Freitag, 21. September 2018

Fotostrecke: Auf Facebook finden Sie eine erste Vorauswahl unserer Drachenboot-Bilder

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Als wÀre es in Szene gesetzt. Die Menschen halten Ausschau, fotografieren - jeder hat was anderes im Blick. Davon erzÀhlt dieses Bild in der Stilistik des amerikanischen Malers Edward Hopper.

Ladenburg/Rhein-Neckar, 10. Juli 2011. (red) Von knapp 4.000 Fotos blieben 734 fĂŒr eine erste Auswahl ĂŒbrig – davon haben wir etwa ein Drittel zunĂ€chst auf unserer Facebook-Seite hochgeladen. Es sind tolle Reportage-Fotos darunter, die das Flair und den Sportsgeist beim Drachenbootrennen wiedergeben. Die Geschichten erzĂ€hlen – ein paar stellen wir Ihnen heute vor.

Fotos: local4u, Robin Birr, Tom Eisele, Hardy Prothmann

Unsere Bilder sollen echt sein – aus der Situation heraus. Sie sollen zeigen, wie die Menschen sind, wie sie sich fĂŒhlen, was sie bewegt.

Unsere Fotos sollen Geschichten erzĂ€hlen. In einem Bild, einem „Stilleben“ – im Englischen heißen Fotos auch „Stills“. Sie zeigen einen Moment, erzĂ€hlen aber doch oft eine ganze Geschichte.

Das ist harte Arbeit fĂŒr unsere Fotografen Ralph, Robin und Tom. Jedes Bild ist eine Arbeit. Sie machen keinen Kunst, aber ein Handwerk.

Sie arbeiten sehr konzentriert und aufmerksam. Versuchen, ein Foto schon zu sehen, bevor es entsteht. Gleichzeitig warten sie neugierig ab, wie die Situation dann wirklich so ist – schließlich wollen sie nicht fotografieren, was sie sich vorstellen, sondern real ist.

Die schönsten Bilder zeigen Menschen. Wir können in den Gesichtern lesen. In der Mimik, Gestik, Haltung. Auch hier arbeiten die Fotografen sehr verantwortlich – um niemanden „blöd“ zu fotografieren. Das heißt nicht, dass wir „beschönigen“ – aber wir achten sehr genau darauf, dass sich die Menschen auch in den Bildern (gerne) wiedererkennen können.

Gibt es etwas schöneres, als wenn Menschen lÀcheln und sich freuen?

Scherzhaft hat gestern der eine oder andere gesagt: „Ah, die Paparazzi.“ Das ist keiner von uns. Wir treten offen auf und fotografieren auch offen erkennbar. Ganz selten kommt es vor, dass trotzdem jemand keine Fotos möchte. Kein Problem. Das respektieren wir selbstverstĂ€ndlich.

Noch seltener hören wir: „Das ist nicht fĂŒr die Zeitung, sondern fĂŒrs Internet? Das will ich nicht.“ Auch das respektieren wir selbstverstĂ€ndlich. Wir geben aber auch den Hinweis, dass die meisten Zeitungen fast alle Fotos selbst auch ins Internet stellen. Also aufgepasst, wer denkt, es gĂ€be einen „Unterschied“. Auch Radio und Fernsehen stellen ihre Aufnahmen ins Internet.

Unser Fotografen arbeiten streng journalistisch. Sie „dokumentieren“ das Geschehen. Versuchen, Informationen im Bild festzuhalten. Wir „arrangieren“ keine Fotos („Jetzt bitte alle lĂ€cheln“), wir inszenieren keine Fotos, sondern nehmen das auf, was sich ergibt.

DafĂŒr braucht es viel EinfĂŒhlungsvermögen, eine kompetente Beherrschung der Kameras und oft blitzschnelle Entscheidungen, welche Blende, welche Zeit man auswĂ€hlt, um „den Moment“ am besten zu treffen.

Diese Paddlerin prĂŒft nochmal, ob "alles sitzt" - dabei ist sie gut gelaunt, beobachtet aber irgendetwas sehr genau.

Obwohl die Kameras tolle „Automatikfunktionen“ haben, ist jedes unserer Fotos „Handarbeit“. Wir fotografieren manuell, stellen also alle Funktionen per Hand so ein, damit richtig gute Fotos entstehen. Das klappt nicht immer – es gibt auch viel „Ausschuss“. Von zwanzig Fotos bleibt oft nur eins ĂŒbrig, dass wir gut finden und veröffentlichen.

Das ist unser Anspruch – einen hohe QualitĂ€t. DafĂŒr braucht es viel Erfahrung und Zeit, um die Bilder auszuwĂ€hlen und so sanft wie möglich zu bearbeiten, weil wir den dokumentarischen Charaker erhalten wollen. Ganz klar ist jedes Bild eine „kleine Inszenierung“ – der Moment, wenn wir auf den Auflöser drĂŒcken, speichert ein anderes Bild als die Sekunde dafĂŒr oder danach. Trotzdem bemĂŒhen wir uns, „authentische“ Fotos zu machen. Also solche, von denen man sagt: „So war das.“

Den Augenblick festhalten - wĂ€re das Schiff im Hintergrund noch nicht so weit im Bild, wĂŒrde es zu wenig auffallen. WĂ€re es weiter, wĂŒrde es langweilig sein. Es werden zwei Geschichten erzĂ€hlt, die zur selben Zeit stattfinden. Ein tolles Foto!

Wir freuen uns heute auf einen spannenden Wettkampftag und tolle Teams.

Ganz besonders herzlich bedanken wir uns fĂŒr die gute UnterstĂŒtzung durch die Drachenbootabteilung und alle Menschen, denen unsere Arbeit gefĂ€llt. 🙂

Hier noch ein paar Fotos und Beschreibungen.

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Kontrast: WĂ€hrend im Hintergrund reges Treiben herrscht, ist die junge Dame ganz auf ihr Handy konzentriert. Dort der Wassersport von "Ă€lteren" im Hintergrund, hier die neue Technik bei der jungen Generation im Vordergrund.

Perspektive: Durch die Art der Aufnahme wirkt das Foto sehr interessant. Der Horizont ist nicht gerade. Wie im richtigen Leben. Denn wir Menschen "schwanken" immer und bewegen uns und sehen eigentlich nie einen "gerade Horizont". Amateur-Fotografen vergessen das hÀufig.

Warten gehört "zum GeschÀft" - unsere Fotografen Tom und Ralph sind selbst in den "Fokus geraten", als sie warten. Worauf? Dass es weitergeht. Dass der Regen aufhört. Es ist eine authentische Situation. Warten gehört "zum GeschÀft" eines Fotografen.

Zum Beispiel, wenn es so aussieht. Es ist Rennpause. Es regnet. Auf den ersten Blick vielleicht kein "bewegendes" Bild. Doch es gehört dazu. Es dokumentiert, wie es ist, wenn plötzlich alles ruhig ist, wo kurz zuvor noch so viel "Leben" war. Es erzÀhlt eine Geschichte hinter der Geschichte.

Und schon ist die Pause vorbei - das Leben pulsiert wieder. Und dieser Schnuller Puller freut sich so sehr, dass man gleich mitlachen möchte.

Die freuen sich auch - dass es "vorbei ist". Klitschnass steigen sie aus dem Drachenboot. "Ein schickes Foto" sieht anders aus. Aber diese Situation ist echt und somit auch das Foto. Deswegen wirkt es so gut.

Und sie? Hat sie das Rennen vor oder hinter sich? Was denken Sie? Die "UnschÀrfe" setzt die Dame in den Mittelpunkt. Der Sack macht sie "unförmig", ihre Glieder zeigen, dass sie eher "zart" ist. Ein schöner Kontrast, der zeigt, dass es wichtig ist, "genau" hinzuschauen.

Inszenierung. Man sieht, dass die Gruppe fĂŒr jemanden "posiert". Aber nur, wenn man die Szene von der Seite betrachtet. Dadurch wirkt sie ganz anders.

Alle Drachenbootler kennen ihn: Markus Walz. Hochkonzentriert. Die Anspannung steht ihm ins Gesicht geschrieben.

Vater und Tochter. Achten Sie auf die Ă€hnliche Armhaltung. Die Symmetrie zeigt die Verbundenheit der beiden. Was sie wohl beobachten? Der Kontrast: Beide haben Sonnenbrillen auf - doch der Himmel ist bewölkt. Die Unterarme des Mannes sind gebrĂ€unt - die Oberarme weiß.

Partylaune. Zugegeben - ein bisschen "inszeniert". Beim ersten Foto hat uns nur eine Dame gesehen: "Achtung, Fotograf" - daraufhin reagieren alle anderen. Alle freundlich und gut gelaunt, aber manche ein wenig "ĂŒberrascht". Die UnschĂ€rfe und die lange Perspektive machen den Reiz aus.

Haben Sie Lust auf mehr?

Dann schauen Sie sich unsere kommenden Fotostrecken an! 😉

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.