Montag, 24. September 2018

Familien "gucken in die Röhre"

Der Branich-Tunnel zieht Tausende

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Vermutlich ĂŒber 2.000 Besucher guckten „in die Röhre“.

 

Schriesheim/Rhein-Neckar, 15. Oktober 2012. (red/pro) Wirklich offen war der Branich-Tunnel nicht fĂŒr die Bevölkerung. Aber immerhin „einladend“. Das RegierungsprĂ€sidium lud die Bevölkerung ein, sich ĂŒber den Bau und den Fortschritt des ĂŒber 80 Millionen Euro teuren Baus zu informieren.

Neugier ist eine der hervorragendsten Eigenschaften des Menschen – das war schon zur Zeit der Höhlenmenschen so.

Was wÀren die Romantiker oder vorher Goethe ohne die magische Anziehungskraft des Bergbaus? Dem Weg ins Innern der Erde?

Zugegeben, das ist ein wenig arg pathetisch. Trotzdem steht fest, dass vermutlich mehr als 2.000 neugierige GĂ€ste die ersten fĂŒnfzig Meter des Branichtunnels sehen wollten. An StĂ€nden informierten sie sich ĂŒber die Bergbautechnik und halbstĂŒndig wurde ein Film ĂŒber das teuerste Tunnelprojekt nach Stuttgart21 gezeigt – im ĂŒbrigen die teuerste Verkehrsmaßnahme in Nordbaden fĂŒr Jahre.

FĂŒr Familien mit Kindern ein spannender Ausflugstag. FĂŒr berufstĂ€tige Pendler eine Gelegenheit, sich den Bauvorschritt anzuschauen und zu prĂŒfen, ob der rund 1.600 Meter lange Tunnel bis 2015 auf betriebsbereit ist.

Maschinen wie aus Science-Fiction-Filmen.

 

Die Zufahrten stehen mehr oder weniger – sehen konnte man nur die ersten fĂŒnfzig Meter. Das ist verstĂ€ndlich, ist doch der Rest noch „Baustelle“.

Es gibt viele, die sich den Tunnel sehnlichst wĂŒnschen. Die OdenwĂ€lder, die sich nicht mehr ĂŒber die L536 durch Schriesheim quĂ€len mĂŒssen und die Schriesheimer, denen die durch pendelnde OdenwĂ€lder zugemutete Verkehrsbelastung eine Qual ist.

In der FrĂŒhphase der Bauarbeiten gab es viele Beschwerden ĂŒber die GerĂ€uschentwicklung, die aber reduziert werden konnten beziehungsweise durch die fortschreitende Verlegung der Arbeiten weiter in den Tunnel hinein nicht mehr wahrnehmbar sind. Insbesondere ein durchgĂ€ngig laufendes LĂŒftungsgeblĂ€se steht mittlerweile nicht mehr am Tunnelportal, sondern weit im Tunnelinneren.

Der Branich geht voran – drei Jahre wird es noch dauern, bis der Verkehr hier fließen kann. Bis dahin wird allerdings durch eine fehlende Finanzierung der alten CDU-Regierung auch viel Steuergeld verflossen sein. UrsprĂŒnglich sollte der Tunnel rund 60 Millionen Euro kosten. Mittlerweile summiert sich die Baumaßnahme auf ĂŒber 80 Millionen Euro.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.