Freitag, 23. Februar 2018

Der Jugendgemeinderat ├╝ber einen Bolzplatz und Stolpersteine

Ein engagiertes Gremium ohne Publikum

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Ladenburg, 08. April 2014. (red/ms) In der vergangenen Woche hat der Ladenburger Jugendgemeinderat seine erste Sitzung im Jahr 2014 abgehalten. Themen waren unter anderem die Zukunft der 37 Stolpersteine und ein geplanter Bolzplatz in der Weststadt – allerdings gab es keinen einzigen jugendlichen Besucher in der Sitzung. Das ist ein bekanntes Problem und schade: Denn die Arbeit, die das Gremium leistet, ist gut und engagiert.

Von Minh Schredle

Im Publikum sitzen ein ehemaliger und zwei aktuelle Stadtr├Ąte. Und der ehemalige Rektor des Carl-Benz-Gymnasiums, Heinz Ginder – aber kein einziger Jugendlicher. Das ist bedauerlich, zumal das Gremium unter der Leitung von Sophian Habel in der ersten Sitzung diesen Jahres neue Werbemittel vorstellte: Zu den bekannten Stickern kamen neue T-Shirts f├╝r die Ratsmitglieder, Werbekulis und┬á Flyer mit der Aufschrift „aufmischen, mitgestalten, durchziehen“. Scheinbar verlief die Eigenwerbung bislang noch nicht allzu effektiv.

 

Jugendgemeinderat Ladenburg Flyer

Die aktuellen Flyer des Jugendgemeinderats entstanden in Zusammenarbeit mit dem Bauhof. Das junge Gremium ist auch bei Facebook aktiv.

 

Dabei gibt es von Gro├čem zu berichten: Beispeilsweise zum heruntergekommenen Bolzplatz in der Weststadt. Viele Jugendliche in der Stadt w├╝nschen sich, dass hier etwas unternommen wird. Dank des Engagements des Jugendgemeinderats wird nun etwas getan: Wie zahlreiche andere Kommunen im Umkreis hat sich auch Ladenburg bei dem Projekt „alla hopp“ der Dietmar Hopp-Stiftung beworben – allerdings ohne Erfolg.

Bald ein guter Bolzplatz in der Weststadt?

Gemeinden, die in das Projekt mitaufgenommen werden, erhalten einen Zuschuss in H├Âhe von zwei Millionen Euro, um eine Bewegungs- und Begegnugnsst├Ątte zu errichten. Allerdings m├╝ssen auch Eigenkosten getragen werden. Ladenburg h├Ątte sich laut dem Stadtrat Alexander Spangenberg (GLL) mit etwa 20.000 Euro beteiligen m├╝ssen.

Auf Antrag des Jugendgemeinderats wurden dieser Betrag in den kommenden beiden Jahren im Haushalt eingeplant, um die Sanierung des Bolzplatzes anzugehen. Die genaue Gestaltung sei noch unklar, hei├čt es von Sophian Habel. Man wolle sich mit vielen Leuten zusammensetzen, um ein gelungenes Konzept auszuarbeiten.

Was geschieht mit den Stolpersteinen?

Bis vor Kurzem hat der Jugendgemeinderat die Schirmherrschaft f├╝r die 37 so genannten Stolpersteine ├╝bernommen: Dabei handelt es sich um Gedenksteine f├╝r Juden, die Opfer des Nationalsozialismus in Ladenburg geworden waren.

Die Steine sind über das Stadtgebiet verteilt. Um  sie in einem guten Zustand zu erhalten, gab es eine Kooperation zwischen dem Rathaus und den Schulen: Geschichtslehrer der neunten Klassen wurden gebeten, mit ihren Schülern Ausflüge zu unternehmen. Dabei sollten die Jugendlichen etwas über die dunkle Ortsgeschichte lernen und die Steine Instand halten.

„Keine Schirmherrschaft f├╝r ein Projekt, das nicht l├Ąuft“

Anfangs habe das Projekt noch gut funktioniert, sagte Sophian Habel. Allerdings k├╝mmere sich mittlerweile kaum noch jemand um die Steine. Wegen „mangelhaftem Engagement“ ├╝bte er auch Kritik an den Schulen:

Wir waren oft genug vor Ort da und haben mit Regelm├Ą├čigkeit die entsprechenden Lehrer dazu aufgerufen, das Projekt ernstzunehmen. Es hie├č auch immer, man w├╝rde sich darum bem├╝hen. Aber geschehen ist dann eben nichts. Es gab auch keine Anregungen oder Kritik, was wir besser machen k├Ânnten.

Der Jugendgemeinderat habe sich lediglich als Vermittler zwischen den Schulen und Ingrid Wagner gesehen. Frau Wagner ist die Vorsitzende des Arbeitskreises „J├╝dische Geschichte Ladenburgs“ und hatte die Idee zu der Kooperation. Sophian Habel sagte, man wolle keine Schirmherrschaft ├╝bernehmen f├╝r ein Projekt, das nicht l├Ąuft. Daher habe man sie aufgegeben.

Frau Wagner war selbst in der Sitzung anwesend und bedauerte es, dass das Projekt so „eingeschlafen“ sei. Sophian Habel entgegnete, man habe es noch nicht ganz aufgegeben. Allerdings m├╝sse man wohl nach einem anderen Weg suchen, da der alte offenbar nicht funktioniert.

N├Ąchste Sitzung im Jugendzentrum?

Im Jugendzentrum „Kiste“ stehen die Arbeiten kurz vor der Vollendung. Dort gibt es einen Raum nur f├╝r den Jugendgemeinderat, in dem k├╝nftige Sitzungen des Gremiums stattfinden werden. Francesco Iacono ist der Finanzreferent des Jugendgemeinderats. Er sagte dazu:

Eigentlich ist alles fertig. Die Baustelle muss aber noch von jemandem abgenommen werden. Hoffentlich wird schon unsere n├Ąchste Sitzung im Jugendzentrum sein.

Vielleicht gelingt es, die Er├Âffnung und Einweihung des neuen Sitzungsraum gut zu kommunizieren und auch ein paar Jugendliche anzulocken.

├ťber Minh Schredle

Minh Schredle (22) hat 2013 als Praktikant bei uns angefangen und war seitdem freier Mitarbeiter. Von Dezember 2014 bis August 2016 hat er volontiert. Ab September 2016 ist er freier Mitarbeiter bei uns.