Freitag, 23. Februar 2018

Die Polizeidirektion Heidelberg nutzt die Social Media jetzt dauerhaft

„Facebook ersetzt keinen Notruf“

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Bild: Facebookseite der Polizeidirektion Heidelberg

Bild: Facebookseite der Polizeidirektion Heidelberg

 

Heidelberg/Rhein-Neckar, 10. Mai 2013. (red/ld) Die Facebook-Seite der Polizeidirektion Heidelberg hat sich bewĂ€hrt. Seit Montag betreut die Pressestelle den Social Media-Auftritt dauerhaft. Im Februar war die Seite gestartet worden, um besondere PolizeieinsĂ€tze wie Fußballspiele oder Abschlussfeiern von SchĂŒlern zu begleiten. Die Beamten wollen Facebook ab sofort zur Vorbeugung gegen Straftaten und zur Zeugensuche nutzen. Den Notruf 110 oder die persönliche Anzeigenerstattung ersetzt die Seite aber nicht.

Von Lydia Dartsch

Angefangen hat alles mit einem Post zum Polizeieinsatz beim Fußballspiel TSG 1899 Hoffenheim gegen den FC Bayern in der Rhein-Neckar-Arena. Das war im Februar. Im April begleitete die Polizei das Spiel des SV Sandhausen gegen den FC Kaiserslautern, postete dort Hinweise auf den Shuttleservice vom Bahnhof St. Ilgen und machten auf das Anti-Konfliktteam aufmerksam. Nach den Abschlussfeiern der Heidelberger Abiturienten postete sie Fotos von den Hinterlassenschaften, und baten bei den Abschlussfeiern der RealschĂŒler darum, friedlich zu feiern, RĂŒcksicht auf Anwohner zu nehmen und den MĂŒll nicht auf der Straße liegen zu lassen.

Wir haben 99 Prozent positive RĂŒckmeldungen,

sagt Pressesprecher Norbert SchÀtzle.

Polizei informiert Fußballfans

Mit dem permanenten Auftritt, der seit Montag lÀuft, werde die Polizei ausgewÀhlte Pressemitteilungen veröffentlichen, Zeugenaufrufe, Nachwuchswerbung posten sowie Posts zur PrÀvention von Straftaten veröffentlichen.

Dadurch erreichen wir viel mehr Menschen, als wenn wir ausschließlich Pressemitteilungen an Redaktionen schicken,

sagt Herr SchÀtzle:

Immerhin haben wir mittlerweile rund 2.460 „Fans“, denen unsere Facebookseite gefĂ€llt. Mehrere tausend Menschen klicken unsere Posts an. In Fall der Abifeiern sind es bis heute sogar ĂŒber 360.000 Menschen.

Trotzdem erspart der Facebookauftritt die Streife nicht, beispielsweise beim Jugendschutz:

Die feiernden SchĂŒler auf der Neckarwiese können sich darauf einstellen, dass wir wie in jedem Jahr zum Schuljahresabschluss auch vor Ort  Jugendschutzkontrollen zusammen mit dem Jugendreferat der Stadt Heidelberg durchfĂŒhren werden.

Bei dem entsprechenden Post zu den Abschlussfeiern der RealschĂŒler gab es auch den Hinweis auf die öffentlichen Toiletten an den Neckarwiesen. Auch das eine Form von „PrĂ€vention“.

Die Kommunikation funktioniert auch in die andere Richtung. Beispielsweise fragten Fußballfans an, ob sie ihre Fanutensilien der gegnerischen Mannschaft mit in den Fanblock nehmen dĂŒrften. Auch Anfragen fĂŒr die ZustĂ€ndigkeit kommen bei Herrn SchĂ€tzle und seinen Kollegen an:

Wir beantworten diese Anfragen dann mit einer persönlichen Nachricht an den Fragesteller, nicht auf den Kommentar,

sagt er.

Der Notruff bleibt die 110

Trotzdem ist die Facebookseite kein Ersatz fĂŒr die Notrufnummer 110 und die Polizeidienststellen.

Wir als Pressestelle können keine Anzeigen aufnehmen und keine Notrufe entgegennehmen. Das könnten wir personell nicht leisten,

sagt Norbert SchĂ€tzle. FĂŒr Notrufe muss man also weiterhin die 110 wĂ€hlen und fĂŒr Anzeigen bleiben die Polizeidienststellen zustĂ€ndig.

Innenministerium muss ĂŒber Facebookfahndung noch entscheiden

Auch Fahndungen laufen vorerst nicht ĂŒber Facebook. Das habe einen datenschutzrechtlichen Grund, sagt Norbert SchĂ€tzle:

Es ist kein deutsches Medium und unterliegt damit nicht ausschließlich deutschem Recht. Wenn wir Fahndungsfotos oder Bilder von Vermissten auf der Homepage der
Polizei veröffentlichen, können wir das Foto nach der Fahndung wieder löschen. Die Handhabe bei Facebook ist viel schwieriger, da wissen wir nicht, was danach mit den Fotos passiert und ob sie wieder gelöscht werden können. Das muss aber möglich sein.

Derzeit arbeite eine Bund-LĂ€nder-Kommission am Ausbau von FacebookaktivitĂ€ten sowie an allgemeinen Richtlinien fĂŒr die Facebookauftritte der PolizeiprĂ€sidien in Deutschland.

Man könnte noch viel mehr machen,

sagt Herr SchÀtzle.

Dauerhafte Facebookauftritte der baden-wĂŒrttembergischen Polizei gibt es derzeit fĂŒr Stuttgart und Heidelberg.  Weitere Facebook-Seiten bieten Mecklenburg-Vorpommern, Mönchengladbach, OsnabrĂŒck, Köln, Nordrhein-Westphalen, Dortmund und  Bremen an.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.