Montag, 23. Oktober 2017

Großer Bahnhof fĂŒr Christin Ulrich, Martha Roß und Fabien Elias

Das „Team Ladenburg“ ist wieder daheim

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Das „erweiterte“ Ladenburger Team Olympia: (von links) Fabien Elias, Martha Roß und Christin Ulrich. Dahinter: ASV-Vorstand Joachim Loose.

 

 

Ladenburg, 12. September 2012. (red/la) Einen herzlichen Empfang bereiteten BĂŒrgermeister Ziegler und der ASV dem „Ladenburger Team London“ bestehend aus Christin Ulrich und Martha Roß. Außerdem stand die ASV-Tauzieherin Fabien Elias im Mittelpunkt des Interesse. Doch ĂŒberraschenderweise waren nicht die Sportlerinnen, sondern der BĂŒrgermeister am meisten aufgeregt.

Von Reinhard Lask

Draußen donnert und blitzt es, als im Domhof drei Sportlerinnen im Blitzlichtgewitter stehen. „Das Team London ist wieder zurĂŒck! Ganz herzlich willkommen zuhause“, sagt BĂŒrgermeister Rainer Ziegler. Er und der ASV Ladenburg haben der Gewichtheberin Christin Ulrich und Martha Roß einen herzlichen Empfang bereitet. Kurzfristig sagte auch Fabien Elias zu. Die Tauzieherin hatte am Wochenende mit der deutschen Mannschaft Bronze bei bei der Weltmeisterschaft in Appenzell geholt.

Doch erst dreht sich alles um Ulrich. Vielmehr dreht Ziegler alles um sie. Bei seiner Laudatio ist der Rathauschef aufgeregter als die beiden Heimkehrerinnen. ÜberschwĂ€nglich lĂ€sst er vor den knapp 40 GĂ€sten die Spiele aus seiner Sicht Revue passieren. Von der Verabschiedung im Juli, ĂŒber die Komplikation mit dem Internet-Livestream bis zu den „Sternstunden“ beim Public Viewing im Roßschen Garten.

Ein  schwĂ€rmender BĂŒrgermeister

Er gerĂ€t ins SchwĂ€rmen, erzĂ€hlt wie stark die Ladenburger Ulrich die Daumen gedrĂŒckt haben. Das bange Warten: Startet sie in der A- oder B-Gruppe? Mit den ganz ganz Großen durfte sie sich dann doch nicht messen. Das Zittern vor der Leinwand bei ihrem ersten Versuch. Man kann den Hauch des Aufatmens beinahe spĂŒren, den Ziegler beschreibt, als dann alles gut ging.

„Wir haben in Ihr Gesicht gesehen und wussten: Das wird ein großer Tag!“

Dann schwÀrmt auch ASV-Chef Joachim Loose:

„Ich habe viele schöne Momente im Verein erlebt, aber das war eine echte Sternstunde“

Ulrich wirkt anfangs etwas mĂŒde. Jetzt ist die 21-JĂ€hrige gerĂŒhrt. Ziegler zĂ€hlt nun die Ergebnisse auf, die Ulrich in London erzielt hat:

„13. Platz, drei persönliche Bestleistungen und drei Deutsche Rekorde – besser hĂ€tte man da nicht rausgehen können.“

Nur der Applaus bremst ihn. Dann will er auch mal Ulrich zu Wort kommen lassen. Er will wissen, wie es war: die Stimmung, die Menschen, die Prominenten? Ulrich ist ergriffen oder noch zu erschöpft. Aber sie ist entspannt und sehr dankbar fĂŒr den großen Bahnhof, den ihr alle bereiten.

„Es war ein unvergessliches Erlebnis mit dabei zu sein.“

Doch damit will Ziegler sie nicht entlassen. Wie besonders waren die WettkĂ€mpfe fĂŒr sie? War sie aufgeregt, sich in London mit den besten der Welt in so einer besonderen AtmosphĂ€re zu messen?

„Ich bin vor jedem Wettkampf tierisch nervös. Bei Olympia war ich es noch ein bisschen mehr.“

Die NervositĂ€t halte aber immer nur bis zum ersten Versuch. „Da hĂ€ngt viel dran“, betont sie. Wenn der Versuch funktioniert, werde sie ruhiger. Viele Zuschauer nicken. Sie haben es wohl vor einigen Wochen live gesehen.

Ziegler ist immer noch in Fahrt. Er will mehr wissen, fordert, versucht Ulrich mehr aus der Nase zu ziehen. Doch es will nicht gelingen. Viel mehr als ein glĂŒckliches LĂ€cheln und Dank fĂŒr alles bekommt er heute aus ihr heute nicht heraus.

Eine Anekdote gibt sie dann aber doch noch: Es sei toll gewesen, auch die ganzen Spitzensportler aus nĂ€chster NĂ€he sehen zu können. An wen denkt sie da? „Michael Phelps“, antwortet sie „und seine vier Bodyguards“, fĂŒgt sie hinzu. Herzliches GelĂ€chter.

FrĂŒhstĂŒck mit Gauck

Dann soll Martha Roß erzĂ€hlen. Sie hatte als eine von 60 deutschen Jugendlichen am Olympischen Jugendlager teilgenommen. Sie war quasi als Botschafterin des Deutschen Sport in London und sollte Kontakte zu Jugendlichen anderer Nationen knĂŒpfen, Sport treiben und Workshops besuchen. „Auch mich hat die Stimmung in London begeistert“, sagt sie.

Ziegler interessiert aber was anderes: Als „Botschafterin“ traf sie weniger die sportliche, sondern die Politprominenz. Innenminister Hans-Peter Friedrich und MinisterprĂ€sidentin Hannelore Kraft waren dabei. Doch dem BĂŒrgermeister geht es um den BundesprĂ€sidenten Joachim Gauck. Mit dem durfte die 17-JĂ€hrige sogar frĂŒhstĂŒcken. Wie das war? „Es hat geschmeckt, war aber viel zu viel“, sagt sie. Dass sie noch „und es war kostenlos“ sagt, geht bereits im GelĂ€chter unter.

Dann war Fabien Elias an der Reihe. Die Tauzieherin hatte zwei Tage zuvor als eine von acht Frauen bei der Weltmeisterschaft im schweizerischen Appenzell Platz drei* geholt. Das deutsche Team legte einer wieder eine herausragende Leistung hin, musste sich aber im Halbfinale den Schwedinnen beugen. Im Spiel um den dritten Platz holten sie dann Bronze gegen die Schweizer Gastgeberinnen. Elias traf der Empfang völlig unvorbereitet. Noch gerĂŒhrter haucht sie ihren Dank an alle in den Raum. Um sie herum klicken Kameras und Handy von Presse und GĂ€sten. Sie erhalten auch ein schönes Motiv: ihr charmantes LĂ€cheln.

Elias bei den World Games 2013

Zwar gehören die deutschen Tauziehdamen zur Weltspitze, aber olympisches Gold wird es nicht geben. In Athen holte die deutsche Mannschaft das letzte Mal die Goldmedaille – 1906. Tauziehen war nur von 1900 bis 1920 olympische Disziplin. Ob es je wieder olympisch wird? Kaum vorstellbar. Doch fĂŒr solche Sportarten gibt es eine „alternative“ Olympiade: die World Games. An denen wird Elias im kommenden Jahr im bolivianischen Medellin teilnehmen.

Zum Abschluss schrieb das um Elias erweitere „Team“ junger Ladenburger Spitzensportler sich ins Goldenen Buch der Stadt ein.

Eine Botschaft hatte Christin Ulrich noch an alle, die auch an den Nachwuchs.

„Gebt eurer Bestes, dann könnt ihr vielleicht auch Olympia und die Sportler live erleben.“

*In der Kategorie bis 500 Kilogramm. Hier dĂŒrfen alle acht Sportlerinnen einer Mannschaft zusammen maximal 500 Kilogramm wiegen.

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