Montag, 17. Dezember 2018

Rino – schade, dass es so kommen muss

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Rino Galiano: Ist er die "Voice of Germany" - und wenn ja - hÀlt er das aus?

 

Ladenburg, 08. Dezember 2011. (red) In der auf Sat.1 und Prosieben gezeigten Show „Voice of Germany“ werden angebliche „Talente“ vorgestellt. TatsĂ€chlich muss man aber den Eindruck haben, dass „Überraschungen“ keine sind, sondern gezielt bekannte Musiker als „unbekannte SĂ€nger“ vorgestellt werden. Einer ist Rino Galiano aus Mannheim – ein ungewöhnlicher Mensch, der beim besten Willen keine „Voice of Germany“ ist, sondern ein sympathischer SĂ€nger. Die Zeitungen berichten unseriös, spielen das Spiel mit. Es geht schließlich um Quote und Auflage. Das ist schade, denn es sollte eigentlich um (Musik)-Kultur gehen. Um den Menschen. Es geht aber ums GeschĂ€ft.

Von Hardy Prothmann

Ich kenne Rino Galiano nicht wirklich gut. Aber ich habe viele EindrĂŒcke von ihm, weil ich ihn viele Male im Ladenburger Fody’s gesehen und gehört habe. Und wir haben uns ab und an ein wenig unterhalten. Auf deutsch, auf „monnemerisch“ und auf italienisch. Rino beherrscht diese Sprachen perfekt.

Denn Rino ist Italiener, in Deutschland aufgewachsen und dazu noch in der spannenden Stadt Mannheim. Er kann wahlweise hochdeutsch, „monnemerisch“ und italienisch. Und er hat Humor.

Was „Voice of Germany“ bietet, ist eine Inszenierung. Was sonst. Es ist Privatfernsehen, es geht um Quote und Kohle und Xavier Naidoo, der Sohn Mannheims, ist „fett“ dabei. Kann es sein, dass er Rino nicht kennt? Normalerweise kennt man sich in der Region und weiß, wer was kann oder nicht. Im Fernsehen wird „Überraschung“ geheuchelt.

Die Wurzeln

Die umtriebige Schauspielerin und SĂ€ngerin Susan Horn veranstaltet seit langem „Mo’Roots“ („meine Wurzeln“) im Landenburger Fody’s. Sie schafft regelmĂ€ĂŸig jeden ersten Dienstag im Monat Musiker herbei, die ĂŒberwiegend soulige Musik auffĂŒhren. Ein tolles, spannendes Projekt. Der Eintritt von drei Euro kommt dem Kinderhospiz Sterntaler zugute.

Der verantwortliche Gastronom zahlt die Musiker mĂ€ĂŸig – schließlich bietet er eine BĂŒhne, muss kalkulieren und „Charity“ passt ins Marketing-Konzept. Business as usual – wie immer.

Einer dieser Musiker ist Jason Wright – ein Keyboard-Spieler und Talente-Scout. Der EnglĂ€nder ist so eine Art „Godfather“ fĂŒr viele Musiker in der Region. Auch Xavier Naidoo. Ich kann mich noch gut erinnern, wie Xavier Naidoo als Gastmusiker in der Heidelberger Nachtschicht bei Jason ein, zwei Gastauftritte haben durfte.

Das ist lange her. Mittlerweile ist Xavier der Star – Jason ist aber immer noch der leidenschaftliche Musiker.

Wright Thing

Leidenschaftlich - Rino Galiano.

Wright förderte schon viele Talente. „The Wright Thing“ ist seine Marke und der Mann steht fĂŒr eine nicht zĂ€hlbare Zahl von ergreifenden Live-Konzerten mit jungen Talenten – lange bevor es „The Voice of Germany“, „Supertalent“ oder andere inszenierte Pseudo-Shows gegeben hat.

Keine Ahnung, wieso die Show nicht Jason Wright heißt. Vielleicht mag der Mann einfach zu sehr die Musik, die AtmosphĂ€re, die Spannung, den Moment und nicht so sehr den großen Auftritt. Oder die Kommerz-Maschine.

Anders Xavier Naidoo, ĂŒber den ich Anfang der 90-er Jahre bereits in Zusammenhang mit einem Chor-Projekt geschrieben habe. Seine Stimme ist großartig – seine AttitĂŒde hat mir nie gefallen. Sie geht nicht an mich ran.

Die Musik der „Söhne“ ist erfolgreich. Ebenso wie Dieter Bohlen mit Blue System oder wie auch immer die jeweilige Marketing-Maschine genannt worden ist. Und wie Bohlen versucht nun auch Naidoo das große GeschĂ€ft zu machen.

Grottenschlechte Show

Rino tut mir dabei ein wenig leid. Denn der zierliche SĂ€nger ist meiner Meinung nach nicht geeignet fĂŒr dieses „GeschĂ€ft“ der Inszenierung. WĂ€re er das, hĂ€tte er niemals dieses Interview gefĂŒhrt und schon gar nicht einer Veröffentlichung zugestimmt. Sich so schlecht zu prĂ€sentieren oder prĂ€sentieren zu lassen darf einfach nicht sein, wenn man ein „Star“ sein will.

Vermutlich wollte er nur nett sein und hat irgendjemandem ein Interview gegeben, der fĂŒr Fody’s eine grottenschlechte „Blogseite“ macht. Wer „groß“ rauskommen will, muss Sorge dafĂŒr tragen, dass es solch einen Trash einfach nicht gibt.

Solche Patzer gehören nicht zur Inszenierung. Sie können durchaus schÀdlich sein. (Rino ab 2:40)

Die SĂŒddeutsche Zeitung hat das Show-Konzept schon kritisiert (Kuschel-Casting mit MerkwĂŒrdigkeiten), der „Rolling Stone“ hat es vernichtend kritisiert – was, wenn nun auch noch solche „Trash-Videos“ von der Bild entdeckt werden?

Das Show-Business ist ein hartes.

Voice, Chance, Schicksal

Ich wĂŒnsche Rino viel Erfolg und vor allem GlĂŒck. Vermutlich weiß er noch nicht, was ihm bevorsteht. Ich hoffe, dass er alles was kommt, gut durchsteht.

Aber ich finde es sehr, sehr schade, dass die Show so laufen muss, als sei Rino ein „unentdecktes Talent“ – der Mann ist im Show-Business und keineswegs ein PrivatsĂ€nger.

Wer sich selbst vernichten will, lÀsst sich im Gang interviewen.

Deswegen unterstĂŒtze ich redaktionell auch nicht diese PR-LĂŒgenmaschine, sondern berichte kritisch und hintergrĂŒndig.

FĂŒr Rino Galiano ist „Voice of Germany“ vordergrĂŒndig eine große Chance. Man darf nur hoffen, dass ihn die Chance nicht verspeist.

Denn er ist echt ein netter Kerl und ein toller SĂ€nger. Ich wĂŒnsche ihm eine tolle Karriere, wunderbare Konzerte, aber keine „Klo-Gang-AtmosphĂ€ren-Interviews“ und keine Marketing-Maschine.

Dieser SĂ€nger hat das Zeug, mit seiner Stimme vor Ort, vor den Menschen zu ĂŒberzeugen. Leider hat er sich auf „Big-Business“ eingelassen und das wird ihm nicht gut tun.

FĂŒr das „Germany“-GeschĂ€ft halte ich ihn nicht fĂŒr skrupellos genug. Und das meine ich als Kompliment. 😉

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.