Samstag, 18. November 2017

Gabis Kolumne

Was an Frauenabenden toll ist!

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Guten Tag!

Ladenburg, 14. Juni 2010.

Mein Mann war vergangene Woche verreist – geschäftlich. Hat man als Jugendlicher drei Tage sturmfreie Bude, was macht man? Richtig, man feiert Party. Mit Mitte Vierzig sieht das anders aus, man lädt ein zum Mädelsabend.

Bei Mädelsabenden flieĂźt bekanntlich viel Prosecco, das Essen fällt spärlicher aus – schlieĂźlich ist die Hälfte meist auf Diät – und, und das ist das Wichtigste, es wird gequatscht, was das Zeug hält.

Wenn Sie nun zum weiblichen Teil der Bevölkerung gehören, können Sie den nächsten Teil getrost überspringen. Denn Sie wissen schließlich, was hier thematisch auf dem Programm steht.

Der erste Unterschied zu Männerabenden: Es geht selten um den Job, beziehungsweise, selten um Verdienst und Inhalte. Wenn wir über Jobs sprechen, erzählen wir von Ungerechtigkeiten oder erstaunlichen Erlebnissen. Über Kolleginnen und Chefs und NIE davon, wie toll wir sind.

Dann geht es natürlich auch um Männer, aber dem Alter entsprechend, gibt es wenig über Dates und tolle Typen zu berichten, sondern eher über die Unzulänglichkeiten im Alltag mit der besseren Hälfte. Aber keine Sorge, meine Herren, diese Themen nehmen nur wenig Raum ein und wird es ernster, sind dazu bilaterale Gespräche, also unter vier Augen, erforderlich.

Ein großem Raum nehmen, erwartungsgemäß, die Kinder ein. Bei mir trafen sich vergangene Woche 8 Frauen und zusammen haben wir 13 Kinder zwischen 8 und 17 Jahren. Also kein Wunder, dass hier großer Redebedarf besteht. Und die Inhalte wachsen dabei mit dem Alter der lieben „Kleinen“. Adieu schlaflose Nächte, Kindergartensorgen und Betreuungsprobleme. Willkommen Schulstress und Konflikte mit pubertären Teenagern. Aber auch hier gilt, droht der Rauswurf aus der Schule oder befürchtet die Tochter schwanger zu sein, wird man das nicht in großer Runde besprechen.

Nun, werden Sie sich fragen, war das schon alles, was ist so toll an diesen Frauenabenden? Wir reden ĂĽber die Banalitäten des Alltags: Ăśber neue Schuhe, Friseure, Figurprobleme, schöne Liebesfilme, Romane, Urlaube, Falten- und Anti-Cellulitiscremes – ĂĽber all-€™ die Dinge, ĂĽber die wir mit unseren Männern nicht reden können oder wollen.

Letzte Woche war es also so weit, wir trafen uns gegen 20 Uhr auf meiner Terrasse, tranken Sekt mit Aperol, aßen Salat und Rohkost mit verschiedenen Dips und quatschten, was das Zeug hielt. Wir ließen nichts aus, weder das Finale von „Germany-€™s next Topmodel“, noch den neuen Film von „Sex and the City“. Wir erörterten ernsthaft die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Methoden der Haarentfernung, das Für und Wider des Tönens und die Frage, ob sich die weibliche Figur ab dem 40. Geburtstag verändert.

„Mein Mann steht kurz vor einem Burn-Out“, beschwerte sich eine Freundin. „Sind wir am Wochenende irgendwo eingeladen, fallen ihm ab 22 Uhr die Augen zu, aber montags früh ist er wieder fit und ab geht-€™s in die Firma.“ „Ach, das kenne ich nur zu gut“, bestätigt eine andere Freundin, „Urlaube und Wochenende benutzen die Männer zur Regeneration. Im Beruf sind sie fit und zuhause schlapp.“ Allseitige Bestätigung.

„Meine Tochter ist total schlampig, dauernd verliert sie etwas und das Zimmer kann man kaum betreten, so viel liegt auf dem Boden rum“, jammerte ich. „Ich weiß, wovon du redest. Letzte Woche habe ich bei meinem Sohn Bananenschalen unterm Bett und fünf Paar alte Socken in der Schreibtischschublade gefunden“, sagt mitfühlend eine der Damen. Drei weitere nicken wissend.

Und damit nähern wir uns dem Geheimnis, warum man diese Abende gut gestimmt und bestens gerĂĽstet fĂĽr die nächsten kleinen und größeren Dramen des Alltags verlässt. Denn auch, wenn man am nächsten Morgen eine Aspirin gegen das Gläschen zu viel nehmen muss – hier finden wir Verständnis und Anteilnahme. Und zudem können wir ĂĽber uns so richtig lachen.

Ăśber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.