Sonntag, 19. November 2017

Journalisten aus Afrika und Asien beim ladenburgblog

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Guten Tag!

Ladenburg, 12. Juli 2010. Am heutigen Vormittag waren fĂŒnfzehn JournalistInnen aus Asien und Afrika zu Gast beim ladenburgblog. Die Kollegen sind fĂŒr neun Wochen in Deutschland.

Von Hardy Prothmann

Zweieinhalb Stunden können ganz schnell vorbei sein, wenn fĂŒnfzehn junge KollegInnen aus Afrika und Asien viele Fragen haben. Die Journalisten bilden sich weiter zu journalistischem Handwerk, Redaktionsmanagement und – organisation und Technik wĂ€hrend ihres Aufenthalts beim International Institute for Journalism der inWENT gGmbH in Berlin. Außerdem besuchen die jungen Leute verschiedene Organisationen und Redaktionen.

von links: Jan Persiel (Germany) - AMRI, Rahmon (Indonesien) - MUZOFA, Ngonidzashe Donald (Zimbabwe) - OLARTE, Avigail (Philippines) - ADEOYE, Segun Ponmile Adefolu (Nigeria) - PHAM, Viet Cuong (Vietnam) - NGUYEN, Thi Diep Chi (Vietnam) - CHERUIYOT, David Kimutai (Kenya) - MUSHTAQ, Abbas (Pakistan) - AJALA, Oluwafunmilayo Abosede (Nigeria) - MAUNGANIDZE, Golden (Zimbabwe) - SILABAN, Martha Warta (Indonesia) - DATTA, Polash (Bangladesh) - KABERIA, Judith Makena (Kenya) - WASEEM, Daniyal (Pakistan) - KISAKYE, Frank (Uganda) - Hardy Prothmann (Germany) im "Redaktionsgarten". Bild: ladenburgblog

Gefördert wird das Programm zur Förderung eines unabhĂ€ngigen Journalismus vom Bundesministerium fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Heute vormittag waren Journalisten aus Kenia, Simbabwe, Nigeria, Uganda, Pakistan, Indonesien, Bangladesh, Philippinen und Vietnam zu Gast beim heddesheimblog. Und sie hatten jede Menge Fragen:

  • Wie unterscheidet sich der Journalismus im Internet von „traditionellen Medien“?
  • Was kann das Internet besser als diese Medien?
  • Wie arbeitet man effektiv mit dem Medium Internet?
  • Welche Rolle spielt „social media“ wie Facebook und Twitter?
  • Braucht man eine andere Sprache fĂŒr Artikel im Internet?
  • Welche Rolle spielen multimediale Inhalte?
  • Gibt es Repressionen?
  • Wie finanziert man die Arbeit?
  • Wie sieht die Zukunft der Medien aus?
  • Welche Rolle wird die Tageszeitung in einigen Jahren spielen?
  • …und noch viele Fragen mehr.

Die jungen Leute selbst stellen sich genau diesen Fragen – in vielen LĂ€ndern ist eine unabhĂ€ngige Berichterstattung nicht möglich. Repressionen durch Behörden, Polizei und MilitĂ€r bedrohen eine unabhĂ€ngige, journalistische Arbeit. Auch ökonomische ZwĂ€nge.

Und in vielen LĂ€ndern gibt es Monopolmedien, gegen deren Berichterstattung versuchen die jungen Leute eine Alternative zu setzen und interessierten sich brennend fĂŒr das SpannungsverhĂ€ltnis unserer Redaktion zum Mannheimer Morgen und anderen „etablierten“ Medien.

Eines haben alle LĂ€nder gemein: Das Internet ist fĂŒr sie das neue Medium um die Meinungsvielfalt zu erhöhen, um unabhĂ€ngiger als jemals berichten zu können.

HĂ€ufig werden dafĂŒr Blogs verwendet – doch es gibt ein Stadt-Land-GefĂ€lle. WĂ€hrend in den StĂ€dten die notwendige Infrastruktur vorhanden ist, wird die Landbevölkerung davon nicht erreicht. Hier ist immer noch das Radio ein sehr wichtiges, hĂ€ufig aber staatlich kontrolliertes Medium.

Gefreut habe ich mich ĂŒber eine Kollegin aus Indonesien, die fĂŒr Tempo arbeitet. Im Jahr 2000 habe ich selbst mit sieben deutschen Kollegen eine 14-tĂ€gige Reise (gefördert durch die Friedrich-Ebert-Stiftung) durch Indonesien unternommen und unter anderem den Tempo-Chefredakteur Bambang Harymurti in Jakarta kennengelernt – ein sehr fĂ€higer Journalist, dessen Magazin in der Suharto-Ära verboten war und wegen des kritischen Ansatzes immer wieder große Probleme hatte und auch heute noch hat.

Im Anschluss an den Termin bei uns sind die KollegInnen weiter nach Darmstadt gefahren, zur WAN-IFRA, dem weltgrĂ¶ĂŸten Zeitungsverband. Bei der Abreise wĂŒnschte ich den KollegInnen viel Spaß beim „Besuch im Museum“ und auf jeden Fall eine gute Zukunft.

So offen und neugierig, wie sich die KollegInnen prĂ€sentierten, bin ich sicher, dass auch in den LĂ€ndern Afrikas und Asiens eine neue Generation heranwĂ€chst, die kritisch das gesellschaftliche Leben begleitet und dank Internet, immer unabhĂ€ngiger darĂŒber berichten kann.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.