann man im Lobdengaumuseum betrachten und kaufen. Die Werke kosten zwischen 100 und 150 Euro.

 

Thomas_Putze_Lobdengaumuseum-5261

Eine gute handvoll Kunstwerke werden angeboten – einige sind allerdings schon für das Museum und den Kunstverein reserviert.

 

Wer ein Werk erwirbt, sollte es ins Wasser stellen – mit etwas Glück fangen die Knospen an zu blühen, ähnlich wie bei Barbarazweigen.

Über Minh Schredle

Minh Schredle (22) hat 2013 als Praktikant bei uns angefangen und war seitdem freier Mitarbeiter. Von Dezember 2014 bis August 2016 hat er volontiert. Ab September 2016 ist er freier Mitarbeiter bei uns.