Sonntag, 19. November 2017

Technischer Ausschuss stimmt dem Entwurf "Wohnen am Villengarten" zu

Sorgen wandeln sich in Zustimmung

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Ladenburg, 09. Dezember 2013. (red/ms) Das „Wohnen am Villengarten“ ist ein großes Projekt: Hier soll altengerechtes Wohnen in Verbindung mit einer Kinderkrippe entstehen. Dabei geht es auch um das Prestige der Stadt – denn Gegenstand der Bauarbeiten ist auch „eines der schönsten JugendstilhĂ€user Ladenburgs“. Am vergangenen Mittwoch wurde der Entwurf im Technischen Ausschuss zur Abstimmung gestellt. Lange ist unkar, ob dem vorliegenden Vorhaben so zugestimmt werden kann – bis die Planer selbst in die Diskussion miteinbezogen werden und den StadtrĂ€ten ihre Bedenken nehmen.

Von Minh Schredle

Man merkte den Ladenburgern im Technischen Ausschuss deutlich an, wie wichtig ihnen das Projekt ist: Das Jugendstilhaus in der Bahnhofstraße gilt als PrunkstĂŒck fĂŒr die ganze Stadt.  Jetzt soll dort ein umfassendes Betreuungsangebot entstehen, das neben einer KindertagesstĂ€tte auch Raum fĂŒr altersgerechtes Wohnen bieten soll.

Neben dem Jugendstilhaus werden noch drei weitere HĂ€user fĂŒr dieses Projekt beansprucht. Diese sind allerdings im Interesse deutlich untergeordnet – Hauptsache, sie passen gut ins Umgebungsbild.

Viele Fragen, viel Unsicherheit, viel Sorge

Das Konzept liegt vor, die meisten im Technischen Ausschuss finden es grundsĂ€tzlich schlĂŒssig und ĂŒberzeugend. Trotzdem muss jedes Detail geklĂ€rt werden. Was ist mit dem Dach? Passt das perfekt zur Umgebung? Ist nicht noch etwas besseres denkbar? Wie sollen die Balkone aussehen? Kann man den Bauherren da freie Hand lassen?

Die meisten dieser Fragen kommen von Herrn Egon Lackner, der als sachkundiger BĂŒrger an der Sitzung des Technischen Ausschusses teilnimmt. Er ist besorgt, dass das „schönste Jugendstilhaus Ladenburgs“ verpfuscht werden könnte.

Schwierige Parkplatz-Situation

Ein weiter Punkt, der Missmut verursacht: Die Parkplatz-Situation. So wie es in der Planung dargestellt, gehen drei öffentliche ParkplÀtze verloren, die fortan als private genutzt werden. Herr Lackner will es besser wissen:

Da gehen mindestens fĂŒnf ParkplĂ€tze verloren. Wenn nicht mehr.

Er ist nicht der einzige, dem die verlorenen ParkplĂ€tze ein Dorn im Auge sind. Auch Herr Wagenfeld (CDU) kann es „nicht billigen, dass öffentliche ParkplĂ€tze von privaten verschlungen werden“.  Er schlĂ€gt vor die ParkplĂ€tze in den Innenhof zu verlagern.

Die fĂŒr das Projekt zustĂ€ndigen Planer, Sven Witteler und JĂŒrgen Mayer, sind in der Sitzung anwesend. BĂŒrgermeister Ziegler erkennt, wie viele Fragen noch offen sind, und schlĂ€gt vor, die beiden an der Diskussion zu beteiligen. Das ist etwas ungewöhnlich – aber niemand hat EinwĂ€nde.

Planer nehmen die Sorgen

Den deutlich grĂ¶ĂŸeren Redeanteil hat JĂŒrgen Mayer. Er ist der ausfĂŒhrende Architekt und hat einige Erfahrung mit der Sanierung und Umfunktionierung denkmalgeschĂŒtzter GebĂ€ude:

Es ist absolut nachvollziehbar, dass große Skepsis vorliegt. Das Haus ist ein wundervolles GebĂ€ude, ich kann verstehen, dass es der Stadt sehr am Herzen liegt.

Im Folgenden versichert er, man werde mit großer Sorgfalt vorgehen. Beim Dach könne man gerne den Vorstellungen der StadtrĂ€te entgegen kommen und sich bei der AusfĂŒhrung noch etwas mehr an der Umgebungsbebauung orientieren – zur großen Freude einiger StadtrĂ€te.

Auch die Balkone werde man nicht „einfach so hinklatschen“. Es sei auch in ihrem Interesse, dass die „Prachtseite zur Straße hin nach etwas Prunkvollem“ aussehe. Man werde sich grĂ¶ĂŸte MĂŒhe geben, dass sie dem Stil des Altbaus entsprechen. Als Material sei momentan Stahl geplant, auf jeden Fall in einem matten Anstrich.

„Bei den ParkplĂ€tzen mĂŒssen Abstriche gemacht werden“

Die Parkplatz-Situation sei dagegen schwieriger anzugehen. Man wolle sie unter keinen UmstĂ€nden in den Innenhof verlegen, da diese FlĂ€che als geschlossene GrĂŒnflĂ€che geplant sei und man so Einiges ruiniere:

Ich weiß, dass es vielleicht schmerzt, die ParkplĂ€tze einzubĂŒĂŸen. Aber ganz so privat werden sie ja dann auch nicht sein – schließlich ist es ja ein Angebot fĂŒr die Öffentlichkeit: Eine Kinderkrippe und seniorengerechtes Wohnen.

Als alle Fragen beantwortet sind, scheint es Herrn Lackner fast ein wenig peinlich gewesen zu sein, so skeptisch nachgefragt zu haben. Jedenfalls rechtfertigte er sich fast fĂŒnf Minuten lang dafĂŒr, dass man nunmal sorgfĂ€ltig vorgehen mĂŒsse und bei fremden Bauherren nie wisse, was die so vorhĂ€tten, bis ihn ein leicht genervter Rainer Ziegler mit dem Verweis auf die fortgeschrittene Zeit unterbricht.

„Fast perfekte Lösung“

Nach wie vor ist man noch nicht ganz zufrieden mit der Parkplatzsituation – aber schon viel eher bereit das zu akzeptieren, als noch vor zwanzig Minuten. Schließlich sagt BĂŒrgermeister Rainer Ziegler:

Ich denke, wir sind hier nah dran, an einer perfekten Lösung und viel kann da wohl nicht mehr optimiert werden. Manche Kompromisse mĂŒssen gemacht werden, sicher ist es Ă€rgerlich ein paar öffentliche ParkplĂ€tze einzubĂŒĂŸen. Aber uns muss klar sein, dass wir im Austausch ein hervorragendes Gesamtpaket bekommen.

Dem schienen sich die StadtrĂ€te anschließen zu können – denn am Ende gab es, allen anfĂ€nglichen Bedenken zum Trotz, geschlossene Zustimmung fĂŒr das Vorhaben.

Über Minh Schredle

Minh Schredle (22) hat 2013 als Praktikant bei uns angefangen und war seitdem freier Mitarbeiter. Von Dezember 2014 bis August 2016 hat er volontiert. Ab September 2016 ist er freier Mitarbeiter bei uns.