Samstag, 18. November 2017

Gabis Kolumne

Die Schönheit des männlichen Geschlechts

Print Friendly, PDF & Email
Anzeige

Guten Tag!

Ladenburg, 10. Mai 2010. Schönheit und Männer? Geht das zusammen? Aber ja, meint Gabi und fordert weniger den bewegten, dafür aber gepflegten Mann.

Dass wir Frauen mit diversen Cremes, Diäten und Haarfarbe versuchen, gegen die äußeren Anzeichen des Älterwerdens anzukämpfen, habe ich hier schon häufiger thematisiert. Doch wie sieht es bei dem männlichen Geschlecht aus?

Wir alle wissen aus den bunten Blättchen, dass David Beckham seine Fingernägel manikürt und lackiert, dass er sich zumindest die Achselhaare rasiert und Anti-Falten-Creme benutzt. Kann er auch, immerhin hat er ja auch den Begriff des metrosexuellen Mannes mit geprägt.

Michael Douglas besucht, zumindest laut der Yellow Press, des Öfteren seinen Schönheitschirurgen und alle vermuten, dass Altbundeskanzler Gerhard Schröder sein Haupthaar färbt, auch wenn er das laut richterlicher Verfügung untersagt haben will.

Joschka Fischer hat sich in seiner Glanzzeit per Marathon fit und schlank gemacht und der schöne George Clooney hilft angeblich seinen schön gesträhnten grauen Schläfen per Coloration nach.

So weit so gut – das ist die Welt der Reichen, Berühmten, Schönen und Mächtigen. Doch wie schaut-€™s mit dem Otto Normalverbraucher aus? Reicht heute noch Old Spice, täglich ein frisches Hemd und die Nivea Creme, dass Mann attraktiv bleibt?

Während wir Frauen unablässlich über unsere Pfunde zuviel auf der Hüfte jammern, hat es der männliche Teil der Bevölkerung über Jahrzehnte hervorragend verstanden, den Bauch als männliches Statussymbol zu etablieren. Die Glatze als ein Zuviel an Testosteron und den Dreitagesbart als besonders männlich zu deklarieren.

Doch Vorsicht, diese Zeiten sind vorbei! Längst hat zumindest die Werbung erkannt, dass hier ein großes Potential an Neukunden verborgen liegt. Der Markt für Schönheitsproduktserien für den Mann boomt. Wellness-Hotels werben mit Behandlungen, die gezielt auf den Mann von heute abgestimmt sind.

Eitelkeit bei Männern wurde in den letzten Jahrzehnten oft der Lächerlichkeit preis gegeben, gar als unmännlich angesehen. Dabei war das nicht immer so. Schaut man weit zurück in die Vergangenheit, finden wir Männerbilder, die sehr wohl der Eitelkeit frönten. Zum Beispiel im Rokoko trugen die Herren Lackschuhe mit Schnallen, Rüschenhemden, opulente Ringe, Samt und Seide, Lockenperücken und schminkten sich. Dies alles war ein Zeichen von Macht und Reichtum. Damit hoben sich die Adligen ab von dem gemeinen Volk, den Bauern.

Daraus kann man folgern, nur wer reich war, hatte Zeit und Geld um sich zu schmücken.

Diese Zeiten sind Gott sei dank vorbei. Auf sein Äußeres zu achten, ist nicht mehr eine Frage des Standes. Und auch nicht mehr eine Frage der Unmännlichkeit.

Frau liebt den gepflegten Mann. Aber das heißt noch lange nicht, dass wir künftig mit unserem Herzallerliebsten über die neueste Brigitte-Diät oder die beste Anti-Falten-Creme sprechen wollen, das machen wir doch lieber mit unserer Freundin.

Und sorry, die Vorstellung, dass mein Mann vorm Fernsehen seine Gurkenmaske auflegt, fände ich dann doch eher unmännlich.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.