Freitag, 22. September 2017

Die Polizeidirektion Heidelberg nutzt die Social Media jetzt dauerhaft

„Facebook ersetzt keinen Notruf“

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Bild: Facebookseite der Polizeidirektion Heidelberg

Bild: Facebookseite der Polizeidirektion Heidelberg

 

Heidelberg/Rhein-Neckar, 10. Mai 2013. (red/ld) Die Facebook-Seite der Polizeidirektion Heidelberg hat sich bew√§hrt. Seit Montag betreut die Pressestelle den Social Media-Auftritt dauerhaft. Im Februar war die Seite gestartet worden, um besondere Polizeieins√§tze wie Fu√üballspiele oder Abschlussfeiern von Sch√ľlern zu begleiten. Die Beamten wollen Facebook ab sofort zur Vorbeugung gegen Straftaten und zur Zeugensuche nutzen. Den Notruf 110 oder die pers√∂nliche Anzeigenerstattung ersetzt die Seite aber nicht.

Von Lydia Dartsch

Angefangen hat alles mit einem Post zum Polizeieinsatz beim Fu√üballspiel TSG 1899 Hoffenheim gegen den FC Bayern in der Rhein-Neckar-Arena. Das war im Februar. Im April begleitete die Polizei das Spiel des SV Sandhausen gegen den FC Kaiserslautern, postete dort Hinweise auf den Shuttleservice vom Bahnhof St. Ilgen und machten auf das Anti-Konfliktteam aufmerksam. Nach den Abschlussfeiern der Heidelberger Abiturienten postete sie Fotos von den Hinterlassenschaften, und baten bei den Abschlussfeiern der Realsch√ľler darum, friedlich zu feiern, R√ľcksicht auf Anwohner zu nehmen und den M√ľll nicht auf der Stra√üe liegen zu lassen.

Wir haben 99 Prozent positive R√ľckmeldungen,

sagt Pressesprecher Norbert Schätzle.

Polizei informiert Fußballfans

Mit dem permanenten Auftritt, der seit Montag läuft, werde die Polizei ausgewählte Pressemitteilungen veröffentlichen, Zeugenaufrufe, Nachwuchswerbung posten sowie Posts zur Prävention von Straftaten veröffentlichen.

Dadurch erreichen wir viel mehr Menschen, als wenn wir ausschließlich Pressemitteilungen an Redaktionen schicken,

sagt Herr Schätzle:

Immerhin haben wir mittlerweile rund 2.460 „Fans“, denen unsere Facebookseite gef√§llt. Mehrere tausend Menschen klicken unsere Posts an. In Fall der Abifeiern sind es bis heute sogar √ľber 360.000 Menschen.

Trotzdem erspart der Facebookauftritt die Streife nicht, beispielsweise beim Jugendschutz:

Die feiernden Sch√ľler auf der Neckarwiese k√∂nnen sich darauf einstellen, dass wir wie in jedem Jahr zum Schuljahresabschluss auch vor Ort ¬†Jugendschutzkontrollen zusammen mit dem Jugendreferat der Stadt Heidelberg durchf√ľhren werden.

Bei dem entsprechenden Post zu den Abschlussfeiern der Realsch√ľler gab es auch den Hinweis auf die √∂ffentlichen Toiletten an den Neckarwiesen. Auch das eine Form von „Pr√§vention“.

Die Kommunikation funktioniert auch in die andere Richtung. Beispielsweise fragten Fu√üballfans an, ob sie ihre Fanutensilien der gegnerischen Mannschaft mit in den Fanblock nehmen d√ľrften. Auch Anfragen f√ľr die Zust√§ndigkeit kommen bei Herrn Sch√§tzle und seinen Kollegen an:

Wir beantworten diese Anfragen dann mit einer persönlichen Nachricht an den Fragesteller, nicht auf den Kommentar,

sagt er.

Der Notruff bleibt die 110

Trotzdem ist die Facebookseite kein Ersatz f√ľr die Notrufnummer 110 und die Polizeidienststellen.

Wir als Pressestelle können keine Anzeigen aufnehmen und keine Notrufe entgegennehmen. Das könnten wir personell nicht leisten,

sagt Norbert Sch√§tzle. F√ľr Notrufe muss man also weiterhin die 110 w√§hlen und f√ľr Anzeigen bleiben die Polizeidienststellen zust√§ndig.

Innenministerium muss √ľber Facebookfahndung noch entscheiden

Auch Fahndungen laufen vorerst nicht √ľber Facebook. Das habe einen datenschutzrechtlichen Grund, sagt Norbert Sch√§tzle:

Es ist kein deutsches Medium und unterliegt damit nicht ausschließlich deutschem Recht. Wenn wir Fahndungsfotos oder Bilder von Vermissten auf der Homepage der
Polizei veröffentlichen, können wir das Foto nach der Fahndung wieder löschen. Die Handhabe bei Facebook ist viel schwieriger, da wissen wir nicht, was danach mit den Fotos passiert und ob sie wieder gelöscht werden können. Das muss aber möglich sein.

Derzeit arbeite eine Bund-L√§nder-Kommission am Ausbau von Facebookaktivit√§ten sowie an allgemeinen Richtlinien f√ľr die Facebookauftritte der Polizeipr√§sidien in Deutschland.

Man könnte noch viel mehr machen,

sagt Herr Schätzle.

Dauerhafte Facebookauftritte der baden-w√ľrttembergischen Polizei gibt es derzeit f√ľr Stuttgart und Heidelberg.¬† Weitere Facebook-Seiten bieten Mecklenburg-Vorpommern, M√∂nchengladbach, Osnabr√ľck, K√∂ln, Nordrhein-Westphalen, Dortmund und¬† Bremen an.

√úber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr√ľndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr√§ts und Reportagen oder macht investigative St√ľcke.