Sonntag, 19. November 2017

Herr Gladbach, leben Sie ein glückliches Leben!

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Guten Tag!

Ladenburg, 10. April 2010. Der katholische Pfarrer Heiner Gladbach verlässt die Kirchengemeinden Heddesheim und Ladenburg auf unbestimmte Zeit – weil er in einer Partnerschaft lebt. Die Kirchengemeinden Heddesheim und Ladenburg verlieren damit einen Pfarrer, der sich mit einem mutigen und ehrlichen Text zum Thema Missbrauch in der katholischen Kirche verabschiedet hat.

Kommentar: Hardy Prothmann

Heiner Gladbach und ich kennen uns nicht besonders gut. Ich habe einige Male mit befreundeten Katholiken den Gottesdienst in Heddesheim besucht und einen warmen, freundlichen Charakter erleben dürfen.

Bei jedem meiner Besuche war die Kirche voll und es herrschte eine freundliche und andächtige Atmosphäre – die evangelischen Gottesdienste sind damit überhaupt nicht vergleichbar.

Heiner Gladbach ist ein Pfarrer, der seine Gemeinde mit einem Strahlen in den Augen begrüßt und wirkt, als lebe er seinen Glauben gut und zufrieden.

Doch Heiner Gladbach hat noch ein Leben außerhalb der Kirche und des Glaubens – er lebt seit langer Zeit in einer Partnerschaft.

Damit lebt er aus Sicht der katholischen Kirche in Sünde. Er bricht den Zölibat – das Versprechen der Ehelosigkeit und einem Leben in Keuschheit.

Er liebt neben Gott einen anderen Menschen und teilt sein Leben mit diesem. Das darf nicht sein – meint die katholische Kirche.

Neun von zehn Deutschen sind gegen den Zölibat, wie kürzlich eine Umfrage ergab. Eine Frau hat bei der „außerordentlichen Pfarrversammlung“ die Abschaffung des Zölibats gefordert, also das, was neun von zehn Deutschen sowieso denken und erntete dafür brausenden Applaus, der fast in ein rhythmisches Protestklatschen überging. Auch die Organisation „Wir sind Kirche“ fordert den Zölibatsverzicht.

Bekannt ist, dass viele Priester ein Leben neben der Kirche führen.

Im Geheimen. Im Bewusstsein des Verstoßes. Immer in Sorge, dass diese „Sünde“ ihre berufliche und private Reputation kostet.

Was für eine Qual.

Die katholische Kirche fordert diese Qual ein. Auch Herr Gladbach muss sich nun entscheiden, ob er weiter Priester sein will oder in einer Partnerschaft mit einem ihm lieben Menschen leben möchte.

Wer genau hingehört hat und sich in die Lebenssituation dieses Mannes hineinversetzt, weiß, wie der Zweifel an ihm nagt, wie die Sorge ihn umtreibt, wie die Situation an ihm frißt.

Herr Gladbach hat eine körperliche Herzkrankheit benannt, aber auch seine Seele ist verletzt und krank: „Meine Ängste und Bedenken waren so groß, dass ich bei jeder kleineren oder größeren Gemütsregung in Tränen ausbrach“, sagte der Mann heute.

Das klingt nach einem „Burn-Out-Syndrom“ – da wird es einem eng ums Herz, die Luft bleibt weg, die Angst ist ständiger Begleiter.

Herr Gladbach geht offen damit um und sagt, dass er auch psychologische Hilfe in Anspruch nehmen wird. Seine Offenheit verdient Respekt.

Herr Gladbach hat sehr freundlich und voller Achtung über seine Gesprächspartner in der Institution Kirche gesprochen, obwohl die von ihm eine Entscheidung erwarten: Priestertum oder Partnerschaft.

Damit befindet sich Herr Gladbach in einem schweren Dilemma. Wählt er die Partnerschaft, darf er nicht mehr Priester sein. Wählt er das Priestertum muss er den Menschen verlassen, den er liebt. Auch ohne Herzmuskelschwäche ist das eine Situation, die einem das Herz zerreißen kann.

Die katholische Kirche ist bis heute beim Zölibat unbarmherzig.

Erste Diskussionen beginnen – aus der Not heraus. Der Missbrauch in katholischen Einrichtungen setzt die Kirche zu recht unter Druck. Sie findet immer weniger Männer, die sich dem Zölibat beugen wollen – ihr gehen die Priester aus. Und die, die fest im Glauben zu ihr stehen und wie ein Pfarrer Gladbach mit seinem mutigen Gebet die Herzen der Menschen erreichen können – setzt sie unter Druck.

Ich habe heute Pfarrer Gladbach viel Kraft und Glück auf seinem weiteren Lebensweg gewünscht. Wenn er sich für seine Partnerschaft entscheidet, wird er sich gegen seine „Berufung“ entscheiden. Ein schwerer Schritt.

Gehen Sie ihn, Herr Gladbach und leben Sie ein glückliches Leben!

Ich bin mir sicher, dass Sie dafür Gottes Segen haben.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • Tja, wenn man in Deutschland ehrlich ist wird man gleich zerfleischt ! Wem hat Heiner Gladbach persönlich was getan oder angegrifen ?? Er hat sein Leben , so wie jeder andere Mensch ein Eigenleben hat – wo ist das Problem ? Tja , Leute wie er und auch Frau Käßmann werden wie “ die Sau durchs Dorf getrieben „, die die Lügen werden weiter hofiert und regieren unser Land ! Es Lebe die deutsche Moral und ein Hoch auf die kath. Kirche!!