Freitag, 19. Januar 2018

Rope Skipper der TSG Seckenheim trainieren f├╝r die Europameisterschaft

Deutsche Meister sind sie schon!

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Das Team der TSG Seckenheim f├╝r die Europameisterschaft im d├Ąnischen Aalhus vom 25. bis 31. Juli: Kampfrichterin Christina Bieg, Sabrina Wagner, Sabrina Diehl und ihre Trainerin Conny W├Ârz.

Das Team der TSG Seckenheim f├╝r die Europameisterschaft im d├Ąnischen Aalborg vom 25. bis 31. Juli: Kampfrichterin Christina Bieg, Sabrina Wagner, Sabrina Diehl und ihre Trainerin Conny W├Ârz (von Links).

 

Mannheim, 12. Juli 2013. (red/ld) Kennen Sie Seilspringen? Gegen die Leistungen der Rope Skipper von der TSG Seckenheim ist das Kindergarten. Mittlerweile kann sich der Verein mit einer deutschen Meisterin und einer deutschen Vizemeisterin schm├╝cken: Sabrina Wagner und Sabrina Diehl. Am 25. Juli treten die beiden im d├Ąnischen Aalborg gegen ihre europ├Ąische Konkurrenz an: Bei der Europameisterschaft. Wir waren beim Training dabei und haben festgestellt: Rope Skipping ist Leistungssport!

Von Lydia Dartsch

Ich bin gespannt, ob wir damit durch den Zoll kommen,

sagt Sabrina Diehl und feixt. Die 24-J├Ąhrige hat mir gerade die beiden Seile erkl├Ąrt, die sie f├╝r die verschiedenen Disziplinen verwendet: Wenn es um Schnelligkeit geht, benutzt sie ein ummanteltes Drahtseil. Wenn es um kunstvolle Figuren geht, eines aus Nylon, mit langen Griffen.

W├Ąhrend wir sprechen, arbeitet Sabrina Wagner mit ihrem Drahtseil: Drei├čig Sekunden Schnelligkeitstraining. Sabrina z├Ąhlt 66 Spr├╝nge mit einem Fu├č. Das sind pro Bein zwei Spr├╝nge in der Sekunde. Ein unglaubliches Tempo!

Beide F├╝├če zu z├Ąhlen, ist viel zu schnell.

sagt sie.

Wenn man der Mannschaft des TSG-Seckenheim zusieht wird einem sofort klar: Seilspringen ist Kindergarten – Rope Skipping ist Leistungssport! Hier geht es mal um Schnelligkeit, mal um Akrobatik, Kreativit├Ąt und au├čergew├Âhnliche Tricks mit dem Seil.

Vorbereitung auf die Europameisterschaft

Sabrina Wagner ist amtierende deutsche Meisterin in der Altersklasse 15 bis 17 und Sabrina Diehl deutsche Vizemeisterin der ├ťber-Achtzehnj├Ąhrigen. Die beiden starten Ende Juli f├╝r Deutschland bei der Europameisterschaft in D├Ąnemark.

Daf├╝r trainieren sie besonders hart – bis zu vier Mal in der Woche. Jeweils zwei Stunden lang. Los geht es heute mit Sprung├╝bungen auf einer Matte: Abwechselnd bekommen die beiden einen G├╝rtel um die H├╝ften gelegt, an denen zwei Gummib├Ąnder befestigt sind. Links und rechts steht eine Person und fixiert das andere Ende des Bandes am Boden. Dadurch wird ein Widerstand aufgebaut, der die beiden unten h├Ąlt.

„Die F├╝├če sollen die Matte verlassen!“

Mit dem G├╝rtel um die H├╝ften m├╝ssen sie springen: 20 Mal. Dann wechseln sie ab. Drei Durchg├Ąnge gibt es. Jedes Mal werden die Gummib├Ąnder in gr├Â├čerem Abstand am Boden fixiert; der Widerstand, gegen den sie anspringen m├╝ssen, vergr├Â├čert sich.

W├Ąhrenddessen laufen sich die anderen in der Halle der Rheinau-Grundschule warm. Trainerin Conny W├Ârz hat ihnen Hindernisse in den Weg gelegt, die sie auf ihren Runden ├╝berturnen sollen: Einen halbhohen Kasten, B├Ąnke, eine dicke Matte. Wenn man darauf joggt, muss man die Beine besonders hoch heben, um vorw├Ąrts zu kommen. Sehr anstrengend!

Die F├╝├če sollen die Matte verlassen,

ruft Henner B├Âttcher einer der jungen Frauen zu, w├Ąhrend er die beiden Sabrinas am Gummiband trainiert.

Wettkampfsport seit 2004

Das Training ist in diesen Wochen intensiver. Die Trainingsmethode mit den Gummib├Ąndern hat sich der Diplomsportlehrer B├Âttcher selbst ausgedacht. Man k├Ânnte ihn als Pionier des Rope Skippings in Deutschland bezeichnen: Zwei B├╝cher hat er dar├╝ber geschrieben und sich beim Deutschen Turnerbund daf├╝r eingesetzt, dass es offiziell als Wettkampfsportart anerkannt wird. Das passierte im Jahr 2004, vor neun Jahren.

Drei Minuten lang so schnell Seil springen, wie es geht, ist anstrengend f├╝r die Beine und f├╝r den Kopf.

Drei Minuten lang so schnell Seil springen, wie es geht, ist anstrengend f├╝r die Beine und f├╝r den Kopf.

 

Seit 13 Jahren trainiert Sabrina Diehl schon. Mit der Qualifizierung f├╝r die Europameisterschaften hatte sie gar nicht gerechnet:

Ich bin meiner Schwester zuliebe bei den deutschen Meisterschaften gestartet. Da war der Druck pl├Âtzlich weg und ich konnte meine volle Leistung abrufen,

sagt sie. Bei dem Wettkampf holte sie die Silbermedaille f├╝r den Verein. Ohne ihre Trainierin Conny will sie aber nicht in D├Ąnemark antreten:

Ich bin ihr so unendlich dankbar, dass sie mitf├Ąhrt. Ohne sie w├╝rde ich das nicht schaffen.

Sabrina braucht die Trainerin als mentale St├╝tze. Denn gerade die Speed-Disziplin, bei der es darauf ankommt, in einer bestimmten Zeit m├Âglichst viele ├ťberspr├╝nge zu schaffen, ist bei drei Minuten besonders anstrengend: physisch und mental.

Conny springt mit mir und ich konzentriere mich auf ihre F├╝├če. Je schneller sie springt, desto schneller springe ich,

sagt Sabrina.

 

Sabrina Wagner ist da eigenst├Ąndiger. Die 16-j├Ąhrige Sch├╝lerin hat im vergangenen Jahr einen beachtlichen Fortschritt gemacht: Beim Bundesfinale 2012 hatte sie noch 1644 von 2500 Punkten geholt und war damit auf Platz 22 gelandet. Beim Bundesfinale im April hatte sie sich dann urpl├Âtzlich um ├╝ber 500 Punkte auf 2171 Punkte gesteigert und den ersten Platz ihrer Altersklasse (15-17 Jahre) belegt.

Bei ihr ist einfach der Knoten geplatzt,

sagt Henner B├Âttcher.

Sabrina Wagners Lieblingsdisziplin ist die K├╝r. Daf├╝r hat sie einen speziellen Trick entwickelt:

Das ist eine Rolle vorw├Ąrts, ein Sprung in den Spagat, wieder nach oben in den Stand,

sagt sie und man versucht sich vorzustellen, wie das gehen soll. Man muss es einfach selbst sehen.

Sie hat eine unglaubliche Kraft in den Beinen,

sagt Sabrina Diehl, die sie daf├╝r bewundert. Und Sabrina Wagner zeigt Willen. Pl├Âtzlich, mitten in der K├╝r, bricht sie ab: Sie ist mit dem Fu├č umgeknickt! Sofort eilen ihre Kolleginnen zu Hilfe, geben ihr Ratschl├Ąge, damit sich keine Schwellung bildet:

Leg das Bein hoch. Dann flie├čt das Blut nicht nach unten.

F├╝nf Minuten sp├Ąter versucht sie ihre K├╝r noch einmal. Mit Erfolg. Trotzdem ist f├╝r sie heute Schluss. Conny W├Ârz schickt sie zum Cool-Down. Das hei├čt Sit-Ups, Liegest├╝tze, Bodentraining. Inzwischen versucht Sabrina Diehl noch einmal, ihre K├╝r zu schaffen.

Ungarn ist h├Ąrteste Konkurrenz

Noch klappt nicht alles perfekt. Aber die beiden haben noch gut knapp Wochen Zeit. Die Europameisterschaft beginnt erst am 25. Juli.

Sie sind gut drauf und trainieren hart. Ich denke, dass sie es unter die zehn Besten schaffen,

sagt Conny W├Ârz. Henner B├Âttcher sieht das ├Ąhnlich gelassen, ist aber weniger optimistisch:

Wenn sie es dorthin schaffen, sind sie schon richtig, richtig gut.

Er glaube zwar an seine M├Ądchen, aber die internationale Konkurrenz sei doch sehr stark, sagt er: Die Kanadierinnen und die Amerikanerinnen seien nicht zu untersch├Ątzen. Rope Skipping werde auch in den nordeurop├Ąischen Staaten als Leistungssport betrieben. In Osteuropa gebe es dagegen nur eine Mannschaft, die ihnen gef├Ąhrlich werden k├Ânnte. Darin sind sich die beiden einig:

Die Ungarinnen sind sehr gut.

Keine Trendsportart – Spa├č macht sie trotzdem

Gut trainiert zu sein sei nicht alles. Es komme darauf an, beim Wettkampf seine Maximalleistung auch abrufen zu k├Ânnen, sagt Henner B├Âttcher. Um das seinen Sportlerinnen zu erm├Âglichen, habe er sich damit besch├Ąftigt, in welcher Trainingsphase sie ihre Bestleistung erbringen k├Ânnen, Trainingspl├Ąne erstellt. Das habe mehr mit Timing zu tun, sagt er und f├╝hrt die deutschen Schwimmer bei den Olympischen Spielen 2012 als Beispiel an:

Da wurden gro├če Erwartungen von Goldmedaillen geweckt und am Ende reichte es nur f├╝r einmal Silber und zweimal Bronze. Ihre Bestform hatten sie einige Wochen vorher.

Seinen „M├Ądels“ macht der Sport sichtlich Spa├č, auch im Leistungsbereich:

Wir sind ein Team, eine gro├če Familie. Jeder passt auf den anderen auf. Das ist das Sch├Âne an dieser Mannschaft,

sagt Sabrina Diehl.

Mit Vorurteilen, weil sie eigentlich „nur“ Seil springen, h├Ątten sie kaum zu k├Ąmpfen, sagt Conny W├Ârz, die mit ihren 24 Jahren auch schon mit der Nationalmannschaft angetreten ist und jetzt die n├Ąchste Generation der Rope Skipper trainiert:

Es ist zwar noch eine sehr junge Sportart, aber durch unsere Erfolge in den Wettk├Ąmpfen und unsere Showauftritte, auch auf dem Turnfest, sind wir in der Region recht bekannt,

sagt sie.

Ob die Bekanntheit des Sports und des Vereins ihnen auch hilft, die finanziellen Mittel f├╝r die Fahrt nach D├Ąnemark zu beschaffen, bleibt abzuwarten. Derzeit sammeln die beiden Starterinnen und ihre Teamkollegen Spenden, um das 3.356 Euro teure Vorhaben bezahlen zu k├Ânnen. Das seien die Gesamtkosten f├╝r alle vier inklusive Flug, ├ťbernachtung und Vollverpflegung vor Ort, sagt Henner B├Âttcher.

├ťber Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.