Sonntag, 19. November 2017

Arbeiten Sie mit am „Journalismus der Zukunft“

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Guten Tag!

Ladenburg, 09. September 2010. Glauben Sie alles, was in der Zeitung steht? Dann brauchen Sie nicht weiterlesen. Falls nicht, sind Sie bei uns richtig. Denn das ladenburgblog hat keinen geringeren Anspruch, als an der Zukunft des Journalismus mitzuwirken.

Von Hardy Prothmann

Unsere Redaktion betreut zur Zeit drei Angebote: http://ladenburgblog.de, http://heddesheimblog.de und http://hirschbergblog.de.

Auf dem heddesheimblog ist heute eine Kritik zum Mannheimer Morgen erschienen, dem wir nicht zum ersten Mal eine mangelhafte journalistische Leistung vorwerfen.

„Journalistische“ Mogelpackungen.

Der Bericht, „Die Sanierung geht weiter“, √ľber einen Ammoniak-Unfall an der Eisbahn Heddesheim tut so, als w√§re er vom MM-Redakteur Hans-J√ľrgen Emmerich recherchiert und geschrieben worden. Tats√§chlich hat Herr Emmerich einfach die Pressemitteilung der Gemeinde Heddesheim etwas um- und seinen Namen dr√ľbergeschrieben. Schwubdiwups entsteht aus einem Fremdbeitrag eine scheinbar eigenst√§ndige journalistische Arbeit.

Das ist eine Mogelpackung, die sich häufig (nicht nur) in Lokalmedien findet. In unseren Augen ist das schlechter Journalismus, weil die Aufrichtigkeit auf der Strecke bleibt. Auch wir veröffentlichen ab und zu Pressemitteilungen Рdokumentieren dies aber ungeschönt und mit Nennung der Quelle. Erstens, weil wir uns kein fremdes geistiges Eigentum aneignen wollen und zweitens, weil wir damit die journalistisch notwendige Distanz wahren.

Kaum hatten wir den Text ver√∂ffentlicht und auch √ľber „social media“ wie Twitter und Facebook bekannt gemacht, erhielten wir per Twitter den Hinweis der Medien-Journalistin Ulrike Langer zu einer Umfrage der Akademie f√ľr Publizistik in Hamburg: Journalisten erf√ľllen Erwartungen nicht.

Guter Journalismus.

Darin hei√üt es: ‚ÄěDie Umfrage zeigt: Das Image der Journalisten ist nicht so gut, wie es sein m√ľsste und nicht so schlecht, wie es sein k√∂nnte‚Äú, sagt Heribert Prantl, Leiter des Ressorts Innenpolitik der S√ľddeutschen Zeitung, Dozent und Mitglied des Ethikrates an der Akademie f√ľr Publizistik. ‚ÄěDer Journalismus braucht keine Imagekampagne. Er braucht gute Journalisten. Ein Journalismus, dem die Leute trauen und vertrauen, ist wichtiger denn je.‚Äú

Ein Journalismus, dem die Leute trauen und vertrauen also. Da hat der geschätzte und äußerst renommierte Kollege Prantl absolut recht und kann das auch so sagen, weil er einer ist, dem man trauen und vertrauen kann.

Journalismus soll zuallererst informieren, er darf auch unterhalten und er muss, dass ist unser Anspruch, durch seine privilegierten Recherchem√∂glichkeiten auf Kontrolle aus√ľben. Journalisten sind keine Ermittler, keine Vollzugsbeh√∂rde und kein Gericht. Aber sie k√∂nnen recherchieren, k√∂nnen Dinge nachvollziehbar machen und √ľber die Meinungsfreiheit an der Meinungs- und Urteilsbildung mitwirken.

Journalismus f√ľr alle.

Hardy Prothmann ist der verantwortliche Journalist f√ľr das ladenburgblog.de

Ein b√ľrgernaher Journalismus, wie wir ihn betreiben, ist dabei offen f√ľr alle. Vereine, Parteien, Privatpersonen, Unternehmen und andere k√∂nnen sich auf unserer Plattform beteiligen, indem Informationen an die √Ėffentlichkeit gegeben werden oder indem die Redaktion √ľber Hintergr√ľnde und Zusammenh√§nge informiert wird.

Unsere journalistische Haltung ist zuallererst eine interessierte. „Was passiert wie wo und mit wem und ist das ausreichend interessant?“, fragen wir uns jeden Tag. Und immer mehr LadenburgerInnen unterst√ľtzen uns dabei, was uns sehr freut.

Zwei Beispiele: Das Drachenbootrennen und das Ballon-Festival.

Die Berichterstattung zum Drachenbootrennen hat mit √ľber 12.000 BesucherInnen an einem Tag das bislang gr√∂√üte Interesse f√ľr ein Einzelthema gefunden. Warum? Weil wir mit fast eintausend Bildern eine noch nie dagewesene Dokumentation dieses Ereignisses ver√∂ffentlicht haben. Rund die H√§lfte der Abrufe war √ľberregional – womit unsere Berichterstattung zum guten Ruf und zur Bekanntheit Ladenburgs und der Drachenbootabteilung des FV03 √ľber die Region hinaus beigetragen hat. Denn unsere Informationen sind lokal, regional, √ľberregional oder weltweit frei zug√§nglich abrufbar.

Die Hintergrundberichte zum Ballonfestival haben auch den Konflikt thematisiert, der zwischen LSV, Stadt und dem Ballonfahrten-Betreiber Michael Bering entstanden war. Nicht jede Information hat jedem gefallen – es ist aber auch nicht unsere Aufgabe, immer nur gefallen zu wollen. Hinweise zu Hintergr√ľnden kamen dabei aus der Bev√∂lkerung und anderen Quellen, was unsere Arbeit deutlich unterst√ľtzt hat und uns beispielsweise auch die Exklusivmeldung brachte, dass der Veranstalter Bering ein Ballonfestival im Luisenpark veranstaltet.

Oder unser Bericht aus der vergangenen Woche zum Raub√ľberfall auf einen Ladenburger Gastronomen: Ohne die Unterst√ľtzung von „Informanten“ h√§tten wir diesen nicht in dieser exklusiven Form verfassen k√∂nnen.

Umfassende Informationen.

Diese gemeinsame Leistung lohnt sich vielfach: Sie, liebe Leserinnen und Leser, k√∂nnen sich gut und umfassend informiert f√ľhlen. Sicher – wir decken vielleicht noch nicht so viele Themenbereiche ab wie der Mannheimer Morgen, aber wir decken mehr auf, schreiben nicht immer dieselben Jubelartikel, blicken kritisch auf die Themen und setzen immer wieder das Tagesthema. Und das, obwohl wir erst seit Februar 2010 berichten, den MM gibt es seit 1949.

Was uns sehr freut: Wir erreichen √ľber Facebook und Twitter auch viele junge Menschen, eine Gruppe, die die Zeitungen l√§ngst verloren hat.

Anfeindungen und souverände Haltungen.

Die Anfeindungen, die wir wegen unserer Berichte manchmal erleben m√ľssen, sind teils massiv. Es wird „dummes Zeug“ erz√§hlt, beispielsweise ging in Heddesheim das Ger√ľcht um, wir w√ľrden einen Anzeigenkunden mit kompromittierenden Fotos erpressen, damit dieser bei uns wirbt. Die Wahrheit ist eine andere. Uns sind F√§lle bekannt, bei den Werbekunden unter Druck gesetzt wurden, nicht mehr bei uns zu werden. Uns wird unterstellt, wir w√ľrden Informationen manipulieren oder falsch berichten – Geschw√§tz, dass von „interessierten Kreisen“ verbreitet wird, die wir durch unsere Arbeit st√∂ren.

Der Heddesheimer B√ľrgermeister Michael Kessler ist dar√ľber so verst√∂rt, dass er uns keinerlei Interview gew√§hrt und seinen Mitarbeitern einen Maulkorb verpasst hat. Wenn wir bei der Gemeinde recherchieren wollen, haben wir genau einen Ansprechpartner, die email-Adresse gemeinde@heddesheim.de.

Das ist nat√ľrlich vollst√§ndig absurd. Der Ladenburger B√ľrgermeister Rainer Ziegler und sein Hirschberger Kollege Manuel Just zeigen sich dagegen sehr souver√§n, halten Kritik aus und unterst√ľtzen unsere Arbeit, wie man das erwarten darf. Kontakte zu Gemeindemitarbeitern sind jederzeit m√∂glich und werden von uns auch genutzt.

Werbepartner.

Die finanzielle Grundlage f√ľr unsere Arbeit ist zum Teil die Werbung. Auch hier m√ľssen wir noch √úberzeugungsarbeit leisten, weil viele lokale und regionale Unternehmen bislang bei Werbetr√§gern ausschlie√ülich an Printwerbung denken. Die vielf√§ltigeren M√∂glichkeiten einer Werbung, die auch die begehrten Zielgruppen im Internet erreicht, sind noch nicht bislang h√∂chstens ausreichend verstanden worden.

Wir sind aber sicher, dass der Umdenkungsprozess schnell vorangeht, den die Werbung folgt der Aufmerksamkeit. Zudem bieten wir viel g√ľnstigere Konditionen und bessere Bedingungen im Vergleich zu den saftigen Preisen einer Tageszeitung.

A propos lokale Wirtschaft: Auch diese begleiten wir wohlwollend kritisch, werden dabei aber unter Umst√§nden falsch verstanden, weil man mit Kritik nicht umgehen kann. Als der Bund der Selbstst√§ndigen bekannt machte, dass die Mehrheit der beteiligten Unternehmen an einem verkaufsoffenen Sonntag sehr zufrieden war, hat der MM das auch so aufgeschrieben. Wir haben bei allen √ľber 20 beteiligten Firmen nachgefragt und herausgefunden, dass die „Zufriedenheit“ nach Schulnoten bei 2,3 lag. Das ist nicht „sehr gut“, sondern eine 2-.

Warum machen wir das? Um jemanden zu √§rgern? Wohl kaum. Wir √ľberpr√ľfen einfach Aussagen. W√§re eine 1+ rausgekommen, h√§tten wir auch das ver√∂ffentlicht. So ist unsere Recherche nicht kritisch im Sinne von „b√∂se, b√∂se“, sondern transparent und kann einen guten Hinweis geben, dass es eben doch keine so gro√üe Zufriedenheit gibt. Und bevor sich das in eine gro√üe Unzufriedenheit verwandelt, hat man die M√∂glichkeit, an den Konzepten zu feilen, um sie zu verbessern. So verstanden, hilft Kritik in fast allen Lebenslagen. Man muss nur bereit daf√ľr sein.

Je mehr Kritik Рumso bessere Lösungen.

Auch wir sind bereit f√ľr Kritik – von Ihnen. Schreiben Sie uns an redaktion(at)ladenburgblog.de zu welchen Themen Sie mehr Berichte von uns erwarten, schreiben Sie uns Ideen, wie Sie sich einbringen k√∂nnen, schreiben Sie uns, was Ihnen nicht gef√§llt. Wir versuchen unser Angebot fortlaufend zu verbessern, um das beste an Journalismus zu bieten, was m√∂glich ist.

Der Journalismus wird sich √§ndern m√ľssen. Er ist nur noch ein Teil, wenn auch ein wichtiger, der √∂ffentlichen Kommunikation. Unsere Redaktion ist darauf eingestellt. Wir gehen vor Ort zu den Menschen, aber sind auch da, wo die Menschen im Internet sind.

Als professionelle „Informationsarbeiter“ bieten wir verl√§ssliche Informationen an und filtern aus allen zug√§nglichen Quellen relevante oder auch unterhaltende Informationen. Und so, wie sich beispielsweise KommentatorInnen bei uns einbringen, kommentieren unsere Mitarbeiter auf anderen Seiten Ereignisse und Berichte als „BesucherInnen“.

Der zuk√ľnftige Journalismus ist Teil eines gro√üen Netzwerkes und das ist gut so. Machen Sie mit. Es lohnt sich. ūüôā

√úber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr√ľndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr√§ts und Reportagen oder macht investigative St√ľcke.