Montag, 23. Juli 2018

Buchtipps der Stadtbibliothek zum Jahresanfang

Lektüre über den Bösen Wolf und Schwindlerinnen

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Ladenburg, 09. Januar 2013. (red/pm) In Kooperation mit der Stadtbibliothek Ladenburg veröffentlichen wir regelmäßig Lesetipps. Wir hoffen, dass auch für Sie/Dich etwas dabei ist und wünschen viel Freude beim Stöbern und Lesen. Antje Kietzmann, Leiterin der Stadtbibliothek, gibt hier ihre Empfehlungen.

Täglich erscheinen neuen Bücher. Da fällt es gar nicht so leicht, eine Auswahl zu treffen.

Das Ladenburgblog.de ist zwar ein elektronisches Medium, trotzdem schätzen wir Redakteure und Mitarbeiter der Redaktion das Medium Buch sehr und freuen uns, wenn wir einen Beitrag leisten können, gute Literatur zu empfehlen und vor allem Kinder und Jugendliche dafür zu begeistern.

Wir freuen uns deshalb sehr, dass wir Ihnen seit kurzem gemeinsam mit der Stadtbibliothek Ladenburg Lesetipps für spannende Neuerscheinungen geben können. Die Empfehlungen kommen von Antje Kietzmann, Leiterin der Stadtbibliothek Ladenburg, und ihrem Team.

Wer ebenfalls für Bücher begeistern möchte, kann gerne nach der Lektüre selbst eine Bewertung als Kommentar schreiben: Was hat gefallen, was nicht?

Alle vorgestellten Bücher/Medien können natürlich in der Stadtbibliothek entliehen werden.

Bayer, Thommie: Vier Arten, die Liebe zu vergessen

Bei der Beerdigung ihrer geschätzten Musiklehrerin Emmi kommen die Schulfreunde Michael, Thomas, Bernd und Wagner, 4 Männer Mitte 40, nach Jahren wieder zusammen. Unter dem Einfluss des traurigen Ereignisses beschließen sie, um der alten Zeiten willen,  gemeinsam ein Wochenende in Venedig zu verbringen. Dort fallen bald die Masken.

Wieder zieht Bayer seine Leser mit einer tiefgründigen und sensiblen Geschichte um Liebe, Freundschaft und Enttäuschungen in Bann.

Banville, John: Eine Frau verschwindet

Dublin im Winter 1950. Die junge Ärztin April Latimer ist verschwunden. Freundin Phoebe macht sich Sorgen und bittet ihren Vater, den Pathologen Quirke, um Hilfe. Zusammen mit Inspector Hackett nehmen die 3 die Ermittlungen auf und Phoebe muss feststellen, dass es in Aprils Leben viele Geheimnisse gibt. Sie ermitteln in Aprils bohèmehaftem Freundeskreis und ziehen sich den Zorn der einflussreichen, merkwürdig desinteressierten Latimer-Familie zu.

Kriminalroman, Charakter- und Milieustudie mit überschaubarer Handlung. Sprachlich brillant, aber nicht für actionbegeisterte Leser geeignet.

Ekman, Kerstin: Schwindlerinnen

Mit ihren 80 Jahren kann die Schriftstellerin Lillemor Troj auf eine lange Reihe erfolgreicher Bücher zurückblicken. Dass sie keine Zeile davon selbst geschrieben hat, will ihre alte Freundin Babba, die Urheberin der Romane, nun aufdecken und den ungewöhnlichen Pakt brechen. Ein Pakt, der viel weniger durch Freundschaft genährt wird, als man zu Beginn annehmen kann

Intelligente und spannende Unterhaltung, die dem Leser nebenbei einen Einblick in schwedische Literatur- und Gesellschaftsgeschichte der Nachkriegsjahre gewährt.

Izner, Claude: Mademoiselle muss heute sterben

Paris 1891. Wieder einmal sieht sich der Pariser Buchhändler Victor Legris zu einer Mordermittlung gezwungen, zum Ärger seines japanischen Partners Kenji Mori und seiner Freundin Tasha. Die Leiche einer jungen Frau, ganz in Rot gekleidet, führt ihn ins Moulin Rouge und das Nachtleben des „Fin de siècle“, die Welt des Malers Toulouse-Lautrec.

Der 3. Kriminalroman des Serienhelden von Claude Izner ist, wie auch die Vorgängerbände, gut recherchiert und bietet dem Leser ein lebendiges Zeitkolorit, wobei die Kriminalhandlung nicht immer im Vordergrund steht.

Jones, Sadie: Der ungeladene Gast

Anfang des 20. Jahrhunderts verbringt die Engländerin Emerald ihren 20. Geburtstag nicht nur in Gesellschaft ihrer Verwandten und ihrer Gäste, sondern nach einem schweren Zugunglück auch mit einer Gruppe verstörter und verstörender Passagiere und einem unheimlichen, aufdringlichen Reisenden, der alle in seinen Bann zieht. Die erzählte Zeit umfasst 24 Stunden und fesselt den Leser.

Eine sprachlich herausragende Mischung aus Schwank, Groteske, Bildungs- und wunderbarem Liebesroman.

Mitchell, David: Die tausend Herbste des Jacob de Zoet

Im Jahr 1799 betreiben die Niederlande ein weit verzweigtes Kolonialreich durch Handel, Militär und Diplomatie. Auch in Japan, das ansonsten für die westliche Welt kaum zugänglich ist, gibt es eine kleine Niederlassung im Hafen von Nagasaki auf der Insel Dejima. Dorthin verschlägt es Jacob de Zoet, einen jungen Kaufmann aus Süd-Holland, mitten in eine dekadente Gesellschaft holländischer Händler und Seefahrer, japanischer Statthalter mit fremdartigen Ansichten und einer Sprache, die nicht gelernt werden darf – nur Dolmetscher sind zugelassen, alle Aktivitäten werden streng überwacht. Dennoch ist der Europäer fasziniert.

Brillanter historischer Roman, mit dem der Leser in eine fremdartige Welt eintauchen kann.

Nadolny, Sten: Weitlings Sommerfrische

Dieser neue Roman des in Berlin und am Chiemsee lebenden Erfolgsautors trägt deutlich autobiografische Züge. Der pensionierte Berliner Richter Weitling kentert mit seinem Segelboot während eines aufkommenden Sommergewitters auf dem Chiemsee. Er findet sich selbst in einer Art Zeitreise wieder, die ihn in seine Jugendzeit in das Jahr 1958 als 16-jährigen Gymnasiasten zurückführt.

Ein wundervoller nostalgischer Roman, der die Erinnerung an die Anfangsjahre der Bundesrepublik weckt.

Neuhaus, Nele: Böser Wolf

Kriminalhauptkommissarin Pia Kirchhoff wird mit einem neuen Fall konfrontiert: In einem Fluss wird die Leiche einer jungen gefolterten und missbrauchten Frau gefunden. Kirchhoff ahnt nicht, dass die Ermittlungen sie zu einem skrupellosen Kinderschänderring führen werden, dem angesehene Mitbürger angehören. Und diese gehen über Leichen, damit ihr Doppelleben nicht auffliegt – eine Situation, die die Kripobeamten bis an ihre Grenzen führt.

Düsterer, beklemmender und hochspannender Krimi, der dem Leser einiges abverlangt.

Norfolk, Lawrence: Das Festmahl des John Saturnall

England Mitte des 17. Jahrhunderts: John lebt mit seiner Mutter in einem kleinen englischen Dorf. Er wird von seinen Altersgenossen gequält, seine Mutter ist als Hexe verschrien. Glaubensfanatiker zwingen Mutter und Sohn zur Flucht, auf der sie ihn in die heidnische Geschichte des Landes und das geheime Wissen um Pflanzen und Speisen einweiht. Die Mutter stirbt. John findet im Gutshaus Buckland ein neues Zuhause und steigt dort rasch zum Meisterkoch auf, denn sein Geruchssinn ist untrüglich.

Ein historischer Roman aus dem Barock inmitten der politischen und religiösen Wirren Englands rund um die Zeit des Bürgerkriegs (1642-1649) für anspruchsvolle Leser.

Olmi, Veronique: In diesem Sommer

Seit 16 Jahren treffen sie sich am Wochenende des 14. Juli in einem Ferienhaus in der Normandie: die Gastgeber Denis und Delphine, reich und scheinbar vom Glück verwöhnt, der Studienrat Nicolas mit der Schauspielerin Marie und Lola, die Kriegsreporterin, wie immer mit einem neuen Lover. Ihre Freundschaft ist von eingeübter Harmonie, man weiß um die kleinen Lügen, die wie ein Rettungsanker über dem ausbalancierten Alltag liegen. Aber diesmal ist alles anders. Denis und Delphine stehen kurz vor der Trennung, Nicolas kämpft mit einer Depression, Marie ist ohne Engagement und Lola sieht sich durch einen geheimnisvollen jungen Touristen mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Ferienrituale mischen sich mit vibrierenden Emotionen, die erholsame Maskerade bricht auf.

Ein hervorragender Roman: leise, schmerzhaft und ehrlich.

Schoch, Julia: Selbstporträt mit Bonaparte

Bonaparte nennt die Ich-Erzählerin ihren Geliebten, der mit Leidenschaft dem Glücksspiel nachgeht. Sie ist fasziniert von Bonaparte. Gemeinsam gehen sie in Casinos und genießen die Unverbindlichkeit des Augenblicks und ihrer Beziehung. Dann verschwindet Bonaparte und lässt die Erzählerin mit all ihren Erinnerungen und Fragen zurück.

Ein kurzer, klarer und einprägsamer Roman über die Liebe und deren Vergänglichkeit.

Walker, Martin: Schatten an der Wand

In einem Londoner Auktionshaus wird ein Stein mit einer Höhlenzeichnung darauf von einer jungen Kunsthistorikerin begutachtet. Er stammt aus einer Höhle im Périgord. Ihr wird klar, dass der Fund nicht nur die Kunstwelt, sondern auch politische Beziehungen erschüttern könnte. Doch dann wird der Stein gestohlen.

Der raffiniert komponierte Thriller steht außerhalb der „Bruno“-Reihe und wurde bereits 2002 im Original veröffentlicht. Allerbeste Spannungs- und Unterhaltungsliteratur.

Zafón, Carlos Ruiz: Der Gefangene des Himmels

Barcelona, Weihnachten 1957: Das neue Abenteuer des Buchhändlers Daniel Sempere und seines Freundes Fermín, „der von den Toten wiederkehrte und den Schlüssel zur Zukunft besitzt“, verknüpft die beiden Vorgängerbände der Trilogie „Schatten des Windes“ und „Spiel des Engels“ miteinander.

Der Kauf eines Buches, einer edlen Ausgabe des „Grafen von Monte Christo“, entwickelt sich zu einem fulminanten, durch erzählerische Winkelzüge raffiniert verdunkelten dramatischen Geschehen. Im Strudel der Ereignisse bewährt sich der bereits bekannte Daniel, Mitinhaber der Buchhandlung Sempere, als Freund Fermíns.

Ein grandios inszenierter mystischer Roman.