Sonntag, 22. April 2018

Technischer Ausschuss stimmt dem Entwurf "Wohnen am Villengarten" zu

Sorgen wandeln sich in Zustimmung

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Ladenburg, 09. Dezember 2013. (red/ms) Das „Wohnen am Villengarten“ ist ein gro├čes Projekt: Hier soll altengerechtes Wohnen in Verbindung mit einer Kinderkrippe entstehen. Dabei geht es auch um das Prestige der Stadt – denn Gegenstand der Bauarbeiten ist auch „eines der sch├Ânsten Jugendstilh├Ąuser Ladenburgs“. Am vergangenen Mittwoch wurde der Entwurf im Technischen Ausschuss zur Abstimmung gestellt. Lange ist unkar, ob dem vorliegenden Vorhaben so zugestimmt werden kann – bis die Planer selbst in die Diskussion miteinbezogen werden und den Stadtr├Ąten ihre Bedenken nehmen.

Von Minh Schredle

Man merkte den Ladenburgern im Technischen Ausschuss deutlich an, wie wichtig ihnen das Projekt ist: Das Jugendstilhaus in der Bahnhofstra├če gilt als Prunkst├╝ck f├╝r die ganze Stadt.┬á Jetzt soll dort ein umfassendes Betreuungsangebot entstehen, das neben einer Kindertagesst├Ątte auch Raum f├╝r altersgerechtes Wohnen bieten soll.

Neben dem Jugendstilhaus werden noch drei weitere H├Ąuser f├╝r dieses Projekt beansprucht. Diese sind allerdings im Interesse deutlich untergeordnet – Hauptsache, sie passen gut ins Umgebungsbild.

Viele Fragen, viel Unsicherheit, viel Sorge

Das Konzept liegt vor, die meisten im Technischen Ausschuss finden es grunds├Ątzlich schl├╝ssig und ├╝berzeugend. Trotzdem muss jedes Detail gekl├Ąrt werden. Was ist mit dem Dach? Passt das perfekt zur Umgebung? Ist nicht noch etwas besseres denkbar? Wie sollen die Balkone aussehen? Kann man den Bauherren da freie Hand lassen?

Die meisten dieser Fragen kommen von Herrn Egon Lackner, der als sachkundiger B├╝rger an der Sitzung des Technischen Ausschusses teilnimmt. Er ist besorgt, dass das „sch├Ânste Jugendstilhaus Ladenburgs“ verpfuscht werden k├Ânnte.

Schwierige Parkplatz-Situation

Ein weiter Punkt, der Missmut verursacht: Die Parkplatz-Situation. So wie es in der Planung dargestellt, gehen drei ├Âffentliche Parkpl├Ątze verloren, die fortan als private genutzt werden. Herr Lackner will es besser wissen:

Da gehen mindestens f├╝nf Parkpl├Ątze verloren. Wenn nicht mehr.

Er ist nicht der einzige, dem die verlorenen Parkpl├Ątze ein Dorn im Auge sind. Auch Herr Wagenfeld (CDU) kann es „nicht billigen, dass ├Âffentliche Parkpl├Ątze von privaten verschlungen werden“.┬á Er schl├Ągt vor die Parkpl├Ątze in den Innenhof zu verlagern.

Die f├╝r das Projekt zust├Ąndigen Planer, Sven Witteler und J├╝rgen Mayer, sind in der Sitzung anwesend. B├╝rgermeister Ziegler erkennt, wie viele Fragen noch offen sind, und schl├Ągt vor, die beiden an der Diskussion zu beteiligen. Das ist etwas ungew├Âhnlich – aber niemand hat Einw├Ąnde.

Planer nehmen die Sorgen

Den deutlich gr├Â├čeren Redeanteil hat J├╝rgen Mayer. Er ist der ausf├╝hrende Architekt und hat einige Erfahrung mit der Sanierung und Umfunktionierung denkmalgesch├╝tzter Geb├Ąude:

Es ist absolut nachvollziehbar, dass gro├če Skepsis vorliegt. Das Haus ist ein wundervolles Geb├Ąude, ich kann verstehen, dass es der Stadt sehr am Herzen liegt.

Im Folgenden versichert er, man werde mit gro├čer Sorgfalt vorgehen. Beim Dach k├Ânne man gerne den Vorstellungen der Stadtr├Ąte entgegen kommen und sich bei der Ausf├╝hrung noch etwas mehr an der Umgebungsbebauung orientieren – zur gro├čen Freude einiger Stadtr├Ąte.

Auch die Balkone werde man nicht „einfach so hinklatschen“. Es sei auch in ihrem Interesse, dass die „Prachtseite zur Stra├če hin nach etwas Prunkvollem“ aussehe. Man werde sich gr├Â├čte M├╝he geben, dass sie dem Stil des Altbaus entsprechen. Als Material sei momentan Stahl geplant, auf jeden Fall in einem matten Anstrich.

„Bei den Parkpl├Ątzen m├╝ssen Abstriche gemacht werden“

Die Parkplatz-Situation sei dagegen schwieriger anzugehen. Man wolle sie unter keinen Umst├Ąnden in den Innenhof verlegen, da diese Fl├Ąche als geschlossene Gr├╝nfl├Ąche geplant sei und man so Einiges ruiniere:

Ich wei├č, dass es vielleicht schmerzt, die Parkpl├Ątze einzub├╝├čen. Aber ganz so privat werden sie ja dann auch nicht sein – schlie├člich ist es ja ein Angebot f├╝r die ├ľffentlichkeit: Eine Kinderkrippe und seniorengerechtes Wohnen.

Als alle Fragen beantwortet sind, scheint es Herrn Lackner fast ein wenig peinlich gewesen zu sein, so skeptisch nachgefragt zu haben. Jedenfalls rechtfertigte er sich fast f├╝nf Minuten lang daf├╝r, dass man nunmal sorgf├Ąltig vorgehen m├╝sse und bei fremden Bauherren nie wisse, was die so vorh├Ątten, bis ihn ein leicht genervter Rainer Ziegler mit dem Verweis auf die fortgeschrittene Zeit unterbricht.

„Fast perfekte L├Âsung“

Nach wie vor ist man noch nicht ganz zufrieden mit der Parkplatzsituation – aber schon viel eher bereit das zu akzeptieren, als noch vor zwanzig Minuten. Schlie├člich sagt B├╝rgermeister Rainer Ziegler:

Ich denke, wir sind hier nah dran, an einer perfekten L├Âsung und viel kann da wohl nicht mehr optimiert werden. Manche Kompromisse m├╝ssen gemacht werden, sicher ist es ├Ąrgerlich ein paar ├Âffentliche Parkpl├Ątze einzub├╝├čen. Aber uns muss klar sein, dass wir im Austausch ein hervorragendes Gesamtpaket bekommen.

Dem schienen sich die Stadtr├Ąte anschlie├čen zu k├Ânnen – denn am Ende gab es, allen anf├Ąnglichen Bedenken zum Trotz, geschlossene Zustimmung f├╝r das Vorhaben.

├ťber Minh Schredle

Minh Schredle (22) hat 2013 als Praktikant bei uns angefangen und war seitdem freier Mitarbeiter. Von Dezember 2014 bis August 2016 hat er volontiert. Ab September 2016 ist er freier Mitarbeiter bei uns.