Samstag, 18. November 2017

Ballonfestival: Abfackeln statt glühen

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Guten Tag!

Ladenburg, 14. August 2010. Das 6. Ballonfestival Ladenburg hatte keinen guten Start für die Organisatoren LSV-Förderverein und den Ballonfahrten-Unternehmer Uwe Hilzendegen. Mit rund 4.000 Besuchern kamen auch deutlich weniger Gäste als erwartet. Echte Stimmung kam nicht auf.

Von Hardy Prothmann

Das Wetter hat nicht mitgemacht – zuviel Wind hat den Start der Ballons beim 6. Ballonfestival verhindert. Und auch das Ballonglühen war eher ein Gas-Abfackeln. Zwar gaben die Ballonpiloten „Gas“, aber ohne Hüllen über den Körben – das war irgendwie skurril. Das machte hell und gab Licht, aber keine Stimmung.

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Abfackeln statt Ballonglühen - das macht Licht, aber keine Stimmung. Bild: ladenburgblog

Hell, dunkel – und weiter?

Die Flammen schossen meterhoch in die Luft und erleuchteten die Festwiese, wenn alle neun (statt der angekündigten zwölf) Ballonfahrer gleichzeitig ihre Brenner betätigten. Es wurde hell, es wurde dunkel. Mehr war aber auch nicht.

Am besten gefielen da noch die Modellballone von Ballonmodellbauer Michael Kampmann. Die kleineren Heißluftballone schwebten wenigstens mal für eine kurze Zeit drei, vier Meter über dem Boden und „glühten“, wenn die Brenner per Fernbedienung betätigt wurden.

Das Festival fing sehr verhalten an, gut 1.000, höchstens 1.500 Besucher waren es am frühen Abend, als die Ballons starten sollten. Uwe Hilzendegen war sich mit den anderen Ballonpiloten einig, dass die Wetterlage eine sichere Fahrt nicht ermöglichte. Die Entscheidung, am Boden zu bleiben ist selbstverständlich und richtig, denn die Piloten sind für die Sicherheit ihrer Fahrtgäste verantwortlich.

Nur 4.000 Besucher sind zu wenig.

Am Boden gab es das Übliche: Bratwurst, Steak und Pommes. Und das Bon-System, dass der frühere Ballonfestival-Mitveranstalter Michael Bering so gescholten hat, funktionierte. Es waren ja auch zum Höhepunkt, dem „Ballonglühen“ nur freundlich geschätzt 4.000 Besucher vor Ort.

Trotzdem muss man hier eine deutliche Kritik üben: Wenn ein Bon-Verkäufer Gäste anmotzt, dass das hier so überhaupt nicht gehe und gefälligst eine Reihe gebildet werden muss, dann ist das erstens unfreundlich und zweitens lächerlich, wenn vor dem Bon-Stand nur acht Leute stehen.

Es fehlte an einer Inszenierung.

Auch die Beschallung war nicht gut. Die Moderationen waren teils sehr schwer verständlich. Und es fehlte komplett an einer Dramaturgie, einer Inszenierung, die dem Festival eine besondere Note gibt.

Die Eheleute Rittlinger und der Förderverein der Fußballabteilung der LSV haben zusammen mit den ehrenamtlichen Helfern sicherlich viel getan, um das Festival nach dem Absprung von Bering doch noch zu veranstalten.

Vielleicht wäre es aber besser gewesen, es für ein Jahr ausfallen zu lassen. Um sich zu sammeln, ein gutes Konzept zu erstellen, ein ordentliches Rahmenprogramm zu entwickeln und dann einen Neustart zu machen.

Erfolg orientiert sich nicht an Schuldfragen.

So ist das Wetter schuld, für die „inneren Kreise“ der Konflikt zwischen Bering und Rittlinger und was sonst noch, beispielsweise eine unzureichende Bewerbung der Veranstaltung. Nur: Die Schuldfrage interessiert keinen Besucher, eine Suche nach der Schuld beantwortet nicht die Frage, wie man Erfolg hat.

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Modellbauer Michael Kampmann am Ballon. Bild: ladenburgblog

Dass nur rund 4.000 Besucher gekommen sind, ist ein Warnsignal. Wenn das nicht wahrgenommen wird, wird eine an sich imposante Veranstaltung zu Tode veranstaltet. Angeblich waren es ja mal über 20.000 Besucher, woran man aber Zweifeln haben darf. Doch 6-10.000 Besucher sollte eine solche Veranstaltung schon erreichen können. Alles darunter muss die berechtigte Frage aufkommen lassen, ob Aufwand und Ergebnis noch zueinander passen.

Alle haben sich bemüht: Die LSV, die Stadt und Herr Hilzendegen. Steht in einem Zeugnis aber: „Sie haben sich jederzeit bemüht“, weiß man, wie man das zu verstehen hat.

Zukunft ungewiss.

Das hat auch das Publikum klar gemacht. Das „bemühte“ Klatschen nach 30 Minuten Gas abfackeln wirkte eher wie ein Trost für die Zuschauer selbst – man will schließlich nicht vergebens gekommen sein.

LSV-Förderverein und Hilzendegen haben nun ein Jahr Zeit, über all das und das nächste Ballonfestival nachzudenken. Einen Erfolg können sie für dieses Jahr nicht vermelden, am Erfolg aber werden sie gemessen werden. Der muss im kommenden Jahr da sein, sonst wird das Ballonfestival in Ladenburg keine Zukunft haben.

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Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • kompakter

    hallo,

    die musikanlage war kläglich und die moderation nicht zu verstehen. macht nix, weil die eh nicht gut war.
    ich bin noch hin, weil hier die meldung kam, dass das glühen stattfindet. dann wars nur abfackeln, wies richtig beschrieben wurde. das war eine verarsche.

    sorry, für mich hat sich das ballonfestival erledigt.

    gruß

    • Dasladenburgblog

      Guten Tag!

      Wir haben das gemeldet, weil uns das so vom Veranstalter telefonisch mitgeteil wurde: Das Ballonglühen findet statt.

      Raus kam leider nur ein Abfackeln.

      Einen schönen Tag wünscht
      Das ladenburgblog

    • Jürgen

      Für nichts auch nur einen cent Eintritt bezahlt,wahrscheinlich nichts auf dem Fest gegessen und getrunken und dann von Verarsche reden. TOLL !!

      Jürgen

  • GeraldHauck

    Selten ein so völlig unnötiges „Event“ erlebt wie dieses.Das Zusammenwürfeln von Autoausstellung , Kinderkarussel, Unterhaltungsmusik und Verköstigung auf einer Wiese ergibt nicht automatisch ein Fest.Das Fehlen eines attraktiven Konzepts ist im übrigen nicht erst seit diesem Jahr zu beklagen.Ein solches „Ereignis“ ist ganz einfach überflüssig, es gibt schon zu viele davon.Vielleicht ist ein längerfristiges, nicht nur einjähriges Aussetzen notwendig zur Erneuerung.Ich erinnere mich jedenfalls gerne an das 1.Ballonfest in Ladenburg…

  • Uwe Hilzendegen

    Guten Tag,

    ich danke für das große Verständis! Sicherheit geht vor- auch wenn dies ein paar Schreiberlinge veranlasst, dieses Festival nun kleinzureden.

    Gottlob kann niemand für die widrigen Wetterbedingungen verantwortlich gemacht werden. Übrigens stand bis kurz vor Beginn des Ballonglühens noch nicht fest, ob mit oder ohne Hüllen geglüht werden kann.

    Es war sehr schwierig, dem Publikum bei dieser sehr unsicheren Wetterlage etwas zu bieten. Und wie schon oben erwähnt: bei mir hat Sicherheit oberste Prioriät. Ich möchte nicht wissen, was manche Redakteure losgelassen hätte, wenn eine Windböe (die bei dieser Wetterlage nun wirklich nicht auszuschließen war) einen Ballonhülle in Richtung Zuschauer gedrückt hätte.

    Ich würde bezüglich des Ballonglühens die gleiche Entscheidung wieder treffen.

    Kritik ist richtig und notwendig. Allerdings nur konstruktive. Für diese habe ich immer ein offenes Ohr.

    MfG

    Uwe Hilzendegen

    • Heddesheimer

      Ich kann sie gut verstehen und rechne ihnen den Versuch den Zuschauern trotzdem ein Trostpflaster zu bieten an.

      Grüße aus der Nachbarschaft.

      • Uwe Hilzendegen

        Dankeschön!

  • kompakter

    hallo,

    ist ja mal wieder typisch für den mannheimer morgen, was der heute so schreibt. alle sind glücklich und zufrieden und das fest war schön.

    vielen dank für die berichterstattung hier. die ist ehrlich und nimmt kein blatt vor den mund.

    und die lsv sollte sich mal überlegen, wie lange das noch gutgeht, wenn man immer nur pommes, bratwurst, bier anbietet. das rahmenprogramm taugte auch nix, die band war ok, mehr aber auch nicht.
    mich würde mal interessieren, was die stadt dafür bezahlt hat und ob das unter „vereinsförderung“ auftaucht und ob andere vereine ebenso gefördert werden.

    gruß

  • kompakter

    hallo,

    glückwunsch zu den bildern – die nahaufnahmen zeigen, was man als zuschauer nicht sehen konnte und insgesamt sehen die aufnahmen besser aus, als das, was wir zuschauer „erleben“ durften.

    gruß

  • Mara

    Hallo Ladenburgblog,

    egal was Sie hier schreiben, es war ein Klasse fest, an beiden Tagen wurde man freundlich bedient und es wurde das beste aus den Unwetterwarnungen gemacht. Ein Große Lob an Herrn Hilzendegen, der alles mögliche getan hat um den, trotz Unwetterwarnung, anwesenden Gästen etwas zu bieten.

    Ich stelle mir die Frage, ob das Fest einfach nur schlecht gemacht werden soll???

    Viele Grüße
    Mara

    • Dasladenburgblog

      Guten Tag!

      Danke für Ihren Beitrag.

      „Egal, was Sie hier schreiben“ beschreibt sehr gut Ihre Haltung: „Alles egal.“ Anscheinend haben Sie den Artikel nicht gelesen. Es gibt kein Interesse der Redaktion, dieses Fest oder andere Feste oder sonstwas „schlecht zu machen“.

      Leider gibt es immer wieder Menschen, die mit Kritik nicht umgehen können und jede kritische Äußerung pauschal in die „schlecht-machen-Schublade“ einordnen.

      Schön, dass Ihnen das Fest gefallen hat. Sie können sicher sein, dass das viele andere Gäste auch fanden. Sie können aber auch sicher sein, dass viele andere Gäste es nicht so toll fanden – wir haben nämlich mit vielen gesprochen, um ein Meinungsbild einzuholen.

      Einen schönen Tag wünscht
      Das ladenburgblog

      • Mara

        Hallo Ladenburgblog,

        meine Haltung ist bestimmt nicht „Alles Egal“, sowie es mir unterstellt wird und auch den Artikel habe ich sorgfälltig gelesen.

        Wie auch schon Herr Hilzendegen schrieb sollte Kritik konstruktiv sein.

        Sicherlich haben Sie hervorgehoben, dass die Sicherheit vorgeht, allerdings muss ich Jürgen (siehe oben) recht geben, das erst wohl was passieren muss.

        Grüße
        Mara

        • Dasladenburgblog

          Guten Tag!

          Niemand möchte, dass irgendjemandem irgendetwas passiert. Woraus Sie und „Jürgen“ das ableiten, ist schleierhaft. Es gab keine Forderung, dass die Ballone trotz des Wetters hätten starten sollen.

          Tatsache ist, dass von einem „Glühen“ nicht die Rede sein konnte – bis auf die Modellballone. Sicherlich hat sich der Veranstalter bemüht, trotzdem noch etwas „zu zeigen“, das aber war weit weniger spektakulär als von vielen Gästen erhofft. Spektakulär im Sinne einer Unterhaltung und nicht eines Unfalls.

          Wir sind sicher, dass der Veranstalter sich der Kritik, was die Werbung, die Beschallung und das Behandeln der Gäste angeht, annimmt. Denn sicherlich ist man dort daran interessiert, dass es ein rundum gelungenes Fest ist.

          Und sicherlich wurde viel in der kurzen Zeit geleistet – sicher war die Zeit aber zu kurz, da sonst über einen weit längeren Zeitraum geplant wird.

          Wir wünschen der LSV, den Ballonfahrern und den Gästen dann im kommenden Jahr ein schönes Ballonfestival.

          Einen schönen Tag wünscht
          Das ladenburgblog

  • Jürgen

    Hallo

    Als Teilnehmer und Helfer bei der Organisation kann ich nicht nachvollziehen welch derbe Kritikn hier geschrieben wird.Alle beteiligten haben ihr bestes gegeben Auch wenn die Vorbereitungszeit sehr Kurz war.Dass die Ballonstarts und das Glühen abgesagt wurden dafür haben wir Ballonpiloten vollstes Verständnis.Hätten die ganzen Kritiker nur einen Funken Ahnung vom Ballonfahren oder wenigsten mal in die Baumwipfel geschaut dann währe auch diesen Klar gewesen dass mit solchen Windböen an Ballonfahren nicht zu denken ist.Auch ich hatte eine weite Anreise und bin nach Ladenburg gekommen um Ballon zu fahren und musste am Boden bleiben, was auch die Richtige entscheidung war.
    dennoch freue ich mich auf das nächste Ballonfestival in Ladenburg und natürlich besseres Ballonwetter.
    Wahrscheinlich muss erst ein Ballon beim Start in den Bäumen hängen bleiben und es muss Verletzte geben um ein gelungenes, mit Aktion bestücktes fest den Kritikern gerecht zu werden.

    Jürgen

    • Dasladenburgblog

      Guten Tag!

      Danke für Ihren Beitrag.

      Wir können nicht erkennen, wo „derbe Kritik“ geäußert worden sein soll. Im Gegenteil steht im Text, den Sie vielleicht lesen sollten, eine eindeutige Begründung für die Absage der Starts und des Glühens.

      Tatsächlich hat der Verantwortliche für das ladenburgblog, Hardy Prothmann, die Szene vor dem Bon-Start selbst erlebt. Wenn ein Helfer schon in einer absolut unstressigen Situation unfreundlich reagiert, kann man sich ausmalen, was los ist, wenn Betrieb herrscht. Hier wurden auch nicht alle, sondern nur ein Helfer thematisiert.

      Da wir uns auf dem Platz bewegt haben, haben wir auch die schlechte Qualität der Lautsprecher wahrnehmen können. Die Beliebigkeit des „Glühens“ hat vielen Gästen, mit denen wir gesprochen haben, nicht gefallen. Viele hatten allerdings auch Verständnis wegen der Wetterlage.

      Für die anderen Kommentare sind die Kommentatoren verantwortlich, nicht die Redaktion.

      Wenn Sie Kritik auch als einen positiven Ansatz sehen können, dann haben Sie dadurch erfahren, wo noch Verbesserungsbedarf besteht. Wenn Sie davon überzeugt sind, dass alles gut, verbessern Sie halt nichts.

      Einen schönen Tag wünscht
      Das ladenburgblog

  • Uwe Hilzendegen

    Vielen Dank an alle, die hier schreiben. Natürlich ist nicht alles so gelaufen wie wir es gerne gehabt hätten. Dies gilt auch für die Beschallungsanlage.Wir haben das Problem erkannt und werden entsprechend reagieren.

    Das Ballonglühen ohne Hüllen wegen widriger Wetterbedingungen ist kein Novum- das macht jeder verantwortungsvolle Veranstalter um dem Publikum etwas zu bieten. Und ganz ehrlich: es ist nicht so unattraktiv wie es von manchen beschrieben wurde. Natürlich nicht so spektakulär wie ein Glühen mit Hüllen- das ist klar. Immerhin konnten die Modellballone dank des schwachen Bodenwindes mit Ihren Hüllen glühen. Auch diese sind natürlich kein Ersatz für die imposanten, fast 30 Meter hohen Ballonhüllen. Aber es ist allemal besser, als das ganze Glühen komplett abzusagen- oder?

    Die Kommunikation zwischen mir, dem LSV und der Stadt Ladenburg ist hervorragend. Für das nächste Festival haben wir nun ein Jahr (statt knapp 2 Monaten) Zeit, viele Dinge noch besser zu planen und das Festival noch attraktiver zu machen.

    Das Rahmenprogramm wird im nächsten Jahr mit Sicherheit umfangreicher- wenn auch nicht so „überladen“ wie in der Vergangenheit. Riskante Aktionen wird es unter meiner Regie nicht geben.

    Freuen Sie sich einfach auf das nächste Jahr- das Fest wird an Attraktivität gewinnen!