Dienstag, 13. November 2018

Rope Skipper der TSG Seckenheim trainieren fĂŒr die Europameisterschaft

Deutsche Meister sind sie schon!

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Das Team der TSG Seckenheim fĂŒr die Europameisterschaft im dĂ€nischen Aalhus vom 25. bis 31. Juli: Kampfrichterin Christina Bieg, Sabrina Wagner, Sabrina Diehl und ihre Trainerin Conny Wörz.

Das Team der TSG Seckenheim fĂŒr die Europameisterschaft im dĂ€nischen Aalborg vom 25. bis 31. Juli: Kampfrichterin Christina Bieg, Sabrina Wagner, Sabrina Diehl und ihre Trainerin Conny Wörz (von Links).

 

Mannheim, 12. Juli 2013. (red/ld) Kennen Sie Seilspringen? Gegen die Leistungen der Rope Skipper von der TSG Seckenheim ist das Kindergarten. Mittlerweile kann sich der Verein mit einer deutschen Meisterin und einer deutschen Vizemeisterin schmĂŒcken: Sabrina Wagner und Sabrina Diehl. Am 25. Juli treten die beiden im dĂ€nischen Aalborg gegen ihre europĂ€ische Konkurrenz an: Bei der Europameisterschaft. Wir waren beim Training dabei und haben festgestellt: Rope Skipping ist Leistungssport!

Von Lydia Dartsch

Ich bin gespannt, ob wir damit durch den Zoll kommen,

sagt Sabrina Diehl und feixt. Die 24-JĂ€hrige hat mir gerade die beiden Seile erklĂ€rt, die sie fĂŒr die verschiedenen Disziplinen verwendet: Wenn es um Schnelligkeit geht, benutzt sie ein ummanteltes Drahtseil. Wenn es um kunstvolle Figuren geht, eines aus Nylon, mit langen Griffen.

WĂ€hrend wir sprechen, arbeitet Sabrina Wagner mit ihrem Drahtseil: Dreißig Sekunden Schnelligkeitstraining. Sabrina zĂ€hlt 66 SprĂŒnge mit einem Fuß. Das sind pro Bein zwei SprĂŒnge in der Sekunde. Ein unglaubliches Tempo!

Beide FĂŒĂŸe zu zĂ€hlen, ist viel zu schnell.

sagt sie.

Wenn man der Mannschaft des TSG-Seckenheim zusieht wird einem sofort klar: Seilspringen ist Kindergarten – Rope Skipping ist Leistungssport! Hier geht es mal um Schnelligkeit, mal um Akrobatik, KreativitĂ€t und außergewöhnliche Tricks mit dem Seil.

Vorbereitung auf die Europameisterschaft

Sabrina Wagner ist amtierende deutsche Meisterin in der Altersklasse 15 bis 17 und Sabrina Diehl deutsche Vizemeisterin der Über-AchtzehnjĂ€hrigen. Die beiden starten Ende Juli fĂŒr Deutschland bei der Europameisterschaft in DĂ€nemark.

DafĂŒr trainieren sie besonders hart – bis zu vier Mal in der Woche. Jeweils zwei Stunden lang. Los geht es heute mit SprungĂŒbungen auf einer Matte: Abwechselnd bekommen die beiden einen GĂŒrtel um die HĂŒften gelegt, an denen zwei GummibĂ€nder befestigt sind. Links und rechts steht eine Person und fixiert das andere Ende des Bandes am Boden. Dadurch wird ein Widerstand aufgebaut, der die beiden unten hĂ€lt.

„Die FĂŒĂŸe sollen die Matte verlassen!“

Mit dem GĂŒrtel um die HĂŒften mĂŒssen sie springen: 20 Mal. Dann wechseln sie ab. Drei DurchgĂ€nge gibt es. Jedes Mal werden die GummibĂ€nder in grĂ¶ĂŸerem Abstand am Boden fixiert; der Widerstand, gegen den sie anspringen mĂŒssen, vergrĂ¶ĂŸert sich.

WĂ€hrenddessen laufen sich die anderen in der Halle der Rheinau-Grundschule warm. Trainerin Conny Wörz hat ihnen Hindernisse in den Weg gelegt, die sie auf ihren Runden ĂŒberturnen sollen: Einen halbhohen Kasten, BĂ€nke, eine dicke Matte. Wenn man darauf joggt, muss man die Beine besonders hoch heben, um vorwĂ€rts zu kommen. Sehr anstrengend!

Die FĂŒĂŸe sollen die Matte verlassen,

ruft Henner Böttcher einer der jungen Frauen zu, wÀhrend er die beiden Sabrinas am Gummiband trainiert.

Wettkampfsport seit 2004

Das Training ist in diesen Wochen intensiver. Die Trainingsmethode mit den GummibĂ€ndern hat sich der Diplomsportlehrer Böttcher selbst ausgedacht. Man könnte ihn als Pionier des Rope Skippings in Deutschland bezeichnen: Zwei BĂŒcher hat er darĂŒber geschrieben und sich beim Deutschen Turnerbund dafĂŒr eingesetzt, dass es offiziell als Wettkampfsportart anerkannt wird. Das passierte im Jahr 2004, vor neun Jahren.

Drei Minuten lang so schnell Seil springen, wie es geht, ist anstrengend fĂŒr die Beine und fĂŒr den Kopf.

Drei Minuten lang so schnell Seil springen, wie es geht, ist anstrengend fĂŒr die Beine und fĂŒr den Kopf.

 

Seit 13 Jahren trainiert Sabrina Diehl schon. Mit der Qualifizierung fĂŒr die Europameisterschaften hatte sie gar nicht gerechnet:

Ich bin meiner Schwester zuliebe bei den deutschen Meisterschaften gestartet. Da war der Druck plötzlich weg und ich konnte meine volle Leistung abrufen,

sagt sie. Bei dem Wettkampf holte sie die Silbermedaille fĂŒr den Verein. Ohne ihre Trainierin Conny will sie aber nicht in DĂ€nemark antreten:

Ich bin ihr so unendlich dankbar, dass sie mitfĂ€hrt. Ohne sie wĂŒrde ich das nicht schaffen.

Sabrina braucht die Trainerin als mentale StĂŒtze. Denn gerade die Speed-Disziplin, bei der es darauf ankommt, in einer bestimmten Zeit möglichst viele ÜbersprĂŒnge zu schaffen, ist bei drei Minuten besonders anstrengend: physisch und mental.

Conny springt mit mir und ich konzentriere mich auf ihre FĂŒĂŸe. Je schneller sie springt, desto schneller springe ich,

sagt Sabrina.

 

Sabrina Wagner ist da eigenstĂ€ndiger. Die 16-jĂ€hrige SchĂŒlerin hat im vergangenen Jahr einen beachtlichen Fortschritt gemacht: Beim Bundesfinale 2012 hatte sie noch 1644 von 2500 Punkten geholt und war damit auf Platz 22 gelandet. Beim Bundesfinale im April hatte sie sich dann urplötzlich um ĂŒber 500 Punkte auf 2171 Punkte gesteigert und den ersten Platz ihrer Altersklasse (15-17 Jahre) belegt.

Bei ihr ist einfach der Knoten geplatzt,

sagt Henner Böttcher.

Sabrina Wagners Lieblingsdisziplin ist die KĂŒr. DafĂŒr hat sie einen speziellen Trick entwickelt:

Das ist eine Rolle vorwÀrts, ein Sprung in den Spagat, wieder nach oben in den Stand,

sagt sie und man versucht sich vorzustellen, wie das gehen soll. Man muss es einfach selbst sehen.

Sie hat eine unglaubliche Kraft in den Beinen,

sagt Sabrina Diehl, die sie dafĂŒr bewundert. Und Sabrina Wagner zeigt Willen. Plötzlich, mitten in der KĂŒr, bricht sie ab: Sie ist mit dem Fuß umgeknickt! Sofort eilen ihre Kolleginnen zu Hilfe, geben ihr RatschlĂ€ge, damit sich keine Schwellung bildet:

Leg das Bein hoch. Dann fließt das Blut nicht nach unten.

FĂŒnf Minuten spĂ€ter versucht sie ihre KĂŒr noch einmal. Mit Erfolg. Trotzdem ist fĂŒr sie heute Schluss. Conny Wörz schickt sie zum Cool-Down. Das heißt Sit-Ups, LiegestĂŒtze, Bodentraining. Inzwischen versucht Sabrina Diehl noch einmal, ihre KĂŒr zu schaffen.

Ungarn ist hÀrteste Konkurrenz

Noch klappt nicht alles perfekt. Aber die beiden haben noch gut knapp Wochen Zeit. Die Europameisterschaft beginnt erst am 25. Juli.

Sie sind gut drauf und trainieren hart. Ich denke, dass sie es unter die zehn Besten schaffen,

sagt Conny Wörz. Henner Böttcher sieht das Àhnlich gelassen, ist aber weniger optimistisch:

Wenn sie es dorthin schaffen, sind sie schon richtig, richtig gut.

Er glaube zwar an seine MÀdchen, aber die internationale Konkurrenz sei doch sehr stark, sagt er: Die Kanadierinnen und die Amerikanerinnen seien nicht zu unterschÀtzen. Rope Skipping werde auch in den nordeuropÀischen Staaten als Leistungssport betrieben. In Osteuropa gebe es dagegen nur eine Mannschaft, die ihnen gefÀhrlich werden könnte. Darin sind sich die beiden einig:

Die Ungarinnen sind sehr gut.

Keine Trendsportart – Spaß macht sie trotzdem

Gut trainiert zu sein sei nicht alles. Es komme darauf an, beim Wettkampf seine Maximalleistung auch abrufen zu können, sagt Henner Böttcher. Um das seinen Sportlerinnen zu ermöglichen, habe er sich damit beschĂ€ftigt, in welcher Trainingsphase sie ihre Bestleistung erbringen können, TrainingsplĂ€ne erstellt. Das habe mehr mit Timing zu tun, sagt er und fĂŒhrt die deutschen Schwimmer bei den Olympischen Spielen 2012 als Beispiel an:

Da wurden große Erwartungen von Goldmedaillen geweckt und am Ende reichte es nur fĂŒr einmal Silber und zweimal Bronze. Ihre Bestform hatten sie einige Wochen vorher.

Seinen „MĂ€dels“ macht der Sport sichtlich Spaß, auch im Leistungsbereich:

Wir sind ein Team, eine große Familie. Jeder passt auf den anderen auf. Das ist das Schöne an dieser Mannschaft,

sagt Sabrina Diehl.

Mit Vorurteilen, weil sie eigentlich „nur“ Seil springen, hĂ€tten sie kaum zu kĂ€mpfen, sagt Conny Wörz, die mit ihren 24 Jahren auch schon mit der Nationalmannschaft angetreten ist und jetzt die nĂ€chste Generation der Rope Skipper trainiert:

Es ist zwar noch eine sehr junge Sportart, aber durch unsere Erfolge in den WettkÀmpfen und unsere Showauftritte, auch auf dem Turnfest, sind wir in der Region recht bekannt,

sagt sie.

Ob die Bekanntheit des Sports und des Vereins ihnen auch hilft, die finanziellen Mittel fĂŒr die Fahrt nach DĂ€nemark zu beschaffen, bleibt abzuwarten. Derzeit sammeln die beiden Starterinnen und ihre Teamkollegen Spenden, um das 3.356 Euro teure Vorhaben bezahlen zu können. Das seien die Gesamtkosten fĂŒr alle vier inklusive Flug, Übernachtung und Vollverpflegung vor Ort, sagt Henner Böttcher.

Über Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.