Dienstag, 21. November 2017

"Das Stück passt perfekt in die Sammlung"

Porzellanplatte aus Kurfürsts Zeiten an Museum gespendet

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Ladenburg, 13. Oktober 2014. (red/ms) Karl-Theodor war noch Kurfürst zur Pfalz, als das neue Ausstellungsstück des Lobdengaumuseums gefertigt wurde. Denn als der Kurfürst nach Müßnchen zog, wurde auch die Porzellan-Produktion in Frankenthal eingestellt. Am vergangenen Donnerstag spendete ein Heidelberger eine der dort gefertigten Platten.

 

Hans Wilser (rechts) übergibt Dr. Andreas Hansen ein altes Familienerbstück.

Hans Wilser (rechts) übergibt Dr. Andreas Hansen ein altes Familienerbstück.

 

Von Minh Schredle

Im ersten Obergeschoss des Lobdengau-Museums sind vier Werke aus der Porzellanmanufaktur Frankenthal in einer Vitrine zu sehen. Sie stammen aus der Zeit, in der Kurfürst Karl Theodor in der Pfalz residierte.

Damals war es in Deutschland ein Privileg, Porzellan fertigen zu dürfen. Dazu brauchte man Ausnahmegenehmigungen möglich: Denn der französische König, Ludwig XV hatte die Produktion von Porzellan außerhalb Frankreichs verboten, um der heimischen Wirtschaft einen Vorteil zu verschaffen.

 

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Die Vitrine sei laut Herrn Dr. Hensen „noch nicht optimal für die Präsentation“ des Frankenthaler Porzellans. Man werde über eine bessere Lösung nachdenken, sagte er am Donnerstag.

 

Der Betrieb in der Porzellanmanufaktur Frankenthal wurde eingestellt, als Kurfürst Karl Theodor seine Residenz nach Bayern verlegte. Sie produzierte nur zwischen 1755 und 1799 – in dieser Zeit gilt sie unter Historikern als eine der bedeutendsten Porzellanmanufakturen Deutschlands. So viele davon gab es auch nicht.

Hans Wilser ist in der „Akademie der Älteren“ in Heidelberg aktiv. Dabei handelt es sich um eine ehrenamtliche Organisation, in der sich Menschen ab 60 Jahren gegenseitig kostenlos Wissen vermitteln. Zur Überreichung des Stücks brachte er etwa 20 Besucher mit, denen er anschließend das Museum zeigte.

Familienerbstück

Bei „dem Stück“ handelt es sich um eine Platte mit Osier-Relief. „Osier“ ist der französische Ausdruck für Weidengeflecht und beschreibt den Rand der Platte, der mit verschiedenen Streublumen verziert wird. Auf der Rückseite finden sich die Initialien „A.H.“, was für Andreas Handschuh steht, dem das Stück ursprünglich gehörte. Das Werk wird auf das Jahr 1765 datiert.

Das gespendete Porzellanstück war Teil einer Porzellansammlung, die seit Generationen in der Familie weitergereicht wurde, bis sie Herr Wilser und sein Bruder im vergangenen Jahr von ihrer Mutter erbten. Sie hätten jedoch „nie eine Leidenschaft für die Sammlung entwickeln können“ und hätten daher beschlossen, einen Teil davon an Museen zu spenden.

Wert des Porzellans soll geschätzt werden

Der Leiter des Lobdengau-Museums, Dr. Andreas Hensen bedankte sich und sagte: „Da hat sich wieder mal einiges gefügt. Das Stück passt perfekt in die Sammlung.“

Laut Dr. Hensen müsse „man sich noch überlegen, wie man das Stück präsentieren“ werde: Die Vitrine sei „auch für die anderen Werke nicht optimal“. Der ungefähre Wert der Platte war Dr. Hensen und auch Hans Wilser noch unbekannt, er solle aber „in den kommenden Tagen oder Wochen geschätzt werden“.

 

Das neue Stück in der Sammlung ist eine Platte mit Osier-Relief.

Das neue Stück in der Sammlung ist eine Platte mit Osier-Relief.

Über Minh Schredle

Minh Schredle (22) hat 2013 als Praktikant bei uns angefangen und war seitdem freier Mitarbeiter. Von Dezember 2014 bis August 2016 hat er volontiert. Ab September 2016 ist er freier Mitarbeiter bei uns.