Sonntag, 19. November 2017

Dokumentation: Was und wofür Pfarrer Heiner Gladbach gebetet hat

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Guten Tag!

Ladenburg/Heddesheim, 09. April 2010. Die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche sind ein absolutes Politikum. Die Debatte beherrscht Deutschland seit Wochen. Nun ist das Thema Missbrauch von Kindern und Jugendlichen auch in der Seelsorge-Einheit Ladenburg-Heddesheim angekommen.

Die katholische Kirche Ladenburg-Heddesheim informiert trotz mehrfacher Aufforderung an den Pfarrer die Redaktion des ladenburgblog/heddesheimblog nicht über das Geschehen in der Kirchengemeinde.

Die Redaktion bedauern dies zutiefst, weil wir davon überzeugt sind, dass die Kirchen wie alle anderen Religionsgemeinschaften eine wichtige Rolle in der Gesellschaft einnehmen. Und darüber würden wir gerne kontinuierlich berichten. Das wird uns durch die Kirchengemeinde verwehrt.

Die Redaktion kann niemanden „zwingen“, zu informieren. Das will die Redaktion auch nicht. Unsere journalistischen Angebote stehen für freiwillige, transparente und ehrliche Information.

Wir würden gerne das Gebet des katholischen Pfarrers Heiner Gladbach in voller Länger abbilden, befürchten aber, ohne Erlaubnis dafür eventuell rechtlich belangt zu werden.

Deswegen beschränken wir uns auf Auszüge und damit unser verbrieftes Recht, zu zitieren.

Am 14. März 2010 hält der katholische Pfarrer Heiner Gladbach ein Gebet ab. Dieses ist in der Ausgabe Nummer 11, vom 18. März 2010 im Heddesheimer „Mitteilungsblatt“ veröffentlicht und auch hier im Pfarrbrief.

Darin heißt es:

“Ich bitte dich für die Opfer, die durch Missbrauch und Misshandlung lebenslange seelische Schäden davongetragen haben und tragen. (-€¦) Sieh auf die Fehler der Verantwortlichen in deiner Kirche: Jahre und Jahrzehnte haben sie geschwiegen und diese Vergehen zugedeckt. Dadurch haben sie ebenfalls schwere Schuld auf sich geladen.-€

“Es ist unverständlich, warum dies geschehen musste. Im Moment kann man – Jesus – an deiner Kirche verzweifeln. Als Priester fühle ich mich im Moment hilflos.-€

“Und es nützen mir nicht all die Versprechungen der lückenlosen Aufklärung, und es nützt mir erst recht nicht die Aussage: Das kommt auch in nichtkirchlichen Institutionen vor.-€

“Ich schäme mich manchmal Priester dieser Kirche zu sein.-€

„Was mir nützen würde, Jesus Christus, wäre die Demut der Verantwortlichen in der Kirche. Der Kniefall vor den Opfern dieser Verbrechen.“

Der Pfarrer Heiner Gladbach erinnert in seinem mit „Gebet“ überschriebenem Text an den Papst Johannes Paul II., nennt ihn „einen alt und bucklig gewordenen Mann“, dem es „nicht mehr möglich war sich vor Gott, deinem Vater, niederzuwerfen“.

Und Pfarrer Gladbach beurteilt den Wunsch dieses Papstes nach Vergebung als eine „historisch einmalige Geste“.

Der Pfarrer betet: „Und ich bitte inständig: Herr verzeih die schweren Fehler so vieler in deiner Kirche.“

Anmerkung der Redaktion: Wir bemühen uns darum, das Gebet in voller Länge veröffentlichen zu können, benötigen dafür aber das Einverständnis des Verfassers, das wir angefragt haben, das aber noch nicht vorliegt.

Einen schönen Tag wünscht
Das ladenburgblog

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • Es ist schade, dass krichliche Institutionen bei Missbrauch von Abhängigen durch ihre Mitarbeiter, dies nicht offensiv verfolgen. Auch bei anderen Institutionen, wie Schulen usw. erfolgt auch keine offensive Verfolgung. Wenn ich beim Aldi eine Tüte Milch klaue und dabei erwischt werde, dann sind gleich 2 Staatsanwälter hinter mir her. Nun ja mal schauen, wie sich unsere Gesellschaft weiter entwickelt.