Donnerstag, 21. September 2017

"Ein todsicherer Plan" - Preview mit Hauptdarsteller Richy MĂŒller und Regisseur Roland Suso Richter

„Der Film ist ein Hammer“

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Ladenburg/Rhein-Neckar, 10. Mai 2014. (red) Weit ĂŒber 800 Zuschauer kamen zur Preview am Dienstagabend in die Lobdengauhalle nach Ladenburg, um den SWR-Thriller „Ein todsicherer Plan“ zu sehen. NatĂŒrlich auch Richy MĂŒller, den Hauptdarsteller, der sich ohne AllĂŒren zeigt und mit Fans fotografieren lĂ€sst. Vor einem Jahr war der Marktplatz in Ladenburg fĂŒr Wochen Schauplatz fĂŒr die Dreharbeiten – jetzt wird der Film gezeigt. Ein Thriller, aber eigentlich ein tödliches Drama mit vielen humorvollen Szene, spannend inszenierten Rollen, einer hervorragenden Kamera und einer immens dichten Geschichte, die rasant vorantreibt, dabei aber einen tiefen Eindruck hinterlĂ€sst. Am kommenden Mittwoch lĂ€uft „Ein todsicherer Plan“ im Ersten.

Von Hardy Prothmann

Die Lobdengauhalle fĂŒllt sich. Erst hat man fĂŒr knapp dreihundert Personen bestuhlt, dann nochmal hundert StĂŒhle, dann nochmal jede Menge BĂ€nke, die TribĂŒne ist voll. BĂŒrgermeister Rainer Ziegler begrĂŒĂŸt die GĂ€ste, es werden immer mehr, erzĂ€hlt Anekdoten zu den Dreharbeiten, beispielsweise ĂŒber die tĂ€uschend echt zur Bank umgewandelte ehemalige Schlecker-Filiale, in der angeblich Leute Geld abholen wollten, als der Dreh vorbei war. Er lobt das Team, das Ladenburg zur Filmstadt gemacht hat, die Anwohner, die den Trubel klaglos mitgemacht hĂ€tten und freut sich, dass Ladenburg zunĂ€chst Schauplatz der Dreharbeiten war und nun Schauplatz der Preview.

Die Handlung endet abrupt und tödlich

Der Plot ist einfach. Ein selbstĂ€ndiger Schreiner in Geldnöten will mit einem Komplizen einen Geldtransporter ĂŒberfallen. Das geht schief. Daraus entwickelt sich ein BankĂŒberfall mit Geiselnahme. Jetzt entfaltet sich die Geschichte der Beziehungen zwischen den Akteuren und verdichtet sich gleichzeitig. Es ist ein Spiel auf Leben und Tod. Ein Geschichte von NĂ€he und Distanz. Ein Kontrast zwischen Dorfleben und weltweitem Kapitalismus, zwischen vermeintlich friedlichem Leben und grausamem Krieg. Am Ende kommt es zum Zugriff durch ein Spezialeinsatzkommando. Und die Handlung endet abrupt. Ohne Katharsis. Tödlich.

 

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Richy MĂŒller als Bankenopfer, der „was ins Lot bringen will“ – ĂŒberzeugt als verzweifelter Schreinermeister Roth. Foto: SWR/Johannes Krieg

 

Die Geschichte beginnt schnell und bleibt es. Regisseur Roland Suso Richter setzt das Buch von Holger Karsten Schmidt gekonnt spannend um. FrĂŒher inszenierte Richter distanzierter. Dieser Film kommt ohne kaltes Licht aus, trotzdem lĂ€uft es einem teils eiskalt den RĂŒcken herunter. Der Zuschauer ist nah dran an den Charakteren – JĂŒrgen Carle setzt oft seine Handkamera ein. Ein paar UnschĂ€rfen, ein wenig Bewegung. Aber eigentlich fotografiert er sehr klassisch und immer wieder wie Scherenschnitte die Schauspieler vor grellem Gegenlicht.

Psychologisches Kammerspiel

Der Film ist fast ein Kammerspiel – der grĂ¶ĂŸte Teil der Szenen spielt in der Bank, die ĂŒber GlaswĂ€nde geschickt in unterschiedliche RĂ€ume aufgeteilt wird, zwischen denen die Hauptfiguren Klaus Roth (Richy MĂŒller) und Achim Buchert (Martin Butzke) und ihre fĂŒnf Geiseln immer in Bewegung sind. Teils werden die Szenen klaustrophobisch eng, dann wieder dynamisch. Auch der historische Marktplatz in Ladenburg wird ĂŒber die Schaufensterscheibe zu einem zusĂ€tzlichen Außenraum. Und schrĂ€g gegenĂŒber, wo die LKA-Beamtin Alexandra Beck (Julia Brendler) als Gegenspielerin der Geiselnehmer die FĂ€den zieht, schaut auch sie durch die Fensterscheibe hinĂŒber zur Bank – Auge in Auge mit den Geiselnehmern. Eiskalt und berechnend. Provokant und machtbewusst. Als der „Afghanistan-Veteran“ Buchert droht Geiseln zu erschießen, sagt sie: „DafĂŒr haben Sie nicht die Eier.“

 

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Tödliches Kammerspiel – dicht inszeniert. Großartig fotografiert. Spannend erzĂ€hlt. Foto: SWR/Johannes Krieg

 

Sie wird recht behalten – weder der Schreinermeister noch sein frĂŒherer Mitarbeiter, den er wegen Geldsorgen entlassen musste, sind Killer. Buchert ist zwar Soldat gewesen und hat Menschen getötet, er ist aber kein Mörder. Als sich eine Spezialeinsatzkommando erst fĂŒr den Zugriff auf die Bank bereit macht und es dann doch abgezogen wird, verlassen mehrere MĂ€nner ein Auto vor der Bank, wo sie sich versteckt gehalten hatten. Buchert fragt Beck ĂŒbers Telefon: „Sind da jetzt alle ihre Leute raus?“ Beck bestĂ€tigt: „Ja.“ Und Buchert zeigt Beck seine Eier. Er tritt vor die Bank, legt sein Sturmgewehr an die Schulter an und verballert innerhalb von vier Sekunden das gesamte Magazin. Der Ladenburger Marktplatz wird fĂŒr diese Zeit zum Kriegsschauplatz. Quick and dirty. Blech wird durchschlagen, Glas splittert, Teile fliegen weg, den Wagen bewegt sich durch die Wucht der EinschlĂ€ge hin und her. Buchert kehrt sofort in die Bank zurĂŒck. Draußen geht eine AutotĂŒr auf und ein aus mehreren Wunden blutender SEK-Beamter versucht aus dem Wagen zu kriechen, was nicht gelingt. Zwei Kameraden retten den Verletzten. Auf dem Marktplatz steht die Zuschauermenge – was fĂŒr ein Reality-Theater.

Spannende Zuspitzungen, absurde Situationen

Kameramann JĂŒrgen Carle arbeitet hĂ€ufig mit der Handkamera und langen Brennweiten. Der Zuschauer kann die Anspannung, die Verzweiflung, die HĂ€rte, die Hoffnung, den Zorn in den Gesichtern ablesen. Man ist mittendrin im Geschehen. Die Dialoge sind oft kurz. Sehr prĂ€gnant. Regisseur Roland Suso Richter verlangt den Schauspielern und dem Team viel ab. UnzĂ€hlige Einstellungen geben Stoff fĂŒr schnelle Schnitte, die Cutterin Isabelle Allgeier spannend montiert. Unterlegt von einer dynamischen Musik, die den dramatischen Verlauf und die Beziehungen der handelnden Personen noch spannender macht.

Die einfache Geschichte, Mann in Geldnot ĂŒberfĂ€llt Geldtransporter, entwickelt und verdichtet sich in der sich immer weiter zuspitzenden Handlung. Schreiner Roth erfĂ€hrt, dass sein Kredit verkauft worden ist, dann brachten ihn gestiegene Zinsen um seine Existenz. Knallharte Vorgaben, die ohne Spielraum umgesetzt werden. Vom Filialleiter und seinen Angestellten. Der Filialleiter ist verheiratet und hat ein VerhĂ€ltnis mit einer seiner Angestellten Miriam Nohe (Claudia Eisinger), die vorgibt schwanger zu sein. Nur Andeutungen fallen – das Publikum weiß trotzdem sofort Bescheid. Der Filialleiter Martin Huttenlocher (Christian Beermann) ist dabei ein „korrekter“ Besserwisser. Als Schreiner Roth sagt, die Geiseln sollten sich „kopperativ“ verhalten, korrigiert Huttenlocher ihn: „Es heißt kooperativ“. Das Publikum lacht – wie an einigen Stellen im Film, wenn es absurd wird.

Außer Kontrolle

Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt gelingt die Zeichnung der Charaktere gekonnt. Der zweifache Grimme-PreistrĂ€ger (Mörder auf Amrum, Mord in Eberswalde) ist als „Charakterspezialist“ bekannt, der seine Figuren fein zeichnet und oft ĂŒber SubtilitĂ€ten charakterisiert. Der Schreiner Roth und sein Komplize Buchert begehen ein Verbrechen – aus Not. Sie wissen, dass sie falsch handeln, versuchen aber trotzdem das Richtige zu tun. Sie sind keine Freunde und werden auch keine – aber sie nĂ€hern sich an, verstehen sich. Sie sind jeder fĂŒr sich eine Art Verlierer. Weil sie verlieren mussten. Weil sie ihrem Schicksal nicht entkommen können.

Anders als die Geiseln, die nach und nach freigelassen werden. Bis auf den Filialleiter und den Angestellten Sascha Schmidt (Frederick Lau), der sich vom Speichellecker zu jemandem wandelt, der ein Gewissen entwickelt. Er ist es, der die Wahrheit sagt – dass eine „rĂ€uberische“ Bank seine Bank ĂŒbernommen hat und der Filialleiter derjenige sei, der fĂŒr sein existenzielles Ende verantwortlich ist.

Draußen agiert Alexandra Beck knallhart. Sie will den Zugriff. Schleust einen „Todesengel“ als Krankenschwester ein, nachdem es zu einem blutigen Zwischenfall gekommen ist. Der Ladenburger Polizeichef Michael Witt (Rainer Furch), dem es beinahe gelungen wĂ€re, die Geiselnahme zu beenden, wird kaltgestellt und kann nur noch zusehen, wie die Lage eskaliert. Auch er wird von außen fremdbestimmt und verliert seinen Einfluss auf das Geschehen.

Draußen gafft die Menge – man kennt „unseren Schreiner“. Gewissenlose Reporter dringen ins Haus der Roths ein und bedrĂ€ngen im Umfeld der Bank Menschen. Anne Roth (Anke Sevenich) ist die einzige, die ihren Mann versteht. Sie liebt ihn – eine Geschichte im Hintergrund. Auch sie ist machtlos. Ebenso die kleine Tochter. Klaus Roth sowieso – ein bĂ€rtiger Richy MĂŒller spielt den „kleinen Mann“ ĂŒberzeugend. Der gebĂŒrtige „NeckarstĂ€dtler“ (Mannheim) will nur „ins Lot bringen“, was lĂ€ngst nicht mehr in Ordnung ist. Und bleibt chancenlos, weil bis zum Schluss zu ehrlich.

„Der Film ist ein Hammer“

Alexandra Beck „gewinnt“ den Kampf gegen die Geiselnehmer, indem sie lĂŒgt und betrĂŒgt und ihre Macht gnadenlos ausspielt. Sie bereitet fĂŒr den Showdown einen Hinterhalt vor – ihr Plan ist todsicher.

Als der Film zu Ende ist, greift BĂŒrgermeister Rainer Ziegler nochmals zum Mikrophon: „Das hatte ich jetzt so nicht erwartet. Das ist knallhart. Ein Hammer.“ Der Thriller hat ihn erkennbar mitgenommen. Wie gut, dass man sich ein wenig ablenken kann. Regisseur Roland Suso Richter ist gekommen. Dazu Leute vom Filmteam, von der Produktion, andere Schauspieler. Man stellt sich vor, plaudert ein wenig. Fragen aus dem Publikum gibt es keine.

Dann verlassen die GĂ€ste die Lobdengauhalle. Nicht gehetzt, aber zĂŒgig. Unter ihnen einige, die als Komparsen mitgewirkt haben. Ein todsicherer Plan ist ein atemberaubender Thriller, der brillant unterhĂ€lt, aber einen auch nachdenklich zurĂŒcklĂ€sst.

Hinweis: Die ARD strahlt „Ein todsicherer Plan“ am Mittwoch, den 14. Mai 2014 um 20:15 Uhr im Ersten aus. Der Film gilt schon jetzt als einer der absoluten TV-Highlights dieses Jahres.

SWR-Hintergrundinformation zum Film

Interview mit Holger Karsten Schmidt bei Kriminetz.de

Homepage von Holger Karsten Schmidt

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